Vorstandsbericht vor Mitgliederversammlung
Jakubowski fordert EKD-Pfarrvertretungsgesetz

Bad Herrenalb (cf), 23.9.2013. In seinem Vorstandsbericht vor der Mitgliederversammlung des Verbandes evangelischer Pfarrerinnen und Pfarrer in Deutschland e.V. am 23.9.2013 in Bad Herrenalb hat der Vorsitzende des Verbandes, Pfarrer Thomas Jakubowski (Schifferstadt), die Verabschiedung eines EKD-Pfarrvertretungsgesetzes durch die Evangelische Kirche in Deutschland gefordert. Der Verband habe sich zwar im vergangenen Jahr mit den Vertretern der Pfarrvertretungen in den Landeskirchen über ein Verfahren verständigt, wie in Zukunft Stellungnahmen der Pfarrerinnen und Pfarrer zu EKD-Gesetzen erarbeitet und vorgebracht werden können.

Auch sei nach einem Gespräch zwischen dem Verbandsvorsitzenden und dem Ratsvorsitzenden der EKD, Nikolaus Schneider, seitens der EKD schriftlich bestätigt worden, dass der Verband bei Stellungnahmen wie eine Landeskirche behandelt werde. Allerdings gehe diese Erklärung dem Verband noch nicht weit genug. "Der Vorstand und die Fuldaer Runde fordern nach wie vor ein Kirchengesetz zu einer EKD-Pfarrvertretung", sagte Jakubowski vor der Mitgliederversammlung. (Bei der Fuldaer Runde treffen sich regelmäßig die Vorsitzenden der Pfarrvertretungen mit den Vereinsvorsitzenden)

Rückschritt: Verband bei EKD-Pfarrbesoldungsgesetz nicht beteiligt

Als Rückschritt bezeichnete es Jakubowski, dass der Verband trotz vieler Anfragen und Proteste bei den Beratungen zur Erarbeitung einer EKD-Pfarrbesoldung nicht zugelassen wurde. Die Pfarrbesoldung sei ein klassisches Pfarrvertretungsthema und es wäre "gut und richtig gewesen" den Verband zu beteiligen, so der Vorsitzende in Bad Herrenalb. Gleichwohl sei die Idee eines solchen Gesetzes zu begrüßen, so Jakubowski weiter, da die Ostkirchen schneller auf die "Westkirchenbesoldung" zugehen würden und auch der Wechsel zwischen den Landeskirchen leichter möglich werde. Allerdings dürfe im Zweifelsfall keine Angleichung an das untere Besoldungsniveau vorgenommen werden, das keinen Inflationsausgleich vorsehe. Da die neuen Besoldungsgesetze des Bundes und der Länder im Entwurf des EKD-Pfarrbesoldungsgesetzes ohne die Passagen der Leistungsanreize, Prämien und Zulagen übernommen wurden, wies der Vorsitzende darauf hin, dass es sich insgesamt um eine "Minderung des allgemeinen Besoldungsniveaus" handelt, da der Leistungsanreiz fehle.

Plädoyer für öffentlich-rechtlichen Dienst / Sonst drohen Arbeitskämpfe

Jakubowski plädierte für eine angemessene Pfarrbesoldung nach A 14. "Es geht dabei sowohl um ein angemessenes Einkommen, als auch um ein ausgewogenes Gehaltsgefüge in den kirchlichen Ämtern". Auch die akademische Ausbildung müsse eine Grundvoraussetzung für den Pfarrberuf bleiben. Der Vorsitzende kritisierte demgegenüber vereinzelte Stimmen in den Landeskirchen, "die den öffentlich-rechtlichen Dienst mit Besoldung, Versorgung und Beihilfe in Frage stellen". Solche Stimmen liefen allen Werbemaßnahmen für den Pfarrberuf zuwider. Es gebe zudem ausreichend Belege, dass die Pfarrerinnen und Pfarrer in einem öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnis deutlich günstiger seien als im privatrechtlichen Vertragsverhältnis. "Die Beibehaltung der Dienststellung auf Gesetzesbasis ist wesentlich, wichtig und richtig", so Jakubowski in Bad Herrenalb. Sobald die Besoldung nicht mehr per Kirchengesetz festgelegt wäre, müssten Tarifgespräche stattfinden, so Jakubowski weiter. "Dann wären Streik und Arbeitskampf ein normales Mittel der Auseinandersetzung in der Kirche, ausgetragen in der Öffentlichkeit", so der Vorsitzende weiter.

Für Dienstauftrag - gegen Dienstvorgesetze / Reformen ermüden

Deutlich kritisierte der Vorsitzende, dass in mehreren Landeskirchen von "Dienstvorgesetzten" von Pfarrerinnen und Pfarrern gesprochen werde. Pfarrerinnen und Pfarrer dienten aber nicht einem "Vorgesetzten", sondern hätten einen Dienstauftrag, der sich einzig und allein von Jesus Christus und der Botschaft der Heiligen Schrift herleite, sagte Jakubowski. "Diese Position ist grundsätzlich und nicht verhandelbar", betonte der Vorsitzende vor den Delegierten der Vereine.

Zu den Reformbestrebungen in vielen Kirchen sagte Jakubowski, viele Reformen und Veränderungen wirkten auf die Pfarrerinnen und Pfarrer demotivierend und ermüdend. "Wenn Pfarrstellen ständig in Größe, Umfang oder ganz zur Disposition stehen, hat das unmittelbar Wirkung auf das Selbstverständnis der Pfarrerinnen und Pfarrer in ihrem Dienst und in ihrer Persönlichkeit", beklagte der Vorsitzende. Wenn ständig neue Vorschriften und Verordnungen erlassen würden, bevor die alten überhaupt angekommen seien, falle es zunehmend schwer, solche Veränderungen ernst zu nehmen, geschweige denn ihnen zu folgen, sagte Jakubowski.

Seelsorge online? / Warnung vor Datenmissbrauch und Sucht

Positiv würdigte Jakubowski die Möglichkeiten, die sich aufgrund der neuen Kommentarfunktionen im Internet auch für den Verband und seine Publikationen auf pfarrverband.de ergeben. Allerdings warnte er zugleich vor dem leichtfertigen Umgang mit elektronischen Informationen zum Beispiel mit seelsorgerlichem und persönlichem Inhalt. "Die Chance von Kirche sowie Pfarrerinnen und Pfarrern liegt in der Unantastbarkeit von Beichte und Seelsorge", betonte Jakubowski. Wenn alles ins Netz gestellt werde, sei kein Schutz des Seelsorgegeheimnisses mehr gegeben. Auch für Pfarrerinnen und Pfarrer könne der permanente Austausch von E-Mails und anderen Diensten zudem zur Sucht werden.

Evangelische Partnerhilfe: Sinkendes Spendenaufkommen

In seinem Bericht würdigte Jakubowski auch die Arbeit der Evangelischen Partnerhilfe, die seit über 20 Jahren Pfarrerinnen und Pfarrer sowie kirchliche Mitarbeitende und deren Familien in protestantischen Minderheitskirchen in Mittel- und Osteuropa wirksam und ohne großen bürokratischen Aufwand direkt von Mensch zu Mensch unterstützt. Zum Kreis der Trägerorganisationen gehört von Anfang an der Deutsche Pfarrerverband. Zur aktuellen Situation erläuterte Jakubowski, dass trotz sinkender Spenden noch immer mit 1,6 Mio Euro geholfen werden konnte. Er rief zur verstärkten Werbung für Spenden auf. "Die Partner in Mittel- und Osteuropa brauchen unsere Solidarität", so Jakubowski in Bad Herrenalb.

73. Deutscher Pfarrerinnen und Pfarrertag 2014 in Worms

Abschließend lud Jakubowski alle Pfarrerinnen und Pfarrer in den Vereinen zum 73. Deutschen Pfarrerinnen und Pfarrertag 2014 nach Worms ein. Am 22. und 23. September 2014 tagt dort der Pfarrertag unter dem Motto: "Hier stehe ich und kann nicht anders!" Manchmal musst Du nein sagen! In Worms soll den Teilnehmerinnen und Teilnehmern ein Forum eröffnet werden, die Probleme des Berufsalltags zu diskutieren, sich gegenseitig zu ermutigen und zu stärken, so der Vorsitzende.

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Lesen Sie hier den Bericht von Pfarrer Thomas Jakubowski im Wortlaut:

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