Weber wirbt für vertrauensvolle Zusammenarbeit von Kirchenleitungen und Pfarrervertretungen

Der Vorsitzende des Verbandes, Pfarrer Klaus Weber, stellte in seinem Bericht ein wachsendes Interesse am Pfarrerberuf fest. (Foto: Christian Schauderna) Bildunterschrift: Der Vorsitzende des Verbandes, Pfarrer Klaus Weber, stellte in seinem Bericht ein wachsendes Interesse am Pfarrerberuf fest. (Foto: Christian Schauderna)

Speyer. In seinem Vorstandsbericht vor der Mitgliederversammlung des Verbandes evangelischer Pfarrerinnen und Pfarrer in Deutschland e.V. am 22.9.2008 in Speyer stellte der Vorsitzende des Verbandes, Pfarrer Klaus Weber (Altenkunstadt), die Lage der Pfarrerinnen und Pfarrer in Deutschland und die Aufgaben des Verbandes der Vereine evangelischer Pfarrerinnen und Pfarrer in Deutschland in den Mittelpunkt.

Positive Zukunft des Pfarrberufs / Kritik an Landeskirchen

Ein wachsendes Interesse am Pfarrerberuf, gerade unter Frauen, stellte Weber mit Verweis auf statistische Erhebungen fest. Pfarrerinnen seien eine große Bereicherung und „aus unseren Kirchen nicht mehr wegzudenken“, so Weber. Ab 2012 sei wegen der steigenden Zahl der Ruhestandsversetzungen auch mit einer Entspannung der Personalsituation zu rechnen. Allerdings kritisierte der Vorsitzende, dass innerhalb der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) immer noch keine gemeinsame Personalpolitik erkennbar sei und es wenige Wechselmöglichkeiten sowie Auf- und Übernahmen zwischen den Landeskirchen gebe.

Schwierig sei die Frage zu beantworten, welche Rolle Pfarrerinnen und Pfarrer in der kirchlichen Arbeit zukünftig spielen werden. Zwar würden in zahlreichen Stellungnahmen gefordert, die Amtsträger sollten sich im Schwerpunkt um Gottesdienst, Seelsorge sowie Amtshandlungen wie Taufe, Trauung und Bestattung kümmern, der Alltag sehe jedoch anders aus, so Weber. Hier belegten Untersuchungen, dass lediglich 57 Prozent der Arbeitszeit diesem Kernbereich zur Verfügung stehen. Daher falle es vielen Kolleginnen und Kollegen zunehmend schwer, die Prioritäten für die Arbeit zu setzen. Es werde schwieriger zu unterscheiden, was man als Erstes und Wichtigstes zu tun hat und was man aus gutem Grund nicht zu tun hat.

Disziplinargesetz der EKD – Pfarrerverband legt Stellungnahme vor

Weber warb in Speyer für ein offenes und vertrauensvolles Miteinander von Kirchenleitungen und Pfarrervertretungen in Landeskirchen und in der EKD. Als Erfolg wertete er, dass der Verband bei neuen Gesetzesvorhaben der EKD, wie dem Disziplinargesetz und dem geplanten Pfarrergesetz, erstmals als Pfarrervertretung der EKD tätig geworden sei. Ausdrücklich „hat die Kirchenkonferenz bereits 2007 beschlossen, den Verband der Pfarrervereine als den einzigen Berufsverband der Pfarrerinnen und Pfarrer in Deutschland an dem Gesetzgebungsverfahren zu beteiligen“, so Weber. Da die Stellungnahmen des Verbandes mit allen Pfarrervertretungen in den Landeskirchen abgestimmt seien, hätten sie eine „überzeugende und eindrucksvolle Legitimation“, betonte Weber.

In seiner Stellungnahme begrüßt der Verband den Entwurf eines einheitlichen Disziplinargesetzes in der EKD. Es sei auch richtig, sich am staatlichen Gesetz zu orientieren. Allerdings sollten strengere Regelungen des kirchlichen Disziplinargesetzes im Vergleich zum staatlichen Gesetz zurück genommen werden. Auch eine Reihe sinnvoller Erweiterungen schlägt der Verband vor (z.B. die Möglichkeit ein Disziplinarverfahren gegen sich selbst zu beantragen, um Beschuldigungen gegen die eigene Person selbst klären zu lassen).

Forderung: EKD muss Pfarrervertretungsgesetz schaffen

Weber bezeichnete die Anhörung des Verbandes innerhalb des Beratungsprozesses zum Disziplinargesetz als „ersten Schritt auf dem Weg zu einer geordneten Pfarrervertretung auf der Ebene der EKD“. Die Grundlagen müssten aber für die Zukunft noch genau festgelegt werden. „Zu einem Pfarrergesetz der EKD gehört auch folgerichtig ein Pfarrervertretungsgesetz. Wir werden nicht nachlassen, den Rat der EKD an seine Richtlinien für die Arbeit der Pfarrervertretungen von 1997 immer wieder zu erinnern. Was für die Gliedkirchen vorgeschlagen wird, muss ebenso auf EKD-Ebene gelten“, forderte Weber vor der Mitgliederversammlung.

„Mobbing“, „Nichtgedeihlichkeit“ und die Frage der Fürsorgepflicht

Besorgt zeigte sich Weber angesichts der steigenden Zahl von Pfarrerinnen und Pfarrer, die bei Initiativen und im Verband Hilfe suchten, weil sie sich als Opfer von „Mobbing“ fühlten. Häufig beklagten die Kolleginnen und Kollegen unberechtigte Vorwürfe aus dem Kirchenvorstand und mangelnde Unterstützung ihrer Vorgesetzten. Weber kritisierte in diesem Zusammenhang, dass sich manche Dekaninnen und Dekane bei Konflikten in einer Gemeinde „sehr schnell auf die Seite des Kirchenvorstandes stellen, um eine Eskalation zu vermeiden.“ Die Fürsorgepflicht der Kirche sei bei Konfliktsituationen wenig ausgeprägt. Weber forderte die Kirchenleitungen zu Überlegungen auf, „wie die Fürsorgepflicht der Kirche gegenüber ihren Pfarrerinnen und Pfarrer in Zukunft bei Verdacht auf Mobbing und in Konfliktsituationen in der Gemeinde besser umgesetzt werden kann.“

Besorgnis über Auswahlverfahren in der Evangelischen Kirche im Rheinland

Besorgt äußerte sich Weber über die von der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR) erlassenen Richtlinien für ein „Zentrales Auswahlverfahren für Pfarrerinnen und Pfarrer im Wartestand und für aus der Pfarrstelle abberufene“. Der Verband habe ein Gutachten in Auftrag gegeben, das dieses Auswahlverfahren und die Frage der Legitimität von Warte- und Ruhestandsversetzungen geprüft hat. Das Gutachten komme zu dem Ergebnis, dass die Einführung des zentralen Auswahlverfahrens gegen die Kirchenordnung der Evangelischen Kirche im Rheinland verstoße und kirchenverfassungswidrig sei, so Weber. Die Regelungen verletzten auch die Grundsätze des Vertrauensschutzes, weil es an angemessenen Übergangsregelungen mangele. Der Verband versuche, in Gesprächen mit der Kirchenleitung der EKiR eine Verbesserung der jetzigen Situation zu erreichen: „Wir hoffen, dass ein Weg gefunden werden kann, der sowohl den betroffenen Pfarrerinnen und Pfarrern gerecht wird als auch das akute Personalproblem in der Evangelischen Kirche im Rheinland lösen hilft,“ sagte Weber.

Ausgebuchter Pfarrertag / Mitgliederversammlung 2009 in Dessau

Erfreut zeigte sich Weber über die große Resonanz des 70. Deutschen Pfarrerinnen- und Pfarrertages. Mit 700 Teilnehmerinnen und Teilnehmern seien alle Möglichkeiten ausgeschöpft und der Kongress ausgebucht. Die nächste Mitgliederversammlung ist für 2009 in Dessau geplant, der nächste Deutsche Pfarrerinnen- und Pfarrertag soll 2010 stattfinden.

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Vorstandsbericht