Weber: Klare Absage an weitere Gehaltskürzungen
"Pfarrstellenabbau geht an den Menschen vorbei"

Kloster Banz, 30.9.2003. In seinem Vorstandsbericht vor der Mitgliederversammlung des Verbandes evangelischer Pfarrerinnen und Pfarrer in Deutschland e.V. stellte der Vorsitzende des Verbandes, Pfarrer Klaus Weber, die Kürzungspläne der Landeskirchen und die aktuellen Probleme der Pfarrerinnen und Pfarrer in den Vordergrund. Scharf kritisierte der Vorsitzende den anhaltenden Stellenabbau in den Landeskirchen und die Gehaltskürzungen bei Pfarrerinnen und Pfarrern.

Lesen Sie eine Kurzfassung seines Berichts:

Kurzfassung des Vorstandsbericht von Pfarrer Klaus Weber

Zunächst stellte Weber in seinem Vorstandbericht zwei Meinungsumfragen vor: In der jüngsten Internetumfrage "Perspektive Deutschland 2002", die von McKinsey, T-online, ZDF und Stern initiiert wurde, gaben nur noch 11 Prozent der 365.000 Befragten an, sie hätten Vertrauen zur katholischen Kirche, 17 Prozent zur evangelischen Kirche, referierte der Vorsitzende. 12 Prozent bestätigten der katholischen Kirche gute Aufgabenerfüllung, 18 Prozent der evangelischen Kirche, so Weber.

Demgegenüber erhöhte sich das Ansehen der Pfarrerinnen und Pfarrer: In der "Allensbacher Berufsprestige-Skala" liegen die Pfarrerinnen und Pfarrer nach den Ärzten seit Jahren auf Platz Zwei und konnten sich im Jahr 2003 auf 39 Prozent verbessern. "Die Menschen haben und setzen Vertrauen in die Pfarrerinnen und Pfarrer. Das ist erfreulich, aber es stellt sie auch in eine große Verantwortung", so Weber vor der Mitgliederversammlung.

Pfarrstellenabbau geht an den Menschen vorbei

Um so unverständlicher sei es daher, dass viele Landeskirchen zur Sanierung der kirchlichen Finanzen in größerem Umfang Pfarrstellen abbauten. "Das geht an den Erwartungen und Bedürfnissen der Menschen vorbei", stellte Weber fest. Langfristig werde dies dazu führen, dass die Menschen auf ihrer Suche nach Sinn und Halt für ihr Leben "in die Hände von obskuren Sekten und Heilsversprechern geraten und der Kirche den Rücken kehren". Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im pastoralen Dienst seien neben dem Evangelium das "größte und wichtigste Potential in unseren Kirchen", betonte der Vorsitzende.

Klare Absage an weitere Gehaltskürzungen

Den Vorschlägen nach weiteren Gehaltskürzungen für Pfarrerinnen und Pfarrer erteilte der Vorsitzende eine klare Absage. Die Einkommensverhältnisse hätten sich in den letzten Jahren kontinuierlich verschlechtert, so Weber. Angesichts von verzögerten Gehaltsanpassungen, beachtlichen Kürzungen im Versorgungsbereich und bei der Krankheitsfürsorge, beim Weihnachts- und Urlaubsgeld, könne man nur mit dem Kopf schütteln, wenn man von einer mangelnden Opferbereitschaft evangelischer Pfarrer lese, sagte Weber. "Man kann nicht junge Menschen für den Pfarrberuf gewinnen, wenn man gleichzeitig die Gehälter kürzt, die Stellenpläne reduziert und das Berufsethos in Frage stellt, betonte Weber. Er forderte die Landeskirchen auf, nach neuen Finanzierungswegen zu suchen und neue Einnahmequellen zu erschließen.

Personalführung: Fördern und nicht reglementieren
 
Angesichts der hohen Belastungen im Pfarrdienst komme der Personalförderung in den nächsten Jahren eine große Bedeutung zu. Wichtige Instrumente seien hierbei die sog. "Jahresgespräche", die eine Kultur der Wertschätzung und der Kommunikation fördern könnten. Sie dürften allerdings nicht mit zuviel Bürokratie überfrachtet werden und den "Geruch der Reglementierung" bekommen. Wichtig sei, dass immer das Ganze der Gemeinde gesehen werde und nicht nur die einzelne Amtsperson. Weber sprach sich für eine Neubelebung der Gemeindevisitation aus, die die gesamte Gemeindearbeit in den Blick nehme. "Ob Jahresgespräch oder Visitation, nie darf es um eine reine Aufsichtsmaßnahme, sondern es muss immer um eine geschwisterliche Begleitung gehen", so Weber vor der Mitgliederversammlung.

Pfarrer zwischen "Burn-out" und "spiritueller Erneuerung"?
 
Erfreut zeigte sich der Vorsitzende über den Leitbildprozeß "Pfarrerinnen und Pfarrer in der Gemeinde", den der Verband 2002 zu einem vorläufigen Abschluss gebracht habe. Um die Arbeit am Leitbild weiter zu führen, sei eine Arbeitsgruppe mit der ständigen Überprüfung beauftragt und ein Forum zum Vergleich der unterschiedlichen Leitbilder in Landeskirchen und Verband durchgeführt worden. Dabei habe sich herausgestellt, dass viele Pfarrerinnen und Pfarrer sich mit zunehmenden Anforderungen und Belastungen konfrontiert sehen. Außerdem fühlten sich viele mit ihren Problemen von der Kirchenleitung allein gelassen. Ein hoher Prozentsatz der Pfarrerinnen und Pfarrer sei gefährdet, demnächst als "ausgebrannt" bezeichnet zu werden. Um dem entgegenzuwirken, forderte Weber dazu auf, sich auf die Grundlagen des Berufes zu konzentrieren, aber auch Freiräume zu schaffen für das Atem holen und das eigene spirituelle Leben.

Partnerhilfe für Minderheitenkirchen erfolgreich
 
Weber zog eine positive Bilanz der Hilfsaktion "Evangelische Partnerhilfe", die im vergangenen Jahr 10jähriges Jubiläum feierte. Im Jahr 2002 seien drei Mio. Euro Spendengelder für die Mitarbeiter in den Minderheitenkirchen in Ost- und Südeuropa eingegangen, sagte der Vorsitzende. Weber dankte allen Spenderinnen und Spendern und rief dazu auf, auch weiterhin der Evangelischen Partnerhilfe treu zu bleiben. Die Evangelische Partnerhilfe ist eine Hilfsaktion, bei der kirchliche Mitarbeiter monatlich einen Teil ihres Gehaltes abgeben, um Mitarbeiter in finanzschwächeren Kirchen zu unterstützen.

Deutscher Pfarrerinnen- und Pfarrertag 2004 in Magdeburg

Zum Abschluss seines Berichts lud Weber die Delegierten zum nächsten Deutschen Pfarrerinnen- und Pfarrertag ein, der vom 26.9. bis 29.9.2004 in Magdeburg stattfinden wird. Das Thema "Reformatorischer Auftrag in einer neuen Weltordnung" nehme aktuelle politische und religiöse Fragen auf. Als Referenten werden der bisherige Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen, Dr. Konrad Raiser, und die Staatsministerin im Auswärtigen Amt, Kerstin Müller, erwartet.

Christian Fischer, Pressereferat