Zum Reformationsjubiläum eine revidierte Lutherbibel
Treue gegenüber dem biblischen Text

Von: Christoph Kähler
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Eine Revision derjenigen Bibel, die in ihrem Wortlaut auf Martin Luther zurückgeht – ist das nicht ein Widerspruch in sich selbst? Christoph Kähler geht der Frage nach, was eine neue Ausgabe der Übersetzung bedeuten kann, die über Jahrhunderte Kirche und Kultur nicht nur in Deutschland, sondern in weiten Teilen Europas geprägt hat?


1. Ein klassischer Streit

Ein Neutestamentler und ein Oberkirchenrat kämpften öffentlich und unversöhnlich gegeneinander – auch über das Deutsche Pfarrerblatt.1 Beide waren Mitglieder einer Kommission der EKD, die nach dem Zweiten Weltkrieg eine Revision des NT in der Fassung der Lutherbibel von 1912 vornehmen sollte. Der eine, Hermann Strathmann, wollte das NT den exegetischen Erkenntnissen und der modernen Sprachentwicklung energisch anpassen. Der andere, Wolfgang Schanze aus Weimar, kämpfte um jeden Satz des überlieferten Wortlauts. Der erschrockene Bericht des Protokollanten notiert 1953: »Die etwas sture und wenig einfallsreiche Argumentation von Dr. Schanze reizte das sowieso schon mühsam gebändigte Temperament des Herrn Vorsitzenden derart, daß er Partei wurde und sich zu Zwischenbemerkungen hinreißen ließ, die von Verbalinjurien kaum zu unterscheiden waren.«2 Dem Rat der EKD blieb schließlich nichts anderes übrig, als die Kontrahenten zu trennen, die Kommission aufzulösen und eine neue zu bilden. Deren Leitung übernahm der Ratsvorsitzende Otto Dibelius selbst und sorgte dafür, dass die Arbeit schon 1956 abgeschlossen wurde – mit einem eher konservativen Ergebnis.

Dieses kurze Beispiel aus einer langen Geschichte der Durchsichten und Revisionen der Lutherbibel mag zeigen, wie sehr ein solches Vorhaben das eigene religiöse und theologische Selbstverständnis der Akteure berührt. Entscheidungen für oder gegen eine Veränderung haben stets mit der eigenen Biografie als Christ und Theologe, als Pfarrerin und als Professorin zu tun, umfassen Geschmacksurteile und berühren den eigenen Glauben und seinen Ausdruck. Neutrale Urteile sind auf einem solchen Feld nicht zu haben. Die Pole zwischen einer faktischen Neuübersetzung einerseits, die sich am »Urtext« oder am modernen Sprachempfinden orientiert, und einer möglichst umfangreichen Bewahrung des »Luthertextes« andererseits waren bereits im 19. Jh. bei der Erarbeitung der ersten kirchenamtlichen »Durchsicht« sichtbar geworden.3 Vergleichbare Auseinandersetzungen hat es m.W. bei jeder Revision der Lutherbibel gegeben. Anders würde es erst, wenn die Bibel nicht mehr als Urkunde des gelebten christlichen Glaubens gelesen würde. Dann aber gäbe es keinen Anlass für Revisionen, sondern nur noch historisch-museale Ausgaben.


2. Eine neue Lutherbibel?

Nun soll im Oktober 2016 wiederum eine revidierte Lutherbibel vorgestellt und den Gemeinden zum Gebrauch empfohlen werden. Doch ist eine neue Fassung der Bibel, die auf Martin Luthers Übersetzung zurückgeht, nicht ein Widerspruch in sich selbst? Die »Lutherbibel« steht ja für die Tradition der Lesungen im evangelischen Gottesdienst wie für die persönliche Bibellektüre; außerdem stellt sie einen wichtigen Teil unseres kulturellen Gedächtnisses dar. Dieses Erbe kann und soll man pflegen und bewahren, aber darf und kann man es wiederum verändern? So fragen mit Recht die, die ihre Lutherbibel gut kennen und schätzen, also jede Veränderung an ihr mit Argwohn beobachten. Sie haben gute Gründe, zur Vorsicht zu raten, denn allein die Vertrautheit von – noch immer – vielen Gemeindegliedern mit dem Wortlaut der biblischen Geschichten und Gebete ist ein hohes Gut und darf nicht leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden. Wenn sich evangelische Christen an biblische Formulierungen erinnern oder sie wiedererkennen, dann sind es die vertrauten Wendungen der Lutherbibel, aber kaum die oft sehr breiten, eher prosaischen Formulierungen neuerer Übersetzungen. Es hat Gründe, warum viele Menschen Texte wie Ps. 23 und die luk. Weihnachtsgeschichte bis heute wörtlich im Gedächtnis haben. Denn Luther war ein Sprachmeister, ja ein Dichter und hat die poetischen Vorlagen der hebräischen Bibel wie der ntl. Schriften kongenial ins Deutsche übertragen. Sätze wie »Da machte sich auf auch Joseph aus Galiläa …« oder »Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt …« sind durch ihre gleichlautenden Vokale so fest geprägt, dass jede Veränderung an ihnen eine Umdichtung erfordern würde. Wer wäre dazu in der Lage? Luthers Wortwahl, Wortschöpfungen und Satzmelodien lassen sich nicht beliebig verändern. Seine Übersetzung gibt einer bis heute prägenden und vorbildlichen Theologie die sprachliche Form. Mit ihr kann man nicht schalten und walten, ohne herbe Verluste zu riskieren. Was auf den ersten Blick als sprachliche Erleichterung erscheint, kann deswegen durchaus auch mit empfindlichen theologischen Verlusten einhergehen.

Dagegen erwarteten andere, die von dem Vorhaben hörten und für ihre Interviews nachfragten, wie selbstverständlich eine Bibel in moderner Sprache, aber nicht mehr mit dem altertümlichen und bisweilen schwer verständlichen Stil des Reformators. Nicht nur einmal wurde gefragt, ob nicht Luther heute ganz anders sprechen und formulieren würde als zu seiner Zeit. »Die Mutter im Hause, die Kinder auf der Gasse und der gemeine Mann auf dem Markt« sollten doch merken, dass man deutsch mit ihnen redet.

Nun gibt es Bibeln in heutigem Deutsch seit Jahrzehnten; der jüngste Versuch der Deutschen Bibelgesellschaft ist die BasisBibel, von der bis jetzt das NT und die Psalmen erschienen sind.4 Sie haben sich wie die Gute-Nachricht-Bibel für die Erstbegegnung mit biblischen Themen und Texten mehr oder weniger bewährt und nicht selten in ihrer relativ kurzen Lebensdauer bereits erhebliche Revisionen erfahren.5

Was aber kann eine neue Ausgabe der Übersetzung bedeuten, die auf die gemeinsamen Bemühungen einer Wittenberger Arbeitsgemeinschaft um Martin Luther zurückgeht und über Jahrhunderte Kirche und Kultur nicht nur in Deutschland, sondern in weiten Teilen Europas geprägt hat?


3. Die eine Lutherbibel und ihre steten Veränderungen

Eine erste Antwort auf solche Fragen ergibt sich aus der Geschichte dieser Übersetzung. Welches Stadium und welche Fassung meinen wir eigentlich, wenn wir von »der Lutherbibel« im Singular sprechen? Schon durch die kontinuierliche Arbeit des Reformators und seiner Mitarbeiter änderten sich Text und Bild bereits vom Septembertestament 1522 zum Dezembertestament desselben Jahres an einer Vielzahl von Stellen. Damit war aber kein Endstadium erreicht. Anders als in seinen sonstigen Schriften, die keine vermehrten und verbesserten Auflagen erfuhren, hat der Ausleger der Heiligen Schrift an diesem Lebenswerk bis zu seinem Tode verändert und verbessert. Insgesamt 15 voluminöse Bände umfasst die Abteilung Deutsche Bibel der Werkausgabe, weil z.T. vier Fassungen im synoptischen Druck für eine sorgfältige Darstellung nötig und zusätzliche Varianten im Apparat wiederzugeben waren. Anders gesagt: Seit Martin Luther in der Wittenberger Stadtkirche seine Predigttexte vor der gottesdienstlichen Gemeinde jeweils in deutscher Übersetzung vortrug, hat er immer wieder in neuen Anläufen versucht, sich dem altsprachlichen Wortlaut, dem Inhalt und dem Anspruch des biblischen Textes weiter zu nähern. Dabei haben ihn in vielen Sitzungen Philipp Melanchthon, Johannes Bugenhagen, Caspar Cruciger und andere unterstützt. Beratungsresistent war er in dieser Beziehung offensichtlich nicht.

Orthodoxe Protestanten sahen später ihre Aufgabe darin, den Luthertext letzter Hand von 1545 treu zu bewahren. Schon die posthum von Georg Rörer nach Luthers Tod 1546 eingepflegten Veränderungen galten ihnen als Verfälschung. Trotz dieser Kanonisierung der Lutherbibel hat jedoch die Sprachentwicklung Verleger und Drucker dazu bewogen, im Lauf der Jahrhunderte altertümliche Wendungen durch neueres Deutsch zu ersetzen. Nur Spezialisten wissen heute noch, was etwa »thürsten« in Röm. 15,17 bedeutet: dürfen. Aber ohne Urheberrecht und Einheitsinstanz blieben diese Korrekturen der mehr oder weniger willkürlichen Entscheidung einzelner Verlage überlassen. Im 19. Jh. waren auf diese Weise ca. elf verschiedene Versionen der Lutherbibel im Umlauf. So bedurfte es jahrzehntelanger Anstrengungen, um in einem zusammenwachsenden Deutschland eine einheitliche Lutherbibel herauszugeben. Nach einer längeren Debatte über Vorstufen lag diese schließlich 1892 als erste kirchenamtliche Fassung vor, auf die sich Bibelgesellschaften und Landeskirchen verständigt hatten. Doch schon wenige Jahre später zog diese Ausgabe mit ihrer altertümlichen Rechtschreibung wiederum Kritik auf sich, weil die Bibel auch als Schulbuch diente und weiterhin dienen sollte. Das sollte durch »falsche« Orthografie nicht gefährdet werden. So erreichte ein energischer Appell der sächsischen Bibelgesellschaft, dass sich schon 1912/13 die deutschen Landeskirchen und Bibelgesellschaften auf einen »neu durchgesehenen« Text der Lutherbibel einigten. Doch der Abstand zwischen Bibelsprache und gesprochenem Deutsch blieb und veranlasste bereits 1921 erste Überlegungen, diese Differenz so zu verringern, dass die eine evangelische Bibel weiterhin als »Schul-, Gemeinde-, Volks- und Kirchenbibel« im Gebrauch bleiben könne.

Diese verständlichen Bestrebungen, der Lutherbibel die Alleinstellung in allen kirchlichen Belangen zu sichern, führten zu weiteren Modernisierungen, die nach der Unterbrechung durch den Zweiten Weltkrieg ihren Höhepunkt zwischen 1960 und 1975 erreichten. Sie waren von dem redlichen Bemühen getragen, durch einen einheitlichen Bibeltext für alle Altersstufen die Memorierfähigkeit und Wiedererkennbarkeit des biblischen Textes in Form der Lutherbibel zu erhalten. Durch die befürchtete Vielstimmigkeit im deutschen Wortlaut sollte die Bibelkenntnis nicht weiter schwinden. Doch »Luthers Gute Nachricht« von 1975, wie das Ergebnis der Revision unter uns jüngeren Pfarrern damals genannt wurde, erlebte bald heftigste Kritik in Theologie und Öffentlichkeit. Denn in ihr war wirklich ein neues »sprachliches Kleid« und damit nicht selten ein anderes theologisches Verständnis unter dem Etikett »Lutherbibel« erschienen. Ob Mt. 28,20 mit der Wendung endet »Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende« oder wie 1975 »bis an das Ende der Welt« ist nicht gleichbedeutend. Die Wendung »der Welt Ende« betont das Wort »Welt« und lässt eine Zukunft Gottes über das Ende dieser Welt hinaus glauben und hoffen. »Bis an das Ende der Welt« klingt nüchtern wie »bis zum Schluss«. Das Schicksal dieses Versuchs war in der Öffentlichkeit besiegelt, als findige Journalisten auf Mt. 5,15 stießen. Dort wurde das Licht nicht mehr unter einen Scheffel, sondern unter den Eimer gestellt. Das Etikett »Eimer-Testament« haftete dem Versuch an und verstärkte die sachliche Kritik publizistisch erheblich. Darum erfolgte bald durch die EKD eine ausgleichende Rückrevision, die 1984 abgeschlossen wurde. Sie prägt bis heute den Bibeltext unserer Agenden und Lektionare und ist in den Gemeinden als »die Lutherbibel« im Gebrauch. Konnte man es nicht dabei belassen?


4. Die Gründe für eine erneute Revision

Muss man den deutschen Bibeltext wirklich verändern?, fragte auch der Rat der EKD, als er seit 2004 mehrfach gebeten wurde, eine Revision der Lutherbibel in Auftrag zu geben. Immerhin waren bereits 1999 kleinere Korrekturen an dem Text vorgenommen worden, der seit 1964 für das AT und seit 1984 für das NT eingeführt war. Die auffälligste Änderung ergab sich vor der Jahrtausendwende durch die weitgehende Tilgung der Vokabel »Weib« zugunsten von »Frau«, weil die massive Umwertung der alten Vokabel von einem neutralen Terminus zu einem Schimpfwort im heutigen Deutsch nicht mehr zu überhören war.6 Es war zunächst fraglich, ob und in welchem Ausmaß eine erneute »Durchsicht« angebracht, zu begründen und zu organisieren wäre. Darum beauftragte der Rat der EKD in einem ersten Schritt eine kleine Gruppe von Fachleuten mit einer stichprobenartigen Überprüfung der Lutherbibel in Schriften des AT und NT auf ihre Texttreue, also ihre philologische und exegetische Stimmigkeit. Dazu gehörten die Bücher Genesis, Psalmen, Jesaja und Proverbien bzw. das Johannesevangelium, der 1. Korintherbrief und der Hebräerbrief. Das Ergebnis wurde von einer Arbeitsgruppe, in der verschiedene Disziplinen vertreten waren, zusammengefasst und bewertet. Dabei waren für die Genesis 59 Stellen und für die Psalmen 180 Belege als fragwürdig aufgefallen. Vergleichbare Werte ergaben sich auch im NT. So riet die Arbeitsgruppe dem Rat der EKD im Jahr 2008 dringend, um der Treue zum biblischen Text willen eine durchgehende Überprüfung und stellenweise Veränderung in Auftrag zu geben. Nach einigen weiteren Vorbereitungen für dieses umfangreiche Projekt wurde im Januar 2010 ein dafür zuständiger Lenkungsausschusses berufen, und es wurde die Verfahrensweise festgelegt.

In der laufenden Arbeit haben sich die Kritikpunkte aus der »Probebohrung« nicht nur nicht zerstreut, sondern wurden in erheblichem Maß bestätigt, ja verstärkt. So gab es in der atl. Wissenschaft vor zwei Generationen offensichtlich eine höhere Bereitschaft, den masoretischen Text durch Konjekturen zu korrigieren bzw. zu ergänzen. Das wirkte sich auch auf den Text der Lutherbibel aus. So wurde in Ps. 42,6 vermutet, dass der hebräische Text ursprünglich wie der Kehrvers in V. 12 hätte lauten müssen: … Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken, dass er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist. Doch Luther hatte den vorliegenden hebräischen Text völlig korrekt übersetzt: … Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken, dass er mir hilft mit seinem Angesicht. Solche Konjekturen unterliegen heute bei den Fachleuten grundsätzlichen Zweifeln und gelten als unnötig. Dazu kommt, dass sich die Kenntnis altorientalischer Sprachen und Realien seit zwei Generationen erheblich vermehrt hat. Das erleichtert die Deutung schwieriger hebräischer Lemmata und atl. Sachverhalte. Zudem lassen sich bereits in dem Text von 1964 Ansätze einer sprachlichen Modernisierung erkennen, die typische Merkmale und Eigenheiten der Lutherbibel nivellieren.7 Immerhin hat sich eine weitere Voraussage aus den Ergebnissen der Stichproben bewahrheitet: Oftmals ist eine stärkere Orientierung am Ausgangstext zugleich eine Rückkehr zu Luthers ursprünglichen Formulierungen.

Im NT beklagten die Fachleute die Kompromisse, mit denen Formulierungen aus der deutschen Fassung von 1956 oder 1975 z.T. gerettet, z.T. miteinander ausgeglichen wurden – u.U. zu Lasten des Ausgangstextes. Denn der wissenschaftlich erarbeitete griechische Text wurde nicht durchgehend berücksichtigt. Luther hatte z.B. den von Erasmus vorlegten Text von Mt. 6,1 völlig korrekt übersetzt: Habt acht auf eure Almosen (ελεημοσυνη). Daraus hatten die Revisoren (1956 und 1984) Habt acht auf eure Frömmigkeit … gemacht, obwohl die besten handschriftlichen Zeugen an dieser Stelle δικαιοσυνη lesen, also von einer Gerechtigkeit sprechen, die nicht zur Schau gestellt werden sollte. Diese nicht ganz seltenen Reste des textus receptus in der Lutherbibel mindern die Zuverlässigkeit der Übersetzung oftmals unnötig. Änderungen in diesen Fällen tangieren Luthers Sprache und Theologie meist weniger als zu befürchten war.

Die Apokryphen waren zunächst nicht in die fachliche Vorprüfung einbezogen worden. Doch bei Beginn der Durchsicht musste sogleich entschieden werden, ob für diese Schriften nicht doch mehr geschehen müsse als im AT oder im NT. Bis auf die Weisheit Salomos und einige Teile aus Jesus Sirach waren diese Bücher nicht von Martin Luther selbst, sondern von seinen Wittenberger Mitarbeitern allein übersetzt worden. Diese verwendeten relativ willkürlich die Septuaginta oder die Vulgata als Ausgangstext. Ja, bei manchen Texten lässt sich der Ausgangstext als solcher heute nicht mehr mit Sicherheit feststellen. Die vorliegende »Luther«-Übersetzung hat vielfach auch eine eigene Verszählung, die mit keiner anderen Übersetzung kompatibel ist. Sie orientiert sich nicht am Text der wissenschaftlichen Ausgaben der Septuaginta, die evangelische Theologen seit Jahrzehnten erarbeiteten und nutzten. Das war ein unhaltbarer Zustand, der so nicht länger fortgesetzt werden konnte.


5. Das Verfahren der Revision

Der Rat der EKD stellte den insgesamt 70 beteiligten Fachleuten die primäre Aufgabe, die Texttreue der Lutherbibel Vers für Vers zu überprüfen und wenn nötig Veränderungsvorschläge zu machen. Dennoch sollte das Ergebnis keine rein philologisch-historische Übersetzung werden. Darum wurden als begrenzende Kriterien für exegetische Eingriffe die Treue zum Luthertext und die liturgische Brauchbarkeit eingeführt. Die Theologie des Reformators und sein unverwechselbarer Sprachklang sollten jedenfalls erhalten bleiben. Sprachliche Modernisierungen waren nur dann vorgesehen, wenn die jetzige Formulierung Missverständnisse hervorrufen kann. Seit 1956 war z.B. in Offb. 2,9 und 3,9 von der »Synagoge des Satans« die Rede, was trotz des Kontextes nur schwer erträglich ist. Luther hatte selbst korrekt von der »Schule des Satans« gesprochen. Die Revision wird etwas wörtlicher von einer »Versammlung des Satans« reden.

Die Arbeitsweise der erneuten Revision lässt sich am besten durch einen Blick auf die typischen Vorlagen erkennen, für die hier ein Blatt aus der Bearbeitung des 2. Joh. geboten wird (s. Tabelle am Ende des Artikels).

Die Vorbereitung begann selbstverständlich mit dem Ausgangstext nach der führenden wissenschaftlichen Ausgabe. Zum Vergleich wurden die Einheitsübersetzung, die Zürcher Bibel 2007 und Luthers Ausgabe letzter Hand zusammen mit dem NT-Text von 1984 im Spaltendruck geboten. Eine Fachkraft machte aus ihrer Spezialkenntnis dieser Schrift heraus Vorschläge zur Veränderung. Diese wurden einer der sechs Fachgruppen (Pentateuch, Geschichtsbücher, Schriften, Propheten, Apokryphen, Neues Testament) vorgelegt. Mit einer vom Rat der EKD vorgeschriebenen Zweidrittel-Mehrheit konnte die Gruppe den Vorschlag annehmen, ablehnen oder verändern. Für den Fall, dass die qualifizierte Mehrheit nicht zustande kam, blieb es bei dem bisherigen Text. Beide Schritte wurden mit sehr knappen Notizen protokolliert und an einen Lenkungsausschuss weitergegeben. Dieser hatte die Aufgabe, so gut wie möglich für eine einheitliche Handschrift der Revision zu sorgen, und musste ebenfalls mit Zweidrittel-Mehrheit über die Annahme, die Ablehnung oder Variation der Gruppenvorschläge befinden. Auch hier blieb es bei dem vorliegenden Text, wenn keine Änderung die nötige Mehrheit erreichte.

Als nächster Schritt war vorgesehen, die Ergebnisse dem Rat der EKD zur Zustimmung vorzulegen. Doch eine kritische Nachfrage zu Beginn des Projektes bewog den Lenkungsausschuss dazu, seine Resultate zunächst den jeweiligen Bearbeitern zur Kenntnis zu geben. Diese konnten gravierende Probleme nochmals aufrufen und eine Nachbesserung vorschlagen. Erst als diese zusätzlichen Arbeitsschritte absolviert waren, wurde das Ergebnis sukzessive den Auftraggebern vorgelegt und von ihnen akzeptiert. Endgültig hat der Rat die Annahme und den Titel im September 2015 beschlossen und die revidierte Ausgabe zum Gebrauch empfohlen. Damit wird die Praxis fortgeführt, dass sich diese neue Fassung im Gebrauch bewähren muss. Auf die ersten Erfahrungen und die kommende Debatte sind alle Beteiligten gespannt.


6. Ergebnisse der Revision 2017

Das Ziel der Revision war, den Text nur behutsam zu ändern. Dem entsprach die Verfahrensweise. Viele sehr bekannte Texte sind auch gegen exegetische Bedenken im Wortlaut erhalten worden, haben aber wie die fünfte Bitte des Vatersunsers in Mt. 6,12 eine Anmerkung mit der wörtlicheren Wiedergabe erhalten: »Und erlass uns unsere Schulden, wie auch wir vergeben haben unsern Schuldigern«. Dass diese Formulierung nicht in den Obertext gelangte, hängt damit zusammen, dass der Terminus »Schulden« im Deutschen zu einem Pluraletantum für finanzielle Verbindlichkeiten wurde, während »Schuld« als Singularetantum ein ethisch-moralisches Phänomen beschreibt.8 In wichtigen anderen Fällen, wo eine Änderung unabweisbar schien, wurde zumindest die bisherige Formulierung in den Anmerkungen notiert, wie das bisher schon etwa in Ps. 121,1 der Fall war.

Auffällig wird in jedem Fall sein, dass die Revision vermutlich in bis zu einem Drittel der Fälle wieder zu Luthers Formulierung zurückkehrt, weil sie philologisch genauer war und heute noch gut verständlich ist. Ps. 42,2 gehört zu dieser Kategorie. Die Fassung von 1964/84 berücksichtigte nicht, dass in beiden Vershälften dasselbe hebräische Verb verwendet wird: Wie der Hirsch lechzt nach frischem Wasser, so schreit meine Seele, Gott, zu dir. Luther und seine Berater hatten korrekter übersetzt: Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser … Die starke Metapher vom Schrei nach Gott verträgt es sicher, dass der Vergleich mit dem schreienden Hirsch etwas hinkt. An manchen Stellen wird auch die ursprüngliche Satzstellung Luthers wiederhergestellt, wie in Mt. 13,42. Die heute normale Reihenfolge »da wird Heulen und Zähneklappern sein« wird wieder zu dem ursprünglichen »da wird sein Heulen und Zähneklappern«, das den Nachdruck auf das ausgerahmte Satzglied legt. Eine Zwischenstellung nehmen Stellen ein, in der Luther besser war als seine Revisoren, sein Text sich aber nicht mehr wörtlich übernehmen lässt. Die Sturmstillungsgeschichte hat Matthäus in die kräftigen Farben der Weltuntergangsstimmung getaucht. Für ihn kann das Schiff der Kirche allein vom Herrn der Welt aus den Stürmen der Endzeit errettet werden. Darum reicht die bisherige Fassung von Mt. 8,24 nicht aus: »Und siehe, da erhob sich ein gewaltiger Sturm auf dem See«. Sie ist eine Annäherung der Revision von 1984 an die mk. und luk. Formulierungen. Aber im griechischen Text heißt es σεισµeς µ€γας âγ€νετÔ âν τÉ θαλ¿σση. Dies hatte Luther durch »ein groß Ungestüm im Meer« deutlich besser erfasst. Doch die Wendung konnte so nicht wiederhergestellt werden. Die jetzt gefundene Formulierung aber »da war ein großes Beben im Meer« verbindet die Präzision in der Wiedergabe des griechischen Textes und die größere Nähe zu Luther mit dem spätestens seit dem Tsunami von 2004 zum Allgemeingut gewordenen Wissen um die verheerende Kraft von Seebeben.

An anderen Stellen, die vielfach auch durch einen besseren Ausgangstext begründet waren, der Luther nicht zur Verfügung stand, erfolgten spürbare Eingriffe. So wird es in 1. Kor. 2,4 nicht mehr heißen: »mein Wort und meine Predigt geschahen nicht mit überredenden Worten menschlicher Weisheit«. Das Adjektiv »menschlich« wurde gestrichen, da es zwar im textus receptus bezeugt ist, aber nicht in den besten Handschriften. Aus denselben Gründen wird in 1. Kor. 11,24 der Satz »Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird« verkürzt auf: »Das ist mein Leib für euch«.

Eine alte Kritik vieler Neutestamentler betraf den »Kanzelsegen« aus Phil. 4,7, den Luther nach der Vulgata gegen den griechischen Text wiedergegeben hatte: »Und der Friede GOttes, welcher höher ist denn alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christo JEsu!« wird künftig nicht mehr den Konjunktiv, sondern den futurischen Indikativ enthalten: »… wird eure Herzen und Sinne in Christus Jesus bewahren«. Das muss m.E. niemanden hindern, liturgisch die vertraute Form beizubehalten. Diese Freiheit im Umgang mit dem biblischen Text kennen wir ja auch in der Abendmahlsliturgie.

Eine Veränderung wird sicher auffallen und breiter debattiert werden: Die Anrede »liebe Brüder«, die sich in den Briefen an ganze Gemeinden richtet, die aus Frauen und Männern bestanden, wird nun häufig zu »Brüder und Schwestern« erweitert. Die griechische Anrede lautete für beide Geschlechter ähnlich, ja durch den Itazismus fast gleich. Die semantische Differenz war akustisch nicht so hörbar, wie das in unserer Sprache der Fall ist. Darum wird das Gemeinte nun ausdrücklich wiedergegeben. Allerdings wird es in der Revision bei der »Bruderliebe« und der »Brüderlichkeit« als Metaphern bleiben. Auch können die gesellschaftlichen Verhältnisse der patriarchalen Kultur nicht unsichtbar gemacht werden. Erst auf diesem Hintergrund erschließt sich m.E. die grundlegende Bedeutung von Texten wie Gen. 1 und Gal. 3.

An dieser Stelle ließen sich noch viele weitere Beispiele nennen, auch einige, die heftig umstritten waren und schließlich dazu führten, dass der bisherige Text trotz mancher Bedenken erhalten blieb. Das war etwa in Lk. 15,32 der Fall, wo Luther die Anrede an den älteren Sohn sehr frei gestaltete. Ablehnende öffentliche Reaktionen gab es etwa auf die Wiederherstellung des Konjunktivs in Joh. 11,25: »Wer an mich glaubt, der wird leben, ob er gleich stürbe.«9 Dazu gehörte weiter der Streit der Beteiligten darüber, ob es weiterhin »Heil«, »Heiland« und »selig werden« heißen dürfe, oder »Rettung«, »Retter« und »retten« heute vorzuziehen seien. Solche bleibenden Dissense zwischen den Bearbeitern und dem Lenkungsausschuss werden in einem abschließenden Sammelband mit Pro und Contra dargestellt und veröffentlicht werden.

Wenn man alle einzelnen Änderungen weder im Kopf haben, noch in einer Übersicht referieren kann, ist es üblich, Zuflucht zu statistischen Angaben zu suchen. Natürlich haben wir im Projekt auch solche Zahlen errechnet. Doch jeder, der schon eigene Berechnungen und Diagramme vorlegen musste, weiß, wie interpretationsoffen Tabellen sind. Denn jede Wortumstellung, jedes Satzzeichen und jedes Leerzeichen geht in die Statistik der veränderten Verse mit demselben Wert ein, den der schwerwiegende Austausch eines sinntragenden Terminus hat. Insofern müssen jedenfalls zwei verschiedene Berechnungsarten zusammengebracht werden, um einen ungefähren Eindruck vom Umfang der Textänderungen und von ihrer Beschränkung zu gewinnen: die Anzahl der veränderten Verse und der Prozentsatz der unveränderten Worte. Erst beide Angaben zusammen können einen ungefähren Eindruck vermitteln.



Je nach Lesart lässt sich aus dieser – mit großer Vorsicht zu behandelnden – Übersicht ein Kassandraruf oder eine Beruhigungsformel ableiten. Beides ist gleichermaßen unangebracht. Der Gesamteindruck allerdings, den wir im Projekt allmählich gewonnen haben, bestätigt sich auch hier. Vor allem wegen der konsequenten Nutzung der Septuaginta als Textgrundlage gibt es in den biblischen Apokryphen die mit Abstand meisten Veränderungen. Damit verbunden ist die Hoffnung, dass deren Text wieder als Referenzübersetzung an den Universitäten zur Kenntnis genommen wird und in den Gemeinden mit anderen Bibelausgaben zusammen gebraucht werden kann. Aber auch hier ist nach Möglichkeit das sprachschöpferische Wirken Melanchthons und anderer erhalten geblieben. Dass das NT sehr gründlich durchgesehen und z.T. nur minimal, z.T. doch auch gut sichtbar verändert wurde, entspricht dem Auftrag, die Treue gegenüber dem biblischen Text zu sichern.

Der entsprechende Bedarf war im AT etwas geringer. Doch auch hier kann man differenzieren. Bei den Psalmen ergab sich auch durch den Respekt vor der Rezeptionsgeschichte eine geringere Eingriffstiefe, während in manchen prophetischen Schriften erhebliche Unterschiede ins Auge fallen werden. Ein Beispiel für dennoch große Vorsicht stellt die weihnachtliche Lesung von Jes. 9,1-2 dar. Die eigentlich korrekte Übersetzung wurde nicht in den Obertext gesetzt, sondern wurde in eine Anmerkung verwiesen: »Das Volk, das im Finstern wandelte, sah ein großes Licht, und über denen, die da wohnten im finstern Lande, schien es hell. Du wecktest lauten Jubel, du machtest groß die Freude. Vor dir freute man sich, wie man sich freut in der Ernte, wie man fröhlich ist, wenn man Beute austeilt.«

Insgesamt wird die Revision 2017 an vielen Stellen den Ausgangstext nach dem gegenwärtigen Stand der Wissenschaft genauer wiedergeben. Sie wird zugleich die erste sein, die bewusst an zahlreichen Stellen zum Wortlaut des Wittenberger Teams von 1545 zurückkehrt.


7. Wie geht es weiter?

»Die Bibel – Lutherübersetzung, revidiert 2017« wird zu Beginn des Reformationsjahres im Oktober 2016 erscheinen. Der große Festakt am 31. Oktober 2016 in Berlin wird sich ebenso darauf beziehen, wie ein Fernsehgottesdienst im ZDF am 30. Oktober aus Eisenach, in dem Margot Käßmann die Predigt halten wird. Wichtiger aber als alle Festakte wird die allmähliche Aufnahme in den Gemeinden sein, wichtiger auch noch als die öffentliche Debatte, mit der bald zu rechnen sein wird. Dabei dürfte sich die Kritik zwischen den Polen bewegen, dass noch nicht genug Luthertext zurückgewonnen oder dass zu viel Lutherdeutsch in eine heutige Gemeindebibel geraten sei. Was von dieser Kritik die Gemeindeglieder wirklich berührt, wird abhängig sein von der Bewertung der professionellen Bibelausleger, der Pastorinnen und Pfarrer wie der Religionslehrerinnen und -lehrer. Sie werden von vielen Seiten nach ihrem eigenen Eindruck gefragt werden. Um sich dafür ein eigenes Urteil zu bilden, wird die Deutsche Bibelgesellschaft Informationsmaterial herausgeben und stellt bereits jetzt über das Internet erste Daten zur Ver­fü­gung.13 In Planung ist auch ein Gottesdienstentwurf, der für die Einführung der erneuerten Lutherbibel in der Ortsgemeinde genutzt werden kann. Ebenso bereitet ein Arbeitskreis Material für Gemeinden und Schulen vor, mit dem Zugänge zu dem anspruchsvollen Text erschlossen und beschrieben werden können. Denn es lohnt sich, das wichtigste Erbe der Reformation, die Bibel in unserer Muttersprache, im Reformationsjahr genauer in den Blick zu nehmen. Luthers Übersetzung rechnete mit mündigen Christen, die selbst in der Bibel lasen, wichtige Texte auswendig konnten und sich gemeinsam um ihre Auslegung mühten. Die Reformation schuf auch deren Voraussetzung − das breite Angebot schulischer Bildung für Mädchen und Jungen. In der Wittenberger Bibelübersetzung spiegeln sich viele Aspekte der Reformation wieder. Es wäre wünschenswert, dass der so beliebte Playmobil-Luther auch mit seiner Botschaft verstanden wird: Wir verdanken dem Reformator die bis heute wichtigste und prägendste deutsche Bibelübersetzung.

Darüber hinaus ist zu hoffen, dass bald auch die revidierte Einheitsübersetzung der katholischen deutschen Bistümer erscheinen kann. Sie wurde 2013 von der Deutschen Bischofskonferenz approbiert und harrt der vatikanischen Anerkennung. Wenn das der Fall ist, wird eine gegenseitige Anerkennung dieser zwei Bibelübersetzungen zum Gebrauch in ökumenischen Gottesdiensten und in Bibelgesprächen angestrebt. An beiden Ausgaben würde sich zwanglos zeigen lassen, wie wichtig katholischen und evangelischen Christen der gemeinsame Bezug auf die Glaubenszeugnisse der Bibel in den Volkssprachen seit der Reformation geworden ist.


Anmerkungen:

1 Vgl. H. Strathmann, Die neue amerikanische Bibel. The Revised Standard Version 1952, DPfBl 6,1953.

2 Zit. nach K.D. Fricke, Die Fortsetzung der Revisionsarbeit von 1870 bis 1956, in: K.D. Fricke/S. Meurer (Hg.), Die Geschichte der Lutherbibelrevision von 1850-1984 (AGWB 1), Stuttgart 2001, 149-187, dort 178.

3 Vgl. dazu Otto Frick, Bericht der von Cansteinschen Bibelanstalt zur revidierten Ausgabe 1883 (sog. Probebibel), in: K.D. Fricke/S. Meurer (Hg.) 2001, 253-272, 266.

4 Die BasisBibel entspricht den Nutzungsgewohnheiten der »digital natives«, indem sie ihnen per Mausklick Erklärungen, Bilder und Karten liefert, wo Begriffe und Sachverhalte für ungeschulte Leser kaum bekannt und unverständlich sind.

5 Die Gute-Nachricht-Bibel erschien zuerst 1967 in einer Vorstufe als »Gute Nachricht für Sie / NT68«, 1982 als »Bibel in heutigem Deutsch« und wird jetzt in der überarbeiteten Fassung von 1997 verbreitet.

6 In Lk. 2 blieb und bleibt es bei: »mit Maria, seinem vertrauten Weibe«. Das grobe Missverständnis ist aber durch die Wendung als ganze ausgeschlossen.

7 In der Endphase der Revision des AT wirkte bereits Fritz Tschirch (1901-1975) mit, der u.a. die Endstellung des Verbs im Nebensatz zu einem Gesetz des modernen Deutsch erklärte. Aus diesem Grunde wurden schon im AT und später im NT viele Inversionen beseitigt, also vorangestellte Verben ans Ende gesetzt. Als Beispiel kann Mt. 25,40 dienen: Was ihr getan habt einem unter diesen meinen geringsten Brüdern … wurde zu Was ihr einem unter diesen meinen geringsten Brüdern getan habt Unverkennbar verschoben sich so die Betonung und der Sinn. Schon 1984 kehrten die Revisoren an dieser Stelle zu Luthers Satzstellung zurück.

8 Solche Fragen, was deutsche Ausdrücke leisten und worin sie die emotionale Tiefe erreichen, die dem Bibeltext eignet, haben in den Debatten breiten Raum eingenommen – oftmals mehr als Diskussionen über den Sinn des Ausgangstextes.

9 Leserbrief in Chrismon 1/2015, 78: »Monsterkonjunktiv«.

10 Hinweis zur Berechnung: Als unverändert gilt ein Vers nur dann, wenn alle Buchstaben, Satzzeichen, Leerzeichen etc. absolut identisch sind. Veränderte Groß- oder Kleinschreibung sowie Getrennt- und Auseinanderschreibung wird als Unterschied gewertet. Nicht einbezogen werden dafür Veränderungen an Verweisen, Anmerkungen, Überschriften, Kernstellen etc. Auch die Reihenfolge der Verse spielt für die Berechnung keine Rolle.

11 Nach alter Verszählung umfassen die Apokryphen 4606 Verse. Veränderungen in der Verszählung wirken sich nicht auf die Statistik aus. Werden Verse allerdings geteilt bzw. anders abgegrenzt als in »Luther 84«, wird die Veränderung gezählt, auch wenn der Wortlaut sonst übereinstimmt. Daher ist die Statistik hier etwas unscharf.

12 Hinweis zur Berechnung: In dieser Hochrechnung wurden nur Wörter (in der bestimmten Reihenfolge), keine Satzzeichen, Klammern etc. berücksichtigt.

13 Lutherbibel2017.de


Über die Autorin / den Autor:

Prof. Dr. Christoph Kähler, 1977-1981 Pfarrer und 1981-2001 Neutestamentler in Leipzig, bis 2009 Landesbischof der Evang.-Luth. Kirche in Thüringen bzw. in der Evang. Kirche in Mitteldeutschland, seit 2010 im Auftrag des Rates der EKD Leitung des Lenkungs­aus­schusses für die Revision der Luther­bibel.

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft: 1/2016

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