Brief aus der Bundeshauptstadt

Von: Siegfried Sunnus
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Die »Guides« aus der Ausstellung »Dialog mit der Zeit« treffen sich immer noch zu einem monatlichen Stammtisch, obwohl die Ausstellung seit einem knappen Jahr beendet ist (s. Brief vom Oktober 2015): Das gute Kennenlernen führt einen Großteil der 18 Frauen und 14 Männer zusammen und ein reger e-Mail-Verkehr hält auch die Verbindung zu denen, die nicht teilnehmen können. Es gibt immer wieder Ideen, zu neuen Vorhaben, und ein »cantus firmus« ist das Projekt, Erinnerungsgeschichten aus der Jugendzeit zu erzählen und zu schreiben, die ja mit der Kriegs- und Nachkriegszeit zu tun haben – mal sehen, was daraus wird … Es gibt übrigens auch eine monatliche Skatgruppe …

Für den Februar hatte Algisa den Vorschlag gemacht, sich an ihrer ehemaligen Arbeitsstelle zu treffen. Sie ist eine Bewohnerin Ostberlins, singt auch im Arbeiterchor »Ernst Busch« mit und hatte im Stadtplanungsamt ihre Beschäftigung gehabt. Wir trafen uns im Lichthof der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt in der Nähe des »Märkischen Museums«; das ist ein prächtiges altes Gebäude und der überdachte Innenhof bot Raum für drei Stadtmodelle: Ihr ehemaliger Kollege Dipl.-Ing. Helmut Kästner erläuterte an Hand von den Modellen die Planung und umfangreiche Bautätigkeit der letzten 50 Jahre von der historischen Mitte Berlins bis zur City West. Er begann mit der Zeit vor 1990 in Ostberlin, mit dem »komplexen Wohnungsbau«, z.B. in Hohenschönhausen. Darunter ist die gesamte Planung einer Stadtbebauung zu verstehen: von Straßen, U-Bahn, Schulen, Kindergärten – und dann den Plattenbauten. Nach der Wende wurde diese Art der Planung abgelöst von den Privatplanungen … Eine große Rolle spielte in der Diskussion die unterschiedliche Entwicklung vom Potsdamer Platz und dem Alexanderplatz. Während der städtebauliche Wettbewerb für den Alexanderplatz den Entwurf von Prof. Hans Kollhoff prämierte mit 13 gleichhohen Gebäuden, der bis heute nicht realisiert wurde, entstand die Bebauung am Potsdamer Platz ziemlich rasch. Der Grund waren die Eigentumsverhältnisse bei den Grundstücken: Hier waren große Flächen klar verfügbar, dort viele kleinteilige Interessen … Es waren auch die Entwicklungsstufen der Planung sehr deutlich zu erkennen. Den Bestand bis 1990 zeigten weiße Modelle, die weitere Planung war in braunem Holz ausgeführt.

Beim Blick auf die großen Stadtmodelle wurde ich an einen Film in »arte« erinnert über den Vergleich von der Entwicklung Berlins und Paris: Berlin hat eine viel größere Fläche und damit eine geringe Bevölkerungsdichte als Paris! Wer sich darüber genauer informieren will, dem sei der »Berliner Gebäude Atlas« empfohlen: ein Online-Nachschlagewerk, das Informationen zu allen Hochbauprojekten in Berlins Mitte enthält, die nach 1990 entstanden sind. Er wurde parallel zum Berlin-Modell im Maßstab 1:500 entwickelt, das im Lichthof ausgestellt ist. Die derzeit etwa 800 Projekte sind im Atlas mit umfangreichen Projektdaten, Plänen und Fotos dokumentiert. Im Internet ist der Atlas über die Homepage der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung zu finden: www.stadtentwicklung.berlin.de oder direkt über www.berlin.de/stadtmodelle.

Der Stammtisch endete im Restaurant & Kneipe »Marinehaus«, wo 1919 das Hauptquartier der »Marine-Volksdivision« war. Dort nahmen wir das Sonderangebot in Anspruch: Wenn zwei Gäste das Gleiche bestellen, dann zahlt nur einer …

Siegfried Sunnus

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft: 3/2017

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