Warum es im christlichen Glauben nicht nur um den Menschen, sondern auch um die Tiere geht
Die Kirche und das »liebe Vieh«

Von: Hans-Eberhard Dietrich
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Über 2000 Jahre lang haben sich Kirche und Theologie kaum Lorbeeren erworben im Kampf gegen einen schöpfungsfeindlichen Anthropozentrismus. Erst in den beiden letzten Dekaden des 20. Jahrhunderts kam es zu einem Umdenken. Hans-Eberhard Dietrich skizziert die unrühmliche Geschichte eines missverstandenen Verhältnisses von Mensch und Tier und zeigt Wege der Korrektur auf.
 

1. Zweitausend Jahre Anthropozentrismus

Wer in Theologie oder Kirche das Verhältnis des Menschen zu den Tieren thematisiert, ruft unter Umständen »kopfschüttelndes Unverständnis«1 hervor oder setzt sich dem Vorwurf aus, einem Modetrend nachzurennen. Tiere stünden nicht im Zentrum der frohen Botschaft. Das Thema sei der Kirche aufgedrängt. Im Zuge der Umweltproblematik seien eben auch die Tiere in den Blick geraten, die aber für den Glauben allenfalls marginal seien, wie ja auch die ganze Tradition bezeugt. Insofern werden nicht alle in der Kirche der These zustimmen, dass der christliche Glaube nicht nur den Menschen, sondern auch Natur und Tiere einschließen muss.

Traditionell geht es in der Kirche und ihrer Verkündigung um Gott und den Menschen und wie der Mensch zu seinem Heil gelangt. Auf dem Weg dorthin wird auch das Verhalten zum Mitmenschen und zur Gesellschaft thematisiert. Die Tiere sind allenfalls ein Teil der Erde, die sich der Mensch untertan machen soll. Die Menschen empfanden den Abstand zu den Tieren als unendlich groß, vielleicht auch deshalb, weil Gott Mensch geworden war und nicht Tier und damit die Menschen besonders auszeichnen wollte. Das Verhältnis zur Natur war ethisch indifferent.

Diese anthropozentrische Sicht der Welt und des Glaubens war nahezu 2000 Jahre lang »herrschende Meinung«. Klassisch formulierte es Kant: Der Mensch hat nur sich selbst und den Mitmenschen, nicht aber der Natur oder den Tieren gegenüber eine Verantwortung. Er ist noch nicht einmal seinem Hund oder seinem Pferd gegenüber zur Dankbarkeit verpflichtet, selbst wenn ihm das Tier ein Leben lang treu gedient hat.2

Eine solche Haltung ist höchst bedenklich für eine Kirche, die sich auf die Heilige Schrift als Grundlage ihrer Lehre und ihres Handelns beruft. Vom biblischen Zeugnis her ist es eine Selbstverständlichkeit, dass das Verhältnis zu den Tieren im Glauben vorkommen muss. Die Schöpfungsgeschichte verpflichtet den Menschen, die Erde nicht nur zu bebauen, sondern auch zu bewahren (1. Mos. 2,15); Menschen und Tiere harren auf die Erlösung (Röm. 8,18-25); das der Welt verkündete Heil gilt auch den Kreaturen (z.B. Mk. 16,15); Gottes vollendete Welt ist nicht ohne Tiere denkbar (z.B. Offb. 5,13).

Marginal kann dieses Thema auch deshalb nicht sein, weil wir uns im Glaubensbekenntnis zu Gott als dem Schöpfer auch der Kreaturen bekennen. Den Tieren begegnen wir im Alltag auf Schritt und Tritt, z.B. in unseren Nahrungsgewohnheiten, Stichwort: Massentierhaltung, oder in der Medizin und Kosmetik, Stichwort: Tierversuche. In dieser Begegnung werden wir ständig zu Entscheidungen herausgefordert. Wollen wir tatenlos und ohne Empathie zusehen, wie Tiere unendlich leiden? So fokussiert sich in unserem Verhalten zu den Tieren wie in einem Brennspiegel zugleich unsere Haltung gegenüber dem Schöpfer.

Die folgende kleine Studie will aufzeigen, dass die Stellung zu den Tieren ein genuin biblisches Thema ist. Dazu wird sie die anthropozentrischen Verkürzungen und Engführungen der Vergangenheit ins Bewusstsein rücken und dabei helfen, ein theologisch verantwortetes und biblisch begründetes Verhältnis Mensch-Tier innerhalb von Kirche und (Theologie) voranzubringen.


2. Wie es zur anthropozentrischen Verengung in Kirche und Theologie kam

Es gibt eine ganze Reihe von philosophischen und theologischen Traditionen, die bis in die Gegenwart hinein das Denken und Handeln der Christenheit im Hinblick auf ihre Verantwortung gegenüber den Tieren bestimmen. Sie hinderten und hindern daran, die in der biblischen Tradition angelegten Impulse und »Lehren« sachgemäß zu erfassen und in der Praxis des Umgangs mit den Kreaturen fruchtbar werden zu lassen. Ich möchte auf ein paar dieser Traditionen hinweisen. Sie trugen zu diesem anthropozentrischen Menschen- und Weltbild bei, in dem sich der Mensch als Mittelpunkt der Welt sieht, als Herr über Natur und Tiere.


Alte Kirche

Der von Platon (427-347 v. Chr.) stammende Gedanke einer unsterblichen Seele wurde jetzt allein auf den Menschen angewendet. In der Antike galten auch die Tiere als beseelt. In der Abwehr heidnischer Philosophien und christlicher Häresien verkürzte die Kirche den antiken Gedanken. Nun wurde gesagt: Nur der Mensch hat eine unsterbliche Seele. Tiere waren nichts als vergängliche Wesen. Die Theologie »gründete damit die absolute Hochschätzung der Menschen auf die relative Mißachtung aller anderen Mitgeschöpfe; sie zerriß auf diese Weise ideologisch das gemeinsame Band des Lebens, das Menschen und Tiere miteinander verbindet; sie machte wie jede Doktrin, die zu eng ist, um der Wirklichkeit gerecht zu werden, grausam im Umgang mit der Wirklichkeit des Lebens.«3 Wenn es aber im Glauben nur noch um das Heil des Menschen bzw. seiner Seele geht, gerät letztlich auch der Schöpfungsgedanke in Vergessenheit und mit ihm der Gedanke, dass der Mensch für die Natur und damit auch für die Tiere verantwortlich ist.


Mittelalter

Thomas von Aquin (1225-1274) machte einen Unterschied zwischen der Tierseele und der Menschenseele. »Bei den Tieren findet sich kein Streben nach immer währendem Sein«, höchstens das Bedürfnis nach Arterhaltung. Deshalb ist die Tierseele im Unterschied zur Menschenseele nicht geistiger Natur, denn weder erkennen die Tiere geistig, noch üben sie Vernunfttätigkeit aus. Sie ist ganz an den Körper gebunden, d.h. keine Tätigkeit der Tierseele ist ohne den Körper. Deshalb geht die Tierseele mit dem Körper des Tieres zugrunde. Nur die Menschenseele hat ein Verlangen nach ewigem Sein, deshalb ist sie unsterblich.4


Aufklärung und Neuzeit

René Descartes (1596-1650) verglich in seinem »Discours de la methode« (1637) Tiere mit Maschinen; sie seien vernunftlos und hätten keinerlei Empfindungen. »Laute, die Tiere von sich gäben, seien rein mechanischer Art und ließen keinerlei Rückschlüsse auf Schmerzen o.ä. zu, da Tiere über keinen Verstand verfügten. Damit aber – und das ist entscheidend – sind sie auch nicht leidensfähig und somit für Experimente an ihnen uneingeschränkt verfügbar.«5

Immanuel Kant (1724-1804) vertrat in seiner Schrift »Mutmaßlicher Anfang der Menschengeschichte« die Meinung, der Mensch sei der eigentliche Zweck der Natur. »Der vierte und letzte Schritt, den die, den Menschen über die Gesellschaft mit Tieren gänzlich erhebende, Vernunft tat, war: dass er (wiewohl nur dunkel) begriff, er sei eigentlich der Zweck der Natur, und nichts, was auf Erden lebt, könne hierin einen Mitbewerber gegen ihn abgeben.« Die Tiere waren nun nicht mehr »seine Mitgenossen an der Schöpfung, sondern als seinem Willen überlassene Mittel und Werkzeuge zur Erreichung seiner beliebigen Absichten«.6 Diese Vorrangstellung des Menschen gegenüber den Tieren wurde bei Kant nur dadurch begrenzt, dass allzu große Grausamkeit gegen die Tiere den Menschen sittlich verrohen lasse, was seiner Pflicht gegen sich selbst und seinesgleichen zuwiderlaufe. Der Mensch habe nur sich selbst und den Mitmenschen, nicht aber der Natur oder den Tieren gegenüber eine Verantwortung.7


Das 19. Jahrhundert

In der Neuzeit waren es zwei Faktoren, die in hohem Maße dazu beitrugen, diese anthropozentrischen Ansätze zu verstärken und zu verfestigen: eine Philosophie, die den Menschen zum Maß aller Dinge machte, und der Siegeszug von Naturwissenschaften und Technik.8 Dieser Anthropozentrismus wurde im 19. Jh. durch die Auseinandersetzung um die Darwinsche Lehre der Abstammung des Menschengeschlechts gefördert. Der Mensch fühlte sich gekränkt, nicht mehr die Krone der Schöpfung zu sein, sondern ein Glied in einer langen Entwicklungskette. Umso mehr waren viele Theologen bemüht, die Distanz und die Unterschiede von Mensch und Tier zu betonen.

Es kam hinzu: »Überhaupt ist das ausgehende 19. Jahrhundert nicht mehr in der Lage, dem Bemühen um eine auf alle Wesen bezogene Ethik Verständnis entgegenzubringen, da es sich von der Humanitätsgesinnung abwendet … [Viele Denker] wollen es nicht mehr gelten lassen, dass die Ethik sich aus dem Mitempfinden herleite und sich die Beförderung der Glückseligkeit zum Ziele setze. Der Mensch dürfe sich in seinem Verhalten nicht durch Gefühle bestimmen lassen, sondern müsse seine höchste Aufgabe darin sehen, mitzuhelfen, dass das, was die Natur mit dem Menschen vorhat, sich verwirkliche … Ein Denken, das schon das Mitempfinden mit den Menschen nicht als wertvolles Motiv der Gesinnung gelten lässt, muss natürlich das mit den Geschöpfen vollends für unangebracht erklären.«9


Schöpfungsvergessenheit im 20. Jahrhundert

Wenn der Mensch das Maß aller Dinge ist, dann spielt die Schöpfung in der Theologie kaum eine Rolle mehr. Christian Link ist der Meinung: Es »bleibt unbestreitbar, dass Theologie, Kirche und Frömmigkeit zumindest seit Beginn der Neuzeit entschieden an jener ›Verabsolutierung des menschlichen Lebens auf Kosten der Natur‹ (Amery) mitgewirkt haben. Sie waren an der Schöpfung nur insoweit interessiert, als sie sich als Basis der menschlichen Geschichte in Anspruch nehmen und interpretieren ließ.«10


3. Gründe für ein Umdenken in der Kirche

Impulse von außerhalb und innerhalb der Kirche

Neben diesem breiten Strom in Theologie, Philosophie und Naturwissenschaften, gab es in allen Epochen auch anderslautende Stimmen, die in den Tieren Mitgeschöpfe sahen, leidensfähig wie die Menschen, ausgestattet mit einer Seele, Geschöpfe Gottes, denen man barmherzig und schonend begegnen muss, so wie es die biblische Tradition bezeugt und verlangt. Sie versuchten, ein biblisch verantwortetes Verhältnis zu den Tieren zu predigen und zu leben. Um nur einige zu nennen: Franz von Assisi, Martin Luther, einzelne Aufklärer, fast alle pietistischen Theologen11, Larsen Martensen, Albert Schweitzer, Fritz Blanke, Max Huber, Walter Pagnitz, Josef Bernhart, Gerhard Gilch.12 Darüber hinaus gab es, vor allem im Pietismus, Vertreter, die den barmherzigen Umgang mit den Tieren geradezu als Ausweis eines rechten Glaubens sahen.

Sie haben die Mehrheit der Christen und die offizielle Kirche nicht zu einem Umdenken oder zu einer Kehrtwende veranlassen können. Der Anstoß für eine Korrektur kam von außen. Es war die rasante technische Entwicklung, insbesondere in der zweiten Hälfte des 20. Jh., die zu einem neuen Denken herausforderte. Die von der Technik verursachten Umweltschäden und die Folgeschäden der Industrialisierung konnten nicht länger verborgen bleiben und ausgeblendet werden: Zunahme der Bevölkerung, Verschmutzung von Luft und Wasser, Belastung der Böden durch intensive Landwirtschaft, Zersiedelung, Eingriffe in die Natur durch Straßenbau, Artensterben und vieles andere mehr.

Kritisch muss man anmerken: Ein neues Verhältnis zur Natur und Umwelt ist nicht gleichbedeutend mit einem verantwortlichen Verhalten zu den Tieren. Offensichtlich war die Angst vor einer Umweltkatastrophe näherliegend als die Pflicht, sich um »das liebe Vieh« zu kümmern und Verantwortung für die Mitgeschöpfe zu übernehmen.

Letztlich aber konnte ein verändertes Umweltbewusstsein nicht ohne Folgen bleiben für das Verhalten des Menschen zu den Tieren. Sie kamen immer stärker in den Blick der Überlegungen. Die Umweltproblematik ließ die Einsicht reifen: Ethik kann sich nicht länger nur auf zwischenmenschliche Bereiche beschränken. Sie muss auch die belebte und unbelebte Natur einbeziehen, die bisher als ethisch indifferent gesehen wurde. Die rasante technische Entwicklung, die ungeheuren technischen Möglichkeiten, die Reichweite menschlichen Handelns, legen dem Menschen neue Pflichten und eine ganz neue Verantwortung auf, eine Verantwortung, die die Natur und die Tiere mit einschließt. So konnte ein zweiter Schritt gemacht werden, die leidende Kreatur wahrzunehmen und Empathie ihr gegenüber zuzulassen und zu entwickeln.


Einige markante Beispiele, die zum Umdenken führten

Der Club of Rome: Grenzen des Wachstums

Die öffentliche Debatte über diese ganze Problematik wurde 1972 ausgelöst durch das Buch von Dennis Meadows: Die Grenzen des Wachstums13. Diese Schrift zeigte schonungslos die Folgen der Industrialisierung und den Raubbau an der Natur auf, wies aber auch Wege aus der Krise. Jetzt konnte niemandem mehr verborgen bleiben, wie begrenzt die Vorräte der Welt sind und wie hauchdünn die Biosphäre ist, die unseren Globus umgibt und die irdisches Leben überhaupt erst möglich macht. Viel Beachtung fand auch das Buch von Herbert Gruhl: Ein Planet wird geplündert. Die Schreckens­bilanz unserer Politik, 1975.


Verhaltensforschung

Ein weiterer Grund für das Umdenken stellten die Ergebnisse der Verhaltensforschung dar. Bücher von Konrad Lorenz und Irenäus Eibl-Eibesfeldt wurden von immer mehr Menschen gelesen. Sie zeigten die nahe Verwandtschaft aller Kreaturen auf und brachten die eingebildete Sonderstellung des Menschen ins Wanken.


Die hemmungslose Vermarktung der Tiere rief Protest hervor

Ein weiterer Grund für ein neues Bewusstsein den Tieren gegenüber war die Reaktion auf die hemmungslose Vermarktung der Tiere, die sich allein am Profit orientierte und nicht an den Bedürfnissen der Tiere. Theologen und Nichttheologen fragten nach einem Verhalten gegenüber den Tieren, das von der biblischen Tradition her verantwortet werden kann.


Kirche und Theologie

Die theologische Diskussion in der ersten Hälfte des 20. Jh. drehte sich um die Frage: Wie müssen Schöpfung und Erlösung im Alten Israel zueinander in Beziehung gebracht werden? Gerhard von Rad setzte sich mit seiner These durch: Der altisraelitische Jahweglaube hat sich aufgrund bestimmter geschichtlicher Erfahrungen ausschließlich als Heilsglaube verstanden. Erst im Laufe der Geschichte, vor allem im babylonischen Exil, entstand der Glaube an Gott den Schöpfer der Welt. Aber der weiterhin vorherrschende Heilsglaube begünstigte das Vergessen von Natur und Schöpfung.

Die Überzeugung, dass die Schöpfung dem Heilsglauben nur nachgeordnet ist, wurde durch die atl. Theologie seit den 1960er Jahren der Sache nach widerlegt.14 Nun zeichnete man von der Entstehung des altisraelischen Glaubens ein differenzierteres Bild. Und auch von Rad kam bei der Beschäftigung mit Hiob und der übrigen Weisheitsliteratur zu einer Korrektur seiner ursprünglichen These, dass der Schöpfungsglaube stets in Abhängigkeit vom Heilsglaube geblieben sei.15 Rolf Rendtorff sagte: »Wir können jetzt anders formulieren: Der Glaube an Gott den Schöpfer ist als der alles umgreifende Rahmen, als die allem zugrundeliegende Voraussetzung für jedes Reden von Gott, von der Welt, von Israel und von einzelnen Menschen erkannt und erfahren worden.«16

In England war es etwa ab 1976 Andrew ­Linzey, Mitglied der Oxford Gruppe, der sich für Tierrechte einsetzte und sie theologisch begründete. Im deutschsprachigen Raum war es eine Reihe von Veröffentlichungen, die zum Bewusstseinswandel beitrugen, obwohl sie zunächst noch nicht die Tiere im Blick hatten.17

Bei der Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen Nairobi 1975 mahnte der australische Professor Charles Birch zu neuen Anstrengungen zu verantwortlichem Verhalten der Christen in der dem Menschen anvertrauten Schöpfung. Er kritisierte das gegenwärtige Denken, das in der Natur nur eine Sache sieht, die man benutzt – und weiter nichts. Er sprach von dem Eigenwert der Geschöpfe und der Interdependenz (Abhängigkeit) aller Wesen. Er forderte eine radikale Neuinterpretation des Verhältnisses Mensch-Tier und prägte in diesem Zusammenhang den Begriff der lebensfähigen Weltgesellschaft. Beides ist nur zu erreichen, wenn wir davon ausgehen, dass die Geschöpfe mit dem Schöpfer verbunden sind, denn Gott ist nicht nur Mensch vor aller Schöpfung, er ist auch mit aller Schöpfung.18

In der Zeit von 1977 bis1979 wandten sich im Rahmen der »Ökumenischen Initiative Ethik der Schöpfung« 400 Theologen des deutschsprachigen Raumes an die kirchlichen Umweltgremien und forderten sie auf, dafür einzutreten, dass der kirchlich motivierte Umweltschutz sich nicht nur am Überleben der Menschheit orientiert, sondern auch als Verantwortung für die Mitgeschöpfe deutlich wird.19

Etwa ab dem Jahre 1980 nahm die Zahl der theologischen Beiträge zu dem Thema eines biblisch begründeten neuen Verhältnisses Mensch-Tier sprunghaft zu. Sie sind ein Indiz dafür, dass mit dem erwachten Umweltbewusstsein in Kirche und Theologie auch das Verhältnis Mensch-Tier theologisch neu reflektiert wird.


4. Die offizielle Kirche macht sich auf einen guten Weg

Offizielle Verlautbarungen

»Bewahrung der Schöpfung«, unter dieses Motto kann man die 1980 einsetzenden Bemühungen der offiziellen Kirche stellen. In den Jahren bis 2003 erschienen eine Reihe von kirchlichen Verlautbarungen und Denkschriften.20 Die Kirche begann, Stellung zu beziehen und für ein neues, vom Glauben her begründetes »christliches Verhalten« gegenüber den Tieren einzutreten. Sie reagierte auf die Erkenntnisse der Theologie, vor allem der atl. Wissenschaften, obwohl im Einzelnen nicht ausdrücklich darauf Bezug genommen wird. Und sie nahm den konziliaren Prozess auf, der Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung als Pflicht des Glaubens deklarierte.

In diesen Verlautbarungen hat die offizielle Kirche im Vergleich zur Tradition tiefgreifende und erfreuliche Korrekturen vorgenommen. Es wird Schluss gemacht mit einer Haltung der Ausbeutung und der Verantwortungslosigkeit gegenüber den Tieren.21 Die Tiere haben einen Eigenwert unabhängig vom Nutzen für die Menschen. Sie müssen ihre Daseinsberechtigung nicht nachweisen. Sie sollen leben dürfen – auch in ihrer ganzen Artenvielfalt22 –, weil sie Gott geschaffen hat und weil Gott ein Freund des Lebens ist23.

Gerechtigkeit ist nicht teilbar. Sie gilt nicht nur für den Umgang der Menschen untereinander, sondern auch gegenüber den Tieren. Sie geht über Humanität und Barmherzigkeit hinaus. Sie zielt z.B. bei der Nutztierhaltung darauf ab, sie artgerecht zu halten, nicht nur Schmerzen und Leiden zu vermeiden, sondern darüber hinaus für ihr Wohlbefinden zu sorgen.24

Gott liebt seine Schöpfung und sorgt sich um sie. Diese Liebe und Verantwortung hat er uns gegenüber durch seinen Sohn gezeigt. Das verpflichtet uns, unsere Mitgeschöpfe gut zu behandeln.25

Tiere gehören zum Gottesbund: Am Ende der Sintflut (1. Mos. 9) wird allen Kreaturen deutlich gemacht: Gottes Fürsorge und Erbarmen gilt allem Leben. Es ist die Zusage von Treue, Heil und Segen, eine Selbstverpflichtung Gottes, die über die Bedeutung eines Vertrages zwischen Gleichberechtigten hinausgeht.26

Frieden mit den Tieren, z.B. Jes. 11 – von dieser Vision geht ein starker Handlungsimpuls aus. Wir Christen sind aufgefordert, in der Vorwegnahme dieses Tierfriedens das uns heute Mögliche in die Tat umzusetzen. Wir Menschen können das Reich Gottes nicht heraufführen. Wir können aber im Verhalten zu den Tieren Zeichen setzen, ein Stück weit einen solchen Frieden verwirklichen.27


Initiativen und Einzelstimmen innerhalb der Kirche

Neben den offiziellen Verlautbarungen der EKD darf man die zahlreichen Initiativen und Einzelstimmen im Raum der Kirche nicht vergessen:

Die wissenschaftliche Theologie hat mit zahlreichen Beiträgen die Verantwortung der Menschen für die Tiere, ja für die ganze Natur, aufgezeigt und sozusagen das »ideologische Handwerkszeug« und die Sprache formuliert für die Auseinandersetzung mit altüberlieferten Vorurteilen und Fehlinterpretationen der biblischen Botschaft.

Von den neuen Erkenntnissen der theologischen Wissenschaften haben sich zahlreiche Theologen anstecken lassen. Um nur einige zu nennen: Otfried Reinke: Tiere, 1995; Eberhard Röhrig: Mitgeschöpflichkeit, 2000; Ulrich Seidel: Gott – Mensch – Tier. Gott im Tier – das Tier im Menschen – Mensch und Tiere, DPfBl 4/2004; Rainer Hagencord: Diesseits von Eden, 2005; Christa Blanke: Mit den Augen der Liebe, 2011; Thomas Oesterle: Hütet die Tiere, 2013.

Einzelne Landeskirchen haben sich mit eigenen Verlautbarungen zu Wort gemeldet: die Nordelbische Kirche 1998 und 200528; die Evang. Kirche in Hessen und Nassau 1995: »Mensch und Tier in Gottes Schöpfung.« Amtsblatt Nr. 9 Darmstadt 30. September 1995; die Bayerische Landeskirche 1996: »Erklärung der Landessynode der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern auf der 2. ordentlichen Tagung (97) in Freising vom 24. bis 29. November 1996. Erklärung zum Tierschutz«; die Synode der Evang.-Luth. Landeskirche Hannover debattierte 2011 das Thema: Landwirtschaftliche Nutztierhaltung. Informationen. Positionen, darin: Aktenstück 86 als Beschluss der Synode.

Sehr mutig ist ein Vorstoß der Sächsischen Landessynode vom November 2011 zu nennen. Sie nannte die industrielle Massentierhaltung eine Verletzung der gottgewollten Schöpfungsordnung und rief u.a. ihre Mitglieder auf, den hohen Fleischkonsum zu beschränken und kein Kirchenland für die industrielle Massentierhaltung zur Verfügung zu stellen.

Von den Evang. Akademien ist zu nennen Bad Herrenalb: Herrenalber Protokolle Band Nr. 88, 1991: Das Tier als Mitgeschöpf. Leerformel oder Leitgedanke im Tierschutzrecht? Bad Boll bietet jedes Jahr eine Tagung zu dem Thema an.

Weitere Initiativen: Aktion Kirche und Tiere (AKUT), ein 1988 gegründeter Verein, der von der Erkenntnis ausgeht, dass sich christliche Verantwortung nicht allein auf den Menschen und seine Interessen begrenzen lässt, sondern allen Geschöpfen gilt.


5. Nicht auf halbem Wege stehenbleiben

Die kirchlichen Verlautbarungen kann man sehen als einen ersten mutigen Schritt. Auf diesem Wege muss die offizielle Kirche, müssen auch die Kirchenmitglieder und die Theologen mutig weiter fortschreiten, trotz aller Widerstände der Lobbyisten aus Landwirtschaft und Industrie, trotz aller unterschiedlicher Meinungen und aller Bedenken ihrer eigenen Mitglieder.29 Denn Kirche hat die Aufgabe, Gewissen zu schärfen und nicht zu beruhigen, und vor allem muss sie der Botschaft der Bibel folgen und dabei auch die gewonnenen Erkenntnisse ernst nehmen. Hier darf sie nicht länger das Verhalten zu den Tieren als Adiaphora ansehen.

Es ist befremdlich, dass sich die EKD seit 2003 nicht mehr zu dem Mensch-Tier-Verhältnis geäußert hat. Das Schweigen kann ja nicht darin begründet sein, dass sich die Probleme schon gelöst hätten. Ganz im Gegenteil: Massentierhaltung, Artensterben, Tiertransporte, 300 Mio. Tiere werden jährlich bei Tierversuchen geopfert, Qualzüchtungen bei Haustieren. Alle diese Missstände sind weiterhin virulent. Eher verschärft sich die Lage im Hinblick auf das Klonen und die gesamte Gentechnik. Vielleicht gibt es keine einfache Antwort darauf, sondern ein ganzes Bündel, warum sich die Kirche nicht mit mehr Nachhaltigkeit für den Schutz der Tiere einsetzt.


Kirche in den Fängen des Neoliberalismus?

Könnte es sein, dass die Kirche aus Rücksicht auf den neoliberalen Kapitalismus schweigt? Dieser Verdacht liegt nahe, wenn man die Denkschrift liest: »Unternehmerisches Handeln in evangelischer Perspektive« (2008). Diese Denkschrift ist geprägt vom Gedankengut des Neoliberalismus.30 Die Kritik an der Unternehmerdenkschrift muss hier nicht wiederholt werden. Ich beschränke mich auf ein paar Aspekte für unsere Thematik, die in der kritischen Diskussion hervorgehoben wurden.


Es geht um Akkumulation des Kapitals

»Die Logik des Kapitalismus hat zum Ziel nicht die bestmögliche Befriedigung der Bedürfnisse der Menschen, sondern die größtmögliche Akkumulation (Anhäufung) des Kapitals.«31 »Eine Wirtschaft, die vom Wettlauf um die höchstmögliche Rendite getrieben wird, ist blind für die sozialen, ökologischen, volkswirtschaftlichen und gesellschaftlichen Folgen, ja, sie tendiert im Streben nach Kostensenkung strukturell zum Raubbau an sozialen und natürlichen Ressourcen. Wohlstand, Zukunftsvorsorge, Erhaltung der Lebengrundlagen gelingen nur auf der Basis rechtlicher Bindungen und Kontrollen und indem bestimmte Güter und Dienstleistungen den Gesetzen des Marktes entzogen werden.«32 Eine solche Steuerung kann nur der Staat leisten. Dieser aber zieht sich im Neokapitalismus immer mehr zurück.


Verarmung breiter Schichten der Bevölkerung

Das System der Anhäufung des Kapitals »schafft ständig größere Ungleichheiten; die Kluft zwischen Reichen und Armen wird immer breiter und tiefer … Die Gesellschaft wird gespalten in immer mehr Verlierer und immer weniger Gewinner.«33 Konkurrenz ohne Grenzen, grenzenlose Ausbeutung aller natürlichen Ressourcen bedeuten: Verarmung breiter Bevölkerungsschichten, damit der Zwang zu billigen Lebensmitteln und zur Massentierhaltung.

Irreversible Zerstörung der Ressourcen der ­Natur

»Der Wachstumszwang bedingt auch einen immer rasanteren Verbrauch der Naturreserven und eine immer dramatischere Anreicherung der Natur mit Abfallprodukten und Schadstoffen … Die Umwandlung von Stoffen der Natur hat weithin den Charakter alternativloser Zerstörung: Abholzung der Regenwälder, Klimaerwärmung, Artensterben, Landschaftsverbrauch, Überfischung der Meere, Ausbreitung der Wüsten, Wasserknappheit, extreme Wetterereignisse und Naturkatastrophen wie Dürren und Überschwemmungen immer größeren Ausmaßes in immer kürzerer Folge … Die Reproduktionsfähigkeit der Natur kann mit der Belastung der Natur nicht entfernt Schritt halten: Was in Jahrmillionen geworden ist, wird in wenigen Generationen verbraucht. Kapitalistische Ökonomien verstoßen per se gegen das Prinzip der Nachhaltigkeit.«34


Der Mensch, die Kreaturen, Wasser usw. alles wird zur Ware

»Weil die Akkumulation des Kapitals der höchste und einzige Zweck des Kapitalismus ist, wird der Mensch zur Nebensache So gut wie alles wird zur Ware. Alles wird verdinglicht, käuflich, auf seinen Warencharakter reduziert.« Alles wird zur Ware, auch Luft und Wasser und Lebensraum von Tieren und Pflanzen.35


Die Folgen für das Verhalten zu den Tieren sind mit der Hand zu greifen. Die allgemeine Natur- und Schöpfungsvergessenheit erleichtert das Ausblenden dieser Folgen. Empathie für alles Lebendige kommt nicht mehr auf.


6. Die nächsten Schritte – Welche Aufgaben bleiben für die Kirche und ihre Mitglieder?

»Ökologische Theologie«

Wir stehen erst am Anfang, eine unheilvolle Entwicklung aufzuarbeiten. Ohne Aufklärung all der Verengungen, die sich im Laufe der Kirchengeschichte tief in den Glauben der Kirche eingesenkt haben, ist kein Neuanfang möglich. Die wissenschaftliche Theologie hat hier schon viel geleistet. Jürgen Moltmann spricht für viele andere, wenn er sein Programm in die Frage kleidet: »Wie muss der christliche Schöpfungsglaube verstanden und neu formuliert werden, wenn er nicht länger selbst ein Faktor der ökologischen Krise und der Zerstörung der Natur, sondern ein Ferment des zu suchenden Friedens mit der Natur werden soll?«36

Hier ein paar Stichworte für eine solche Theologie:

Christus ist der Erlöser für alle. Die gesamte Schöpfung wartet auf die Erlösung durch Jesus, nicht nur die Menschheit, z.B. Röm. 8.

Im Bund Gottes mit Noah (1. Mos. 9,8ff) sind alle Tiere mit eingebunden. Der neue Bund mit Jesus ist davon nicht separierbar und bezieht sich daher auch auf alle Tiere.

Schöpfung und Erlösung müssen auf einer Ebene gedacht werden. Schöpfungsgemeinschaft setzt sich fort in der Erlösungsgemeinschaft, z.B. Röm. 8 das Harren aller Kreatur auf Erlösung. »Die heilvolle Zukunft der Schöpfung als ganzer wird hier unlösbar an die heilvolle Zukunft des Menschen gebunden. Dieses gemeinsame Hoffen auf Gottes Zukunft impliziert ohne Zweifel schon jetzt einen Umgang des Menschen mit der Natur, der an der Minimierung der Gewalt orientiert ist. Schon jetzt wird damit zeichenhaft vorweggenommen, was am Ende der Zeiten in aller Fülle gegenwärtig sein wird – dass nämlich alle Gewalt in der Schöpfung ihr Ende findet.«37


Widerstand aus Politik und Wirtschaft

Wenn sich die offizielle Kirche, Initiativen oder auch Einzelne für die Tiere einsetzen, müssen sie mit heftiger Gegenwehr aus Industrie, Wissenschaft und Politik rechnen, denn grundlegende Fragen der Schöpfungsethik sind Gegenstand politischer Entscheidungen, z.B. bei der Tierschutzgesetzgebung, bei Gesetzen zu Massentierhaltung und Tierversuchen oder bei der Frage, wie weit Großprojekte wie Flughäfen, Industrieanlangen, Verkehrsinfrastrukturmaßnahmen die Zerstörung der Natur und das Artensterben vorantreiben. Hier können die Evangelische Kirche in Deutschland und die einzelnen Landeskirchen nicht einfach neutral bleiben, sondern müssen ihrer öffentlichen Verantwortung gerecht werden. Die lebhafte Debatte um die Denkschrift der EKD zum Familienbild im Jahre 2013 bestätigt die Meinung der Nordelbischen Kirche von 198038 und zeigt, dass die Menschen von der offiziellen Kirche durchaus ein klärendes Wort erwarten. Es muss sich aber auch theologisch rechtfertigen und biblisch begründen lassen. »Es bedeutet ein Stück Dienst an der Gesellschaft, wenn die jüdisch-christliche Tradition für öffentliche Orientierungsprozesse fruchtbar wird. In kaum einem anderen Bereich von Politik und Gesellschaft sind die aktuellen Entscheidungsanforderungen so stark mit Fragen grundsätzlicher Orientierung bzw. Umorientierung verbunden wie im Bereich des menschlichen Umgangs mit der Natur. Gerade in einer Zeit, in der die Kirchen ihr traditionelles Deutungsmonopol verloren haben, sind sie gefragt als Orte, an denen Diskurse über grundlegende Fragen des Daseins ihren Ausgang finden und als gehaltvolle Beiträge zur öffentlichen Debatte Wirkung entfalten können.«39


Die wunderbare Gabe der Empathie

Die Theologie leitet zur Sprachfähigkeit in der politischen und weltanschaulichen Auseinandersetzung an. Christen, die sich in der Politik und in den Tierschutzvereinen engagieren, brauchen diese Sprachfähigkeit. Die Kirche als Institution muss auf allen Ebenen diese theologischen Erkenntnisse umsetzen und Anleitung für die alltägliche Frömmigkeit geben. Auf der Ebene der Kirchengemeinden sollte in dem Bemühen um die Umwelt auch der Schutz der Tiere und ihrer Würde in das Blickfeld der Gemeindeglieder rücken. Das alles wird uns umso leichter fallen, ja vielleicht überhaupt erst gelingen, wenn wir unsere wunderbare menschliche Gabe der Empathie, des Mitfühlens mit Freude und Leid nicht nur für die Mitmenschen, sondern darüber hinaus für alles Leben um uns herum zulassen und pflegen, ganz im Sinne von Albert Schweitzer: »Ich bin Leben inmitten von Leben, das leben will.«

Bewahrung der Schöpfung ist der eine Impuls für ein neues Denken und Handeln. Darüber aber steht eine andere »Christenpflicht«: das Trachten nach dem Reich Gottes und seiner Gerechtigkeit (Mt. 6,33). Und diese Gerechtigkeit ist nicht teilbar, sie gilt für Menschen, Natur und Tiere. Allzu leicht wird in der Christenheit vergessen, dass wir auf das Reich Gottes hinleben. Wir können diese neue Schöpfung nicht heraufführen, aber wir können in der Vorfreude auf diese neue Schöpfung Gottes Zeichen setzen.

»Jedes Tier, dem wir Schmerzen lindern, das wir seinen Verfolgern entreißen, dem wir artgemäßen Lebensraum verschaffen, dem wir Gemeinschaft und Liebe schenken, bedeutet einen Vorgriff auf den Lobpreis aller Geschöpfe (Offb. 5,13).«40


Anmerkungen:

1 Thomas Oesterle: Hütet die Tiere, Grimm Verlag Tübingen 2013, 10.

2 Immanuel Kant: Metaphysik der Sitten, Tugendlehre §16 und 17, Kant Werke Bd. 7, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1956, 578f.

3 Eugen Drewermann: Über die Unsterblichkeit der Tiere. Hoffnung für die leidende Kreatur, Walter Verlag 1990, 21f.

4 Thomas von Aquin: Summa gegen die Heiden, Zweiter Band. Kap. 82, hrsg. und übersetzt: Karl Albert und Paulus Engelhardt, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt1982, 391ff.

5 Art. Tier, Tierethik. Evangelisches Kirchenlexikon 2004, S. 13838 (vgl. EKL Bd. 4/11, S. 889).

6 Immanuel Kant: Mutmaßlicher Anfang der Menschengeschichte, Kant Werke Bd. 9, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 90f.

7 Immanuel Kant: Metaphysik der Sitten, a.a.O.

8 Vgl. Jürgen Moltmann: Gott in der Schöpfung. Ökologische Schöpfungslehre, München 1985, 43ff.

9 Albert Schweitzer: Ehrfurcht vor den Tieren (Hrsg. Erich Gräßer), München 2006, 156f.

10 Christian Link: Schöpfung. Schöpfungstheologie angesichts der Herausforderungen des 20. Jahrhunderts, 1991, 334f.

11 Vgl. H. Martin Jung: Tierschutzgedanken in Pietismus und Aufklärung, Zeitschrift des Bergischen Geschichtsvereins 1995/96, 109-123.

12 Ausführlich hierzu: Eberhard Röhrig: Mitgeschöpflichkeit. Die Mensch-Tier-Beziehung 2000, 280-294.

13 Dennis Meadows: Die Grenzen des Wachstums. Bericht des Club of Rome zur Lage der Menschheit, Stuttgart 1972.

14 Othmar Keel/Silvia Schroer: Schöpfung. Biblische Theologien im Kontext altorientalischer Religionen, 2002, 11.

15 Rolf Rendtorff: Kanon und Theologie. Vorarbeiten zu einer Theologie des Alten Testaments, 1991, 107.

16 Rendtorff, a.a.O.

17 Gerhard Liedke: Im Bauch des Fisches. Ökologische Theologie, Stuttgart 1979. Carolyn Merchant: Der Tod der Natur. Ökologie, Frauen und neuzeitliche Naturwissenschaft, 1980. Eugen Drewermann: Der tödliche Fortschritt. Von der Zerstörung der Erde und des Menschen im Erbe des Christentums, 1981. Hans Jonas: Das Prinzip Verantwortung, 1984.

18 Bericht aus Nairobi 1975 (hrsg. von Hanfried Krüger und Walter Müller-Römfeld), Frankfurt 1976, 149.

19 Gotthard M. Teutsch (Hrsg.): Umwelt – Mitwelt – Schöpfung. Texte zur Verantwortung des Menschen für die Schöpfung, Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen. Arbeitstexte Nr. 29, 1993, 19.

20 Sie sind in dem Beitrag des Autors »Tiere als Mitgeschöpfe« (DPfBl 8/2013, 453ff) ausführlich dargestellt worden.

21 Zur Verantwortung des Menschen für das Tier als Mitgeschöpf. Ein Diskussionsbeitrag des Wissenschaftlichen Beirats des Beauftragten für Umweltfragen des Rates der EKD, EKD-Text 41, 1991 (Ziff. 12).

22 Zukunft der Schöpfung – Zukunft der Menschheit. Erklärung der Deutschen Bischofskonferenz zu Fragen der Umwelt und der Energieversorgung. Hirtenschreiben der deutschen Bischöfe 28, Bonn 1980 (Ziff. III 2).

23 Hirtenschreiben 1980, a.a.O. (Ziff. III 2). Ähnlich äußern sich die beiden Kirchen 1985: Verantwortung wahrnehmen für die Schöpfung. Gemeinsame Erklärungen von Rat der EKD und Deutschen Bischofskonferenz, (Ziff. 56).

24 Neuorientierung für eine nachhaltige Landwirtschaft. Ein Diskussionsbeitrag zur Lage der Landwirtschaft. EKD und Bischofskonferenz, 2003 (Ziff. 55).

25 Wissenschaftlicher Beirat EKD 1991, a.a.O. (Ziff. 16).

26 EKD und Bischofskonferenz 2003, a.a.O. (Ziff. 51).

27 Wissenschaftlicher Beirat der EKD 1991, a.a.O. (Ziff. 16).

28 Nordelbische Kirche: Für ein Ethos der Mitgeschöpflichkeit. Wort der Kirchenleitung der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche zum Welttierschutztag 1998. Und: Zum verantwortlichen Umgang mit Tieren. Auf dem Weg zu einem Ethos der Mitgeschöpflichkeit. Stellungnahme der Kirchenleitung der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche 2005.

29 Die Kirche ist sich dieser Problematik durchaus bewusst, wenn sie schreibt: »Von Anfang an ist bei der konkreten Umsetzung der Grundsätze und Ziele darauf zu achten, daß die Forderung nach Barmherzigkeit, Humanität und Gerechtigkeit gegenüber den Tieren nicht genau in dem Augenblick aufgegeben wird, wo sie Veränderungen im vorfindlichen Mensch-Tier-Verhältnis nach sich zieht … Halbheiten, mit denen man bequem leben kann [dürfen nicht] schon als Lösungen ausgegeben werden.« Wissenschaftlicher Beirat EKD 1991, a.a.O. (Ziff. 21).

30 Siehe hierzu: Ulrich Duchrow/Franz Segbers (Hrsg.): Frieden mit dem Kapital? Wider die Anpassung der evangelischen Kirche an die Macht der Wirtschaft, 2008. Und: Jochen Vollmer: Eintritt in den processus confessionis. Die Kirche vor der Kapitalismusfrage, in: DPfBl 7/2009. Über den neoliberalen Kapitalismus und seine Kritik gibt es unendlich viele Veröffentlichungen. Duchrow/Segbers a.a.O., 176 weist in der Anm. 79 auf »eine ganze Bibliothek kritischer Literatur« hin.

31 Vollmer, a.a.O., 365.

32 Memorandum 15, in: Duchrow/Segbers, a.a.O.

33 Vollmer, a.a.O., 366.

34 Vollmer, a.a.O.

35 Vollmer, a.a.O.

36 Moltmann, a.a.O., 35.

37 Heinrich Bedford-Strohm: Schöpfung, Bensheimer Hefte 96, 2001, 199.

38 »Immer mehr Menschen sind davon [von dem millionenfachen Leid, das unseren Mitgeschöpfen durch Menschen zugefügt wird – Anm. des Autors] in ihrem Gewissen belastet. Sie warten seit langem auf ein Wort der Kirche, weil im christlich verstandenen Schöpfungsglauben die Kraft liegt, die einen Gesinnungswandel in der modernen Industriegesellschaft bewirken könnte.« Wort zum Tierschutztag 1980. Beschluss der Nordelbischen Kirchenleitung. Ausschuss für Umweltfragen.

39 Bedford-Strohm, a.a.O., 14.

40 Otfried Reinke: Tiere. Begleiter des Menschen in Tradition und Gegenwart, Aussaat Verlag 1995, 113.

 

Über den Autor

Pfarrer i.R. Hans-Eberhard Dietrich, Jahrgang 1943, Studium der evang. Theologie in Tübingen, Heidelberg und Zürich, 1970-2000 Gemeindepfarrer, von 2000 an Lehrauftrag an Gymnasien und Realschulen in Nürtingen, seit 2007 im Ruhestand.

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft: 5/2017

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