Brief aus der Bundeshauptstadt

Von: Siegfried Sunnus
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Berlin ist von seiner Geographie her eine fahrradfreundliche Stadt. Abgesehen vom Prenzlauer Berg gibt es kaum Steigungen zu überwinden. Wer wie der Autor die meisten Strecken per Rad zurücklegt – ordentliches Wetter vorausgesetzt –, kommt gut voran. Bei Sturm und Regen freilich ist der öffentliche Nahverkehr unschlagbar. Aber diese positive Sicht gilt nur für die Wege, die nicht Hauptstraßen sind. Mittlerweile gibt es eine Bewegung von Ehrenamtlichen, die für eine fahrradfreundliche und sichere Stadt kämpfen. Sie halten Mahnwachen, wo Fahrradfahrer ums Leben kommen, sie demonstrieren für mehr Platz für Radfahrer auf den Straßen. Ihr Auftritt zeigt Wirkung. Die Aktivisten der Initiative »Volksentscheid Fahrrad« haben einen ersten Etappensieg erzielt auf dem Weg zu einem »Radverkehrsgesetz«. Dieses wird das erste seiner Art in Deutschland sein.

In zwölf stundenlangen Sitzungen haben Vertreter der Senatsverwaltung, des »Volksentscheids Fahrrad«, der Koalitionsfraktionen SPD, Linke und Grüne, des ADFC Berlin sowie des BUND im sog. »Dialog Radgesetz« die Eckpunkte für das Gesetz erarbeitet. Erstmalig sei damit die Grundlage eines Gesetzes gemeinsam mit Senatsverwaltung, Politik und Volksvertretern erarbeitet worden, teilte die Initiative mit. »Immer mehr Menschen nutzen das Fahrrad für ihre täglichen Wege. Sie fordern zu Recht, dass Radfahren sicherer und bequemer wird«, erklärte die Senatorin für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz Regine Günther. Es sind Eckpunkte auf 15 Seiten für ein Radgesetz erarbeitet worden, die den Ausbau der Radinfrastruktur verbindlich festschreiben. Die wichtigsten Inhalte:

+ Die Zahl der getöteten und schwer verletzten Verkehrsteilnehmer soll auf null gesenkt werden. Hierzu gilt es Kreuzungen umzubauen, weil rechtsabbiegende LKW besonders häufig Radfahrer überfahren.

+ Deshalb soll die Umgestaltung von Knotenpunkten nach klaren Kriterien erfolgen.

+ Das Land soll bis 2025 den Anteil des Radverkehrs an allen zurückgelegten Wegen auf mindestens 30% innerhalb der Umweltzone steigern und in ganz Berlin auf mindestens 20%.

+ Für ein sicheres und komfortables Radfahren soll ein lückenloses Netz geschaffen werden.

+ Dieses Netz soll Radverkehrsanlagen an allen Hauptstraßen mit Fahrrad- und Nebenstraßen verbinden sowie mit 100 Kilometern Radschnellwegen.

+ Besonders wichtige Verbindungen werden als Vorrangnetz ausgewiesen, das zuerst ausgebaut werden soll.

+ Bis 2025 sollen 100.000 neue Abstellmöglichkeiten geschaffen werden.

Wenn das Gesetz beschlossen sein wird, geht die Arbeit der Initiative »Volksentscheid Fahrrad« weiter. Heinrich Strößenreuther, Mitbegründer und Mann der ersten Stunde, erklärt dazu, es sei dafür Sorge zu tragen, dass die jährlich geplanten 51 Mio. Euro auch tatsächlich verbaut werden, damit in zehn Jahren ein sicheres und entspanntes Radeln durch Berlin möglich ist. Bessere Luft und mehr Klimaschutz wird dann ein gutes Stück verwirklicht sein. Tilman Heuser, Geschäftsführer des BUND, zeigt sich erfreut über das Radgesetz: »Damit werden die vereinbarten verbindlichen Ziele für den Radverkehr in einer zukunftsorientierten Handlungsstrategie für den Fußverkehr und den öffentlichen Personennahverkehr integriert.«

Es ist ein Hoffnungszeichen, für den Ausbau der Mobilität in der wachsenden Stadt und die Erhöhung der Umwelt- und Lebensqualität. Wer die Berliner Planung kennt, wird gespannt sein, was davon in zehn Jahren verwirklicht sein wird …



Siegfried Sunnus

 

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft: 7/2017

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