Die Homberger Synode von 1526 als frühes europäisches Modell von Bürgerbeteiligung in einem Reformprozess der Kirche
»Reformatio Ecclesiarum Hassiae«

Von: Helmut Umbach
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Bei der Einführung der Reformation in Hessen ging Landgraf Philipp behutsam und Schritt für Schritt vor – nicht durch unhinterfragbare Machtworte, sondern mit den Mitteln der Überzeugung durch Aussprache und Beratung. Eine Etappe auf diesem Weg war die Homberger Synode von 1526, an die Helmut Umbach hier erinnert.*

Prälatin Marita Natt zum 60. Geburtstag


1. Kontext und Rezeption einer der frühesten protestantischen Synoden

Der damalige Dekan Lothar Grigat aus Homberg schreibt aus Anlass des 475. Gedenktags der Homberger Synode 2001: »Auch wenn das Ergebnis der Tage in Homberg auf den ersten Blick als recht mager erscheinen mag, so hatte der Landgraf jedoch damit zunächst sein Ziel erreicht: er wollte auf der Synode nicht nur erfahren, was die Geistlichen seines Landes über die religiösen Fragen ihrer Zeit dachten, sondern er beabsichtigte, ihnen und den hessischen Ständen durch eine wissenschaftliche Disputation zu beweisen, daß die Reformation der Kirche dringend notwendig und darum durchzuführen sei. Und dieser Beweis ist ihm ohne Frage gelungen. Die Homberger Synode war vor allem anderen ein deutliches Bekenntnis zur Reformation und erhielt somit eine bleibende Bedeutung für die Landgrafschaft Hessen und die dann später daraus entwickelten Landeskirchen von Hessen-Nassau und Kurhessen-Waldeck. Aber auch weit darüber hinaus setzte sie Maßstäbe, zunächst einmal, indem sie eine der ersten Synoden auf reformatorischem Boden überhaupt war, die mit solchen Kompetenzen ausgestattet worden war, und damit quasi zum Vorbild für das demokratisch-synodale System aller späteren Kirchenverfassungen wurde. In ihrem Miteinander von kirchlicher und weltlicher Rechtsform, von Synode und Landtag, schuf sie so die Grundlage für die Erneuerung der Kirche, und ich denke, daß die pointierten Formulierungen … wahrlich nicht ganz überzogen sein dürften, wenn es heißt: Vor 475 Jahren erhielt die neue Kirche Europas zum ersten Mal eine feste Gestalt und Ordnung: in Homberg begann es!«1

Martin Luther hatte in seiner gutachterlichen Stellungnahme allerdings abgeraten, die »Reformatio Ecclesiarum Hassiae«, die Franz Lambert von Avignon erarbeitet hatte, als geltendes Recht in Hessen einzuführen und nannte sie »ein Haufen Gesetze«.2 »Das Fazit, das man also aus Luthers gutachterlicher Stellungnahme ziehen muss, heißt deshalb: Bei Veränderungen muss man langsam und besonnen zu Werke gehen, oder wie er es Landgraf Philipp gegenüber formuliert. ›Darum ist diese Maß zu halten: kurz und gut, wenig und wohl, sachte und immer an.‹ Bemerkenswert ist, dass er kein theologisches Argument anführt und auf biblische Geschichten oder Merksprüche verzichtet. Er stützt sich allein auf die allgemeine Lebenserfahrung.«3

Philipp verzichtete zwar auf die Einführung des Gesetzestextes Lamberts, nicht aber auf die Einführung der Reformation selbst, wie er sie seit 1524 gewollt und auf dem Reichstag zu Speyer 1526 öffentlich bekannt hatte. »Luther war mit seinem Schreiben vom 7. Januar 1527 das Kunststück gelungen, den Landgrafen in seinem Ziel, die hessische Kirche für die Reformation zu öffnen, zu bestärken, ihn aber auch dazu zu bewegen, die gerade beschlossene neue Ordnung nicht in Kraft zu setzen. Philipp fuhr also mit der Einführung der Reformation fort, indem er – wie ihm geraten – statt eines großen Wurfes kleinen Einzelschritten den Vorzug gab, ohne das große Ziel aus dem Auge zu verlieren.«4 Dies ist nach Luthers Rat eine vernünftige geordnete, institutionalisierte Fortführung der Vorgeschichte bis 1526.


2. Die evangelische Bewegung in der Landgrafschaft Hessen von 1517 bis 1526 als regionale Bürger- und Bildungsbewegung

»Meinungsbildung und Entscheidungsfindung vollziehen sich gemeinschaftlich. … Die Orientierung am Wort Gottes bleibt Bedingung aller kirchlichen Verständigung. Das ist einfacher gesagt als in der Praxis umzusetzen! Denn was Gottes Wort, das uns in der Bibel begegnet, in einer bestimmten Situation von uns fordert, läßt sich nicht immer von vornherein ausmachen. Die innerkirchliche Auseinandersetzung ist darum immer auch eine Auseinandersetzung um das angemessene Verständnis des Wortes Gottes.« So heißt es in der Festpredigt Bischof Martin Heins am 21. Oktober 2001 in Homberg.5 Auch deshalb kann man – sowohl theologisch als auch historisch – vor diesem Hintergrund von einer »Evangelischen Bewegung« als Kategorie der Reformation und Reformationsgeschichtsschreibung sprechen.6

»In der Landgrafschaft Hessen begann die Umwandlung des Kirchenwesens 1526. An einigen Orten ging der Reformation eine ›reformatorische Bewegung‹ voraus. Geistliche hatten sich mit Luthers Schriften befaßt und waren zur Ablehnung oder Anerkennung der neuen Gedanken gekommen. Diejenigen unter den Theologen, die Luther zustimmten, trugen ihre Gedanken den Gemeinden vor. Die beste Gelegenheit zur Verbreitung der neuen Lehre bot die Predigt. Es konnte vorkommen, daß im Rahmen der katholischen Messe eine ›artfremde‹ Predigt die Gemeinde der neuen Bewegung zuführte. Mit Einführung der Reformation endete die Reformatorische Bewegung.«7 Alsfeld, Fritzlar, Homberg, Treysa, Eschwege sind Namen von Städten, in denen sich diese Bewegung vor 1526 lokalisieren lässt.

»Die reformatorischen Prediger der Zeit vor 1525 waren eine vielgestaltige Gesellschaft; ihre Predigt war noch ungenormt.«8 »Als Luther an die Öffentlichkeit trat, sah die evangelische Bewegung als Ganze in ihm so etwas wie einen Helden; das Verbindende war das ›Zauberwort‹ ›Evangelium‹ – oder allgemein formuliert: ein unqualifiziertes ›sola scriptura‹ – und die daraus abgeleitete Kritik an der Kirche als Institution, zunächst am Ablaßwesen, bald aber auch am Papsttum sowie dem Wesen und Funktionieren des priesterlichen Amtes.«9 G.G. Krodel meint, »daß man für die Zeit nach dem Frühjahr 1522 nicht mehr von der evangelischen Bewegung sprechen sollte, sondern von ­einem ›evangelisch-reformatorischen‹ und einem ›evangelisch-reformkatholischen‹ ­Flügel der evangelischen Bewegung.«10

In der Auseinandersetzung zwischen B. Moeller und D. Wendebourg kommen zwei unterschiedliche Thesen zum Tragen: Nach Moeller ist Luther »in seiner geschichtlichen Rolle nicht austauschbar, sondern unersetzlich.«11 Die Reformation sei nicht in erster Linie als ein »multiformer, sondern kohärenter Vorgang einzuschätzen«.12 »Ich scheue nicht vor der These zurück, daß es Luthers ›Rechtfertigungslehre‹ gewesen ist, die die Massen in Bewegung gebracht hat«.13 Bei aller Vielfalt überwiegt »eine gewisse Einheitlichkeit der Reformation. Die wesentlichen Vorgaben für die Einheitlichkeit stammen von Luther selbst!«14 »In einem überraschendem, ja verblüffenden Maße ist nämlich, was an theologischen Inhalten mitgeteilt wird, homogen«.15 Die Entdeckung des Evangeliums durch Martin Luther als Grundlage ­einer »Bewegung«!

»Evangelisch« als Programm? Wendebourg bestreitet dies: Weder durch das Schriftprinzip, noch durch die Rechtfertigungslehre sei die Reformation als Einheit zu sehen: »Nicht aus der Innenperspektive ist sie als Einheit zu bestimmen, sondern nur von außen her zu gewinnen.«16 »Dieses Außen ist die Gegenreformation – ihr Urteil erst macht die Reformation zur Einheit.«17 Demgegenüber betont K. Dienst: »Nicht erst die Lehrfestlegungen des Trienter Konzils (1545-1563) lassen für mich die Reformation zur ›Reformation‹ werden (so Wendebourg). Der Prozeß des Systemsprengenden und damit das Konstitutive der Reformation beginnt längst vor den lehramtlichen Festlegungen der Papst- und Konzilskirche in den Lehren und praktischen Änderungen der reformatorischen Theologie und evangelischen Bewegung selbst. Meine These ist, daß die Reformation der 20er und 30er Jahre des 16. Jahrhunderts nicht erst im nachhinein – durch die Lehrentscheidungen der römischen Kirche – reformatorischen Charakter gewinnt, sondern das Systemsprengende schon von Anfang an in sich trägt. Die frühen Reaktionen der Kurie im römischen Prozeß Luthers, die Bannandrohungs- und Bannbulle gegen Luther wirkten zwar katalysatorisch und beschleunigend; aber sie produzierten nicht das Reformatorische.«18

Vor dieser »theologischen Einheit« treten dann auch die Phänomene der Vielfalt hervor: »Zu beachten ist ja nicht nur, was von den Predigern gepredigt wurde, sondern auch, wie ihre Predigten von Menschen ganz anderer sozialer Verortung, anderer Bildungsvoraussetzungen und anderer Berufskompetenzen vernommen und verarbeitet wurden: von Rittern, Patriziern, gelehrten Juristen und Ratsschreibern, Handwerkern, Bauern, Frauen usw., ›Rezeption‹ bedeutet hier stets selbständige Verarbeitung der von Luther und anderen reformatorischen Theologen aufgenommenen Impulse. Es gab nie eine ›enggeführte‹ Reformationsbewegung, nie eine Einheitlichkeit der Reformation. Vielmehr zeigt sich gerade im Bereich der frühen Luther-Rezeption, wie sich das Gemeinsame zu höchst selbständigen Gestalten und Typen des Reformatorischen ausprägt. Ich denke: Auch Homberg 1526 kann dafür ein wichtiges Beispiel sein!«19

Diese »Bewegung« verwandelte sich nun nicht »automatisch« in eine Landeskirche, im Schnittpunkt der Entwicklung stand aber nun – seit dem Speyerer Reichstagsabschied von 1526 die »Obrigkeit« und ihre Entscheidung!20 »Für die Landgrafschaft Hessen und die Homberger Synode war er [d.h. der Speyerer Abschied] ein wichtiges Durchgangsstadium auf dem Weg zur Ausbildung der hessischen Landeskirche und eine Rechtfertigung für das Eingreifen der Obrigkeit in die kirchliche Lage.«21 In Homberg »begann es« also nicht, aber es war doch Ort einer wichtigen Transformation des Speyerer Reichstagsabschieds in eine konkrete ­regionale, hier die hessische Herrschaft.


3. Landgraf Philipp von Hessen als evangelischer europäischer Fürst. Seine Entwicklung und seine Rolle 1526

»Landgraf Philipp war alles andere als ein ›Demokrat‹. Aber daß in Fragen der Religion alle getauften Christen ein Urteilsvermögen besäßen, war auch bei ihm unumstritten.«22 Er hätte nach Speyer im Sommer 1526 ganz eigenständig handeln können. Warum berief er eine Versammlung, einen Landtag bzw. eine Synode ein? »Weil er sich dem biblischen Vorbild verpflichtet wußte, wie bei Konfliktfällen Entscheidungen gefunden werden könnten: nicht durch unhinterfragbare Machtworte, sondern durch die Kraft der Überzeugung! Dazu aber braucht es die offene Aussprache und Beratung.«23 Dieses Vorgehen zeigt also, wie sehr Philipp von Hessen 1526 bereits »evangelisch« geworden war!

Am 17. März 1518 war Philipp von Hessen 14-jährig von Kaiser Maximilian für »großjährig« erklärt worden, um die Herrschaft von einem Ausschuss der Landstände und seine Mutter Anna zu übernehmen. 1521 beim Wormser Reichstag zeigte er großes Interesse für religiöse Fragen, wieweit dies auf eine Begegnung mit Martin Luther beruht, ist umstritten. Sicher ist, dass es bereits in seinem Herrschaftsgebiet in Marburg, Hersfeld, Fritzlar, Kirchhain u.a. Bewegungen und Entscheidungen gegen die »Altgläubigen« gab.24 Bis 1524 blieb Philipps Position jedoch »in dem Glauben, darin er geboren und auferzogen«25 worden war. Erst bei einer zufälligen Begegnung mit Philipp Melanchthon 1524 änderte sich seine Position.26 Philipps Ratgeber, Kanzler Johannes Feige und ab 1525 Magister Adam Krafft, beeinflussten ihn. Dagegen versuchte noch 1525 der am Hof, bei Philipps Mutter, angesehene Guardian der Marburger Franziskaner, Nikolaus Ferber, Philipp von der Hinwendung zu Luthers Lehre abzuhalten. Krafft war in Erfurt Student gewesen, war bei der Leipziger Disputation ein Anhänger Luthers geworden, war Prediger in Hersfeld und Fulda gewesen.27

Nach Niederschlagung der Bauernaufstände wurde Krafft Hofprediger und Visitator der Pfarrer in der Landgrafschaft. »Und damit begann in Hessen die eigentliche Reformation: die Bestallung Kraffts wurde geradezu als Wendepunkt von geschichtlicher Bedeutung, als Geburtsstunde einer einheitlichen Durchführung der Reformation bezeichnet: an die Stelle des religiösen katholischen Kirchenregiments trat die weltliche landesherrliche Aufsicht über das Kirchenwesen!«28 Den Handlungsspielraum gab ihm im Februar 1526 das Gotha-Torgauer Bündnis mit Sachsen (gegen das Dessauer Bündnis von 1525 von vier Landesfürsten, die die »verdammte lutherische Sekte« ausrotten wollten)29, den Handlungsimpuls aber der Reichstag von Speyer im August 1526. Die Durchführung einer Synode bzw. eines Landtages hatte in Hessen Tradition:30 Über den »Ständelandtag« am 7. Mai 1526 »läßt sich nur vermuten, daß es dabei wohl auch um Fragen der Reformation ging – weil kurz darauf um Fritzlar herum die gesamte Geistlichkeit zum Luthertum übergetreten sein soll.«31 Philipp wollte sich beraten, so kommt es im Herbst 1526 zur Homberger Synode.

Wie kam Philipp von Hessen aber auf Lambert von Avignon als Berater und Vorbereiter der Synode? Lambert von Avignons »Stationen« sind wahrhaft »europäisch«: 1486 in Südfrankreich geboren, 1515 Prediger des Ordens der Franziskanerobservanten, 1522 Reise nach Deutschland, Disputation mit Zwingli in Basel, dann gab er sein Mönchtum auf, 1523 Begegnung mit Luther, lebte eine Zeitlang in Wittenberg, dann in Metz und Straßburg, 1526 reiste er nach Speyer. Dort begegnete er Philipp, der ihn nach Hessen einlud. Eine wahrhaft europäische Biographie brachte sich in Homberg/Hessen ein!32

Dass die Synode die »Paradoxa« Lamberts positiv zur Kenntnis nahm – bis auf die eine Gegenstimme aus Marburg – ist das eine, dass Philipp dennoch zuerst Luthers Rat einholte, bevor er sie dann nicht einführte, das andere und wird in der Reformationsforschung nur gestreift.33 Es spricht für Philipp, dass er diese rigoristische Härte von Lamberts Vorlage nicht als Kirchenordnung durchsetzte, sondern auf Luther hörte und die Reformation einführte, jedoch ohne diese strenge Ordnung, Schritt für Schritt.

So folgte am 31. Mai 1527 die Gründung der Marburger Universität und im März 1529 die Installation der Stipendiatenanstalt zur Heranbildung der für die Reformation nötigen Pfarrer und Juristen: ein Bildungsprogramm von europäischer Ausstrahlung. »Auch damit hatte er Luthers Rat von Anfang Januar 1527 über eine langsame Entwicklung und eine gezielte Bildung das Volk mit den Zielen der Reformation vertraut zu machen, sich zu Herzen genommen und für die nötigen Institutionen gesorgt.«34


4. Die Marienkirche in Homberg (Efze) als öffentlicher Raum des Landtags/der Synode von 1526

Seit der zweiten Hälfte des 13. Jh. war Homberg Sitz eines »landgräflichen hessischen Amtsmannes für das Amt Homberg«.35 Homberg wird 1231 zum ersten Mal als Stadt erwähnt.36 Grigat schreibt: »Es ist mit Sicherheit so, daß Homberg als Ort der Synode vom Landgrafen ausgewählt wurde wegen seiner ungeheuer günstigen Lage am Kreuzpunkt verschiedener Handelswege und wegen der in ihr vorhandenen zahlreichen Übernachtungsmöglichkeiten, aber auch wegen des überaus großen Versammlungsraums in der prächtigen Stadtkirche. Im Übrigen war Homberg bereits mehrmals in den Jahren 1508, 1509, 1514 und 1518 Ort für Landtage gewesen und so dem Landgrafen bestens bekannt: die Stadt zählte damals zu den ersten der Landgrafschaft, war auch eine der größten Städte und so durchaus in der Lage, auch eine ungewöhnlich große Zahl an Gästen unterzubringen. All dies war wohl ausschlaggebend für die Wahl des Ortes und nicht – wie manchmal vermutet wurde! – daß in dieser Stadt schon seit Jahren durch Eugenius Ungefug die Lehren der Reformation verbreitet wurden und der neue Glaube auch hier längst Fuß gefaßt hatte.«37 Die Stimmung in Homberg war jedenfalls nicht reformfeindlich!

Die Synode in Homberg währte drei Tage (mit einigen Tagen »Vorlauf«): Über den Verlauf vom 21.-23. Oktober 1526 gibt Grigat eine detaillierte Zusammenfassung.38 Über die Folgen heißt es: »Der Landgraf folgte Luthers Rat, nicht zuletzt aus politischen Rücksichten (im Kurfürstentum Sachsen, dem engsten Bundesgenossen Philipps, war Luthers Wort unumstößlich maßgebend), und führte die ›Reformatio‹ nicht ein, sondern erließ die Einführung der Reformation seit 1527 auf dem Weg der Gemeindevisitation. Dementsprechend entstehen auch weitere Regelungsverordnungen erst nach und nach: die Kirchendienerordnung von 1531 (das Amt des Superintendenten entsteht), die Gottesdienst-Ordnung von 1532, die Hessische Kirchenordnung von 1532 (die vermutlich auch nie eingeführt wurde), die Ziegenhainer Kirchenzuchtordnung von 1539 und die Kasseler Kirchenordnung von 1539. Über die Homberger Synode von 1526 selbst und ihre Bedeutung gehen die Meinungen weit auseinander: als ›heilige Synode, ehrwürdig und christlich und wert, allerorten nachgeahmt zu werden‹ erscheint sie ihrem maßgeblichen Initiator Lambert, während Nikolaus Ferber von ihr als einer ›tragedia‹ spricht und der Jesuit Schmitt sie gar eine ›Aftersynode‹ nennt. Zweifellos ist jedoch, daß sie den historischen Zeitpunkt markiert, zu dem der weitaus größte Teil der hessischen Gemeinden zusammen mit ihren Pfarrern evangelisch wurde, und die Vorbild wurde für die Kirchenbildung späterer Zeiten in ganz Deutschland und darüber hinaus. Denn sie war jedenfalls etwas absolut Neues: der Versuch, ein ganzes Land an einer grundsätzlichen Glaubensentscheidung teilnehmen zu lassen. Und insofern markiert sie ein entscheidendes Datum in der Kirchengeschichte über den eigentlichen hessischen Raum hinaus.«39


5. Philipps Gründung der Marburger Universität 1527 als modernes Bildungsprogramm von europäischer Dimension

Die Universität als »universitas magistrorum et scholarium« war im Mittelalter und auch im 16. Jh. der »Zusammenschluß der an einem Ort wirkenden Lehrer und Schüler zu einer privilegierten Korporation«.40 Die frühesten europäischen Universitäten, Bologna und Paris hatten das Prinzip bereits auch mit dem Privileg einer eigenen Rechtsprechung einführen können.41 1502 war die Universität Wittenberg, 1506 die Universität Frankfurt/Oder gegründet worden.42 Bereits 1526 erwägt Philipp von Hessen die Gründung als »ein Pädagog oder ein Schul«.43 Nachdem Philipp seine Residenz von Marburg nach Kassel verlegt hatte, sollte die Universität in Marburg sein.44 »Um die hessischen Studenten an ihr Land zu binden, wurde eine ›Stipendiatenanstalt‹ geschaffen.«45

Die erste Ordnung der Universität »der ›Freiheitsbrief‹ des Landgrafen, stammt erst aus dem Jahr 1529.«46 Und ihre Privilegierung, d.h. Anerkennung erhält sie durch Kaiser Karl V. erst am 16. Juli 1541.47 »Einem Wettstreit der neuen Hochschule mit den älteren standen jetzt keine rechtlichen Hindernisse mehr im Weg – jedenfalls nicht im Gebiet des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation.«48 Auf päpstliche Privilegien verzichtete Philipp ganz, der Antrag wurde erst gar nicht gestellt, sodass man zu recht sagen kann: »Die Philipps-Universität wird die erste protestantische Hochschule genannt.«49 Am Ort des Marburger Religionsgesprächs präsentierte sich zwei Jahre nach Gründung der Universität die Zusammensetzung der Delegierten jedenfalls als »europäisch«.

Es war Philipp von Hessen, der später »der Großmütige« genannt wurde, gelungen, zum berühmten »Marburger Religionsgespräch« am 1. Oktober 1529 nach Marburg einzuladen. Das Gespräch sollte zwischen Huldrich Zwingli und Martin Luther, den Schweizerischen und Oberdeutschen und den Übrigen im Abendmahlsstreit vermitteln; anwesend waren nicht nur Luther und Zwingli, sondern auch Melanchthon und Bucer, sowie Jonas, Brenz, Osiander, Oekolampad, Hedio u.a.. War es auch hier nicht in allen Punkten zu einer Einigung gekommen, brachte dieses »Forum« doch eine innerprotestantische Plattform allererster Güte, ja von europäischen Dimensionen.50

Neben dem Abendmahlsstreit ist aber hier in Marburg auch der Ausgangspunkt für weitere Reformen zu sehen. Der Straßburger Reformator Bucer diskutierte noch im selben Monat, »vom 30. Oktober bis zum 3. November 1529 in Marburg öffentlich mit drei hessischen Täufern. Er verurteilte dabei scharf ihre Absonderung von der Gemeinde, ihre kirchenfeindliche Tauflehre und ihre Skepsis der Obrigkeit gegenüber, stimmte aber auch in einigen Punkten mit ihnen überein.«51 »Hinsichtlich der Kindertaufe schließlich kam Bucer den Täufern ein Stück entgegen und forderte einen überprüfbaren Abschluss ihrer Katechismus-Unterweisung. Diese Entwicklung führte dann einige Tage später zum Treffen in Ziegenhain, bei dem die Punkte Bann, Ältestenamt und Konfirmation im Mittelpunkt standen.«52 »Schon die Gespräche in Marburg hatten aber zur Folge, dass viele der Täufer zur Kirche zurückkehrten, nicht zuletzt deshalb, weil Bucer auf den Hauptanstoß der Täufer, das unchristliche Leben vieler Kirchenmitglieder einging, und die hessische Kirche bereit war, dem zu begegnen. Das Ergebnis liegt in der Kirchenzuchtordnung von Ziegenhain vor mit der Einrichtung des Ältestenamtes (Seelsorge), der Einführung der Kirchenzucht (Bann) und der Konfirmation.«53

Man kann zusammenfassen: »Die Ziegenhainer Kirchenordnung wurde zusammen mit der auch 1539 abgefassten Kasseler Kirchenordnung zu einer wichtigen Ausgangsbasis für die spätere Entwicklung der hessischen Kirche. Die Konfirmation verbreitet sich von hier aus über ganz Deutschland und Europa.«54 Aber auch das Laienamt des »Kirchenältesten« ist von nun an aus den Reformatorischen Kirchen nicht mehr wegzudenken.55 Obwohl Bucer die Vorarbeiten zu dieser Versammlung in Ziegenhain im Wesentlichen geleistet hatte, war er selbst persönlich »wohl nicht anwesend«, jedoch A. Krafft, T. Schnabel, J. Kimeus u.a.56 1530 hatte Philipp schließlich die »oberhirtliche Aufsicht über die Hessische Kirche« Magister Adam Krafft übertragen.57 Er ist in allen entscheidenden Veranstaltungen leitend vertreten.

Schritt für Schritt war es Philipp von Hessen gelungen, die evangelische Bewegung in Hessen aufzunehmen und unter theologischer und juristischer Beratung die Entdeckung des Evangeliums von der Rechtfertigung allein aus Gnade für die Erneuerung der Kirche unter Beteiligung vieler in seinem Herrschaftsbereich fruchtbar zu machen und organisatorisch und institutionell umzusetzen.


Anmerkungen:

* Vortrag zur Fifth RefoRC Conference 2015 in Leuven (Belgium), 7.-9. Mai 2015.

1 L. Grigat, In Homberg fing es an. Die Homberger Synode 21.-23. Oktober 1526. Vortrag vom 14.03.2001 vor dem Verein für hessische Geschichte, Zweigverein Hessisch-Lichtenau, abgedruckt in: Die Homberger Synode von 1526, Die Reformation in Hessen, Hg: Zweigverein Homberg im Verein für hessische Geschichte und Landeskunde Kassel e.V., Homberg 2002², 56-68, hier 67.

2 Nachweise bei H. Kemler, »Ein Haufen Gesetze« und was dahinter steht. Luthers Nein zum Ergebnis der Homberger Synode von 1526, abgedruckt in: Die Homberger Synode von 1526, a.a.O., 69-75, hier 72.

3 Kemler, a.a.O., 73, dort auch die Belege.

4 Kemler, a.a.O., 74.

5 M. Hein, Reformation der Kirche – Kirche der Reformation: 475 Jahre Homberger Synode. Predigt in der Evangelischen Stadtkirche St. Marien zu Homberg/Efze am 21. Oktober 2001, abgedruckt in: Die Homberger Synode von 1526, a.a.O., 7-9, hier 9.

6 K. Dienst, Die »Evangelische Bewegung« als Kategorie des Reformationsgeschichtsschreibung, abgedruckt in: Die Homberger Synode von 1526, a.a.O., 10-22, hier 10.

7 Dienst, a.a.O., 11, zitiert H. Steitz, Geschichte der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Marburg 1977, 1: »Der Vorgang ist an sich rein rechtlicher Natur. Die Auswirkungen jedoch ergriffen das geistige, politische und wirtschaftliche Leben in einem solchen Umfange, daß Reformation zu einem Neuanfang wurde.« Paulgerhard Lohmann, Reformation in Fritzlar 1521-1648, Bd. 1: Evangelische Christen in Fritzlar, Reformation und Gegenreformation in Fritzlar 1521-1648 im Streit zwischen dem Landgrafen von Hessen und den Erzbischöfen von Mainz, Fritzlar 2004, schreibt auf S. 25ff von den ersten evangelischen Predigern in Fritzlar, Johannes Huhn, Johannes Baune und Johann Hefentreger, die alle ab 1521 in der Stiftskirche Fritzlar (jetzt Dom) bzw. in der Katharinenkirche evangelische Predigten hielten. Vgl. auch M. Hederich. Um die Freiheit der Kirche, in: Monographia Hassiae, Bd. 1, Kassel 1972, 23: »Auch das Auftreten der Prediger …, Magister Gerhard Ungefug in Homberg, Nikolaus Ulifex in Treysa, Johann Baune und Johann Huhn in Fritzlar weist darauf hin, daß schon Jahre vor der offiziellen Einführung der Reformationsordnung durch den Landgrafen die evangelische Lehre in voller Breite das hessische Land erreicht hatte und von der Bevölkerung weitgehend mit Freuden angenommen wurde. Es entstand hier eine evangelische Bewegung von unter her, getragen von der niederen Geistlichkeit, vom Landadel, von der städtischen Bürgerschaft und auch vom Bauerntum. Vielfach geschah dies im Widerstand gegen die Obrigkeit, bestenfalls nur mit stillschweigender Duldung derselben. Die umfangreiche Ausbreitung der evangelischen Bewegung veranlaßte auch den jungen Landgrafen Philipp zu heftigen Vorwürfen gegen die Reformatoren.«

8 Dienst, a.a.O., 16.

9 G.G. Krodel, »Evangelische Bewegung« – Luther – Anfänge der lutherischen Landeskirche: Die ersten Jahre der Reformation im Schnittpunkt von Kirchengeschichte und Sozialgeschichte. In: W.D. Hauschild u.a. Luthers Wirkung. FS für Martin Brecht zum 60. Geburtstag. Stuttgart 1992, 9-45, 14.

10 Krodel, a.a.O., 18.

11 Dienst, a.a.O., 17.

12 B. Hamm, B. Moeller, D. Wendebourg. Reformationstheorien. Ein kirchenhistorischer Disput über Einheit und Vielfalt der Reformation. Göttingen 1995, 27.

13 Moeller, a.a.O., 27: »Bei der Lutherrezeption … geht es um den Vorgang, bei dem ›Luther‹ erst eigentlich entstand, der Luther nämlich, der nicht der unbekannte Mönch und Professor in Wittenberg blieb, sondern der zu einer Person der Weltgeschichte wurde. Dieser Luther wurde geboren zu einem Zeitpunkt und wuchs heran seit dem Zeitpunkt, an dem Leute seine Sache zu ihrer eigenen Sache machten und ihr Leben an sie wagten. Dieser eigentliche ›Luther‹ entstand also durch die Rezeption, und zwar nicht nur in dem Sinn, daß sich seither sein Ruf entwickelte, sondern auch in dem Sinn, daß sein eigenes Denken und sein literarisches Werk sich erst im Gefolge dieser Rezeption ins Weite und Große ausbreiten und dabei bedeutsam verwandelten.« (a.a.O., 10)

14 Dienst, a.a.O., 18.

15 Moeller, a.a.O., 183, 191f.

16 Dienst, a.a.O., 19.

17 Wendebourg, a.a.O., 50.

18 Dienst, a.a.O., 19f: »Das Gemeinsame der Reformation ist demgegenüber als Bruch mit dem Gradualismus, mit der gestuften Kooperation von Gott und Mensch bei der Erlangung des Heils zu beschreiben. Hier spielen dann die Betonung der Alleinwirksamkeit Gottes, der Heiligen Schrift als alleinige Normquelle, der Rechtfertigung aus Gnaden, nicht aus Werken und das Gemeindeprinzip eine wichtige Rolle.«

19 Dienst, a.a.O., 20, vgl. auch M. Arnold: Handwerker als theologische Schriftsteller. Studien zu Flugschriften der frühen Reformation (1523-1525), Göttingen 1990.

20 Dienst, a.a.O., 21f: »Je nach den äußeren Umständen und den persönlichen religiösen Überzeugungen – oder aber dem Mangel an solchen Überzeugungen – reagierten die Obrigkeiten auf die Entwicklung in Stadt und Land negativ, positiv, ignorierend (wenn möglich) oder auch dissimulierend (wenn notwendig).«

21 Dienst, a.a.O., 22, vgl. auch H. Schneider, »Das heißt eine neue Kirche bauen«. Die Formierung einer evangelischen Landeskirche in Hessen, in: Reformation und Landesherrschaft, Vorträge des Kongresses anlässlich des 500. Geburtstages des Landgrafen Philipp des Großmütigen von Hessen vom 10. bis 13. November 2004 in Marburg, hg. v. I. Auerbach, Marburg 2005, 73-99, bes. 98.

22 Hein, a.a.O., 9.

23 Hein, a.a.O., 7.

24 Vgl. Grigat, a.a.O., 58, vgl. auch Lohmann, a.a.O.

25 Zitat nach Grigat, a.a.O., 58.

26 Grigat, a.a.O., 58, bezeichnet dies Begegnung als zufällig, Melanchthon antwortete dann auf Philipps Fragen schriftlich in seiner »Kurze(n) Darlegung der erneuerten kirchlichen Lehre«, a.a.O., 58.

27 Vgl. Grigat, a.a.O., 59.

28 Grigat, a.a.O., 59.

29 Vgl. Grigat, a.a.O., 59.

30 Nach 1518 wieder für den 7. Mai 1526 einberufen. Dieser Landtag der Stände ist leider schlecht dokumentiert. Vgl. Grigat, a.a.O., 59.

31 Grigat, a.a.O., 59, vgl. Lohmann, a.a.O.

32 Grigat, a.a.O., 60.

33 H. Bornkamm, Martin Luther in der Mitte seines Lebens. Göttingen 1979, 254: Die hessische Kirchenordnung gehe nach Luthers Meinung auf »sein altes Sorgenkind Lambert« zurück mit »seiner Aufdringlichkeit und Geschwätzigkeit«.

34 Kemler, a.a.O., 74, vgl. auch W. Heinemeyer. Die Bildungspolitik Landgraf Philipps des Großmütigen von Hessen, 1970 in: W. Heinemeyer: Philipp der Großmütige und die Reformation in Hessen, gesammelte Aufsätze zur Hessischen Reformationsgeschichte. Marburg 1997, 47-72.

35 Vgl. H. Blau, Die Stadt Homberg zur Zeit der Reformation bis zum 30jährigen Krieg, in: Die Homberger Synode von 1526, a.a.O., 46-52, hier 46.

36 G.W. Kieling, Steine erzählen Geschichte, Beobachtungen und Ergänzungen eines Homberger Steinmetzmeisters zur Geschichte der Homberger Stadtkirche, in: Die Homberger Synode von 1526, a.a.O., 133-145, hier 134.

37 Grigat, a.a.O., 65.

38 Grigat, a.a.O., 66: »Am dritten Tag, dem 23. Oktober, über den es allerdings nur sehr unzureichende Nachrichten gibt, hat es offenbar eine kurze Disputation zwischen Lambert und einem Magister Johannes Sperber, Pfarrer in Waldau zu Kassel, gegeben: dabei wurde Sperber aber von Lambert ›dermaßen widerlegt, daß jedermann mit dem guten alten Manne ein Mitleiden hatte …‹. Nach dieser schnellen Abfertigung wurden dann noch einige Männer gewählt – in einer der Quellen heißt es ›etliche der fürnemsten Pfarrherrn‹ –, die den Auftrag bekamen, eine Reformationsordnung für die Landgrafschaft Hessen auszuarbeiten. Und das ist im Grunde der einzige Beschluß, den die Homberger Versammlung wirklich gefaßt hat. Allerdings war gerade mit dieser Maßnahme die Annahme des reformatorischen Gedankenguts beschlossen.«

39 Grigat, a.a.O., 68.

40 E. Wolgast, Art. Universität, in: Theologische Realenzyklopädie (TRE) Bd. 34, Berlin 2002.

41 G. Müller, Die Gründung der Philipps-Universität Marburg, in: Die Homberger Synode von 1526, a.a.O., 169-178, hier 169. »Die Gruppe von Lehrenden und Lernenden mühte sich gemeinsam um das Universum des Wissens. Dafür bildeten sich vier Fakultäten heraus: die Artisten, die Theologen, die Juristen und die Mediziner. Die Artistenfakultät war die Basisfakultät. Alle, die in eine der ›höheren‹ Fakultäten aufsteigen wollten, mußten sie erfolgreich durchlaufen, bevor sie Theologie, Rechtswissenschaften oder Medizin studieren konnten. Die ›Artes‹, die Künste, die zu erlernen waren, bestanden zunächst aus Grammatik, Dialektik und Rhetorik. Es waren also philologische Fähigkeiten zu erlernen: der angemessene und erfolgreiche Umgang mit der Sprache. Die Wissenschaftssprache war im Abendland das Lateinische bis in das 19. Jahrhundert hinein. Die gemeinsame akademische Sprache erlaubte es, von Bologna nach Paris, von England nach Deutschland zu wechseln, ohne eine neue Sprache für die Weiterführung der Studien erlernen zu müssen.«

42 Wieweit bereits Philipps Vater, Landgraf Wilhelm II., der 1509 starb, eine Universität gründen wollte, ist umstritten.

43 Müller, a.a.O., 171.

44 Müller, a.a.O., 171. Es »soll ein ›allgemeines Studium‹ geschaffen werden (›universale studium‹), also eine Universität, an der die üblichen Fakultäten vertreten sind.«

45 Müller, a.a.O., 172.

46 Müller, a.a.O., 173. »Sie enthält ›Zollfreiheit im ganzen Fürstentum‹, ›Freiheit von der Steuer für Lehrer und Studierende‹ in Marburg und auch das Jurisdiktionsrecht des Rektors.«

47 Vgl. Müller, a.a.O., 176.

48 Müller, a.a.O., 176.

49 Die Universität Liegnitz war zwar kurz vorher gegründet worden, konnte sich jedoch nicht halten: vgl. dazu H. Schneider, Art. Marburg, Universität, in: TRE Bd. 22, Berlin 1992, 68-75, 68, und Müller, a.a.O., 175.

50 Man einigte sich ja bekanntlich in 14 Punkten, der 15. Punkt blieb »uneinig«.

51 G. Dellit, Die Ziegenhainer Kirchenzuchtordnung von 1539 im Rahmen der Einführung der Reformation in Hessen, in: Die Homberger Synode von 1526, a.a.O., 122-132, hier 124. Dabei ging es um Vermahnung und Bann für offensichtliche Sünder und um Lehre und Lebensführung der Pfarrer.

52 Dellit, a.a.O., 125.

53 Dellit, a.a.O., 125.

54 Dellit, a.a.O., 132. Dellit belegt (128): »Der Straßburger Theologe und Kirchenmann Martin Bucer hatte im Elsass seine Erfahrungen mit den ›Täufern gemacht, die die Kindertaufe ablehnten, ein Leben der Heiligen forderten und die christliche Gemeinde von Unheiligen befreien wollten. Es sollte dabei aber nicht das Schwert, sondern eine kritische Aufnahme der Anliegen der Täufer die Probleme lösen. Aus dem Studium der Kirchenväter wusste Bucer, was in der alten Kirche ›Firmung‹ bedeutete. Er versuchte dies nun in reformatorischer Gestalt zu verwirklichen: Neben der Förderung der kirchlichen Unterweisung (›Katechismus‹) spielten der Wille, die Konfirmierten der Kirchenzucht und der Seelsorge zu unterstellen, die Fürbitte um den Heiligen Geist, die Handauflegung und die Aufforderung zur Abendmahlsteilnahme eine Rolle.«

55 Vgl. Dellit, a.a.O., 132.

56 Dellit, a.a.O., 125.

57 Dellit, a.a.O., 125. Dort ist auch belegt der Lebenslauf mit den kirchlichen Funktionen von A. Krafft: 1525 Hofprediger bei Philipp, 1526 Teilnehmer an der Homberger Synode, 1527 Teilnehmer der Visitationskommission, Superintendent in Marburg, seit 1527 auch Professor dort, 1529 Teilnehmer beim Religionsgespräch in Marburg, 1531 Mitwirkung bei Errichtung des Gotteskastens, 1537 Mitwirkung bei der Gestaltung der Gottesdienstordnung, 1538 Ziegenhainer Zuchtordnung, 1539 Kasseler Kirchenordnung.

 

Über den Autor

Prof. Dr. Helmut Umbach, bis 2017 Dekan des Kirchenkreises Fritzlar-Homberg, Professor der Universität Kassel, Institut für Evangelische Theologie.

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft: 10/2017

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