Ein Blick in die Spielpläne der Theatersaison 2017/18
»Nun sag, wie hast du’s mit der Religion?«

Von: Janina Franz
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Religion und Theater, ursprünglich eng miteinander verbunden, haben sich seit der Aufklärung mehr und mehr voneinander entfremdet. Doch jüngst lassen sich vielversprechende neuerliche Annäherungsversuche beobachten – und die haben keineswegs nur mit dem »Reformationshype« 2017 zu tun. Janina Franz hat die Spielpläne der aktuellen Saison durchforstet.


»Kirche und Theater, zwei wichtige Kulturräume der Stadtgesellschaft, haben viele Gemeinsamkeiten: Hier wie dort werden die großen Fragen über Sinn, Zusammenleben und die Rolle des Menschen in der Welt gestellt, in der Gemeinschaft erfahren und in einem dramaturgisch-liturgischen Rahmen verhandelt. Warum also schließen wir uns nicht zusammen und diskutieren gemeinsam über Bühne und Welt?«1 Mit diesen Worten begründet das Theater Augsburg seine neu ins Leben gerufene Reihe »Ein Wort zum Sonntag«: ab jetzt soll regelmäßig in den Gottesdiensten zweier Kirchengemeinden über Werke aus dem aktuellen Spielplan und deren Inszenierungen gepredigt werden.

Auch ich bin von der produktiven Kraft eines Dialogs von Kunst und Kirche überzeugt und möchte mich daher mit diesem Beitrag an der Diskussion über Bühne, Welt und Gott beteiligen, indem ich einen Blick darauf werfe, wie das Thema »Religion« in der noch jungen Theatersaison 2017/18 auf der Bühne verhandelt wird. Aufgrund der reichen und vielfältigen Theaterlandschaft und den Schwierigkeiten einer genauen Religionsdefinition kann es sich dabei selbstverständlich nur um einen Gesprächsbeitrag handeln, der keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt, sondern vielmehr zum Weiterdenken, -forschen und -diskutieren anregen soll. Beim Blick auf die Spielpläne der aktuellen Spielzeit lassen sich m.E. folgende Schwerpunkte ausmachen:


1. Reihen

Neben der bereits erwähnten Augsburger Reihe »Ein Wort zum Sonntag«, die mit ähnlichem Konzept und anderen Namen auch an weiteren Theatern (z.B. Landestheater Detmold, Staatstheater Kassel) angeboten wird, widmet sich das Theater Gera/Altenburg mit einer anderen Veranstaltungsreihe dem Dialog von Theater und Religion. Unter dem Motto »Vom Himmel hoch – Glaube und Gesellschaft« werden Konzerte, Lesungen, Opern, Schau- und Puppenspiel sowie ein Tanzabend zu religiösen Themen geboten.


2. Martin Luther und das Reformationsjubiläum

Das Reformationsjubiläum macht auch vor dem Theater nicht Halt. Mit Stücken, Projekten, Sonderveranstaltungen und Konzerten wird das Thema »Reformation« auf und neben der Bühne verhandelt. So erklingen beispielsweise in Gera/Altenburg im Rahmen der eben erwähnten Reihe »Vom Himmel hoch« anlässlich des Jubiläumsjahres Bachs »Musikalisches Opfer«, die Ouvertüre »Ein feste Burg ist unser Gott« von Joseph Joachim Raff und Mendelssohns »Lobgesang«. Das Theater Augsburg hingegen gibt das bereits 1970 uraufgeführte Stück »Martin Luther & Thomas Münzer oder Die Einführung der Buchhaltung«, welches die Geburt der Reformation aus dem Geist des Kapitalismus beschreibt.

Einen anderen Zugang hat das Kleine Theater Bad Godesberg gewählt. Hier wird das Stück »Der Fall Luther« gezeigt, in dem der alte Luther kritisch auf sein Lebenswerk zurückblickt. Auch im Theater Vorpommern steht mit dem Schauspiel »Martinus Luther« von John von Düffel2 das Leben und Werk des großen Reformators im Mittelpunkt, während der Schauspieler, Sänger und Regisseur Dominique Horwitz in seiner Revue »Reformhaus Lutter« einen musikalischen Streifzug durch 500 Jahre Reformationsgeschichte unternimmt. Ganz im Hier und Jetzt hingegen fragt Cesare Lievi in seinem Auftragswerk »Hier stehe ich – ich kann nicht anders« für das Theater Klagenfurt, wofür wir heute noch stehen und was von der Reformation geblieben ist.

Auch das Theater Kiel hat eigens für das Reformationsjubiläum – in enger Kooperation mit der Nordkirche – ein Werk in Auftrag gegeben. Das Stück »Luther« von Feridun Zaimoglu und Co-Autor Günter Senkel schreibt Zaimoglus Luther-Roman »Evangelio« für die Bühne fort und zeigt den späten Luther als Familienvater in Wittenberg. Der Landesbischof Gerhard Ulrich wird eine Theaterpredigt über das Stück halten, weitere Veranstaltungen zum Reformationsjubiläum sind geplant.

Auch an zahlreichen anderen Bühnen gibt es solche Sonderveranstaltungen zum Thema. So lässt das Theater Augsburg im Rahmen einer Lesung Texte der frühen Reformatoren auf Ausschnitte aus »Das Kapital« von Karl Marx treffen, während in Altenburg/Gera reale (Briefwechsel und Gespräche u.a. mit Katharina, Münzer und Melanchthon) und fiktive (u.a. Götz von Berlichingen, Michael Kohlhaas) Begegnungen mit Luther zu einer szenischen Lesung mit Orgelmusik als mobile Produktion für den Kirchraum zusammengestellt werden – um nur einige Beispiele zu nennen.


3. Islam(ismus) und das Zusammenleben der Religionen

Einen noch größeren Raum als das Thema »Reformation« nimmt auf den Spielplänen 2017/18 jedoch die Frage nach dem Zusammenleben unterschiedlicher Religionen und besonders der »Islam« – vor allem in seinen radikalen Ausprägungen – ein. Mit insgesamt zehn Neuinszenierungen wird Lessings Stück »Nathan der Weise« mit seiner berühmten Ringparabel neben Orwells »1984« voraussichtlich eines der meistinszenierten Stücke der Saison3 sein und ist gleichzeitig Grundlage für weitere Theaterabende. So wird beispielsweise am Theater Heidelberg mit Ulrich Hubs »Nathans Kinder« eine moderne Bearbeitung des Stoffes gezeigt, während man sich am Saarländischen Staatstheater unter dem Titel »Nathan oder das Märchen der Gleichheit« einer projekthaften Aktualisierung widmet.

Auch die Stücke »Geächtet« von Ayad Aktar und »Unterwerfung« nach dem gleichnamigen Roman von Michel Houellebecq thematisieren das Zusammenleben der verschiedenen Religionen und gehören mit voraussichtlich acht (»Geächtet«) bzw. sechs (»Unterwerfung«) Neuinszenierungen ebenfalls zu den Stücken der Saison.4 Ebenso setzt sich der 3. Teil des Stadtprojekts »Graz und die Menschenrechte« von Clemens Bechtel am Schauspielhaus Graz mit dem Mit-, Neben- und Gegeneinander der unterschiedlichen Religionen auseinander: unter dem Titel »Glauben(s)-Kriege/-Bekenntnisse« wird gefragt, ob das Recht auf Religionsfreiheit angesichts religiös motivierter Anschläge und zunehmendem Extremismus heute noch Gültigkeit haben kann.

Stücke wie »Dschihad Online« nach dem Roman von Morton Rhue (ETA Hoffmann Theater Bamberg), »Jihad, Baby!« (Daniel Ratthei, u.a. Staatstheater Wiesbaden, Schnürschuhtheater Bremen), »Djihad« (Ismael Saidi, Junges Staatstheater Braunschweig) und »Paradies« von Lutz Hübner und Sarah Nemitz (Junges Schauspielhaus Düsseldorf) zeigen, dass Islamismus und Radikalisierung auch im Bereich Jugendtheater beliebte Themen sind.

Das Pfalztheater Kaiserslautern hingegen wählt einen anderen Zugang zum Thema »Islam« und zeigt »Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran« von Eric-Emmanuel Schmitt als Klassenzimmerstück. Im Rahmen von »Vom Himmel hoch – Glaube und Gesellschaft« widmet sich auch das Theater Gera/Altenburg »Monsieur Ibrahim« sowie Eric-Emmanuel Schmitts gesamtem Erzählzyklus zu den Weltreligionen und präsentiert diese als Lesung mit Musik und im Gespräch mit Vertreter*innen der jeweiligen Religionen. Darüber hinaus beschäftigt sich das Theater mit der Frage »Was ist der Islam?« und präsentiert unter dem Titel »Ein zweischneidiges Schwert« Texte, Tänze und Lieder, die zu einem differenzierten Verständnis der Religion beitragen sollen.


4. Sterben, Tod und Ewiges Leben

Ein weiteres beliebtes Thema auf den Spielplänen 2017/18 ist die Auseinandersetzung mit Sterben, Tod und der Frage nach dem ewigen Leben. Das Mainfranken-Theater Würzburg inszeniert »Der Brandner Kaspar und das ewig’ Leben« nach Franz von Kobell, das sich auf humoristische Weise mit dem Thema auseinandersetzt, während der Dortmunder Sprechchor in seiner neuen Uraufführung »After Life« das Publikum mitnimmt »auf einen federleichten Gedankenweg zwischen Himmel und Erde.«5

Am Düsseldorfer Schauspielhaus wird der Bühnenbildner Johannes Schütz in Anknüpfung an Dantes »Göttliche Komödie« im Sommer 2018 die Gegend rund um den Hauptbahnhof bespielen; in Wien widmet man sich der Aktualisierung eines weiteren Klassikers zum Thema: hier hat das Burgtheater den preisgekrönten österreichischen Dramatiker Ferdinand Schmalz damit beauftragt, Hugo von Hofmannsthals »Jedermann« für das 21. Jh. über-, fort- und neuzuschreiben. Herausgekommen ist »Jedermann (stirbt)«, das im Februar 2018 uraufgeführt werden soll.

Bereits im Oktober 2017 wollen Maria Magdalene Ludewig & Guests in Hamburg die riesige Kampnagel-Vorhalle mit ihrer 60-Stunden-Dauerperformance »Übung in Trauer/Exercise in Mourning« in eine »Kathedrale des Abschieds« verwandeln. Ebenfalls im Oktober hat das Theater Vorpommern das polnische Theater Wierszalin zu einem Gastspiel von »Gott Nijinski« eingeladen, das auf den Tagebüchern des berühmten Tänzers basiert und von dessen Totentanz für den russischen Ballettdirektor Sergei Diaghilev handelt – womit wir in der Tanzsparte wären: auch hier beschäftigt man sich in der Spielzeit 2017/18 häufiger mit der menschlichen Sterblichkeit.

Im Rahmen von »Vom Himmel hoch« präsentiert das Theater Gera/Altenburg einen Tanz-Doppel-Abend zu Liszts Dante-Sinfonie »Eine infernalische Reise« über die »Göttliche Komödie« sowie Strauss’ »Vier Letzte Lieder«, während Wagner Moreira in seiner Soloperformance »I PLAY D(E)AD« am Projekttheater Dresden in Auseinandersetzung mit dem Tod seines Vaters »im Tanzen das Sterben lernen« will, »aber nicht ohne das Leben zu feiern.«6 Am Theater Pforzheim verbindet der Ballettdirektor Guido Markowitz unter dem Titel »Mozart Requiem – Feiert das Leben!« zeitgenössischen Tanz und klassisches Requiem zu einem Musiktheater für Sänger, Chor, Ballett und Orchester. In der Hamburger Staatsoper hingegen setzt Calixto Bieito das »Requiem von Giuseppe Verdi« in Szene, während in Altenburg/Gera in einem Konzert zu Totensonntag das Brahms-Requiem erklingt.


5. Auseinandersetzungen mit der biblischen Tradition

Auch mit den biblischen Geschichten und Stoffen setzt sich das Theater in der Spielzeit 2017/18 auf vielfältige Weise auseinander. Am Theater Eisenach wird in Kooperation mit dem Schauspielensemble aus Rudolstadt nicht weniger als »Die Bibel« auf die Bühne gebracht: der schwedische Autor Niklas Rådström verbindet in seinem gleichnamigen Stück in insgesamt 41 Szenen zentrale Motive des AT und NT zu einer collage-artigen Revue.

Etwas weniger vorgenommen hat man sich am Schauspielhaus Graz. Hier setzt sich Volker Hesse zusammen mit professionellen Darsteller*innen und Laien in seinem Projekt »Das Alte Testament« mit dem ersten Teil der Bibel auseinander. Während Hesse sich in seinem Projekt vor allem für die anthropologische Dimension der Geschichten interessiert, beschäftigt sich die Bremer shakespeare company mit Regisseurin Johanna Schall unter dem Titel »Du kannst Gott zu mir sagen« mit dem Gottesbild des AT.

Am Theater Dortmund verbindet die Regisseurin Claudia Bauer in Auseinandersetzung mit Haydns Oratorium »Die Schöpfung« Musik- und Sprechtheater zu einem »bildgewaltigen und philosophischen Abend, der Potentiale und Gefahren der digitalen Schöpfung beleuchtet«7 und sich mit der Frage nach dem Menschsein angesichts von Künstlicher Intelligenz und Transhumanismus auseinandersetzen wird. In dem Stück »Adams Äpfel«, das am Oldenburgischen Staatstheater auf die Bühne kommt, werden Motive aus dem zweiten Schöpfungsbericht und aus dem Buch Hiob verarbeitet. Letzteres ist auch Grundlage des Stückes »Hiob« von Koen Tachelet nach dem gleichnamigen Roman von Joseph Roth, welches in Ingolstadt und Graz inszeniert wird.

Das bekannte und beliebte Stück »An der Arche um Acht« von Ulrich Hub, das in dieser Spielzeit u.a. am Burgtheater Wien, am Schlosstheater Celle, am Theater an der Rott (Eggenfelden) und in Altenburg/Gera (hier als Puppenspiel in der Reihe »Vom Himmel hoch«) zu sehen ist, basiert auf der atl. Sintfluterzählung. An der Münchner Staatsoper befragen junge Geflüchtete und Münchner Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund in einem Musiktheater-Projekt den religionsübergreifend bekannten Mose-Stoff nach Parallelen zu ihrer Lebensgeschichte und Lebenswirklichkeit. »Die Zehn Gebote« sind am Wiener Volkstheater auf der Bühne zu sehen: hier beschäftigt sich der Regisseur Stephan Kimmig mit den gleichnamigen Filmen von Krzysztof Kieslowski.

Weitere atl. Stoffe sind an den Staatstheatern in Wiesbaden und Mainz zu erleben: in der hessischen Landeshauptstadt wird Georg Friedrich Händels letztes Oratorium »Jephta« nach Ri. 10,6 - 12,7 inszeniert, das Staatstheater Mainz übernimmt eine Inszenierung des Händel-Oratoriums »Saul« von Lydia Steier, die für das Oldenburgische Staatstheater entstand und 2012 für den Theaterpreis DER FAUST nominiert war.

Doch nicht nur das AT, sondern auch das NT wird in der aktuellen Theatersaison auf der Bühne verhandelt, am Theater Paderborn kommt in dieser Spielzeit gar ein »brandneues Testament« zur Uraufführung: in Anknüpfung an den gleichnamigen Film holt Katharina Kreuzhage die zehnjährige Gottestochter Ea auf die Bühne, die genug von ihrem Vater hat und zusammen mit dem Obdachlosen Victor die Apostelgeschichte neu schreiben möchte. Die Kult-Weihnachtskomödie »Der Messias« von Patrick Barlow, in der zwei Theatermacher und eine Sängerin mit viel Chaos versuchen, die Weihnachtsgeschichte darzustellen, wird u.a. am Mainfranken-Theater Würzburg und am Contra-Kreis-Theater Bonn inszeniert.

Häufiger als die Weihnachtsgeschichte ist aber die Passion Christi auf den Bühnen zu erleben: Das Hessische Staatstheater Wiesbaden zeigt Andrew Lloyd-Webbers berühmte Rockoper »Jesus Christ Superstar«; an der Leipziger Oper entwickelt Mario Schröder, der Chefchoreograf des Leipziger Balletts, anlässlich des Reformationsjubiläums eine szenische Darstellung von Bachs Johannes-Passion. Auch am Oldenburgischen Staatstheater setzt man sich tänzerisch mit dem Stoff auseinander: bei der Uraufführung »Die sieben letzten Worte« nach der Musik von Joseph Haydn treffen unter der Leitung von Antoine Jully und Raphael Hillebrand Hip-Hop und Ballett, Sakrales und Weltliches aufeinander. Und während sich in Paderborn »die Großen« dem Film »Ein brandneues Testament« widmen, setzt sich der dortige Jugendclub in seinem diesjährigen Projekt »Kreuzwege« mit dem gleichnamigen Film der Geschwister Brüggemann auseinander. Dieser erzählt in vierzehn Einstellungen, die dem Kreuzweg Jesu nachgebildet sind, die Geschichte eines 14jährigen Mädchens, das an der Unvereinbarkeit von fanatischem Glauben und weltlichem Leben zerbricht.

Neben Jesus Christus finden auch weitere ntl. Figuren den Weg auf die Bühne: so wird in dieser Spielzeit das Musical »Lazarus« von David Bowie (Musik und Songtexte) und Enda Walsh (Buch) nach dem Roman »The man who fell to earth« von Walter Tevis erstmals im deutschsprachigen Raum auf der Bühne zu sehen und zu hören sein (u.a. am Wiener Volkstheater und in Bremen). Es präsentiert mit seiner Hauptfigur Thomas Jerome Newton eine zeitgenössische Lazarus-Figur, die versucht, Erlösung zu finden. In Kooperation mit der Evang. und Kath. Kirche präsentiert das Badische Staatstheater Karlsruhe anlässlich des Reformationsjubiläums ab Oktober/November 2017 in Kirchen in und um Karlsruhe und Ludwigshafen das Stück »Judas« von Lot Vekemans, das »den Verräter« zu Wort kommen lässt.


6. »Inkarnations-Romane«

Nicht nur die Bibel, auch zeitgenössische Romane dienen dem Theater als Grundlage zur Auseinandersetzung mit religiösen Themen und Fragen. So inszeniert Ute Willig am Berliner Theater am Kurfürstendamm das Stück »Und Gott sprach: Wir müssen reden« von Lars Georg Vogel nach dem gleichnamigen Roman von Hans Rath, während am Düsseldorfer Schauspielhaus ab September »Die Tage, die ich mit Gott verbrachte« nach dem Roman von Axel Hacke zu sehen sein wird. Das Westfälische Landestheater geht mit dem Stück »Jesus liebt mich« nach dem gleichnamigen Erfolgs-Roman von David Safier auf Tour. Allen ist neben dem humoristischen Zugang gemeinsam, dass die Hauptpersonen einem sehr menschlichen Gott begegnen, der ihr Leben gehörig durcheinanderbringt und sie vor die großen Fragen des Lebens stellt.


7. Kirchen-Komödien

Ein weiteres beliebtes Thema theatraler Auseinandersetzungen mit Religion sind Komödien, die im kirchlichen bzw. religiösen Kontext verortet sind. So zeigt das Kleine Theater Bad Godesberg beispielsweise »Die Pfarrhauskomödie« von Heinrich Lautensack, während in Meinigen Philip Kings Verkleidungs- und Verwechslungskomödie »Nun lauf doch nicht immer weg!« auf dem Spielplan steht, in der am Ende insgesamt fünf Pfarrer, drei echte und zwei unechte, auf der Bühne stehen und die Polizei zur Verzweiflung bringen.

Nicht im Pfarrhaus, sondern im Kloster spielt das Musical »Non(n)sense« (Theater Chemnitz), in dem fünf Ordensschwestern in »Sister-Act«-Manier eine Show planen, um die Beerdigung von vier Mitschwestern finanzieren zu können. An der Württembergischen Landesbühne Esslingen hingegen kommt das Stück »Die Kirche bleibt im Dorf« nach dem gleichnamigen Film von Ulrike Grothe zur Uraufführung.


8. Sonstiges

Am Staatstheater Wiesbaden wird das in der letzten Spielzeit uraufgeführte Stück »Es begab sich aber zu der Zeit« von Thomas Jonigk wieder aufgenommen. In Anknüpfung an ntl. Motive werden hier in einem Mosaik parabelhafter Szenen christliche Schlüsselbegriffe wie Gewaltfreiheit, Nächstenliebe, Gnade, Versöhnung und Erlösung auf ihre Gegenwartsbedeutung hin untersucht. Ebenfalls in Wiesbaden wird in dieser Spielzeit die deutsche Erstaufführung von Tom Stoppards Stück »The hard problem, oder: Ist Bewusstsein Materie?« stattfinden, welches sich mit dem auch in der christlichen Theologie nicht unbedeutenden Leib-Seele-Problem und dem Körper-Geist-Dualismus auseinandersetzt.

Eine weitere interessante deutschsprachige Erstaufführung wird auf der anderen Rheinseite am Staatstheater Mainz über die Bühne gehen. Dieses zeigt die in den 1920er Jahren entstandene Oper »Antikrist« des dänischen Komponisten Rued Langaard, das den Egoismus und Materialismus der Moderne radikal mit spirituellen und moralischen Grundsätzen anzweifelt und den Glauben an das Göttliche als Lösung propagiert. Darüber hinaus wird der vielfach ausgezeichnete Regisseur Jochen Biganzoli in Regensburg Johann Sebastian »Bachs h-Moll-Messe« in Bildertheater verwandeln.




Anmerkungen:

1 https://theater-augsburg.de/ein_wort_zum_ sonntag

2 Vgl. hierzu auch http://zeitzeichen.net/interview/ luther-im-theater/.

3 Vgl. Die deutsche Bühne 09/17, 55.

4 Vgl. ebd.

5 https://www.theaterdo.de/detail/event/ 1735/?not=1

6 http://www.dd-inside.de/event/29.09.2017/i-play-dead-premiere

7 https://www.theaterdo.de/detail/event/1654/ ?not=1&cHash=e79ccb9fadd89535db7612a883045b2c&sword_list[]=sch%C3%B6pfung &no_cache=1

8 Vgl. Kreuzwege und die vielen Djihad-Stücke.

 

Über den Autor

Vikarin Janina Franz, Studium der Evang. Theologie in Marburg, Kiel und Bergen/Norwegen, Vikarin der EKHN, bis Ende November 2017 in der Evang. Stiftskirchengemeinde Diez/Lahn, ab Dezember 2017 Spezial­vikariat am Hessischen Staatstheater Wiesbaden.

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft: 11/2017

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