31. Dezember 2017, 1. Johannes 2,21-25
1. Sonntag nach dem ­Christfest

Von: Ute Niethammer
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Damit Christen Christen bleiben

Glaubensstreit?

Der Predigttext dieses ersten Sonntags nach Weihnachten kommt wie der große Kehraus daher! Der Schreiber des 1. Joh. beschwört das Bekenntnis zu Jesus als dem fleischgewordenen Sohn Gottes. Wer dies nicht glaubt, den oder die denunziert er als Abtrünnige, ja als Lügner.

Heute entzündet sich an dieser Frage keine Glaubensstreit mehr. Auseinandersetzungen darüber, was nun eigentlich wahr ist, im Sinne von evangeliumsgemäß, gibt es aber durchaus auch heute. Sei es, dass sich Pfarrperson und Kerngemeinde um die Relevanz von Kirchenmusik streiten. Sei es, dass Pfarrkollegen nach dem Synodenbeschluss zur Trauung gleichgeschlechtlicher Paare die Wahrheit des Evangeliums gefährdet sehen. Immer wieder geht es darum, wie wir leben, was wir glauben. Genau darin liegt der Reiz des Predigttextes: Wo in meinem Leben erweist sich der Glaube an Christus als wahr, als tragfähig? Der Predigttext stellt uns die Frage, ob wir Christen sind und ­bleiben!


Die Argumente sind ausgegangen

Die Aggressivität, mit der der Autor des 1. Joh. den sog. Lügnern gegenübertritt, zeigt, dass es hier außerdem um den Fortbestand der Gemeinde geht. Der Brief ist getränkt von der Sorge des Verfassers um den Erhalt seiner Gemeinde und buchstabiert das »Bleiben« in seinen unterschiedlichen Dimensionen durch. Angesichts des Weggangs einiger (oder gar vieler) Gemeindeglieder wirft der Autor das ganze Gewicht seiner »von Anfang an« zuverlässigen Überlieferung in die Waagschale. Denn eigentlich, suggeriert der Text, ist es doch ganz einfach: was einmal für wahr erkannt wurde, soll es auch bleiben. So – und nur so – bleibe auch die Teilhabe am ewigen Leben bestehen (2,25).

Aber letztlich klingen seine Zeilen wie das redundante Flehen eines Predigers, dem die Argumente längst ausgegangen sind. Damit ergibt sich eine erschreckende Parallelität zur Verkündigungssituation heute in unserer Kirche! Die Zahl der Menschen, die nicht »bleiben«, sondern sich von der Kirche verabschieden, steigt seit Jahren immer weiter.


An Biographien die Wahrheit des Glaubens sichtbar werden lassen

Die Aufgabe der Predigt lautet also: Gemeindeglieder so im Glauben bestärken, dass sie Christus als »wahr« erleben und Christen bleiben. Oder etwas großspuriger: Christen dazu ermutigen, als Christen in der Welt erkennbar zu bleiben und so die Wahrheit in die Welt auszustrahlen.

Der Silvestertag beendet das Kalenderjahr, in dem umfassend an 500 Jahre Reformation und an viele GlaubenszeugInnen erinnert wurde. Eine Predigt über den 1. Joh. führt den historischen Konflikt um »falschen« Glauben auf die Frage zurück, wie sich Glaube konkret als wahr erweist, und öffnet den Text für die Wirkmächtigkeit Christi quer durch die Zeiten. Denn so wie der Briefschreiber es für seine Zeit (und Person) in Anspruch nimmt, wird die Wahrheit des Evangeliums bis heute im Zeugnis konkreter Menschen sichtbar. Ihre Biographien zeigen, dass »wahrer« Glaube nicht nur hilft, zur eigenen Position zu stehen, sondern ganz konkret befreit, stärkt, tröstet.

Dies kann eine Predigt leisten, die Lebensläufe (Kurzporträts) konkreter Menschen mit ihrem Glaubensprozess zusammenspricht und dadurch sichtbar macht, wie Glaube »wahr« werden kann, wie Christus wirkt. Denkbar sind bekannte Personen (Katharina von Bora, Paul Gerhardt, Dietrich Bonhoeffer, Dorothee Sölle) oder weniger bekannte (Argula von Grumbach, Elisabeth von Thadden, Friedrich Zimmer oder Marlehn Thieme). Indem jeder Abschnitt mit V. 24a (»Was ihr gehört habt …«) eingeleitet wird, erhält das jeweilige Personenzeugnis Gewicht als »Zeuge der Wahrheit«. Entsprechend kann das Ende jeweils V. 25 zitieren.

Alternativ: mehrere GlaubenszeugInnen treten auf und sprechen, evtl. auch zur Profilierung verschiedener liturgischer Abschnitte. Im Idealfall entsteht so auch Raum für das Nachdenken der Gottesdienstfeiernden über eigene Erfahrungen der »Wahrheit« des Evangeliums. Eine Abendmahlsfeier, die die Dimension des »Bleibens in Christus« betont, verstärkt das Thema.


Lieder

EG 137 »Geist des Glaubens, Geist der Stärke«

EG 154 »Herr, mach uns stark im Mut, der dich bekennt«

EG 227 »Dank sei dir, Vater, für das ewge Leben«

EG 406 »Bei dir, Jesu, will ich bleiben«


Ute Niethammer

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft: 11/2017

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