6. Januar 2018, Kolosser 1,24-29
Epiphanias

Von: Christiane Borchers
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Die vollkommene Gottheit Christi

I

»Wo liegt Kolossai?«, habe ich mich gefragt, als ich den Predigtabschnitt las. Kolossai ist eine Kleinstadt ca. 170 km östlich von Ephesus gewesen, die durch ein Erdbeben um 60/61 n. Chr. zerstört worden ist. Die ehemals blühende Stadt mit einem großen jüdischen Bevölkerungsanteil hat sich von dem Erdbeben nicht wieder erholt wie das nahe gelegene Laodicäa, es bedeutete jedoch nicht das endgültige Aus. Kolossai ist aber nicht wieder so einflussreich geworden wie zuvor.

An die kleine, dem Paulus persönlich nicht bekannte Gemeinde in Kolossai schreibt der Apostel bzw. ein Schüler von ihm einen Brief. Die Forschung ist sich nicht einig, ob Paulus der Verfasser ist oder ob der Brief zu den deuteropaulinischen Schriften gezählt werden muss. Auf jeden Fall transportiert der Inhalt den Geist des Paulus.

Unmittelbar vor der Perikope ist ein Hymnus der urchristlichen Gemeinde überliefert (Kol. 1,15-20). Er ist ein grundlegendes Bekenntnis zum Erlösungswerk Christi. Der Hymnus wurde wahrscheinlich bei der Taufe gesprochen und vom Briefschreiber in großen Teilen als feste Formulierung übernommen. In den folgenden V. 22-23 wird ausgeführt, dass die christliche Gemeinde am Erlösungswerk Christi teilhat. Die Aufgabe des Apostels besteht darin, das Erlösungswerk Christi zu verkünden (1. Kol. 1,24-29). Im Anschluss an die Perikope folgen Mahnungen. Der Autor mahnt Christinnen und Christen bei Christus zu bleiben und warnt vor Irrlehren.


II

Der Kol. lässt keinen Zweifel darüber, dass Christus alle himmlischen und irdischen Mächte und Gewalten überwunden hat. Andere Herrschaft und Gewalten, die in Kolossai in religiösen Riten verehrt werden, sind durch Christus entmachtet. Der Autor betont die vollkommene Gottheit Christi. Er ist präexistent und hat alles, was im Himmel und auf Erden ist, mitgeschaffen. Am Ende wird er mit auf dem Thron sitzen und Gericht halten. Anfang und Ende sind in ihm beschlossen. Das soll der Welt kundgetan werden.

Die Verkündigung ist mit Leiden verbunden. Verwunderlich ist die Formulierung in V. 24: »und erstatte an meinem Fleisch, was an den Leiden Christi noch fehlt.« Was fehlt an Christi Leiden? Reicht es nicht aus, dass Christus gelitten hat? Für den Verfasser steht fest, dass die Verkündigung des Evangeliums gleichzeitig Leiden bedeutet. Das Leiden Christi geht in den angefeindeten Christinen und Christen weiter. Durch Christi Erlösungswerk haben Christinnen und Christen Anteil an der Auferstehung Christi, aber auch an seinem Leiden und Sterben. Leiden für das Evangelium ist geradezu Ausweis für die Glaubwürdigkeit der Botschaft.

Das Erlösungswerk ist vollkommen, da fehlt nichts. Das fehlende Leiden meint Leiden um des Evangeliums willen. Die Verkündigung des Evangeliums schließt geradezu Leiden mit ein. Der Apostel freut sich, weil er Leiden für das Evangelium auf sich nimmt. Im Leid weiß er sich mit Christus verbunden. Er trägt es für die Gemeinde. Der Apostel weiß, wofür er leidet und erkennt einen Sinn.

Der Apostel verkündet das Geheimnis Christi. Was ist das Geheimnis? Christus ist der präexistente Gott, der die Welt erschuf. Er erlöst aus allem Unheil. Am Ende wird es einen neuen Himmel und eine neue Erde geben. Durch die Taufe gehören Christinnen und Christen zu Christus. Sie haben Anteil an seinem Erlösungswerk. Was seit ewigen Zeiten den Völkern verborgen gewesen ist, wird nun bekannt. Erlebtes Leiden um des Evangeliums willen ist nicht umsonst gewesen. Er redet seine Leiden weder klein noch erhöht er sie. »Ich ringe in der Kraft dessen, der in mir kräftig ist«, bekennt der Apostel. Er weiß sich eingebunden und aufgehoben in Christi Erlösungswerk.


Lieder

EG 35 »Nun singet und seid froh«

EG 72 »Jesu Christi, wahres Licht«

EG 71 »O König aller Ehren«

EG 34 »Freuet euch, ihr Christen alle«


Christiane Borchers

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft: 11/2017

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