28. Januar 2018, Jeremia 9,22-23
Septuagesimae

Von: Lorenz Kock
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Menschliche und göttliche Maßstäbe


»Das rechte Rühmen«

… so lautet die Überschrift in meiner neuesten Lutherbibel zu unserem heutigen Predigttext. Die Propheten des AT sind großartige Sprachschöpfer. Woher sie ihre theologische Bildung und rhetorische Begabung haben, wer sagt es uns? Mit ihrer Direktheit, Gottes Willen weiterzusagen, ziehen sie die Menschen in ihren Bann; ermahnend und ermunternd. Sie sind keine Zauberer und Verführer, die großen und kleinen Propheten. Sie hören Gottes Stimme im Stimmengewirr ihrer Zeit. Sie sind Hörende und Seher zugleich, folgen Gottes Stimme so wie die Hirten auf dem Feld, in Erinnerung an die noch nicht verklungene Weihnachtsgeschichte, die nicht verloren gehen darf. Damit sind sie Verstärker der Stimme Gottes in der Wüste. Das »So spricht der Herr« gibt ihnen die Autorität, Sprachrohr Gottes zu sein. »Ich aber sage euch« ist die ntl. Korrespondenz in der menschenfreundlichen Stimme des Jesus von Nazareth.

Der Trias von »Weisheit«, »Stärke« und »Reichtum« sollten wir nicht gleich negative Seiten abgewinnen. »Gnade«, »Recht« und »Gerechtigkeit« werden aus der prophetischen Gotteserkenntnis gewonnen und sind u.a. ebenso bei Amos und Hosea zuhause.


Ein begnadeter Gottesflüsterer

Unbedingt sollte in der Predigt Jeremias Berufung zu Wort kommen (Jer. 1,4-7.9). Nicht umsonst heißt es, Jeremia ist ein begnadeter »Gottesflüsterer«. Der uns etwas ins Ohr flüstert, das uns unbedingt angeht. Eine persönliche gute Nachricht im Stimmklang des geöffneten Himmels. Zugleich begegnet er uns in der Sprachkraft eines Martin Luther, in der »Freiheit eines Christenmenschen«, wenn das Reformationsjahr Spuren hinterlassen soll.

Ob Jeremia diese Worte eingegeben waren? Wenn Jeremias Predigt uns heute anspricht und einen anderen Kurs in unserem Leben bewirkt, dann ist sie uns Gottes Wort geworden.


Was ist Ruhm?

Wir fragen uns, was ist Ruhm? Was heißt es, berühmt zu sein? Kann ich mir Ruhm und Ehre erwerben? Das ist der falsche Ansatz. Und doch werden Menschen auf diesen Pfad durch die Versprechungen unserer Freizeitindustrie gelockt; vom »Dschungelcamp« bis hin zu obskuren Angeboten in den Medien.

»Und führe uns nicht in Versuchung«, diese Vaterunser-Bitte ist immer noch hochaktuell. Im protestantischen Selbstverständnis ist es der Apostel Paulus, der den Ruhm als etwas geradezu Verwerfliches enthüllt: »Wo ist der Ruhm? Er ist ausgeschlossen. Wenn ich mich rühmen sollte, dann rühme ich mich meiner Schwachheit« (2. Kor. 11,30). Er folgt der göttlichen Offenbarung: »Lass dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig … denn wenn ich schwach bin, so bin ich stark« (2. Kor. 12,9-10).

Soweit wir das menschliche Wirken überblicken, so ist es immer der Stolz auf die eigene Leistung: »Mein Haus, meine Frau, meine Familie, mein Geschäft, mein Haus und Hof…« Die Jugendlichen und Konfirmanden können da gut mithalten: »Mein i-Phone, mein neustes Handy, meine tollen Sportschuhe, meine klasse Freundin …« Nicht nur sie lassen sich von einem weitverbreiteten Lebensverständnis einlullen, das nur Konsum, Egoismus und Selbstverliebtheit kennt, und die Sorgen und Nöte des Nächsten ausblendet.

Gnade, Recht und Gerechtigkeit wollen auf dieser bewohnbaren Erde weiterhin ein menschliches Zuhause haben. Damit verwandelt sich der Stolz in gelebte Dankbarkeit: »und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat« (Ps. 103,2).


Literatur

Gottfried Voigt, Homiletische Auslegung der Predigttexte, Reihe 4, 1981; Traugott Giesen, Bibelenergie, Radius 2013


Lieder

EG 262, 1-7 »Sonne der Gerechtigkeit

EG 396, 1-6 »Jesu, meine Freude«

EG 620, 1-3 »Ins Wasser fällt ein Stein«

EG 171, 1-4 »Bewahre uns Gott«


Lorenz Kock

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft: 12/2017

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