Der Ertrag der Reformation für die Diakonie
Von der Almosenleistung zur öffentlichen Sozialfürsorge

Von: Ingolf Hübner
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Dass die Reformation als eines von vielen Momenten an frühneuzeitlichen Umwälzungsprozessen in Europa mitgewirkt hat, ist unbestritten und – gerade im Reformationsjubiläumsjahr – vielfach behandelt worden. Doch indem durch die Reformation eine neue soziale Bewegung entstand, haben sich auch die Sozialformen des Christentums verändert. Was dies für die Entwicklung der Diakonie bedeutet, führt Ingolf Hübner aus.*


1. Einleitung

Die Reformation ist kein Ereignis, das man auf ein Datum fixieren könnte. Die Reformation ist vielmehr ein Prozess, der vieles in Bewegung brachte. Das Theologumenon ecclesia semper reformanda zeigt an, dass es nach wie vor eine Bewegung ist. Trotz der medialen Konzentration auf »500 Jahre Reformation« und damit auf 1517 als Jahr der Reformation gehört zur Reformation eine ganze Reihe von Entwicklungen, die im ersten Drittel des 16. Jh. kulminierten. In den Veränderungen der beginnenden Neuzeit war die Reformation keine von Wittenberg ausgehende causa prima oder eine zentral gesteuerte Entwicklung. Renaissancehumanismus, die Entdeckung der Perspektive in der Renaissance, die Entdeckung Amerikas 1492, die Verunsicherung durch die Eroberung Konstantinopels durch die Osmanen 1453 (und ihr weiteres Vordringen bis vor Wien, 1529), die aufkommende Geldwirtschaft (im 16./17. Jh. kamen öffentliche Banken auf), der wissenschaftliche Paradigmenwechsel durch die kopernikanische Wende1, all das sind Ereignisse und Entwicklungen, die die Neuzeit begannen zu formen.

Darin lassen sich die Wittenberger Ereignisse als Katalysator verstehen, der in einen schon gärenden Veränderungsprozess eine entscheidende Dynamik eintrug. Wenn aus den überlieferten politischen und äußeren Ordnungen die Stellung – und die Heilsgewissheit – des Menschen immer weniger ableitbar erscheint, stellt sich die Frage nach der Stellung des Menschen zu Gott immer dringender. Luthers Frage »Wie bekomme ich einen gnädigen Gott?« ist Ausdruck dieser existentiellen Unsicherheit.

Nicht erst durch die jüngst zu Ende gegangene Reformationsdekade ist das Thema Reformation an eine zentrale Stelle kirchlicher und theologischer Aufmerksamkeit gerückt. Auch schon in der Vergangenheit ist die Reformation in der Historiografie – insbesondere in der Kirchengeschichte – das präsente Phänomen im Protestantismus. Die Reformation wird mit der Pointe der Epochenzäsur charakterisiert, dass die »Neuzeit« oder die »Moderne« in der Reformation wurzelt. Diese Annahme hat trotz derzeitiger Suche nach einer adäquaten Charakterisierung unserer Zeit – etwa als »postmodern« – ihre Überzeugungskraft kaum verloren.


2. Reformation und Neuzeit

Aus dieser Sicht folgt – zumindest auf evangelischer Seite – die Überzeugung, dass der Protestantismus die zeitgemäße und moderne Form des Christentums sei.2 Auch in katholischer Sicht, in der zuweilen »die negativ beurteilten Aspekte der Moderne – Individualismus, historische Kritik an biblischen und sonstigen Überlieferungen, urbane Entwurzelung, kapitalistisches Gewinnstreben … –«3 stärker betont werden, wird vieles der Reformation zugeschrieben. Das gilt erst recht für die Kirchenspaltung, die Säkularisierung und den Bindungsverlust der Religion. Trutz Rendtorff sieht zwischen dem Prinzip des Protestantismus und der Moderne eine Art Wahlverwandtschaft. Und nicht zuletzt hat der Deutsche Bundestag in seiner parteiübergreifenden Entschließung vom 6.7.2011 die Reformation als »Ereignis von Weltrang« bezeichnet und mit dieser Begründung Fördermittel für die Sanierung von Reformationsgedenkstätten und des Reformationsjubiläums zur Verfügung gestellt. In solch einer Perspektive nach dem Ertrag der Reformation für die Diakonie fragen, hieße schlicht, nach den gesamten neuzeitlichen bzw. modernen Bedingungen und dem Kontext der Diakonie zu fragen.

Besonders im Unterschied zu den Bedingungen der spätmittelalterlichen Welt, die den Kontext der Reformation bildeten, wird deutlich, wie stark der Kontrast zwischen dem 16. und 19. Jh. (als Gründungsphase der modernen, organisierten Diakonie) ist. Im Folgenden ein paar Stichworte, um den Kontext des 16. Jh. anzudeuten:

• eine exklusive christliche Religion in Lateineuropa, die auch den jüdischen Glauben an den Rand der Gesellschaft drängte

• eine sakramental durchgestaltete Gesellschaft, in der ein zölibatär lebender Priesterstand die Heilsmittel verwaltete

• eine fromme Betriebsamkeit, Quantifizierung religiöser Leistungen, exzessiver Reliquienhandel, Ablasskampagnen als Ausdruck der Allgegenwart von Kirche und Christentum

• in Latein gehaltene Gottesdienste und Gelehrtendispute, die die große Mehrzahl der Menschen aus Bildungs- und Reflektionszusammenhängen ausschlossen.


Das Ende des Ablasshandels

In diese Situation hinein äußert sich Luther zum Ablasshandel. Ob Luther seine Thesen an die als Schwarzes Brett dienende Wittenberger Schlosstür anbrachte, ist nicht genau aufklärbar und für die Bedeutung der Reformation letztlich auch nicht entscheidend. Wichtig wurde, dass Luther sie einem Brief an den Erzbischof von Magdeburg und Mainz, Albrecht von Brandenburg, anfügte. Dieser Brief datiert vom 31. Oktober 1517.

Die moderne Lutherforschung hat herausgearbeitet, dass Luther in diesem Schreiben, in dem er zur Abstellung des missbräuchlichen Ablassvertriebs auffordert, sich erstmals einer neuen Schreibweise seines Namens bediente. Er unterschrieb den Brief mit Luther anstelle seines Geburtsnamens Luder. Luther beschreibt diesen Namenswechsel als Ausdruck einer neu gewonnenen Freiheit: Er sieht in dieser Schreibweise das griechischen Wort für »Freiheit« (eleutheria). Die Veröffentlichung der 95 Thesen gegen den Ablass war für Luther Ausdruck einer neuen Haltung, auch wenn er die Folgen dieser Veröffentlichung noch nicht absehen konnte.

In den zweieinhalb Jahren zwischen diesem Brief als Anfang des Ablassstreites und der Veröffentlichung des Ketzerurteils entwickelte sich eine reformatorische Bewegung. Die öffentliche Breitenwirkung, die sich entwickelt hatte, erschwerte eine einfache Liquidation Luthers zunehmend. Befördert wurde diese Bewegung durch den Buchdruck4 und zahlreiche Flugblätter, öffentliche Disputationen – insbesondere die von 1519 in Leipzig mit dem Ingolstädter Theologen Johannes Eck –, das Auftreten weiterer Akteure auf Seiten Luthers wie Andreas Bodenstein, genannt Karlstadt, und schließlich die machtpolitische Konstellation. Aus der ursprünglich streng theologisch begründeten Argumentation, dass Gerechtigkeit vor Gott im Glauben und nicht in Verdiensten – seien es das Horten von Reliquien, religiöse Leistungen, ein besonderer Stand oder erkaufte Ablässe – gründet, wurde eine soziale Bewegung.


Neue Sozialformen von Gemeinde

Seit 1520/21 begannen sich in vielen Städten kommunale reformatorische Bewegungen zu bilden. Es setzten schrittweise Umformungsprozesse des überkommenen Kirchenwesens ein, die auch die soziale Form der Gemeinde veränderten. Die Gemeinde begann, sich als sozialer Akteur wahrzunehmen. Die Reformationsanhänger setzen in unterschiedlichem Maße:

– die Einsetzung evangelisch gesinnter Prediger und
– die Austeilung des Abendmahls in beiderlei Gestalt durch.
– Eheschließungen von Geistlichen wurden vollzogen.
– Lateinische Messen, Wallfahrten und Prozessionen wurden abgeschafft.
– Die Heiligenverehrung wurde kritisiert und
– das Ausräumungen von Bildern aus den Kirchenräumen nahm teilweise stürmische Züge an und nicht zuletzt
– wurden Klöster geschlossen und aufgelöst.

All das wurde einerseits mit neuen theologischen Einsichten begründet, förderte aber andererseits ein wachsendes soziales Bewusstsein der Gemeinde. Die Kirchgemeinde begriff sich zunehmend als verantwortliche Gemeinschaft der Gläubigen.

Ich möchte drei wesentliche, theologisch-gesellschaftliche Folgen nennen, die sich aus dieser Reformationsbewegung entwickelt haben und die heute – sozusagen als gesellschaftlicher Kontext – nicht unwesentlich die diakonische Arbeit beeinflussen.


Trennung von Äußerem und Innerem, von Weltlichem und Geistlichem

In Luthers Zwei-Reiche-Lehre ist eine präzise Differenzierung von Religion und Staat angelegt. Die Religion soll nicht mit äußeren Mitteln auf die Herzen bzw. die Gesinnung der Gläubigen einzuwirken versuchen und die weltliche Herrschaft nicht in das Reich des Glaubens übergreifen. Zunächst verlaufen die Differenzierungslinien zwar noch anders, als wir es heute gewohnt sind: Eherecht, Sittenzucht, Schulwesen und Armenfürsorge bleiben noch überwiegend in kirchlicher Verantwortung. Aber eine Trennung von Äußerem und Innerem, von Weltlichem und Geistlichem ist angelegt und wird – allerdings erst nach Überwindung des landesherrlichen Kirchenregimentes – ein Strukturprinzip der Moderne. Glaubens- und Gewissensfreiheit (Art. 4 GG) und kirchliches Selbstbestimmungsrecht (Art. 140 GG) sind heute Verfassungsgrundsätze in Deutschland.


Impulse für die Individualisierung

Mindestens ebenso bedeutsam sind die reformatorischen Impulse für die Individualisierung. Durch die Reformation war an die Stelle der Heilsvermittlung durch die Klerikerkirche und die von ihr verwalteten Sakramente mehr und mehr das Gewicht auf eine individuelle Gottes- und Christusbeziehung verschoben worden. Die Rechtfertigung allein aus Glauben, das Bestehen auf der Freiheit des Gewissens und die Abwehr gegen allen äußeren Zwang in Glaubensfragen – insbesondere auch durch die Ablehnung des Gehorsamsanspruchs des Papstes durch Luther – kurz sola fide –, hatte eine Depotenzierung der Kirche zur Folge. Die Kirche als Gemeinschaft der Gläubigen wurde zur nachgeordneten Instanz.

Das gilt, obwohl Glaube nicht spontan entstehen kann, sondern auf das Hören des Wortes Gottes angewiesen ist. Da die Kirche den Glauben nicht bewirken kann, sondern dieser Gottes Werk ist, bleibt die verfasste Kirche auf die äußeren Belange des Christlichen begrenzt. Das hat eine Individualisierung in Glaubensfragen zur Folge. Besonders im Pietismus wird die religiöse Kompetenz des frommen Subjekts sichtbar.


Religiöser Pluralismus

Durch die Reformation erhöht sich der Grad des religiösen Pluralismus dramatisch. Die nicht intendierte, aber faktisch eingetretene Kirchenspaltung war vielleicht die bedeutsamste kirchenpolitische Folge der Reformation. Damit ging die Einheit des durch die römische Kirche kulturell (und tendenziell auch politisch) zusammengehaltenen Mittelalters zu Ende. Zwar wurde weiterhin versucht, auf Landesebene diese Einheit zu bewahren, aber zwischen den Ländern bestand eine feindliche – zuweilen kriegerische – Konkurrenz. Durch den Augsburger Reichs- und Religionsfrieden von 1555 wurde ein modus vivendi gefunden, der diese Folge der Reformation moderierte. Schritt für Schritt wurde ein Weg für ein Nebeneinander der Konfessionen gefunden, der bis heute in unsere Sicht auf religiöse Vielfalt ausstrahlt.

Neben diesen grundlegenden Folgen der Reformation, die weit mehr als nur den Kontext der diakonischen Arbeit heute prägen, sind es drei Aspekte, durch die die Reformation unsere diakonische Arbeit heute in besonderem Maße bestimmt.


3. Die Reformation und das Soziale

»Die Reformation begann nicht mit einem sozialethischen Imperativ, sondern mit einem anthropologisch-theologischen Indikativ.«5 Luthers theologische Erkenntnisse ­veränderten nicht nur die Stellung des Menschen vor Gott, sondern auch die Gesellschaft – sozusagen ein Indikativ mit normativen Folgen.

Die Auffassung der bedingungslosen Zuwendung Gottes zu den Menschen hatte erhebliche Auswirkungen auf den Umgang mit den Armen und auf ihre gesellschaftliche Position. Auch ihre vom Schöpfer geschenkte Würde ist unveräußerlich und unverfügbar. Obwohl die Konsequenzen dieser Einsicht sich erst allmählich durchsetzten und die Auffassung, dass dadurch die Armenfürsorge auf epochale Weise neu aufgestellt worden sei, zu euphorisch gewesen ist, so ­wurden doch entscheidende Akzente verschoben.


Das Ende des Almosen- und Bettelwesens

Almosen und Bettelwesen hatten Empfangende und Gebende in ein perpetuiertes Abhängigkeitsverhältnis belassen. Armut galt in der mittelalterlichen Kirche als gottgegeben und Almosen als Möglichkeit, gute Werke zu tun. Bettler organisierten sich in förmlichen Gilden. Durch die Infragestellung des Verdienstgedankens bei der Armenhilfe gibt es unter Evangelischen einen neuen Blick auf Armut und soziale Verantwortung. Dieser soziale Stillstand wurde aufgehoben. Armen soll aus der Armut herausgeholfen werden und es soll dafür gesorgt werden, dass Armut gar nicht erst entsteht. Zu solcher tätigen Nächstenliebe ist nach Auffassung der Reformatoren jeder im Gemeinwesen verpflichtet. Darüber hinaus ist es aber besondere Christenpflicht der weltlichen Obrigkeit, die Aufgaben zu organisieren, die vom Einzelnen nicht zu bewältigen sind.

»Es wäre sehr nötig, dass alle Bettelei in der Christenheit abgetan würde. Es sollte niemand unter den Christen betteln gehen. Es wäre auch leicht, eine Ordnung darüber zu machen, dass eine jede Stadt ihre armen Leute versorgt und keine fremden Bettler zuließe«6 – sagt Luther in seiner Schrift »An den christlichen Adel deutscher Nation« 1520.

Ein wesentliches Instrument für die Neuordnung des Armenwesens ist der »gemeine Kasten«. Wegweisend wurden die Kirchenordnungen, in denen auch die gemeindlichen Sozialkassen geregelt werden. Luther sorgte für die Einführung von »gemeinen Kästen«. Ein »Gemeiner Kasten« war eine aus ehemaligen Klostervermögen und Spenden gespeiste Gemeindekasse, aus der die lokale Armenfürsorge finanziert werden sollte. Hinzuzufügen ist: Die reformatorischen Ideen zur Regelung der Armutsfürsorge waren nicht exklusiv, sondern geschahen im Kontext der Umbruchsbewegungen des Humanismus und der Renaissance und fanden auch in einer Reihe katholischer Städte statt. Luther setzte sich dafür ein, dass diese sozialen Unterstützungen nicht nur die Armut lindern halfen und das Bettelwesen einschränkten. Es ging ihm auch darum, Armut zu vermeiden und Schulbildung zu ermöglichen. Zwar war für Luther Arbeit die erste Wahl, wenn es darum ging, Armut zu verhindern. Wer aber aufgrund von Krankheit oder Alter nicht arbeiten kann, sollte unterstützt werden. Nach dem Grundsatz der »Hilfe zur Selbsthilfe« erhielten beispielsweise Handwerker zinsgünstige Kredite und der Schulbesuch für Kinder armer Eltern wurde ermöglicht. Dieser Versuch, Armut und Bettelei systematisch zu begegnen, markierte einen grundsätzlichen Neuansatz gegenüber der mittelalterlichen kirchlichen Praxis, ­Armut mit Almosen zu begegnen.


Kommunale Sozialfürsorge

Hervorzuheben ist Luthers Ordnung eines Gemeinen Kastens für die Stadt Leisnig von 1523, die als Drucksache verbreitet auch anderen Städten empfohlen wurde. Dieser Kasten war zwar an einem sicheren Ort in der Kirche aufgestellt, Luther verstand ihn aber vorrangig als städtische Einrichtung. Für seine Verwaltung wurden zehn Vorsteher aus der Bürgerschaft gewählt. Sie übernahmen so Verantwortung für den »gemeinen Nutzen«, d.h. das Gemeinwohl aller Stadtbewohner. Über Ein- und Ausgaben wurde öffentlich beraten und Rechenschaft abgelegt. Die Dokumente lagen im Gemeinen Kasten, der weniger Opferstock als eine gut gesicherte Archivtruhe war. Johannes Bugenhagen, der 1523 Pfarrer an der Stadtkirche Wittenberg wurde und für Braunschweig, Hamburg und Lübeck reformatorische Kirchenordnungen verfasst hatte, entwickelte die Kastenordnungen in wichtigen Punkten weiter. Statt einer Kasse sah er zwei vor. Aus den Mitteln der Armenkästen sollte ausschließlich die öffentliche Fürsorge bezahlt werden. Damit wurden soziale Aufgaben von anderen deutlicher unterschieden.

Im Laufe der Zeit wurde die Sozialfürsorge immer mehr zur Aufgabe der Kommune bzw. des Staates. Aufsicht über die Armenfürsorge erhält die weltliche Obrigkeit. Unter der Herrschaft Christi gehört der Christ beiden Welten (dem Reich Gottes und dem Reich der Welt) an. Für Luther gehörten nun aber die Fragen der Organisation des Gemeinwesens zu den äußeren Dingen. Da das weltliche Regiment, die Obrigkeit, Gewalt und Macht über den äußeren Menschen hat, ist es für ihn konsequent, dass die Organisation der Armenfürsorge bei der weltlichen Obrigkeit liegt. Damit machte Luther zwar mit den Vertretern der Obrigkeit Mitglieder der Pfarrgemeinde zum handelnden Subjekt, aber nicht die Kirche. Das altkirchliche Diakonenamt wurde von Luther nicht wieder belebt. Der gemeine Kasten steht zwar in der Kirche, aber kirchliche Amtsträger wirken bei seiner Verwaltung nur untergeordnet mit.

Theodor Strohm wertet diesen Vorgang kritisch: Die Reformen hätten in »einem gelungenen Modell zur Koordinierung freier kirchlicher Initiative mit öffentlichen Initiativen […] zur höchsten Effizienz führen [können]. Im ungünstigsten Fall konnte es aber auch zur Reduktion des Gemeindeprinzips auf die reine Wortverkündigung einerseits und zur bürokratischen Regelung des sozialen Lebens andererseits führen.« Aber das heute in Deutschland etablierte System der öffentlichen und privaten Wohlfahrtspflege wird hier initiiert.


Bürokratisierung und Professionalisierung

Noch ein anderer Punkt ist anzumerken: Aus der neuen Einstellung zu Armut und Bettelwesen und zur sozialen Verantwortung der Städte folgt auch eine Normierung und Bürokratisierung. Bedarfe müssen ermittelt, ­Register Anspruchsberechtigter geführt und die Kassen verwaltet werden. Systematisierung und Zentralisierung entkoppeln die Armenfürsorge und die Barmherzigkeit des Einzelnen. Besonders dann, wenn die Fürsorgeleistungen als unzureichend erscheinen, gibt es einen Konflikt zwischen öffentlicher Verantwortung und der Motivation der Nächstenliebe.

Neben der wachsenden Entkirchlichung steht diese Spannung im Hintergrund der Entwicklungen, die im 19. Jh. zur Gründung der Inneren Mission führte. Ab dem frühen 19. Jh. werden die deutschen Länder von der sozialen Frage erschüttert. Bevölkerungszuwachs und die beginnende industrielle Revolution führen zu Verarmung und Existenzunsicherheit breiter Massen. Insbesondere die zahllosen Straßenkinder sind ein Auslöser für christliche Initiativen, verstärkt soziale Verantwortung zu übernehmen. Es entstehen »Rettungshäuser«, von denen das 1833 in Hamburg gegründete Rauhe Haus das bekannteste wird. Im reformatorischen Sinne geht es darum, die Freiheit, die der christliche Glaube schenkt, auch soziale Wirklichkeit werden zu lassen. Die diakonischen Initiativen erstrecken sich schnell auf immer mehr Handlungsfelder. 1836 wird in Kaiserswerth bei Düsseldorf das erste Diakonissenmutterhaus gegründet. Hier sind es wieder, wie in den Gemeinden der Reformationszeit, Christen, die sich als verantwortliche Bürger verstehen und Verantwortung für das Soziale übernehmen.

Die Lebensentwürfe und Berufsbilder, die mit den diakonischen Arbeitsbereichen entstehen, knüpfen auch in zwei anderen wesentlichen Punkten an die Reformation an, die ich im Folgenden etwas entfalten möchte.


4. Reformation und Bildung

Bildung für alle

So könnte man den Anspruch von Philipp Melanchthon, dem »Lehrer der Deutschen«, zusammenfassen: Bildung für alle. Melanchthon, aber auch die anderen Reformatoren, waren davon überzeugt, dass jeder die Bibel selbst lesen und sich mit seinem Glauben auseinandersetzen sollte, um ein mündiger Christ zu werden. Die Grundlage dafür erforderte jedoch einen gebildeten Menschen. Jedes Kind sollte – unabhängig vom sozialen Stand – eine elementare Bildung erhalten. In der Folge waren die Reformatoren unermüdlich an zahlreichen Schulgründungen und der Umstrukturierung von bestehenden Schulen gemäß den humanistisch-reformatorischen Grundsätzen beteiligt.

Die Bemühungen, dass jedem Christenmenschen Bildung ermöglicht wird, schloss Mädchen ausdrücklich mit ein. Luther forderte den Bau von Mädchenschulen und bat Eltern, ihre Töchter in die Schule zu schicken. Seine Ansichten unterschieden sich damit grundlegend von denen der Katholiken. Bildung für alle erhielt so eine weitere Nuance: Bildung sollte allen Kindern nicht nur unabhängig von ihrer Herkunft, sondern auch unabhängig von ihrem Geschlecht offenstehen.

Melanchthon war davon überzeugt, dass Kirche und Staat auf Bildung basieren. Bildung und Wissenschaft sind der Kirche und dem Gemeinwesen dienlich. Daher ist es eine gottgewollte Aufgabe der Obrigkeit, Bildung zu organisieren.


Katechismus und soziales Lernen

Einen zweiten zentralen Gedanken formulierte Melanchthon gleich mehrfach in seinen Schriften. Bildung soll das »Volk«, in erster Linie die Christen, zur inneren Reife führen. Alle guten Anlagen, die sich dabei entfalten, sollen unter die Zucht des Evangeliums gestellt werden. Denn für den Menschen sei es ein Gebot Gottes, sich an dessen Wort zu halten. »Dem Mensch ist als Sinn vorgegeben, Gott zu erkennen und seine Herrlichkeit zu offenbaren«,7 sagt Melanchthon 1538. Einerseits rückt in dieser Perspektive der Katechismus verstärkt ins Zentrum der Bildungsbemühungen. Andererseits ist dieser Ansatz anschlussfähig, wenn in der Diakonie vom sozialen Lernen gesprochen wird. Lernen hat nicht nur einen funktionalen Sinn, sondern auch einen kategorialen, nämlich dann, wenn soziales und emotionales Lernen im Vordergrund steht.

In der Diakonie geht es auch nach dem sozialwissenschaftlichen Turn und der starken Ausrichtung an Fachlichkeit und Professionalität um Empathie und Nächstenliebe. In den heutigen Bemühungen um diakonisches Lernen8, in einem Verständnis von Inklusion, das nicht nur auf inkludierende Betreuungs- und Lernsettings begrenzt bleibt und in Fragen von Kultur- und Milieusensibilität kommt diese Dimension eines diakonischen Bildungsverständnisses zum Ausdruck.

Sowohl im funktionalen wie im kategorialen Bildungsverständnis baut die Diakonie seit ihren Gründungen im 19. Jh. auf dieser Verbindung von Bildung und sozialen Arbeit auf. Es gibt keine größere diakonische Gründung, die nicht auch mit Bildungs- und Ausbildungsfragen verbunden ist. Die Rettungshäuser für Kinder und Jugendliche waren immer auch Bildungsstätten. Die Diakonenschulen, an denen die »Pioniere der Inneren Mission« ausgebildet wurden, waren der Beginn der sozialpädagogischen Ausbildung. Nicht wenige diakonische Krankenhäuser wurden von Beginn an als Ausbildungskrankenhäuser für pflegerische Berufe der Diakonissen gegründet. Bis heute legt die Diakonie neben ihrem breit gefächerten Bildung- und Ausbildungsangebot Wert auf einen nichtinstrumentellen Bildungsbegriff des diakonischen bzw. des sozialen ­Lernens.


5. Arbeit und Beruf

Luther wertete Arbeit nicht als Fluch, von dem der Mensch erlöst werden sollte. Für Luther ist Arbeit ein Ansatzpunkt im Kampf gegen Armut. Deshalb stellt er sich gegen Müßiggang und ein Leben auf Kosten anderer. In den sozialen Ordnungen wird ausdrücklich gefordert, dass wer arbeiten könne auch arbeiten solle. Das zielte nicht nur auf Bauern und Handwerker, sondern auch auf den Klerus in den Klöstern. Insgesamt sind in den Augen der Reformatoren die weltlichen Berufe und Tätigkeiten den geistlichen gleichgestellt. »Wir sollen mit fröhlichem Gewissen in unserem Berufe bleiben und wissen, dass durch solche Werke mehr ausgerichtet wird, als wenn jemand alle Klöster gestiftet und alle Orden gehalten hätte; und ob es gleich die allergeringste Hausarbeit ist.«9 In diesem Zitat wird deutlich, dass Beruf nicht auf die erwerbswirtschaftliche Tätigkeit begrenzt ist. Arbeit und Beruf sind umfassende Verwirklichungsräume des Menschen.


Beruf als Berufung und Arbeit als Gottesdienst

Jeder sollte seinen Beruf als Berufung verstehen. Hinter diesem Verständnis von Berufung steht für Luther auch das Erkennen der eigenen Talente, die der Einzelne zum Wohle des Nächsten einsetzen soll. Diese Aufwertung des weltlichen Berufs zusammen mit dem Erkennen und Fördern von Begabungen wird zu einer Wegbereitung einer modernen Auffassung von Professionalität. Professionalität – wie wir sie auch in der Diakonie verstehen – verbindet die Selbstbestimmung des Menschen zur Arbeit und seine Verantwortung in der Arbeit.

Weiter verbindet Luther Arbeit und weltliche Berufe ausdrücklich mit der Verwirklichung der Nächstenliebe: »Wenn ein jeder seinem Nächsten diente, dann wäre die ganze Welt voll Gottesdienst. Ein Knecht im Stall wie der Knabe in der Schule dienen Gott. Wenn so die Magd und die Herrin fromm sind, so heißt das Gott gedient. So wären alle Häuser voll Gottesdienst und aus unsern Häusern würden eitel Kirchen, weil dort Gott gedient wurde«10 – sagt Luther in einer Predigt zur königlichen Hochzeit in Mt. 22.

Der Beruf ist folglich weit mehr als nur eine weltlich nützliche Tätigkeit, die funktional verrechnet und mit Geld bezahlt werden könnte: Er stellt – im Sinne von Berufung – Gottesdienst dar. Mit dieser Bestimmung hat die menschliche Arbeit einen hohen intrinsischen Wert.


»Selbstlose Verantwortungslogik«

Allerdings hat Luthers Denken über Verwirklichung der eigenen Berufung im Beruf sehr wenig mit »Selbstverwirklichung« in einem modernen Sinn zu tun hatte. Es ging um die Realisierung eines Rufs »von außen«, von Gott, in meinen Dienst für andere. Pointiert gesagt geht es im Beruf nicht darum, selbst wirksam zu werden, sondern das zu tun, was für den anderen nützlich und nötig ist. Der Beruf beinhaltet einen Auftrag und hat Dienstcharakter. Diese »selbstlose Verantwortungslogik«, so formuliert es Gerhard Wegner11, ist möglich, weil Luther zwischen dem »äußerlichen« Beruf innerhalb der weltlichen Ordnung und der geistlichen, »inneren« Berufung im Reich Gottes unterscheiden kann. Wie tief diese Vorstellung einer Beauftragung auch heute noch in unserem Berufsverständnis enthalten ist, zeigt die Verwendung des Dienstbegriffs – weit über kirchliche und diakonische Bereiche hinaus – von Dienstleistung (also im Auftrag eines Anderen) bis zum öffentlichen Dienst (im öffentlichen Auftrag). In besonderer Weise hat der Dienstbegriff der Diakonie die Berufsbilder der Diakonissen, der Diakone, Diakoninnen, Diakonischen Schwestern und Brüder geprägt und prägt sie bis heute.


Dienst und Gemeinschaft

In der Betonung des Einzelnen in seiner Stellung vor Gott ist allerdings das Thema Arbeit zugleich mit der schwierigen Frage verbunden, wie die Kooperation von Menschen in der Arbeit organisiert sein soll. Hier geht Luther einen individualisierenden Weg, was auch auf die Frage der Organisation von Arbeit und der Gemeinschaften durchschlägt.

Bruderschaften und Genossenschaften wurden von reformatorischer Seite heftig kritisiert und es gab einen Niedergang der Bruderschaften im Bereich der reformatorischen Städte. Luther hielt sie für eine Form des Gemeinschaftsegoismus. Das hatte zur Folge, dass nach der Auflösung klösterlicher Orden die Versorgung von Kranken und Behinderten zu einem erheblichen Problem wurde. Der organisatorische Rahmen für die Pflegetätigkeit war während der Reformation oft verloren gegangen.

Erst mit der Sozialen Frage und der Organisation diakonischer Arbeit neben der verfassten Kirche im 19. Jh. und mit dem Rückgriff auf die bürgerliche Organisationsform des Vereins wurde die Verbindung von Dienst und Gemeinschaft wieder in der protestantischen Kirche beheimatet. In den Diakonischen Gemeinschaften der Brüder- und Mutterhäuser wurde das diakonische Engagement auf eine neue Weise als gelebte Selbstverpflichtung zum diakonischen Dienst mit einer – auch geistlichen – Gemeinschaft verbunden.

Eine herausfordernde Leerstelle blieb dabei die Frage, wie sich die in die Gemeinschaften Berufenen zum protestantischen Amtsverständnis verhalten. Luther hatte zwar die Entleerung des katholischen Diakonenamtes kritisiert. Er befürwortete auch, dass sich Prediger und Diakonie für Kranke und Arme engagieren. »Diakonie ist aber nicht der Dienst, das Evangelium oder die Briefe vorzulesen, wie es gegenwärtig üblich ist, sondern das Vermögen der Kirche an die Armen auszuteilen …«.12 Luther nahm aber für diese Aufgaben den einzelnen Christ und Bürger in die Pflicht und belebte das Diakonenamt nicht wieder. Das Amt der Verkündigung konzentrierte er ganz auf das Predigtamt, auf das Predigen und die Verwaltung der Sakramente. So kann man kann zwar in lutherischer Tradition von einem »allgemeinen Diakonentum« aller Christen sprechen, aber nicht von einem diakonischen Amt – wie z.B. Johannes Bugenhagen es in seiner 1529 verfassten Kirchenordnung für Hamburg mit den »Diaken« vorsah oder Johannes Calvin, der das Diakonenamt biblisch begründet sah und als eigenständiges kirchliches Amt einführte.


6. Freiheit und diakonische Ethik

Fragen der Nächstenliebe gehören von Anfang an zur reformatorischen Botschaft. Im Mittelpunkt steht die reformatorische Erkenntnis von der geschenkten Gerechtigkeit, die für den Dienst am Nächsten befreit. »Denn ebenso wie unser Nächster Not leidet und unseres Überflusses bedarf, so haben wir vor Gott Not gelitten und seiner Gnade bedurft. Darum: wie uns Gott hat durch Christum umsonst geholfen, also sollen wir durch den Leib und seine Werke nichts anderes tun als dem Nächsten helfen.«15 So beschreibt Luther 1520 in »Freiheit eines Christenmenschen« den Zusammenhang von Glauben und Nächstenliebe, von Reformation und Diakonie. Wenn heute Diakonie als Freiheit zum Engagement verstanden wird, dann steht die Diakonie damit in der Tradition der Reformation.

Die Erträge der Reformation für die Diakonie sind vielfältig. So sind die Bereiche, die wir im engeren Sinne als diakonisches Feld verstehen – die spezifische Verbindung von Professionalität und Nächstenliebe – in vielfältiger Weise von den reformatorischen Prozessen des 16. Jh. abhängig. Auch wenn die Reformation selbst zunächst nicht als diakonischer Aufbruch zu beschreiben ist, hat sie große soziale und diakonische Auswirkungen.

Selbstbestimmungs- und Freiheitsrecht, Sozialstaat und Zivilgesellschaft gehören zu den prägenden Kontexten heutiger diakonischer Arbeit. Wenn man die von Max Weber beschriebenen modernen Rationalisierungsprozesse einbezieht, gehören auch die Bedingungen kapitalistischen Wirtschaftens zu den »Erträgen« der Reformation, die die heutige diakonische Arbeit stark bestimmen.14 Wenn man den Blick noch einmal etwas erweitert, auch auf die anderen reformatorischen Ausprägungen, den Calvinismus, den Puritanismus und den Anglikanismus, so ist festzustellen, dass die verschiedenen reformatorischen Ausprägungen zur Ausformung unterschiedlicher Fürsorgemodelle beigetragen haben. Der lutherische Fürsorgestaat orientierte sich am Leitbild der »guten Policey«, d.h. an einem engen Zusammenspiel von Tugendethik, Gesetzgebung und Verwaltung. In dieses Modell wurde die Diakonie und »gemeine Wohlfahrt« eingepasst. Das hat eine zwei-, wenn nicht sogar eine dreiteilige Ausdifferenzierung zur Folge. Neben der gemeindlichen Diakonie entstanden diakonische Einrichtungen mit öffent­lichem Versorgungsauftrag und diakonische Unternehmen.

Allen diesen Formen bleibt aber gemeinsam, dass sie sich als Verwirklichung der sozialen Verantwortung verstehen, die für Christen aus ihrem Glauben resultiert. In dieser übernommenen Verantwortung entspricht auch die heutige Diakonie den Impulsen der Reformation. Die diakonischen Aufgaben enden nicht – wie am Beispiel der Gemeinwesendiakonie besonders deutlich zu sehen ist – an Einrichtungs- und Gruppengrenzen, sondern sie beziehen sich auf jeden Hilfebedürftigen und auch auf soziale Räume. Wie im 16. Jh. von einer gesellschaftlichen Einheit ausgegangen wurde, so verbindet sich auch heute mit dem Sozialstaat ein gesamtgesellschaftlicher Anspruch. Wenn die Diakonie heute in ihrer anwaltschaftlichen Funktion Ausgrenzungen und mangelnde Teilhabe kritisiert, dann nimmt sie auch darin Impulse der Reformation auf. Reformation und Diakonie gehören zusammen.


Anmerkungen:

* Tagung der internationalen Konferenz theologischer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Diakonie e.V. am 15.5.2017 in Berlin.

1 Nikolaus Kopernikus, 1543, De revolutionibus orbium coelestium.

2 Hegel sah in der Reformation »die Hauptrevolution« der Neuzeit: »Die Hauptrevolution ist in der Lutherischen Reformation eingetreten, als aus der unendlichen Entzweiung und der greulichen Zucht, worin der hartnäckige germanische Charakter gestanden hatte und welche er hatte durchgehen müssen, der Geist zum Bewußtsein der Versöhnung seiner selbst kam, und zwar in dieser Gestalt, daß sie im Geiste vollbracht werden müsse.« G.W.F. Hegel, Vorlesungen über die Geschichte der Philosophie III, 1833, 49.

3 Thomas Kaufmann, Die Reformation – ein historischer Überblick. In: Die Weltwirkung der Reformation. Wie der Protestantiskus unsere Welt verändert hat, hg. v. Udo Di Fabio und Johannes Schilling, München 2017, 13-66; 14.

4 Zur Jahreswende 1519/20 war es Luther gelungen, den Leipziger Drucker Melchior Lotter d.Ä. dafür zu gewinnen, in Wittenberg eine Filiale zu errichten, womit Luther, Karlstadt und Melanchthon leistungsstarke Druckkapazitäten zu Verfügung standen. 1520 entstanden Luthers einflussreiche Schrift »An den christlichen Adel deutscher Nation von des christlichen Standes Besserung« und »Von der Freiheit eines Christenmenschen«.

5 Cornelia Füllkrug-Weitzel, Reformation, Würde und Entwicklung – reformatorische Essentials und der Beitrag der Kirchen zum entwicklungspolitischen Diskurs. In: Impulse der Reformation, Bürgergesellschaft und Demokratie, hg. v. A. Klein und O. Zimmermann, 2017, 273-283; 274.

6 Martin Luther, 1520, An den christlichen Adel deutscher Nation, WA 6, 450, 22-26.

7 Philipp Melanchthon, 1544, Philosophiae moralis epitomes libri duo. Nach Stupperich, Robert (1961): Melanchthons Werke. III. Bd.: Humanistische Schriften. Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus Gerd Mohn, 149-301; 164.

8 Insbesondere in der Freiwilligenarbeit, im FSJ und BuFD.

9 Martin Luther, Predigt am 5.10.1529 zu Matth. 9, 1ff, WA 29, 566, 39

10 Martin Luther, Predigt am 29.9.1532 zu Matth. 22, 18. So.n.Trinitatis, WA 36, 340, 12-16.

11 Gerhard Wegner, Beruf, Reformation heute, Hannover 2014, 11.

12 Martin Luther, De captivitate Babylonica (1520): WA 6, 566, 34f (lateinisch); Übersetzung zit. nach Gottfried Hammann, Die Geschichte christlicher Diakonie. Praktizierte Nächstenliebe von der Antike bis zur Reformationszeit, Göttingen 2003, 194.

13 Martin Luther, 1520, Von der Freiheit eines Christenmenschen, WA 7, 36, 4-8.

14 Max Weber, Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus, 1905: Der tägliche Dienst zu Gottes Ehren als Antwort auf Gottes Rechtfertigung, die Erfüllung der Pflichten im Hier und Jetzt, Arbeit als Mittel »innerweltlicher Askese«, Triebkontrolle und kontrollierte Lebensführung.

 

Über den Autor

Dipl.-Ing. Dr. theol. Ingolf Hübner, Pfarrer der Evang. Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO), seit 1995 Referent in der Diakonie Deutschland (vormals Diakonisches Werk der EKD).

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft: 2/2018

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