Vom Modellcharakter anderer Kirchen
Wie Schweden, wie England oder doch ganz anders?

Von: Dirk Dempewolf
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Visionen von der Zukunft der Kirche werden entwickelt auf Kirchentagen, in Jugendgruppen, an Schreibtischen von emeritierten Pfarrern und vielen anderen Orten unserer Kirche. Angesichts demographischer und gesellschaftlicher Veränderungen würden manche Kirchenleitungen gern in die Zukunft schauen können. Planungsreferenten versuchen, Trends und Entwicklungen hochzurechnen und der Kirche der Zukunft möglichst nahe zu kommen. Wenn es aber um konkrete Bilder einer evangelischen Kirche der Zukunft geht, wird gern auf Kirchen in anderen Ländern geschaut. Man vermutet dort, einen Blick in die Zukunft der Kirche tun zu können oder bestenfalls ein Modell vorzufinden, an dem man sich orientieren kann. Dabei bleibt aber zu bemerken, dass die Geschichte und damit die Voraussetzung für die Entwicklung dieser Kirchen sich von der unseren deutlich unterscheiden.

Welche »Modelkirche« man auch reizvoll und hilfreich finden mag, jede ist letztlich doch eine Projektion eigener Wünsche und Prioritäten. Gleichzeitig trifft man mit jedem Modell ekklesiologische Entscheidungen. Das soll an den beiden »Modellkirchen« Evang.-luth. Kirche von Schweden und Church of England gezeigt werden.


Das »Kirchenparadies« Schweden …

Durch die Partnerschaft mit der schwedischen Diözese Skara begannen manche Mitarbeiter der bayerischen evangelischen Kirche dort ein mögliches zukünftiges Modell von Kirche zu sehen und zu erhoffen. Angeregt wurde diese Vorliebe nicht nur durch die Partnerschaft, sondern auch durch den Prozess um ein zukünftiges Pfarrerbild und den Versuch, dass Pfarrer*innen angesichts zunehmender »Burnouts« dauerhaft »Gut, gern und wohlbehalten« arbeiten können.1

Mit »Tilsammans« stürmen die heutigen »Ansgar« und »Olaus Petri« mit einer PowerPoint-Präsentation Pfarrkonferenzen und ihre Botschaft ist: »Zusammen« wird die Bayerische Landeskirche so gut werden wie die schwedische Kirche. Mögliche Einwände und Anfragen unter den Zuhörer*innen sind erlaubt, aber am Ende, da sind die Referenten sicher, wird das evangelische Bayern wie das evangelische Schweden sein.

Mit diesen Vorträgen werden Themen angesprochen, die die bayerische Pfarrerschaft in einem Berufsbildprozess zurzeit stark beschäftigen. Das nördliche Paradies hat Vorteile, von denen wir in Bayern nur träumen können: keine Unterhaltslast mehr für Pfarrhäuser, keine Präsenzpflicht, die 40-Stunden-Woche für alle und eine klar geregelte respektvolle Zusammenarbeit aller Berufsgruppen. Noch haben (fast) alle Gemeinden in Bayern Pfarrhäuser, noch sollen Pfarrer in Bayern 48 Wochenstunden fluktuierend arbeiten und die Zusammenarbeit der Berufsgruppen ist, wie sie ist.


… und seine Probleme

Doch auch das Paradies in Schweden hat Probleme. Es fehlen große Mengen Ehrenamtlicher in den Gemeinden. Diese zu werben und zu begeistern, möchten die Schweden von den Bayern lernen. Nach einem historischen Rückblick werden daher die Kategorien Pfarrhaus, Arbeitszeit, Berufsgruppen und Ehrenamt in Schweden betrachtet und mit der Realität einer anderen ehemaligen Staatskirche, der Church of England, verglichen.

Der christliche Glaube kam mit Ansgar im 9. Jh. nach Schweden und durch Olaus Petri wurde die Kirche 1527 lutherisch. Der König war der Landesherr der evangelischen Kirche in Schweden mit eingeschränkten Rechten. Aber damit war die lutherische bis 1787 die einzige Konfession im Reich und unter anderem der religiöse Dienstleister der Schweden bis zur Trennung von Kirche und Staat, die seit dem 1. Januar 2000 gilt. Der Staat hat mit diesem Datum der Kirche die Verwaltung der meisten Friedhöfe in Schweden überlassen. Die Kirche sieht sich als einen lebendigen Spiegel der liberalen schwedischen Gesellschaft und hat ihren Ort in der Gesellschaft an der Seite der Menschen im Alltag und in Krisen- und Übergangszeiten.2

Heute sind 63% der Bewohner Schwedens Mitglieder der lutherischen Kirche. Der Rückgang der Mitglieder führte zu einer Konzentration und Neuorganisation der Kirche. Die Kirchensteuer heißt in Schweden nach der Trennung von Staat und Kirche »Kirchenabgabe« (kyrkoavgift) und wird von der staatlichen Steuerbehörde eingezogen. Die Höhe der Abgabe wird dabei von der Kirchengemeinde bestimmt, der man angehört. Die durchschnittliche Höhe der Abgabe beträgt 2015 1,00% des zu versteuernden Einkommens.

Mehrere Gemeinden wurden zu Pastoraten zusammengefasst mit mehreren zehntausend Mitgliedern verteilt auf mehrere Gottesdienststätten. Die Kirchenverwaltung ist in einem zentralen Gebäude des Pastorats untergebracht, in dem auch der Stützpunkt aller hauptamtlichen Pfarrer*innen, Diakone, Jugendarbeiter, Kirchenmusiker etc. ist.

Pfarrhäuser wurden aufgegeben und Pfarrer haben keine Residenzpflicht mehr. Sie können auch außerhalb des Pastorats wohnen. Ihre Anwesenheit in der Gemeinde ist auf die 40 Wochenarbeitsstunden beschränkt. Der »Kirkoherde«, der geschäftsführende Pfarrer im Pastorat handelt die Gehälter der Pfarrer*innen aus, achtet auf die Dienststunden der Mitarbeiter, auf Zuständigkeiten für bestimmte Arbeitsbereiche und spricht die Dienstzeiten im Team aller Mitarbeiter ab, so dass die wöchentlichen Dienstzeiten durch Präsenz von Seelsorgern und anderen Mitarbeitern abgedeckt sind. Den Gemeindegliedern begegnet dann nicht immer der gleiche generell zuständige Pfarrer, sondern je nach Anliegen der bereichszuständige Pfarrer oder die Pfarrerin, die gerade Seelsorgedienst hat.

In der Regel haben die hauptamtlichen Mitarbeiter der Gemeinde Vollzeit oder Teilzeitverträge und sind keine Nebenberufler. Während ein Kirkoherde z.B. in der Diözese Skara 4700 € monatlich verdient, erhält der Kollege in der Gemeinde 3400 € monatlich. Durchschnittlich verdienten Schweden 2012 ca. 3000 € monatlich.3


Geistliche Sachbearbeiter und zentralisierte Verwaltung

Pfarrinnen und Pfarrer sind, außer in der Seelsorge, nicht als Generalisten eingesetzt, sondern für bestimmte Arbeitsbereiche in der Arbeit der Gemeinde, wie Familienarbeit, Konfirmandenunterricht, Bestattungen und sie arbeiten hier gleichberechtigt mit Diakonen und Sozialpädagogen. Der Kirkoherde ist als Verwaltungsleiter für die Verwaltung von Personal, Finanzen, Gebäuden und Friedhöfen mit Schwerpunkt Mitarbeiterführung zuständig.

Über die Ehrenamtlichen in der Schwedischen Kirche schreibt sie selbst: »Gut 100.000 Menschen singen ehrenamtlich in einem der Chöre der Schwedischen Kirche. Fast doppelt so viele nehmen an der Kinder- und Jugendarbeit teil. Viele sind auch in Kursen unterschiedlicher Art, Frauenkreisen und internationalen Gruppen aktiv. Viele Menschen sind als Mandatsträger in der Schwedischen Kirche engagiert. Sie sind an Entscheidungen auf Gemeindeebene bis zu die ganze Kirche betreffenden Entscheidungen beteiligt. Andere sind als Kirchenälteste im Gottesdienst aktiv, sie begrüßen die Gottesdienstbesucher und tragen mit Textlesungen und dem Einsammeln der Kollekte zum Gottesdienst bei. In vielen Gemeinden arbeiten Freiwillige als Betreuer, vor allem in der Kinder- und Jugendarbeit, der Konfirmandenbetreuung und der diakonalen Arbeit.«4

Die Vorträge der »Schwedenmissionare« geben aber auch Hinweise auf die schwedische Realität hinter der PowerPoint-Präsentation. Aus den Vorträgen auf Pfarrkonferenzen in Bayern ergibt sich das folgende Bild von der Schwedischen Kirche: Auf zurückgehende Mitgliederzahlen reagiert die schwedische Kirche mit aus deutscher Sicht sehr großen Pfarreien mit zentralisierter Verwaltung, mit spezialisierten Mitarbeitern in Vollzeit- oder seltener Teilzeitarbeitsverhältnissen. Kirchenmusiker im Nebenamt finden sich dort nicht. Pfarrer haben klar geregelte Arbeitszeiten und tauchen nicht mehr als Lebensbegleiter und im Alltag ihrer Gemeindeglieder auf, sondern als geistliche Sachbearbeiter in ihren Dienstzeiten. Die schwedische Kirche verspricht deshalb auch, dass jederzeit ein Pfarrer über eine zentrale Telefonnummer erreichbar ist. Aus den ehemals angestellten, freiberuflich organisierten Generalisten werden Pfarrer zu angestellten Spezialisten mit manchmal übergreifenden Aufgaben, wie die übrigen Mitarbeiter es bereits sind. Der Konfirmandenpfarrer, die Verwaltungspfarrerin (Kirkoherde), der Beratungspfarrer begegnen den Gläubigen in Teilaspekten ihres Lebens.

Die Vielfalt des ehrenamtlichen Engagements in deutschen Gemeinde findet sich in der schwedischen Kirche so nicht. Hier möchte sie in den Kirchenpartnerschaften von Kirchengemeinden in Deutschland lernen. Die Außenwahrnehmung ist folglich die eines Dienstleisters, der auf Anfragen von Gemeindegliedern reagiert. Wo ist der Ort, an dem Pfarrer*innen Christen mit anderen Christen sein können? In ihrer Dienstgemeinde, in ihrer Wohnortgemeinde? Das rege geistliche Leben in Gemeinden und Bewegungen der schwedischen Kirche spiegelt sich in dieser Außensicht kaum und wirkt ebenso wenig in der Partnerschaft mit der Evang.-Luth. Kirche in Bayern (ELKB), so ist der Eindruck.


Staatskirche im Schwinden

Anders ist das Verhältnis der Church of England (CofE) zu vielen Kirchen der EKD. Nicht nur auf die ELKB gehen viele geistliche Impulse aus der Church of England aus und entwickeln prägende Wirkung für das Gemeindeleben und die kirchliche Praxis. Von England werden Methoden und Inhalte aufgenommen, die das Leben in den Gemeinden vor Ort in Deutschland anregen und verändern.

Die Kirche von England datiert ihre Geschichte zurück bis in die römische Zeit. Die seit der konstantinischen Wende (313) begonnene Christianisierung Britanniens setzte sich bei den keltischen Stämmen in Schottland und Irland in Form der Iro-schottischen Kirche eigenständig fort. Nach dem Abzug Roms, spätestens 411, siedelten vermehrt Angeln, Sachsen und Jüten ins heutige England. Im Gebiet dieser angelsächsischen Stämme wurden zunächst germanische Kulte gepflegt. Erst seit der Mission von Augustinus von Canterbury an den Hof von Kent im Jahr 597 fand die katholische Kirche wieder Verbreitung in England. Zeitgleich erfolgte eine Mission durch irische Mönche wie Columban.

Mit der Weigerung von Papst Clemens VII., die Ehe von König Heinrich VIII. für nichtig zu erklären, beschlossen die englischen Bischöfe, die Autorität des Papstes im Königreich England nicht länger anzuerkennen, und erklärten am 11. Februar 1531, dass ihr König nunmehr Oberhaupt (Supreme Head) der katholischen Kirche in England sei. Damit wurde die englische Reformation ausgelöst.5 Gleichzeitig wird die CofE einzig zugelassene Staatskirche vergleichbar einer Landeskirche in Deutschland.

Die Trennung von Staat und Kirche vollzieht sich schleichend. Mit der Zulassung anderer Religionen und Konfessionen und der Säkularisierung nimmt der prozentuale Anteil von Anglikanern an der Bevölkerung ab. 59,4% der Bevölkerung Englands sind heute noch Christen aller Konfessionen (im Vergleich Deutschland 60%). Dabei gibt es deutliche Unterschiede zwischen Stadt und Land und nach Regionen. Noch sitzen die Bischöfe qua Amt im Oberhaus des Parlamentes, was nicht mehr für jeden Bürger verständlich ist. Seelsorgestellen (Chaplains) im Militär, Krankenhäusern, Universitäten, Schulen werden allgemein ausgeschrieben und religionsübergreifend besetzt. Von der einstigen Vorherrschaft der CofE übrig geblieben sind ihre vielen Schulen im Primar- und Sekundarbereich von Ortsschulen bis hin zu Eliteschulen. Dort haben die meisten Engländer auch ihre religiöse Bildung und Praxis erlernt.


Pfarreien und kirchliche Schulen

Anders sieht das Leben der Gemeinden aus. In der Diözese Bristol gab es Gemeinden mit einer Zuständigkeit für mehrere hundert bis tausend Nachbarn (parish = Pfarrei) und zwischen 7 und 54 tatsächlichen Mitgliedern und Gottesdienstbesuchern. Solange die Gemeinden ihre Gebäude selbst erhalten können, werden sie nicht zu größeren Pfarrverbänden zusammengefasst, die sich dann einen Pfarrer/eine Pfarrerin teilen. In den Städten werden nicht mehr genutzte Kirchen und Pfarrhäuser verkauft oder vermietet.

Die Gemeinde finanziert ihre Kosten über eine Umlage, die von den Gemeindegliedern bezahlt wird. Jedes Gemeindeglied soll 5-10% seines Einkommens beisteuern. Einmal im Jahr wird deshalb über das Charisma des Geldgebens gepredigt und die Gemeindeglieder werden anonym nach ihrem Einkommen gefragt. Das Ergebnis wird der Diözese übermittelt, die dann berechnet, wieviel Geld für die Versorgung der Pfarrer zu erbringen ist. Der Rest des Geldes verbleibt in der Gemeinde für Gebäude, für die Gottesdienstmusik und möglicherweise für weitere Mitarbeiter. Manche Gemeinden unterstützen dann noch missionarische und diakonische Projekte.

Durchschnittlich verdient ein Vollzeit-Pfarrer in England 22.000 €6 im Jahr bei einem Durchschnittseinkommen von 39.000 € in Großbritannien (Deutschland zum Vergleich 41.000 €).7 Deshalb kann eine Pfarrfamilie nur einen Lebensstandard entwickeln, wenn beide Ehepartner arbeiten bzw. weil das Pfarrhaus und verschiedene kleine Zuschläge zum Einkommen gehören.

Pfarrer arbeiten in der Regel an 40 Stunden in der Woche jeden Tag beginnend und abschließend mit Gebetszeiten. Dabei hängt der Arbeitsanfall an der Zahl der Gemeindeglieder (Besuche und Kasualien) und an dem, was der Kirchenvorstand (»parochial church council«) an Angeboten und Veranstaltungen anbietet. Der anglikanische Pfarrer hat eine dem deutschen Pfarrer vergleichbare Rolle als geistlicher Generalist oft mit Dienstaufträgen für die Gesamtdiözese (vergleichbar den ehrenamtlichen Aufträgen für Ökumene, Kindergottesdienst etc.). Unterstützt wird er durch ordinierte Ehrenamtliche und Prädikanten. Die Last von Haus- und Gebäudeverwaltungen werden von der Diözese übernommen.

Was den Schweden ihre Friedhöfe sind, sind in Großbritannien die Schulen der CofE. Weil die staatlichen Schulen einen mäßigen Ruf haben, bringen viele Familien ihre Kinder in freien kostenpflichtigen Schulen unter.8 Ungefähr eine Million Kinder besuchen CofE-Schulen. Ein Viertel aller Grundschulen und 200 weiterführende Schulen werden von der CofE betrieben. Dazu kommen 900 Akademien und 500 Schulen, die sich dem CofE-Ethos verpflichtet fühlen. 55% der kirchlichen Schulen liegen auf dem Land im Vergleich zu anderen mit 20%. Das heißt, dass die Kirche von England mit der Hälfte ihrer Schulen ländliche Bildungsinfrastruktur aufrechterhält.

Die Diözesen investieren jedes Jahr 17 Mio. € in ihre Schulen. Kirchliche Schulen sind in England eine Möglichkeit, Kinder mit biblischem Glauben, christlichen Traditionen, Gottesdiensten und Liedern bekannt zu machen. Die meisten Kritiker von Kirche und Glauben haben eine gute bis sehr gute Schulbildung in einer kirchlichen Schule genossen.


»Alphakurse und Fresh Expressions«

Von deutschen evangelischen Kirchen, Freikirchen und manchmal der römisch-katholischen Kirche werden geistliche Bewegung und Impulse aufgenommen, die in der Breite der CofE entstanden. In den 1990er Jahren wurde hierzulande der Alphakurs aus London als Glaubenskurs in vielen Gemeinden beliebt und zum Vorbild neuer Glaubenskurse. Die geistliche Begleitung als Seelsorge mit deutlich geistlicher Ausrichtung kam nach 1999 nach Bayern und darüber hinaus. In den 2010er Jahren werden die »fresh Xpressions of Church«, ungewöhnliche Modelle des Gottesdienstes und Kirchenlebens, in Deutschland aufgenommen, von denen sich jede Gemeinde für ihr Publikum inspirieren lassen kann.9 Gleichzeitig verliert die CofE weiterhin an Bedeutung im Alltag der Bevölkerung und kämpft mit einem demoskopisch begründeten Rückgang der Finanzmittel und der Mitglieder, die sich in einer Gemeinde engagieren – in der Stadt mehr als auf dem Land.


Was sind Prioritäten von Kirchenentwicklung?

Die Kirche von Schweden und die Kirche von England sind zwei von vielen Modellen von Kirche in Europa. Aus Ähnlichkeiten in der weiteren Vergangenheit haben sich durch gesellschaftliche Entwicklungen und die Reaktion der Kirchenleitungen darauf ganz unterschiedliche Kirchen entwickelt und damit auch Anforderungen an den Pfarrberuf. Dem geistlichen Mitarbeiter steht die priesterliche Figur gegenüber, sehr große Einheiten mit vielen Mitarbeitern stehen sehr kleine Einheiten mit einem Pfarrer plus x Mitarbeitern gegenüber. Gemeinden, die verwaltet werden von Hauptamtlichen, stehen gegen aktive Gemeindeglieder, die ihr Gemeindeleben gestalten und die Pfarrer*innen als Geistliche wünschen. Dem durchschnittlich bezahlten Angestellten mit evtl. arbeitsplatzfernem Lebensschwerpunkt steht der Geistliche mit hohem Ansehen und geringer Bezahlung in seiner Parochie gegenüber.

Diese Gegenüberstellungen deuten an, dass je nachdem, für welches Modell man sich entscheidet, die Schere tatsächlich weit auseinandergehen kann. Man kann nicht aus anderen Kirchen das Beste zusammensuchen und daraus etwas neues, noch besseres machen. Entscheidungen haben Konsequenzen und schließen andere Wege und Möglichkeiten, die man gerne wollen würde, aus.

Was sind also die Prioritäten von Kirchenentwicklung? Geht es darum, die Arbeitsbedingungen der Hauptamtlichen solange zu verbessern, bis sie optimal sind? Geht das? (Während ich schreibe, kommen zwei neue Aufgaben der Gemeindeverwaltung in meine Mail-in-box: ein Leitfaden Steuerrecht und eine neue Kirchenbuchordnung mit mehr Kosten und Arbeit für die Gemeinden.) Oder geht es darum, geistliche Angebote zu entwickeln, die den missionarischen Auftrag der Kirche nach Mt. 28 frisch und inspirierend unter das noch christliche Volk bringen?

Dirk Dempewolf


Anmerkungen:

1 http://berufsbild-pfr.de/handreichung-f%C3% BCr-dienstordnungen

2 https://www.svenskakyrkan.se/

3 https://www.svenskakyrkan.se/arbetsgivarelonestatistik-2014

4 https://www.svenskakyrkan.se/

5 https://de.wikipedia.org/wiki/Church_of_England

6 http://www.telegraph.co.uk/news/11441293/How-about-a-living-wage-for-our-poor-clergy.html

7 https://www.laenderdaten.info/durchschnittseinkommen.php

8 http://www.spiegel.de/lebenundlernen/schule/britische-schulrevolution-der-staat-zahlt-die-
eltern-regierena-784371.html

9 http://freshexpressions.de/ueber-fresh-x/ und http://www.evangelisch-inwestfalen.de/aktuelles/detailansicht/news/detail/News/enormevielfalt/ch/014eb468917acedc238ceaae24666e15/

 

Über den Autor

Pfarrer Dirk Dempewolf, Jahrgang 1964, Vikariat in Flensburg, 1999-2002 Studierendenpfarrer in Bristol/England für die anglikanische Kirche, seit 2002 Pfarrer in Augsburg.

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft: 2/2018

1 Kommentar zu diesem Artikel

10.03.2018
Ein Kommentar von Helge Seekamp


Danke sehr für diesen Überblick unterschiedlicher Entwicklungs Logiken, was die Zukunft der Pfarrerrollen und Kirchen, bzw. Gemeinde- Entwicklung betrifft. Besonders leuchtet mir ein: man kann nicht einfach wünschenswerte Attribute zu einem Gesamtpaket schnüren, wenn die dahinterstehenden Logiken sich widersprechen. Dann ist die spannende Frage, wie wir unterschiedliche Bezahl- Modelle und -Höhen finanziert werden können. Einfach richtig gut, den großen Kontext jeglicher Entwicklung zu bedenken. Das hatte mir gefehlt bei allen bisherigen Modell Diskussionen.

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