Von der Notwendigkeit eines erneuten Nachdenkens über Gott, den »Allmächtigen«, und über den paulinischen Ausdruck »Werke des Gesetzes«
Luther und wir

Von: Michael Bachmann
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Zwei Punkte, die im Deutschen Pfarrerblatt im Blick auf das Reformationsjubiläum des Jahres 2017 angesprochen wurden, sind wichtig, sollten aber noch etwas genauer bedacht werden. Das gilt zum einen für die Gottesfrage, zu der es hieß, die Redeweise, nach der »Gott die Liebe« ist, sei »zwar theologisch richtig«, lasse aber »das Widersprüchliche« ungeklärt1. Zum anderen ist die fraglos berechtigte Vorhaltung gemeint, hinsichtlich der jüngeren Interpretationsbemühungen von paulinischen Rechtfertigungsaussagen2 mangele es bei »den Protestanten« nicht selten an der Aufnahme »der neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse«3 bzw. Thesen.


1. »Allmächtiger«

Was die Gottesfrage betrifft, so ergibt sich »das Widersprüchliche« weithin aus Leiderfahrungen – wie sie auch in den Buchtitel »Gott, du kannst ein Arsch sein« eingehen4 –, anders ausgedrückt: aus so etwas wie »der völlig ungeklärten Theodizeefrage«5. Sie hat es eben damit zu tun, dass Leid (gar: Leid Unschuldiger) erlebt wird und dass zugleich vom Alleskönnen eines guten Gottes ausgegangen wird.

Freilich: Diese Vorstellung von einem Gott, der in jedem Augenblick alles (Nicht-Selbstwidersprüchliche) zu tun vermag, sollte zumindest für den jüdisch-christlichen Bereich kritisch überprüft werden, und dann könnte wohl ziemlich schnell unsicher werden, ob sich die Formulierung von »der völlig ungeklärten Theodizeefrage« aufrechterhalten lassen wird. Die so selbstverständlich erscheinende Annahme, beim Wort »Allmächtiger« sei in Bibel und Glaubensbekenntnis »einfach« an eine nahezu uneingeschränkte Omnipotenz des Gottes von Juden und Christen zu denken, ist nämlich in den vergangenen Jahren in der Tat mehrfach in Frage gestellt worden6, und so sollte es inzwischen eigentlich eher schwerfallen, z.B. Rudolf Bultmann ohne weiteres zuzustimmen, wenn er sagt: »Zum Gottesgedanken als solchen gehört der Gedanke der Allmacht.«7

Das Schlüsselwort »Allmächtiger«, pantokrator, das sich bekanntlich auch im Apostolischen Glaubensbekenntnis findet (und zwar zweimal, nämlich im ersten und dann noch einmal im zweiten Artikel), begegnet in der Septuaginta ca. 180mal und kommt im griechischen NT (lediglich) zehnmal vor: in 2. Kor. 6,18 und neunmal in der Johannesoffenbarung (Offb. 1,8; 4,8; 11,17; 15,3; 16,7.14; 19,6.15; 21,22). Zwei Züge sind dabei biblisch und auch ntl. fraglos von erheblicher Relevanz8. Das Wort ist häufig innerhalb von solchen Formulierungen belegt, welche ein auf die Zukunft bezogenes kontrafaktisches Hoffen Bedrängter zum Ausdruck bringen (s. etwa Jer. 27[50],34 [»Aber ihr Erlöser ist stark, kyrios pantokrator ist sein Name. Der wird über seine Feinde Gericht halten«]; 2. Makk. 7,35[-37]; 2. Kor. 6,18 [vgl. 6,18-7,17]; Offb. 21,22 [vgl. überhaupt: 21,23-27]). Dazu fügt sich der andere Zug, dass die Vokabel sehr gerne innerhalb von Gebeten gebraucht wird9 (s. lediglich 2. Reg. [Sam.] 7,25-27; 3. Makk. 2,2; Offb. 4,8).

Sofern hierbei ein göttliches Alleskönnen für die jeweilige Gegenwart nicht ausgesagt wird, ist demnach aufgrund der biblischen Verwendung des – dem lateinischen omnipotens-Begriff der Vulgata verschiedentlich vorangehenden10 – Terminus pantokrator zu schließen, dass sich das übliche Verständnis der Theodizeefrage vor diesem Hintergrund als so etwas wie ein Scheinproblem ausnimmt. Auch im Blick auf den nicht eben sonderlich klaren Ausdruck deus absconditus, den bekanntlich nicht zuletzt Martin Luther mit einigem Nachdruck verwandt hat11 und der gerne zur Bearbeitung der (üblichen) Theodizeefrage herangezogen wird12, ist deshalb wohl Vorsicht angesagt. Es dürfte sich im Judentum und Christentum somit sehr empfehlen, an einem Gott der Liebe festzuhalten, zugleich jedoch auch die zeitliche Dimension des Weltgeschehens wirklich ernsthaft zu berücksichtigen, z.B. im Sinne von Hans Jonas oder unter Aufnahme von ­Ansätzen der sog. Prozesstheologie13.


2. »Werke des Gesetzes«

Bei der Suche nach einem möglichst angemessenen Verständnis paulinischer Rechtfertigungsaussagen wird man, wie auch mir scheinen will, in der Tat zu beklagen haben, dass bei Luther »Paulus [...] zu Unrecht zum ›christlichen‹ Zeugen gegen das als ›gesetzlich‹ abqualifizierte Judentum gemacht« wurde14. Und richtig dürfte auch sein: »Diese [...] abwertende Beurteilung gehört seit Luthers frühesten Schriften zur protestantischen Erbmasse.«15 Die bestimmt etwa auch jenen 2014 veröffentlichten »Grundlagentext des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD)« nicht unwesentlich mit, welcher damals bereits die Thematik »500 Jahre Reformation« im Blick hatte16. In diesem Papier ist nämlich versäumt worden, auf jüngere exegetische Ansätze, insbesondere auf die sog. Neue Paulusperspektive, einzugehen und deren Blickwinkel zu erproben. Das ist umso erstaunlicher, als »The New Perspective on Paul« zumal im (englischsprachigen) Protestantismus entwickelt worden ist17.

In dem angesprochenen EKD-Grundlagentext heißt es in Bezug auf den für Luther so wichtigen Vers Röm. 3,28 zustimmend: Der Wittenberger Reformator »entdeckte, dass es nicht die menschliche Leistung ist, die vor Gott einen Anspruch auf Heil erwirtschaftet«, und: »Solche Formen der Vergebung ›allein aus Gnade ohne des Gesetzes Werke‹ kennen wir auch heute […] noch«18. Damit wird zumindest implizit die traditionelle Auffassung aufgegriffen, bei »Werken des Gesetzes«, bei erga nomou, gehe es um »die menschliche Leistung«. Die Neue Paulusperspektive meint hingegen, es handle sich bei der Formulierung »ohne Werke des Gesetzes« um eine »Antwort« auf die Frage: »Wie können […] Nicht-Juden in Gottes Volk aufgenommen werden?«19. Dieses andere Verständnis, das bei erga nomou eher eine soziologische Perspektive ausmacht und an so etwas wie »identity« und »boundary markers« des Judentums denkt20 – nicht eigentlich an das Heil des Einzelnen und an individuelle (Fehl-)Leistungen –, wird weltweit und natürlich auch in Deutschland diskutiert21.

Für eine derartige – einigermaßen innovative22 – Sicht auf den Ausdruck »Werke des Gesetzes« gibt es, wie angedeutet, wichtige Gründe: So verwendet der Apostel in den sog. Protopaulinen23 nirgends Ausdrücke wie »(scheinbar) gute Werke«, »böse Werke«, »meine Werke«, »deine Werke« (auch nicht: »unsere/eure Werke«)24, natürlich gerade auch nicht im Kontext seiner Belege für »Werke des Gesetzes« (Röm. 3,20.28; Gal. 2,16 [3mal]; 3,2.5.10). Spätestens seit dem Jahr 1994 hat sich zudem die wegen der lediglich zwei bei diesen acht Paulus-Aussagen begegnenden Wendungen, nämlich: choris ergon nomou (Röm. 3,28) und ex ergon nomou (sonst, d.h. siebenmal), seit längerem25 aufdrängende Vermutung eines hebräischen Hintergrunds der (bekanntlich im griechischen Schrifttum vor Paulus bislang nicht nachgewiesenen) Wortverbindung erga nomou als richtig erwiesen: Im Jahr 1994 wurde (in Oxford) das Qumran-Dokument 4QMMT veröffentlicht, das es nicht zuletzt mit halakhischen Streitfragen zu tun hat, und in der Zeile C27 begegnet da die Formulierung ma‘ase ha-torah; sie ist damals sogleich (und zu Recht) mit »precepts of the Torah« übersetzt worden26.

Freilich: Die »protestantische Erbmasse« gerade auch in Sachen »Werke des Gesetzes« will man, wie es scheint, zumindest im deutschen Protestantismus, lieber nicht antasten – weder in dem zitierten EKD-Papier noch auch in Äußerungen mancher Exeget(inn)en27. Um es mit dem katholischen Neutestamentler Martin Ebner zu sagen: »Es hat lange gedauert, bis diese neue Paulusinterpretation in Deutschland überhaupt wahrgenommen worden und endlich auch Gegenstand der Auseinandersetzung geworden ist«28, und man »ist – innerhalb der Kirchen der Reformation – augenblicklich um Schadensbegrenzung bemüht«29. Das wirkt umso seltsamer, als nach diesem Bonner Exegeten gilt: »Unübersehbar ist die Aktualität der neuen Paulusperspektive im Rahmen der ›Ökumene der Profile‹.«30

Da es Paulus »im Kontext« seiner acht Belege für den Ausdruck erga nomou »jeweils um die Frage der ›Beschneidung‹ bzw. ›Unbeschnittenheit‹ (s. nur Röm. 3,1.30; Gal. 2,3.7.12)« zu tun ist31, dürfte hier bei den Grenzmarkierungen des Judentums ja »nicht zuletzt an die Männern geltende Beschneidungsvorschrift (s. nur Gen. 17,10-14)« zu denken sein32. Ganz ähnlich wie der Apostel diese Regel als gerade nicht für nicht-jüdische Christus-Anhänger gedacht begreift (s. nochmals Gal. 2,3), die er als »Unbeschnittene«, als Nicht-Juden (s. nochmals Gal. 2,7f) in die Heilsgemeinde aufnehmen zu sollen meint und dort respektiert wissen will, hatte – wie eigens erwähnt sei – »einige Jahre zuvor ein [anderer] Jude namens Ananias« votiert: Er vertrat damals die Ansicht, »Izates, der vom Gott der Juden attrahierte Thronprätendent von Adiabene« brauche »die Zeremonialvorschrift nicht auf sich beziehen« (s. dazu Josephus, Ant 20,34-48)33.

Den bemerkenswerten Ansatz der »New Perspective on Paul«, der erstmals im Jahr 1982 derart benannt wurde,34 nicht ernsthaft erwogen zu haben, wird man natürlich nicht gut Luther, dem im 16. Jh. wirkenden Reformator, vorwerfen können. Aber der Rat der EKD und der deutsche Protestantismus drohen mit der Fortführung der traditionellen protestantischen Interpretation paulinischer Rechtfertigungsaussagen – oder, anders formuliert: mit dem Versuch einer »Schadensbegrenzung« – eine oder gar mehrere Chancen zu verspielen: Wenn es bei »Werken des Gesetzes« um so etwas wie »boundary markers« gehen sollte, läge nämlich, zumindest hier, keine paulinische Gesetzeskritik vor35. Es ließe sich darum zumindest bei diesem wichtigen Exempel die übliche (protestantische) »abwertende Beurteilung« des Judentums erheblich korrigieren36 (und das übrigens ohne jeden Konflikt mit Röm. 1,16, wo es bekanntlich heißt, es sei »das Evangelium, eine Kraft Gottes […], dem Juden zuerst und auch dem Griechen«37). Und es dürften dann überdies »die paulinischen erga-nomou-Formulierungen […] wohl nicht mehr einfach als (ein keinerlei Fragen mehr erlaubendes) Schibbolet (vgl. Ri 12,5-6) zwischen Protestanten und Katholiken fungieren«38.

Die gewisse paulinische Anerkennung von (manche Personengruppen unterscheidenden) »boundary markers« und die von ihm zugleich vertretene Relativierung solcher Grenzmarkierungen wäre im Übrigen natürlich auch hinsichtlich der multikulturellen Konstellationen in vielen gegen­wär­tigen Gesellschaften von einigem Belang39.


3. Rück- und Ausblick

Das zurückliegende Reformationsjubiläum wird – somit – in mancherlei Hinsicht nicht wirklich als schlechthin gelungen gelten dürfen. Mit Hans-Martin Barth hat man doch wohl, was die »eigenen evangelischen Kirchen« angeht, »die zunehmende Bürokratie, die Lustlosigkeit gegenüber dem theologischen Nachdenken, Moralisierung und unsachgemäße Emotionalisierung« zu kritisieren40. (Und ähnlich mahnt Thomas Kaufmann an, es »könnte sich auch die Evangelische Kirche in Deutschland fragen, ob sie gut daran getan hat, die akademische Theologie bei der Planung und Konzipierung des Jubiläums weitestgehend auszuschließen«41.)

Würde z.B. das protestantische Schriftprinzip (sola scriptura) etwas ernster genommen, ließe sich vermutlich – sozusagen mit und gegen Luther – über manche der im 16. Jh. (verständlicherweise) vertretenen Thesen hinauskommen, nicht zuletzt im Blick auf den deus absconditus und die erga nomou. Angesichts neuerer Studien zum Terminus »Allmächtiger« und zum Ausdruck »Werke des Gesetzes« könnte man, wie mir scheinen will, aus gewissen Sackgassen in der Theodizeefrage hinausgelangen und auch Vorurteile überwinden, die es mit »jüdischer« und »katholischer Werkgerechtigkeit« zu tun haben42. Umgekehrt wird sich so möglicherweise die biblisches Denken ziemlich oft bestimmende zeitliche Perspektive noch deutlicher akzentuieren lassen, ebenso auch der soziologische Grenzen übergreifende universale Horizont, welcher ja mit dem Volk der Juden und seinem Gott im AT und auch im NT nicht ganz selten verknüpft ist.

Michael Bachmann


Anmerkungen:

1 Hans-Martin Barth, Die Reformation geht weiter. Luthers Theologie für das 21. Jahrhundert, in: DPfBl 9/2017, 512-514, 514.

2 Vgl. Barth, ebd., 514.

3 Jisk Steetskamp, Luther und Paulus. Rechtfertigung durch den Glauben, in: DPfBl 9/2017, 528-530, 529.

4 Frank Pape, Gott, du kannst ein Arsch sein. Stefanies letzte 296 Tage, 3. Aufl., München 2016 (s. ebd., 95.111.141). Vgl. Barth, Reformation, 514 (samt Anm. 12).

5 Hans-Martin Barth, Christ sein ohne Gott? Zu Heiner Geißlers »Vorschlag«, in: DPfBl 10/2017, 594f, 594.

6 S. etwa: Reinhard Feldmeier, Nicht Übermacht noch Impotenz. Zum biblischen Ursprung des Allmachtbekenntnisses, in: W.H. Ritter u.a. (Hg.), Der Allmächtige. Annäherungen an ein umstrittenes Gottesprädikat (BTSP 13), Göttingen 1997, 13-42; Michael Bachmann, Göttliche Allmacht und theologische Vorsicht. Zur Rezeption, Funktion und Konnotationen des biblisch-frühchristlichen Gottesepithetons pantokrator (SBS 188), Stuttgart 2002; Christiane Zimmermann, Die Namen des Vaters. Studien zu ausgewählten neutestamentliche Gottesbezeichnungen (AGJU 68), Leiden/Boston 2007, 233-271.

7 Rudolf Bultmann, Die Frage der natürlichen Offenbarung, in: ders., GuV II (1952), 79-104 (zuerst: 1941), 81 (hier teils hervorgehoben). Vgl. u. (bei) Anm. 9.

8 S. dazu lediglich Bachmann, Allmacht, bes. 197f.

9 Rudolf Bultmann, Jesus (Die Unsterblichen 1), Berlin o.J. [1926], meint freilich sagen zu sollen: »In der Tat ist im Bittgebet der Allmachtsgedanke aufgehoben« (hier teils hervorgehoben). Vgl. o. (bei) Anm. 7.

10 S. dazu etwa Bachmann, 134-136.

11 S. dazu lediglich Thomas Kaufmann, Luther und Erasmus, in: Albrecht Beutel (Hg.), Luther Handbuch, Tübingen 2005, 142-152, 150.

12 Vgl. Barth, Reformation, 514.

13 S. dazu lediglich Bachmann, Allmacht, 67-69.83-85.

14 Steetskamp, Luther und Paulus, 529.

15 Steetskamp, ebd., 530 (Anm. 2 [zu S. 528]).

16 Rechtfertigung und Freiheit […], Gütersloh 2014.

17 Vgl. dazu lediglich Michael Bachmann, Vorwort, in: ders. (Johannes Woyke) (Hg.), Lutherische und Neue Paulusperspektive. Beiträge zu einem Schlüsselproblem der gegenwärtigen exegetischen Diskussion (WUNT 182), Tübingen 2005, VII-XIII, VIIIf. Vgl. etwa Steetskamp, Luther und Paulus, 530 (Anm. 4 [zu S. 528]).

18 Rechtfertigung und Freiheit […], 27.

19 Steetskamp, Luther und Paulus, 528.

20 James D.G. Dunn, The New Perspective on Paul, in: ders., The New Perspective on Paul. Collected Essays (WUNT 185), Tübingen 2005, 89-110 (zuerst: 1983), 99.100.

21 S. dazu lediglich Michael Bachmann, Lutherische oder Neue Paulusperspektive? Merkwürdigkeiten bei der Wahrnehmung der betreffenden exegetischen Diskussionen, in: BZ NF 60, 2016, 73-101, bes. 74f.78-82.

22 Es fehlt indes nicht ganz an älteren Interpretationen, welche den Ausdruck erga nomou schon in einem ähnlichen Sinne verstehen zu sollen meinten (s. dazu lediglich Bachmann, Lutherische oder Neue Paulusperspektive?, 76f.85f).

23 Vgl. dazu etwa Steetskamp, Luther und Paulus, 529, ferner auch Michael Bachmann, Art. Paulus, in: Peter von Möllendorff u.a. (Hg.), Historische Gestalten der Antike. Rezeption in Literatur, Kunst und Musik (Der Neue Pauly. Supplemente 8), Stuttgart/Weimar 2013, 735-750, 750.

24 Indes wird immerhin in Röm. 2,6, ähnlich wie in Ps. 61(62),13 (und in Prov. 24,12 [LXX]), in der dritten Person (und mit dem Artikel vor erga) im Blick auf »jeden« von so etwas wie einer endzeitlichen Vergeltung »nach seinen Werken« gesprochen, und entsprechend heißt es in 2. Kor. 11,15 im Plural »nach ihren Werken«.

25 S. dazu lediglich Bill. III (1926), 160. Vgl. Bachmann, Lutherische oder Neue Paulusperspektive?, 95.

26 Elisha Qimron/John Strugnell [Hg.], Qumran Cave 4. Vol. V: Miqṣat Ma‘aśe Ha-Torah (DJD X), Oxford 1994, (62-)63.

27 Vgl. o. (bei) Anm. 18 und die Hinweise bei Bachmann, Lutherische oder Neue Paulusperspektive?, bes. 81f.

28 Martin Ebner, Parademissionar Paulus. Perspektiven der gegenwärtigen Diskussion, in: HerKorr 62/9, 2008, 465-470, 470.

29 Ebner, ebd., 470.

30 Ebner, ebd., 470.

31 Michael Bachmann, Das Freiburger Münster und seine Juden. Historische, ikonographische und hermeneutische Beobachtungen, Regensburg 2017, 190.

32 Bachmann, ebd., 190. Axel Wiemer, Der Galaterbrief im Religionsunterricht. Die Theologie des Paulus in ihrer Zeit und im Dialog mit Jugendlichen heute, Göttingen/Bristol (CT) 2017, 65 Anm. 195, erachtet die m.E. alles andere als unwichtige Frage, ob »das Syntagma ›Werke des Gesetzes‹ […] als ›Regelungen des Gesetzes‹ und nicht als die darauf bezogenen Handlungen zu verstehen« sei, für eine »doch recht spitzfindige Konstruktion«, und er meint, sie habe »zu Recht wenige Anhänger gefunden«. Das Letztere ist schlicht und einfach falsch (s. dazu lediglich die Literaturhinweise bei Bachmann, Lutherische oder neue Paulusperspektive?, 83-85; vgl. Thomas Schumacher, Zur Entstehung christlicher Sprache. Eine Untersuchung der paulinischen Idiomatik und der Verwendung des Begriffs pistis [BBB 168], Göttingen/Bonn 2012, [255-]257: »Es mehren sich mittlerweile die Stimmen, welche mit der paulinischen Wendung […] keine Aussage über das menschliche Tun verbinden, sondern über das Gesetz selbst«). Im Übrigen: Verkehrsvorschriften etwa sind, wie man weiß (und vorsichtigerweise besser nicht außer Acht lassen sollte), deutlich von ihrer (konsequenten) Befolgung zu unterscheiden!

33 Bachmann, Freiburger Münster, 191.

34 Der o. in Anm. 20 genannten Dunn-Aufsatz gibt nämlich »The Manson Memorial Lecture« an der Universität Manchester wieder, vorgetragen am 4.11.1982 (s. Dunn, The New Perspective, 88 Anm.*).

35 Was Gal. 3,19f. (bzw. Gal 3,15-21) angeht, wird man m.E. ähnlich zu urteilen haben (s. dazu lediglich Bachmann, Freiburger Münster, 181.191).

36 Eigens erwähnt sei, dass E.P. Sanders, Paulus und das palästinische Judentum. Ein Vergleich zweier Religionsstrukturen (StUNT 17), Göttingen 1985 (englisch: 1977), 400, ohnehin die – oft aufgegriffene – Auffassung vertritt, dass »jener Religionstypus, den man am besten als ›Bundesnomismus‹ bezeichnet«, für erhebliche Bereiche des antiken Judentum nachzuweisen sei, wobei die »Erwählung und letztliche Errettung nicht als menschliches Werk, sondern als Taten der Barmherzigkeit Gottes« begriffen würden.

37 Vgl. Auch Gal. 2,7 (»Evangelium […] der Beschneidung«, also für Beschnittene, für Juden). Was die EKD-Synode am 9.11.2016 diesbezüglich verabschiedet hat (s. dazu etwa Christoph Markschies, Reformationsjubiläum 2017 und der jüdisch-christliche Dialog [SKI: Kleine Reihe 1], Leipzig 2017, 94f [Anm. 50 (zu S. 28)]), dürfte sich wohl nicht eben gut mit derartigen Formulierungen des NT in Einklang bringen lassen (vgl. Bachmann, Freiburger Münster, 185 Anm. 15).

38 Bachmann, Lutherische oder Neue Paulusperspektive?, 100.

39 Vgl. lediglich Bachmann, ebd., 100f. (samt Anm. 103 [mit Bezug auf Johannes Woyke]).

40 Barth, Reformation, 512.

41 Thomas Kaufmann, Konfession belebt das Geschäft, in: FAZ vom 15.9.2017 (Nr. 215), 17.

42 Für das 16. Jh. hat man indes mit Ebner, Parademissionar Paulus, 469, das Folgende in Rechnung zu stellen: »Martin Luther hatte die spätmittelalterliche Papstkirche vor Augen, die im Messstipendien- und Ablasswesen mit der Heilsangst der Menschen Geschäfte machte.« Und: »Dass Luther angesichts der spätmittelalterlichen Papstkirche durch seine Lesart der paulinischen Rechtfertigungstheologie den entscheidenden, biblisch fundierten Kritikpunkt eingebracht und damit eine notwendige Kirchenreform eingeleitet hat, dürfte im Abstand der Zeit unbestritten sein« (ebd., 470).

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft: 4/2018

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