2. September 2018, 1. Thessalonicher 1,2-10
14. Sonntag nach Trinitatis

Von: Dietrich Lauter
0 Kommentare zu diesem Artikel / Artikel kommentieren

Wer dankbar ist, lebt gesünder


Wann kommt Christus?

Unsere Perikope enthält die ersten Zeilen des frühesten literarischen Dokuments des NT. Sie führt uns in die Anfänge der paulinischen Heidenmission. In Thessalonich war es Paulus schnell gelungen, eine Gemeinde zu gründen. Er blieb dort allerdings nur wenige Monate, um dann in Richtung Athen weiterzureisen.

Es geht in dieser Zeit (50/51) um Elementares: Paulus muss erklären, was aus den Toten wird, die noch vor der Wiederkunft Christi sterben. Dahinter steckt auch die ­Frage: Wann kommt Christus? Die letztere Frage weist Paulus, auch wenn er selbst die Parusie noch zu seinen Lebzeiten erwartet, zurück: Wir können es nicht wissen, der Tag des Herrn kommt wie der Dieb in der Nacht. Allerdings müssen wir, gerade weil wir es nicht wissen, in der steten Erwartung der Wiederkunft des Herrn leben. Gott hat uns zum Heil bestimmt und nicht zum Zorn. Daraus folgt ein entsprechender Lebenswandel: nicht schlafend noch trunken, sondern wach und nüchtern.


Was wird aus den Toten?

Die Antwort des Paulus bezüglich der verstorbenen Gemeindeglieder ist durchaus mit einem modernen Weltverständnis kompatibel. Für die Verstorbenen vergeht keine Zeit mehr: Sie werden, wenn Christus kommt, auferweckt und zusammen mit den Lebenden ins neue Leben eingehen. Eine himmlische Parallelwelt, bei der die Großmutter bereits auferweckt ist und von oben auf die Enkelschar herabblickt, gibt es (noch) nicht.

Unser Text umfasst nur die Einleitungssätze: eine herzliche Begrüßung, viel Lob, Herausstreichen der Bedeutung der Gemeinde für die Mission auf europäischem Boden, Dank für alles. Im Weiteren äußert sich Paulus zu seinem Verhalten als Apostel. Er sieht sich zu Verteidigung und Klarstellung veranlasst. Denn nach seiner Abreise waren Gegner aufgetaucht, die seine Autorität als Apostel zu untergraben suchten, indem sie ihm unlautere Motive bei der Gemeindegründung unterstellten.


Auslaufmodell Gewohnheitschristentum

Es erscheint mir sinnvoll, die einführenden Sätze des Briefes in den größeren Zusammenhang zu stellen. Der Brief bietet einen Einblick in die Fragen der Zeit, die Probleme des Paulus, es geht um seine Einstellung zum Apostelamt, um seine Lösungsansätze, um Trost, Ermutigung, Ermahnung, um die Begründung christlicher Moral auch ohne Naherwartung. Darüber lässt sich spannend und interessant erzählen. Da wir heute erleben, wie das Gewohnheitschristentum zum Auslaufmodell wird, gewinnen die Themen und Konflikte der ersten Christenheit und ihr Umgang damit sicher wieder an Bedeutung.


Grundhaltung Dankbarkeit

Schwerpunkt der Predigt sollte m.E., ausgehend vom Sonntagsevangelium, das Thema Dankbarkeit sein. Im Evangelium geht es unmittelbar um den – versäumten – Dank für die Heilung.

Der Brief des Paulus ist geprägt von einem umfassenderen Verständnis. Seine Grundhaltung: allezeit dankbar zu sein für alles, für das Schöne und Gute, für das scheinbar Selbstverständliche, auch für das Schwere. Besonders wichtig erscheint mir, dass Paulus betont, dass es Gottes Geist ist, der seinen Bemühungen zum Erfolg verholfen hat. Gerade dafür ist er dankbar. Seine eigene, von uns wohl kaum unterschätzte, Rolle nimmt er dabei deutlich zurück.

Warum sollte jemand dankbar dafür sein, dass ihm eine Leistung gelungen ist? Da ist man doch eher stolz auf sich selbst! Über diese Thematik lässt sich produktiv und selbstkritisch reden und nachdenken – auch wenn Konfirmanden im Gottesdienst sind.

Dankbarkeit ist übrigens nicht saure Christenpflicht, sondern Verheißung: Wer morgens aufwacht und dankbar sein kann, wer abends ins Bett gehen kann mit Dank für das Gute, das gelungen ist, für das Schöne, das wir erfahren durften, auch für das Schwere, durch das hindurch Gott uns getragen hat, der lebt glücklicher und gesünder. Die Grundhaltung von Dankbarkeit und Demut kann hilfreich sein, in einer dem Ego und der Leistung versessenen Welt entspannter und fröhlicher zu leben.

Mit besonderer Betonung auf den Text könnte dazu EG 324,3 gesungen werden: »Was sind wir doch, was haben wir auf dieser ganzen Erd’, das uns, o Vater, nicht von dir allein gegeben wird’?«


Dietrich Lauter

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft: 7/2018

0 Kommentare zu diesem Artikel


Kommentieren Sie diesen Artikel










Bitte geben Sie die angezeigte Zahl in das nachfolgende Textfeld ein



Sicherheitszahl


zurück

Supervision als (angeleitete) Selbst-Empathie
Der Beitrag Gewaltfreier Kommunikation zu pastoraler Supervision
Artikel lesen
Schlägt das Pendel um?

Artikel lesen
Die Herrschaft der Räuber und deren Ende
Wenn Natur als Schöpfung betrachtet wird
Artikel lesen
Wenn transidente Menschen Unterstützung im Pfarramt suchen

Artikel lesen
Die Wurzel der Demokratie in der Landeskirche
Ein Gruß des Bayerischen Pfarrer- und Pfarrerinnenvereins zum 75. Deutschen Pfarrer*innentag 2018 in Augsburg
Artikel lesen
13. Sonntag nach Trinitatis
26. August 2018, 1. Mose 4,1-16a
Artikel lesen
11. Sonntag nach Trinitatis
12. August 2018, Galater 2,16-21
Artikel lesen

PDF

Sie können diesen Artikel als PDF-Dokument runterladen.

PDF-Dokument

Impressum

Dieser Text wurde im Deutschen Pfarrblatt veröffentlicht. Weitere Informationen finden Sie hier:

Impressum


Hinweis

Für Adressänderungen sowie Abonnementbestellungen oder –kündigungen wenden sie sich an ihren zuständigen Pfarrverein.

Nur dort können die Daten geändert werden. Vielen Dank!