21. November 2018, Offenbarung 3,14-22
Buß- und Bettag

Von: Bodo Wiedemann
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Kraft und Phantasie für das irdische Leben

Überprüfung und Zustandskontrolle

Angesichts der sich mannigfach überlappenden Bedrohungen in Gesellschaft und Politik und der sich steigernden Gefährdungen der Schöpfung könnte man versuchen, das alles als beginnendes Ende im Sinn der Gerichtsszenarien der Johannesapokalypse zu deuten. Immerhin stünde das Ganze unter dem Erlösungsmotiv im Blick auf das immer wieder zitierte Lamm Gottes und die Endzeitvision vom himmlischen Jerusalem.

Aber wer mit Strafe, Zorn und Gericht droht, stimuliert Ängste und blockiert die Freisetzung von Kräften und kreativer Fantasie. Es lohnt, den Brief an die Gemeinde in Laodicea im Sinn des Bußtages erst einmal konkret auf sich selbst zu beziehen.

Da wird es dann sehr persönlich. Es geht um die Durchsicht des eigenen Lebens unter den Augen von Jesus Christus bzw. im Gespräch mit ihm. Also um Überprüfung und Zustandskontrolle: Wie steht es mit mir und meinem Glauben? Schlimm wäre, wenn sich herausstellte: da gibt es weder heiß noch kalt, alles ist nur lau. Das verstanden die Laodiceer sehr genau. Die Stadt war Badestadt. Heiße Quellen wurden für die Gesundheit genutzt. Das lauwarme Wasser war das, was als Abwasser nichts mehr taugte.


»Was würde Jesus dazu sagen?«

Was stellt sich bei der Selbstanalyse unter Jesu Augen heraus? Ein schwacher Glaube, den man auch nach außen hin nicht erkennen kann? Oder noch schlimmer? Wenn ja, ist damit zu rechnen, dass Jesus sich abwendet. Was wäre zu tun?

V. 20 gibt die Richtung an: Jesus neu in das Leben hereinlassen. Das klingt fromm und pathetisch. Es geht aber um alles oder nichts. Auf seine Stimme hören und das eigene Leben durchsehen unter dem Aspekt: »Was würde Jesus dazu sagen?« Da werden die kritischen Punkte klar: Wo habe ich Schuld auf mich geladen? Wen habe ich verletzt? Wo bin ich meiner Verantwortung nicht gerecht geworden? Was habe ich versäumt? Was müsste ich tun, tue es aber nicht? Was muss korrigiert werden? Wie sieht die Bilanz aus? (V. 17!) Aber auch: Was gelingt? Wofür kann ich dankbar sein?


Eine Münze inmitten einer Patene

Die Kraft für den Neustart kommt aus dem Abendmahl, der Tischgemeinschaft, in die Jesus hineinholt. Im Lutherjahr hat in der Celler Stadtkirche der Historiker des Bomannmuseums eine erstaunliche Entdeckung gemacht. Bei der Durchsicht der historischen Abendmahlsgeräte prüfte er eine Patene, in die eine goldene Gedenkmünze eingelassen ist. Deren Prägung zeigt die Stadt Münster. Sie wurde als die unzerstörte Stadt am Beginn des Westfälischen Friedens zum Symbol des himmlischen Jerusalem. Die Münze in der Mitte der Patene. Sie spricht beim Abendmahl die Bürgerschaft im neuen Jerusalem zu (Apk. 21f): »Für Dich gegeben zur Vergebung der Sünden. Das stärke und bewahre Dich zum ewigen Leben in der kommenden Stadt. Und: das gebe Dir Kraft und Phantasie für das irdische Leben!«

Also darum geht es: sich schon an Spuren des neuen Jerusalem auf unserer unruhigen Erde zu versuchen. Da kommt die politische Komponente des Buß- und Bettages ins Spiel angesichts der überbordenden Fülle an aktuellen Problemfeldern: Flucht, Krieg, Hunger, Gewalt, Tod, gefährliche Krisen in Wirtschaft und Politik, Aufheizung öffentlicher Debatten. Dazu die Gefährdung der Schöpfung. Die Überlastung der Erde war in diesem Jahr mit Hitze, Trockenheit, Flächenbränden, Ernteausfällen, Extremwetterlagen schmerzhaft zu spüren: nur eine Heißzeit? Nach Hans Jonas steht die »Weiterwohnlichkeit« der Erde auf dem Spiel. Vielleicht bitten wir unsere Konfirmanden, auf die Suche zu gehen, wo bei uns vor Ort die Schöpfung belastet wird und wo bewahrend mit ihr umgegangen wird. Ein Beitrag von ihnen im Gottesdienst könnte hilfreich sein – mit der Überlegung, was wenigstens vor Ort getan werden könnte.


Bodo Wiedemann

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft: 10/2018

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