Das Kreuz als Symbol zwischen Politik und Glaube
Für Instrumentalisierungen ungeeignet

Von: Martin Honecker
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Auslöser der aktuellen Debatte um das Kreuz, zu der Martin Honecker hier Stellung nimmt, ist ein Erlass des bayerischen Kabinetts, ab 1. Juni 2018 in allen Behörden des Landes ein Kreuz aufzuhängen. Ministerpräsident Söder hat persönlich in einem Eingangsbereich ein Kreuz angebracht. Das Kreuz dient dabei als Symbol einer Leitkultur. Die Begründung lautet: »Das Kreuz ist das grundlegende Symbol der kulturellen Identität christlich abendländischer Prägung.« Im Judentum ist analog der Davidsstern, im Islam der Halbmond Symbol der Religionszugehörigkeit. Daher stellt sich die Frage nach Bedeutung und Sinn des ­Kreuzes.

1. Das Ereignis der Kreuzigung

Die Kreuzigung ist das am besten gesicherte Ereignis im Leben Jesu von Nazareth. Strittig sind allerdings die Ursache der Verurteilung Jesu zur Kreuzesstrafe und der Verlauf des Prozesses Jesu.1 Pontius Pilatus, der römische Statthalter in Judäa von 26 bis 36, hat Jesus zum Tod am Kreuz verurteilt. Römische Soldaten haben das Urteil vollstreckt. Die Evangelien stellen das Zustandekommen des Todesurteils mithilfe von Interpretationen dar. Eigentlich habe Pilatus am Tun Jesu nichts gefunden, was mit dem Tod bestraft werden müsste2. Veranlasst worden sei das Urteil des römischen Statthalters von den Jerusalemer Juden, die Pilatus unter Druck setzten, so dass dieser Jesus gegen seine Überzeugung verurteilte.

Eine römische Hinrichtungsart

Anlass und Durchführung des Prozesses Jesu ist seit den Anfängen des Christentums umstritten. Für die Überzeugung, dass Jesu Verurteilung und Hinrichtung Resultat eines ausschließlich römischen Verfahrens war, sprechen gewichtige Indizien. Die Kreuzigung ist in der frühen Kaiserzeit nur als römische Hinrichtungsform nachgewiesen. Sie wurde angewendet auf Delinquenten, die von den Römern für Anführer oder Sympathisanten einer Aufstandsbewegung gehalten wurden. Wäre Jesus nach jüdischer Sitte verurteilt und hingerichtet worden, hätte man ihn gesteinigt, nicht gekreuzigt. Auch die Geißelung ist eine römische Begleit­strafe.

Sodann spricht der sog. titulus crucis, die Tafel, die Jesus als König der Juden bezeichnete, für ein römisches Urteil3. Denn es war römisch üblich, den Grund der Hinrichtung auf einer Tafel anzugeben. Der in den Evangelien überlieferte Titel »König der Juden« ist nur aus römischer Sicht verständlich. Er lässt sich weder aus jüdischer noch aus christlicher Sicht erklären. Für Juden ist der Titulus eine Verhöhnung. Jesu Hinrichtung durch die römische Besatzungsmacht war eine Maßnahme zur Aufrechterhaltung von Recht und Ordnung. In römischen Augen war Jesus Anführer einer jüdischen Aufstandsbewegung4. Für einen römischen Statthalter war dies der Grund, Jesus hinzurichten, um die römische Herrschaft zu ­sichern.

Die Christen selbst sahen hingegen in ihrem »Meister« und »Herrn« keinen politischen Aufrührer. Der Prozess gegen Jesus war also ein Strafverfahren, das durch Anklage von dritter Seite in Gang gesetzt wurde. Es scheint ein »Akkusationsverfahren« gewesen zu sein. Pilatus hätte von sich aus nicht Anklage erhoben. Hier kommen nun die jüdischen Vornehmen ins Spiel.

Jüdische und römische Anklagemotive

Der jüdische Beitrag am Prozess gegen Jesus wird in den Evangelien unterschiedlich geschildert. Führende Vertreter der jüdischen Selbstverwaltung haben demnach das Verfahren in Gang gebracht. Ihr Vorwurf war eine politische Denunziation. Wegen ausschließlich jüdischer Konflikte hätte Pilatus als römischer Statthalter keinen Prozess veranlasst.

Man kann über die Gründe, welche die jüdischen Autoritäten und Entscheidungsträger veranlassten, gegen Jesus vorzugehen, nur Vermutungen anstellen. Es gibt unterschiedliche Hypothesen. Eine Erklärung weist auf den innerjüdischen Straftatbestand »Gotteslästerung«, »Verführung des Volkes«, »Zauberei« hin. Diese innerjüdische Begründung habe man gegenüber Pilatus mit einem politischen Argument verdeckt. Denn ein Vergehen gegen die Tora hätte Pilatus nicht veranlasst, Jesus zum Tod zu verurteilen. Eine andere Erklärung sieht keine spezifisch innerjüdischen Gründe eines theologischen Konflikts. Die jüdischen Autoritäten hätten nur polizeiliche, ordnungspolitische Aufgaben im Zusammenspiel mit der römischen Besatzungsmacht ausgeübt. Die beiden extremen Deutungen sind freilich eher unwahrscheinlich. Am plausibelsten ist eine dritte Erklärung, wonach die jüdischen Autoritäten ein gut verständliches Eigeninteresse verfolgten. In den östlichen Provinzen des römischen Reichs gab es ein Nebeneinander eines »Reichsrechts« und eines »Volksrechts«, das der einheimischen Bevölkerung gestattete, Verhältnisse nach eigener Rechtsordnung und durch regionale Institutionen zu regeln. Die römische Besatzungsmacht nahm dabei Rücksicht auf jüdische Befindlichkeit. Sah der römische Statthalter freilich Ruhe und Ordnung in seinem Herrschaftsbereich angetastet, griff er ein. Die jüdischen Autoritäten befürchteten darum Eingriffe in ihre relative Eigenständigkeit. Für diese Erklärung spricht das Wort des Kaiphas: »Es ist für euch nützlich, dass ein einzelner Mensch für das Volk stirbt und nicht die ganze Nation zugrunde geht.« (Joh. 11,50). Die jüdischen Autoritäten befürchteten Gefahr für das gesamte Judentum. Dazu gehörte beispielsweise die Unruhe durch Jesu Tempelaktion.

Jedenfalls ist bei der Kreuzigung eine klare Trennung von politischen und religiösen Aspekten im Wirken Jesu unmöglich. Verfehlt ist es, den Juden die alleinige Schuld am Tod Jesu zuzuweisen. Sowohl die jüdischen Autoritäten wie Pilatus sahen sich in ihrem Verantwortungsbereich in die Pflicht genommen. Die jüdischen Autoritäten befürchteten den Verlust der relativen Freiheit ihrer Religionsausübung. Pilatus wollte die Störung der Pax Romana in der Provinz Judäa unbedingt verhindern. Die Kreuzigung Jesu beruht auf religiösen Beweggründen wie auf politischen Überlegungen. Sie ist zugleich religiös und politisch zu deuten. Dabei mag die politische Begründung der Verurteilung Jesu zur Kreuzesstrafe missdeutet und vielleicht sogar politisch missbraucht worden sein.

2. Das Kreuz in der nachösterlichen Deutung

Nach Ostern, nach der Auferstehungserfahrung deuteten die Jünger Jesu, seine Nachfolger, das Kreuz als Handeln Gottes. Das Kreuz wird zur Mitteilung des Heils. Dabei geht es nicht um eine historische Erklärung des Faktums der Kreuzigung, sondern um das Verständnis des Kreuzes aus der Sicht des Glaubens an die Auferweckung des Gekreuzigten.

Das Kreuz als Zeichen und Inbegriff des existenzwandelnden Handelns Gottes

Paulus interpretiert die Taufe als Ereignis, in welchem der alte Mensch mit Jesus gekreuzigt wird (Röm. 6,6). Der Galaterbrief sagt von der Existenz des Christen: »Ich bin mit Christus gekreuzigt« (Gal. 2,19, vgl. 3,1ff). Sehr grundsätzlich verkündigt Paulus das Wort vom Kreuz als Weisheit und Kraft Gottes im 1. Korintherbrief: »Das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verloren werden, uns aber, die wir selig werden, ist es Gottes Kraft« (1,18). Die Juden sehen im Kreuz das Zeichen der Ohnmacht. Jesu Tod war der Tod eines Verfluchten (Gal. 3,13). Für hellenistisches Denken ist es eine Torheit, Zeichen der Schmach. Den Nachfolgern Jesu verkündet Paulus dagegen Christus, den Gekreuzigten, »den Juden ein Ärgernis und den Heiden eine Torheit, denen aber, die berufen sind, Juden und Griechen, predigen wir Christus als Gottes Kraft und Weisheit. Denn die göttliche Torheit ist weiser, als die Menschen sind, und die göttliche Schwachheit ist stärker, als die Menschen sind.« (1,22-25). Formelhaft formuliert bezeugt Paulus den Kreuzestod als Kreuzestheologie.

Dies ist aber keine paulinische Sonderlehre, sondern gemeinsame Überzeugung der Christen. In den Evangelien fordert Jesus auf: »Will mir jemand nachfolgen, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.«5 Im Lukasevangelium findet sich sogar die Forderung: »Wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, der kann nicht mein Jünger sein« (14,27). Jesu Verhalten wird zum Modell und zur Einweisung in die Lebensführung eines Christen. Auch im Hebräerbrief ist die Rede von der Schmach Christi und wird den Christen zugemutet, sich zu Jesus als Anfänger und Vollender des Glaubens zu bekennen (6,6; 12,2).

Das Wort vom Kreuz

Das Kreuz ist nunmehr mit der Auferstehung, das Fundament christlichen Glaubens und christlicher Existenz. Denn das Kreuz ist Zeichen des Heilsangebots Gottes und die Kreuzigung Ausdruck des Versöhnungswillens Gottes. In der Theologiegeschichte wurden Vorstellungen und Erklärungen für das Verständnis des Handelns Gottes im Kreuz gesucht. Die Vorstellungen sind unterschiedlich. Das Kreuz kann als Gehorsamstat Jesu und als Tod des Gerechten ausgelegt werden. Der Sühnegedanke, die Opfervorstellung, die Interpretation des Todes Jesu als stellvertretendes Leiden für die Sünden der Menschheit sind Bestrebungen, die Unbegreiflichkeit des Kreuzes zu deuten. Im Kreuz werden nämlich Maßstäbe und Grundregeln der Welt In Frage gestellt. Fundamental wird dies für das Gottesverständnis, das Gottesbild des christlichen Glaubens. Das Kreuz ist ein Ort der Selbstdefinition Gottes: Gott ist bei den Schwachen. So sieht es der Apostel Paulus. Durch diese Deutung wird das Wort vom Kreuz auch zur Kritik an einer herrschaftsstabilisierenden christlichen und insbesondere politischen Rede. Der christliche Glaube orientiert sich am Wort vom Kreuz und nicht schon am bloßen Faktum der Kreuzigung.

3. Das Kreuz als Symbol

Als ornamentales Zeichen findet sich das Kreuz schon vor dem Christentum. Es gibt es bereits in prähistorischer Zeit. Das Kreuz ist ein Ursymbol der Menschheit. Im alten Ägypten findet sich das Henkelkreuz, crux anchara. In Indien und China war das rechtsgedrehte Hakenkreuz, die Swastika, üblich. Sie galt als Glückszeichen.

Auch im christlichen Bereich sind die Formen des Kreuzes unterschiedlich und vielfältig. Neben dem lateinischen Kreuz gibt es das Andreaskreuz, das Malteserkreuz, das Doppelkreuz der Ostkirche als Patriarchenkreuz, das Gabelkreuz. Vielfältig ist auch die Verwendung des Kreuzes im Lauf der Geschichte geworden. Es gibt das Friedhofskreuz, das Gipfelkreuz, das Flurkreuz. Das Kreuz wird benutzt als Erkennungszeichen, als Schmuckstück oder als Ordenskreuz. Tertullian kannte bereits das Kreuz als Machtsymbol. Es war Feldzeichen im römischen Heer. Das Kreuz galt als tropaeum, Siegeszeichen6. In der Alten Kirche war das Kreuz ständig präsent und Leitthema. Nach der Wende durch Kaiser Konstantin wurde die Kreuzigung als Strafe abgeschafft und zugleich das Kreuz als Staatssymbol anerkannt. Dabei spielte eine zentrale Rolle die Kreuzauffindung in Jerusalem durch die Kaisermutter Helena 328 und die Errichtung einer mit der Auferstehungskirche verbundenen Kreuzkirche, der heutigen Grabeskirche, in Jerusalem 335 durch die Kaiserin. Das Christentum wurde staatstragende Macht, und dadurch wurde das Kreuz omnipräsent

Die Rezeption des Kreuzzeichens

Franz Josef Dölger hat in minutiösen Studien umfassend die Rezeption des Kreuzeszeichens in der christlichen Antike zusammengestellt7. Das Kreuzeszeichen war in der Taufe Geste der Aufnahme in die Kirche. Es wurde später zur Beschwörung benutzt, bei der Teufelsbeschwörung, im Kampf gegen Zauber und dämonische Besessenheit. Das Kreuzeszeichen wurde zum Instrument apotropäischen, magischen Handelns. In der Feuerprobe und beim Schlafengehen wurde es geschlagen. Es war Schutzzeichen, besonders zum Schutz von Schiff und Seefahrt. In der Volksfrömmigkeit war es allgegenwärtig. Als Segenszeichen wurde es alltäglich angewandt. Sogar in der Natur entdeckte man das Kreuz als Zeichen und Sinnbild. Der allgemeine populäre Gebrauch des Kreuzeszeichens hatte freilich eine Profanierung seines Verständnisses zur Folge. Das Zeichen wurde transformiert in eine Geste des Selbstschutzes und der Selbstvergewisserung.

Im Mittelalter wurde die Nutzung des Kreuzes noch gesteigert. Kreuze wurden zu kirchlichen Geräten: das Brustkreuz (Enkopion, Pectorale), das Handkreuz in der ostkirchlichen Liturgie, das Vortragskreuz (crux promissionis), das Triumphkreuz (crux major, triumphalis), das Kreuz als Bekrönung der Kirchengebäude auf Dachfirsten und Kirchtürmen. Das Altarkreuz wurde im 11. Jh. eingeführt und vom Missale Romanum verpflichtend vorgeschrieben. Das Kreuz wurde als Geste und Symbol zum Zeichen des Christentums schlechthin. Als bloße Geste wurde es gewohnheitsmäßig, manchmal gedankenlos geübt.

Es gab allerdings eine Gegenbewegung gegen die Veräußerlichung des Kreuzes. Franz von Assisi betonte die Nachfolge Christi als persönliches Kreuztragen. Mönche wie Bernhard von Clairvaux und die Zisterzienser übten die Betrachtung des Kreuzes, die contemplatio crucis, ein. Die andächtige Betrachtung wurde zum individuellen Erleben8. Es gab im Mittelalter sogar eine Verehrung des Kreuzes in exaltierter Weise als Selbstkreuzigung. Der Umgang mit dem Kreuz und die Vorstellung seiner Bedeutung waren und wurden spannungsvoll und sehr verschieden.

4. Das Kreuz als politisches Symbol

Eine Konsequenz des vielfältigen Gebrauchs des Kreuzes ist seine politische Inanspruchnahme. Mit der Schlacht an der Milvischen Brücke, der Vision Konstantins und seinem Sieg 312 wurde das Kreuz zum Herrschaftszeichen. Die Vision soll ihm zugesprochen haben: »in hoc signo vinces«, in diesem Zeichen wirst du siegen. Infolgedessen wurde das Kreuz zum Symbol des christlichen Imperiums. Christliche Kaiser trugen das Kreuz in die Schlacht. Bis in die Neuzeit war es Feldzeichen. Heute noch wird es entsprechend politisch eingesetzt. Man denke an das von katholischen Kroaten nach dem Bosnienkrieg am Hügel bei Mostar errichtete 35 Meter hohe Kreuz als Zeichen des Sieges über die Muslime. In Spanien wurde im »Tal der Gefallenen« bei Madrid ein 150 Meter großes Betonkreuz von Franco errichtet. Bis heute ist es Francos Begräbnis- und Gedenkstätte.

Im byzantinischen Hofzeremoniell wurde das Kreuz zur weltlichen Herrschaftssymbolik schlechthin9. Die Kreuzesverehrung wurde Teil eines Kultes von Unterpfändern der Herrscher. Die Kaiser der mazedonischen Dynastie (867-1056) bewahrten die bedeutendsten Reliquienkreuze in Konstantinopel im Palast als Unterpfand ihrer Herrschaft. Das Unterpfand war der Öffentlichkeit entzogen. Bei Prozessionen und im Feldlager wurden Kreuze getragen. Das »siegbringende Kreuz« war Garant der weltlichen Macht. Im Westen wurde seit der ottonischen Zeit ebenfalls das Kreuz zum glück- und siegbringenden Gegenstand. Im Zeremoniell war es präsent. Neben Reichskrone und Reichsapfel gehörte das Reichskreuz zu den Reichskleinodien. Kronen wurden durch Kreuze verziert.

Das Kreuz als Kennzeichen der Christlichkeit eines Landes und Staates

Das Kreuz war das Zeichen schlechthin eines corpus christianum. Es war Ausdruck weltlicher, politischer Macht und Kennzeichen der Christlichkeit eines Landes und Staates. Man vergesse auch nicht die Kreuzzüge, Kreuze in militärischen Orden und auf Helmen.

Exemplarisch verwiesen sei auch auf europäische Nationalflaggen: Dänemark, Faröer, Finnland, Griechenland, Großbritannien (Union Jack), Island, Malta, Norwegen, Schweden, Schweiz. Seit dem ausgehenden Mittelalter bekennen sich Völker und Länder zum Kreuz als staatenbildendes Symbol. Im »Dritten Reich« entwarf der Widerstandskämpfer Josef Wirmer die Wirmer-Flagge, die bewusst das Hakenkreuz durch das christliche Kreuz ersetzte. Heute wird sie von Pegida-Anhängern benutzt!

Das Kreuz ist eben nicht mehr nur Orientierungszeichen des christlichen Glaubens, und es hat seinen Ort nicht mehr nur in der Kirche. Es wurde Symbol eines Kulturchristentums und politischer Macht. In einer säkular werdenden Gesellschaft werden jedoch sowohl die Deutung des Kreuzes strittig als auch die Darstellung außerhalb der Kirche fraglich. Die Funktionalisierung zu politischen Zwecken wird kritisch gesehen und teilweise abgelehnt. Auch in der Reformation wurde das Kreuz zum Zankapfel. Calvin und strenge Reformierte lehnen die Darstellung des Kreuzes ab und beziehen den Glauben allein auf das Wort vom Kreuz.

5. Das Symbol des Kreuzes zwischen Politik und Glaube

In fast zwei Jahrtausenden wurde das Kreuz zum Kulturgut und zum Identitätsmerkmal einer christlichen Gesellschaft. Man trägt es als Schmuck, oft ohne an dessen Bedeutung zu denken. Das erleichtert es, das Kreuz immer wieder politisch zu instrumentalisieren und zu funktionalisieren. Kultur und Politik wie auch Kirche und Glaube beanspruchen das Kreuz. Das hat eine eigentümliche Zwischenstellung des Symbols zur Folge. Das Kreuz als solches steht dadurch zwischen Politik und Glaube, zwischen Gesellschaft, sofern sie vom Christentum geprägt ist, und Kirche. In der eigentümlichen Zwischenstellung besteht nun ein Problem, wenn sich sowohl Kirche und Glaube wie auch Politik und Staat auf das Kreuz berufen. Dazu kommt, dass das Christentum zur prägenden gesellschaftlichen Kraft, volkstümlich und für den gesellschaftlichen Status nützlich wurde.

Wie ist mit dieser Zwischenstellung umzugehen? Mit der Popularisierung verbindet sich auch eine Banalisierung. Daraus folgt ein Verlust an theologischer Tiefe der Sinndeutung. Das volkstümliche Verständnis des Kreuzes und seine politische Beanspruchung sind keineswegs identisch. Das Kreuz ist zugleich Kulturfaktor wie Grund und Mitte christlichen Glaubens. Diese Differenz ist klärungsbedürftig.

Plurales Christentum

Das Kreuz wurde in der und durch die Geschichte zu einem Phänomen der Begegnung von Glaube, Kirche und Politik, »Welt«. Das Gemeinsame und Verbindende findet Gestalt im Christentum. Christentum meint einerseits ein historisches Phänomen und seine Geschichte, andererseits das, was man christliche Religion nennt. Christentum verweist auf ein die Kirchen und Konfessionen übergreifendes Gemeinsames. Das Christentum gibt es zwar nur in der Vielzahl der Konfessionen und Kirchen. Es tritt in Erscheinung in Gestalt eines katholischen, eines orthodoxen, eines evangelischen Christentums, auch in Gestalt vor- und nachreformatorischer Kirchentümer und, in der Neuzeit, eines Christentums außerhalb Europas. Aber es ist nicht angebracht, von einer Vielzahl von Christentümern zu reden, wohl aber von einer konfessionellen und kirchlichen Pluralität. Verbindend ist ein gemeinsames Christliches. Dieses Gemeinsame unterscheidet Christen von Angehörigen anderer Religionen. Dazu gehört die Bibel als Urkunde christlichen Glaubens. Das Christentum als Textreligion beruft sich auf eine »Heilige Schrift«. Gemeinsam sind Gebet, etwa das Vaterunser, Gottesdienst, wenn auch in unterschiedlichen Formen, und gemeinsame Lebenshaltung. Auch das Kreuz gehört dazu.

Es gibt also gemeinsame Kriterien trotz der Pluralität der Erscheinungsformen, die sich zum Teil berühren, teils gegensätzlich sind. In der konkreten Erscheinungsform ist das Christentum historisch geprägt und kontextuell bestimmt. Die Entwicklung des Christentums zur Staatsreligion wie eine prinzipielle Trennung von Staat und Kirche sind kontingent. In der Neuzeit kommt im Westen eine Säkularisierung der Gesellschaft hinzu. Es bildeten sich Konfessionskulturen und konfessionelle Milieus heraus. Entsprechend unterschiedlich kann die Bewertung des Christentums ausfallen.

Die Frage nach dem »Wesen« des Christentums

Das Wort Christentum, Christianismos, ist eine Prägung der alten Kirche10. Dadurch wird es vom Judaismus und Hellenismus unterschieden. Judaismus ist die jüdische Lebensweise, Hellenismus benennt das Leben als »Heide«, d.h. als Grieche oder Römer. Vorrangig war dieser Sprachgebrauch ausgerichtet an der Unterscheidung von anderen Religionen.

In der Zeit nach Konstantin entstand ein Auslegungsmonopol der Kirchen. Das Christentum wurde als Wertfundament von Politik und Gesellschaft benutzt; es entstand eine kulturelle Aneignung. Eine zentrale Stellung hatte das Wort Christentum jedoch nicht. Erst mit der Konfessionalisierung infolge der Reformation gewann das Wort an Gewicht. Man suchte im konfessionellen Streit nach Gemeinsamem und Verbindendem. Der Pietismus verwies auf Herzensfrömmigkeit11. Der Glaube ist Herzenssache. Die strittigen konfessionellen Lehren sind nachrangig. Man kann in dieser neuen Berufung auf das Christentum einen Vorschein ökumenischer Gesinnung und Haltung sehen. Die Aufklärung suchte dagegen die Überwindung des konfessionellen Streites in der Vernünftigkeit des Christentums12. Auch Kant trat für einen reinen Religionsglauben ein, den er scharf gegen einen statutarischen Kirchenglauben abgrenzte (»Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft«, 1793).

Damit entstand die Frage nach dem Wesen des Christentums. Die Formulierung »Wesen des Christentums« ist eine pietistische Wortbildung. Man suchte nach einem überkonfessionellen, undogmatischen Christentum. Adolf von Harnack »Das Wesen des Christentums« (1900) fand dies in der Predigt Jesu. Seine These war, dass Jesu Predigt nicht dem Spätjudentum zuzuschlagen sei. Allerdings ist der Begriff Wesen keineswegs eindeutig13. Harnack setzte das Wesen mit dem Ursprung in der Verkündigung Jesu gleich. Wesen kann das Ursprüngliche, aber auch das Gleichbleibende, eine Idee bezeichnen. Als unmöglich hat es sich erwiesen, das Wesen des Christentums in einer Formel zu erfassen. Wesensbestimmung ist immer zugleich Wesensgestaltung. Mit der Frage nach dem Wesen als dem Wesentlichen geht es nicht nur um einen Rückblick auf die Vergangenheit, sondern auch um einen Ausblick auf die Zukunft. Denn dabei stellt sich die Frage nach dem Bleibenden, der »Substanz«, nach dem, was unverzichtbar und unterscheidend christlich ist. Darum geht es auch in der Debatte um das Kreuz. Offensichtlich gibt es da durchaus unterschiedliche und widersprüchliche Auffassungen.

Christentum und Christenheit

Neben der Beschreibung des Christentums als Phänomenologie einer geschichtlich gewordenen Religion gibt es das Wort »Christenheit«. Christenheit bezeichnet die Gesamtheit aller Christen. Der Reformator bekennt in der Auslegung des 3. Artikels im Kleinen Katechismus, dass Gottes Verheißung der ganzen Christenheit auf Erden gilt. Im Großen Katechismus nennt er die Gemeinschaft der Christen, der Heiligen, »die eine heilige Christenheit«.14 Die Gemeinschaft der Glaubenden, die Christenheit ist nicht dasselbe wie das Christentum als historisches, gesellschaftliches und kulturelles Phänomen. Damit ist die Differenz von Politik und Glaube angesprochen.

6. Der Umgang mit dem Kreuz in der Politik

Der christliche Glaube unterscheidet Politik und Glaube. Er verwahrt sich gegen eine Gleichsetzung von Glaube und Christsein mit politischem Handeln. Jesu Antwort auf die Frage des Pilatus nach seinem Reich lautet bekanntlich: »Mein Reich ist nicht von dieser Welt« (Joh. 18,36). Und Melanchthon betonte, Christi Herrschaft sei verborgen unter dem Kreuz, »tectum sub cruce«15. Die Etablierung einer christlichen Staatsreligion widerspricht dem Grundverständnis des Glaubens. Das besagt – zumindest in der Neuzeit –, dass Politik aus der Perspektive des Glaubens eine weltliche, eine säkulare Aufgabe ist. Ein populistischer Zugriff auf das Kreuz macht vielleicht sogar darauf aufmerksam, welche Relevanz die weltanschauliche Neutralität des Staates hat.

Weltanschauliche Neutralität

Politik soll sachgerecht und menschendienlich handeln; sie ist keine Heilsveranstaltung. In einem säkularen und religiös neutralen Staat und in einer pluralistischen Gesellschaft hat der Staat kein religiöses Mandat. Vor allem die Reformation hat mit der Unterscheidung der zwei Reiche die Verschiedenheit der Aufgabe des Staates und des Auftrags der Kirche eingeschärft. Politisches Handeln ist als säkulares Handeln immer relativ. Aufgabe von Politik ist vornehmlich der Ausgleich von Interessen. Divergierende Interessen sind legitim. Beim Ausgleich der Interessen gibt es in der Politik keine absoluten, letzten Lösungen. Es gibt nur zumutbare, menschlich vertretbare und sachgerechte Entscheidungen. Darum findet moderne Politik einen moralischen Kompass im Kompromiss. Politisches Handeln muss darum kompromissbereit und kompromissfähig sein. Der Radikalismus eines Entweder-Oder gefährdet die Demokratie. Kompromisslosigkeit kann zur Gesinnungsdiktatur und schließlich zur Diktatur führen. Das Kreuz steht quer zu absoluten Entscheidungen und Ansprüchen. Es offenbart Grenzen von Politik.

Persönliche Grundüberzeugungen und Toleranz

Nun mag man einwenden, Politik sei doch mehr als ein nie endender Interessenausgleich und ein Finden von Kompromissen. Es gehe doch auch um eine Orientierung an gemeinsamen Werten. Werte seien das, was Menschen und Bürgern wertvoll und unverzichtbar ist. Werte sind Überzeugungen von Menschen. Sie wollen gelebt werden. In totalitären Systemen sucht politische und staatliche Autorität, den Menschen ein normatives Wertesystem aufzuzwingen. Dies widerspricht der Freiheit. Verletzt wird dabei insbesondere die Gewissensfreiheit. Eine Instrumentalisierung von Wertüberzeugungen ist ein Verstoß gegen die Menschenwürde. Zu den Wertüberzeugungen gehören nicht nur Vorstellungen von eigener Lebensführung und Lebensgestaltung in Freiheit, sondern auch die Religion. Der Staat hat Religionsfreiheit, negative und positive, zu gewährleisten. Im Umgang mit Werten und fundamentalen Überzeugungen der Person gibt es gelegentlich keine Kompromisse. Geboten ist dann Toleranz. Gerade wenn religiöse Grundüberzeugungen mit ihm Spiel sind, wird von Politik und Staat Toleranz und die Achtung der Glaubensfreiheit erwartet. Auch das setzt politischem Handeln Grenzen, auch in der Frage des Kreuzes.

Noch schwieriger wird es, wenn Wertfragen zu Fragen der Identität werden. Dass das Kreuz zum öffentlichen Thema wird, ist insofern auch ein Indiz der Verunsicherung der eigenen Identität von Menschen und Christen in Deutschland. Dabei geht es um individuelle und kollektive Identität. In diesem Fall bedarf es besonderer Sensibilität. Staat und Gesellschaft sind religiös und weltanschaulich pluralistisch. Nicht nur Christen, auch Anhänger anderer Religionen und Weltanschauungen, sogar Atheisten und Agnostiker haben ein Recht auf Respektierung ihrer Lebensvorstellungen. Fragwürdig ist deshalb, das Kreuz als Identitätsmarker und Symbol zu benutzen. Verbindlich und verpflichtend für jeden Mitbürger und im Land Lebenden sind lediglich die Achtung der Menschenwürde und die Einhaltung der Grundrechte der Person.

7. Das Wort vom Kreuz als Grund des Glaubens

»Das Christentum muss allein seinen Bestand im Hören des Wortes haben« – so Luther16. Für den Reformator ist das Kreuz die radikalste christliche Botschaft überhaupt. In der Heidelberger Disputation 1518 hat er antithetisch den Gegensatz zwischen einer Theologie des Kreuzes, theologia crucis, und einer Theologie der Herrlichkeit, theologia gloriae, herausgearbeitet. Statt mit Herrlichkeit kann man »gloria« auch mit Ruhm oder sogar Prunksucht übersetzen. »Ein Theologe der Herrlichkeit nennt das Böse (des Werkes) gut und das Gute (des Kreuzes) böse; ein Theologe des Kreuzes nennt aber die Sache so, wie sie ist.«17 Jede noch so gute Tat sei abgrundtief böse, wenn sie aus Eigennutz und Heilsegoismus geschieht. Allein die Hingabe an den Gekreuzigten ist gut.

Das Kreuz als Kriterium

Diese Unterscheidung von Theologie des Kreuzes und Theologie der Glorie hat damals Aufsehen erregt. Luther ist überzeugt: das Kreuz prüft alles18. Das Kreuz ist nach evangelischem Verständnis nicht ein Symbol, sondern Kriterium, Maßstab des Glaubens. Das Kreuz allein ist Richter der ganzen Wahrheit.19 Symbol würde besagen: eine Ikone, ein Merkmal der Identifikation. Wenn Luther behauptet, das Kreuz allein sei seine Theologie20, dann greift er mit der Kreuzestheologie zurück auf den Apostel Paulus, der schreibt: »Ich aber will mich allein des Kreuzes Jesu Christi, unseres Herrn, rühmen.« (Gal. 6,14) Der »gekreuzigte Gott« (Jürgen Moltmann) ist der Gott, an den Christen in der Wirklichkeit dieser Welt, so wie sie ist, glauben. Gott begegnet im Kreuz. In der realen Welt erlebt man Böses, Unrecht, Gewalt, Unfrieden. Ein Glaube, der diese Wirklichkeit zu überspielen und zu verkennen sucht, verleugnet diese Realität und sich selbst.

Dieser Wechsel der Perspektive von der Herrlichkeit, der Macht, des Selbstruhms und des Erfolgs richtet sich zuerst an die Christen und die Kirche selbst. Das Zeichen des Kreuzes war immer an Christen gerichtet, nicht an Fremde und Eindringlinge. Es fordert zur Selbstbesinnung auf. Luthers Fundamentalunterscheidung von Theologie des Kreuzes und Theologie der Glorie entstand nicht als gesellschaftspolitisches Programm21. Es ist kein Grund zu ekklesialem Triumphalismus. Es legitimiert aber auch nicht eine Selbstbezogenheit der Kirche. Es hat jedoch Konsequenzen für das Handeln von Kirche und Christen. Ihr Platz ist bei den Bedrängten, den Armen, den Schwachen und Verletzlichen. Ob die Kreuzestheologie Anleitung zu Reformen der Kirchenstruktur sein kann, wäre zu diskutieren.22 Denn solche Reformerwägungen setzen nüchterne, sachliche Analyse voraus und bedürfen abwägender Beurteilung. Dabei sind die Betroffenen angemessen einzubeziehen. Kirchliche Strukturreformen sind ein »weltlich« Ding.

Das Kreuz als Störfaktor

Im politischen Bereich kann das Kreuz nicht Symbol einer Identitätspolitik sein. Das Kreuz als Zeichen hat seine Eigenrealität. Die historische Vielfalt von Kreuzen in der Öffentlichkeit und sein kultureller Gebrauch lassen sich nicht rückgängig machen. Kreuze sind faktisch da. Luther erklärte freilich: »Ich meine, es sei kein Mensch oder gar wenig, der nicht das Verständnis habe: das Kruzifix, das da steht, ist mein Gott nicht – denn mein Gott ist im Himmel –, sondern nur ein Zeichen.«23

Auf die Eigenrealität verweist das Wort vom Kreuz. Es will dazu anleiten, das Wesentliche zu begreifen. Die Gefahr besteht, dass die Vielzahl der symbolischen Repräsentation das Wesentlich verstellt, da das Kreuz unterschiedlich gedeutet werden kann. Um was es im Kreuz geht, ist keineswegs selbstverständlich. Blickt man auf die Kreuzigung zurück, ist und bleibt es ein Störfaktor. Wenn das Kreuz nicht mehr irritiert, ist es nicht richtig verstanden. Im öffentlichen Raum wird seine kritische Funktion oft übersehen und missachtet. Denn das Kreuz kann in öffentlichen Debatten nicht affirmativ eingebracht werden. Es leistet keinen plausiblen Beitrag zur gesellschaftlichen Gestaltung. Es lässt sich nicht in ein rationales Kalkül und in verständliche Argumente transformieren. Vielmehr beunruhigt es.

In der modernen christlichen Ikonographie machen darauf Veränderungen der Kreuzesdarstellung im 20. Jh. aufmerksam. Das Kreuz veranschaulicht das universale Leiden der Welt; es wird bezogen auf das Leiden des jüdischen Volkes, auch auf das Leiden der Kreatur. Das Kreuz lässt sich weder instrumentalisieren noch integrieren. Dietrich Bonhoeffer sagte in einer Predigt: »Wer Gott im Kreuz Christi gefunden hat, weiß, wie wunderlich sich Gott in dieser Welt verbirgt und wie er gerade dort am nächsten ist, wo wir ihn am fernsten glauben.«24 Das Wort vom Kreuz beunruhigt Politik wie verfasste Kirche. Es verweist auf die Unergründlichkeit Gottes und seines Handelns. Wird das Kreuz zum bloßen Symbol und überdies politisch instrumentalisiert, ist es der Kritik des Wortes vom Kreuz ausgesetzt.

Anmerkungen:

1 Die Darstellung stützt sich sehr eng auf den Aufsatz von Michael Wolter, Warum wurde Jesus gekreuzigt? Korrespondenzblatt, hg. vom Pfarrer- und Pfarrerinnenverein in der evangelisch-lutherischen Kirche in Bayern, 133. Jg., 2018, 73-79. Außerhalb der Evangelien belegt bei Josephus (Antiquitates 8,64) und Tacitus (Annalen 15,44,3).

2 Mk. 15,10.14a; Mt. 27,18.23; Lk. 23,4.14-16,20.22; Joh. 18,38; 19,4.6.12.

3 Mk. 15,26; Mt. 27,37; Lk. 22,38; Joh. 19,19.

4 Vgl. die Frage des Pilatus an Jesus: Bist du der Juden König? – Mk. 15,2; Mt. 27,11; Lk. 23,33; Joh. 18,33.37. Dazu Wolter, a.a.O., 75.

5 Mk. 8,34-37; Mt. 16,24-28; Lk. 9,23-27.

6 Tertullian, Marcion 4,20,5.

7 Franz Josef Dölger, Beiträge zur Geschichte des Kreuzeszeichens, in: Jahrbuch für Antike und Christentum, Bd. 1, 1958, 5-19; 2, 1959, 15-29; 3, 1960, 5-16; 4, 1961, 5-16; 5, 1962, 5-22; 6, 1963, 7-54; 7, 1964, 5-38; 8/9, 1965/66, 7-52; 10, 1967, 7-29. Dölger sammelte mit stupender Kenntnis die Belege, verzichtete jedoch bewusst auf jegliche Bewertung und zusammenfassende Interpretation.

8 Vgl. Art. Kreuz, (Ulrich Köpf) TRE 19, 1990, 748, 16ff.

9 Art. Kreuz, TRE 19, 740, 26-42.

10 Ignatiusbriefe: An die Magnesier 10,1.3; An die Römer 3,3; Nach Philadelphia 6,17.

11 Johann Arndt, Vier Bücher vom wahren Christentum, 1606.

12 John Toland, Christianity not Mysterious, 1696; M. Tindal, Christianity as Old as the Creation, 1730.

13 Rolf Schäfer, Welchen Sinn hat es, nach einem Wesen des Christentums zu suchen? ZThK 65, 1968, 329-347. Vgl. Ernst Troeltsch, Was heißt »Wesen des Christentums«, GS II, 2. Aufl. 1922, 386-451.

14 Martin Luther, Kleiner Katechismus, Auslegung des 3. Artikels: »im rechten Glauben geheiligt und erhalten, gleichwie er die ganze Christenheit auf Erden beruft … in welcher Christenheit er mir und allen Gläubigen täglich alle Sünden reichlich vergibt«. Großer Katechismus 3. Artikel Nr. 48, BSLK, 656: Kirche soll deutsch am besten heißen »christliche Gemeinde oder Sammlung« oder »aufs allerbeste und klarste« »eine heilige Christenheit.«

15 Melanchthon, Apologie VII, 18.

16 WA 25, 49, 33-34.

17 WA 1, 354, 21ff; vgl. die Resolutionen zur 58. Ablassthese WA 1, 621, 25 - 614, 37 (zu dieser Unterscheidung).

18 »Crux omnia probat«. Archiv zur Weimarana, Operationes in Psalmos 1519-1521, AWA 2, 1991, 325, 1.

19 AWA 2, 341, 15: »Crux ipsa sola iudex est totiusque veritatis«.

20 AWA 2, 319, 3: »Crux sola est nostra theologia.«

21 Vgl. Jesu Antwort auf die Bitte, in Erbsachen zu schlichten: »Wer hat mich zum Richter und Schlichter gemacht.« (Lk. 12,14)

22 Vgl. Heinrich-Bedford Strohm, Den Sinn des Kreuzes öffentlich machen, FAZ, 7. Mai 2018, Nr. 105, 7.

23 WA 10 II, 361, 6-9I.

24 DBW 14, 1996, 859. Illegale Theologenausbildung Finkenwalde 1935-1937, Predigt zu Psalm 42, 1935. Vgl. auch Nachfolge, 3. Aufl. 1950, 39-46: Die Nachfolge und das Kreuz.

 

Über die Autorin / den Autor:

Prof. Dr. Martin Honecker, Jahrgang 1934, Theologiestudium in Tübingen und Basel, 1960 Promotion, 1965 Habilitation, 1969-1999 Prof. für Sozialethik und Syst. Theologie an der Evang.-theol. Fakultät der Universität Bonn.

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft: 1/2019

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