Ergebnisse der Mitgliederbefragung 2018
Gute Noten, verbesserungsfähige Quoten und Ansätze zur Weiterentwicklung

Von: Peter Haigis
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Anfang 2018 hat der Verband evangelischer Pfarrerinnen und Pfarrer in Deutschland e.V. (Pfarrverband) erstmalig eine wissenschaftlich gestützte empirische Analyse zur Resonanz seiner Arbeit und seiner publizistischen Produkte in Auftrag gegeben. Wie wird wahrgenommen, was vom Pfarrverband an berufspolitischer Arbeit geleistet wird? Wie kommen das Deutsche Pfarrerblatt und der Pfarramtskalender bei den Mitgliedern an? Was wird gelesen und was nicht? Wie werden die Online-Angebote wahrgenommen und was wird ­vermisst? Dies und vieles mehr wollte man wissen.


Mit der Erhebung der Befragungsdaten wurde nach einem einschlägigen Ausschreibungs- und Bewerbungsverfahren die Firma Eidmann & Killian in Kassel beauftragt. Sie erarbeitete mit einer Arbeitsgruppe des Verbandsvorstands, bestehend aus dem Vorsitzenden des Pfarrverbandes Andreas Kahnt sowie den publizistischen Sachbearbeitern Christian Fischer (Öffentlichkeitsarbeit) und Peter Haigis (Schriftleitung Deutsches Pfarrerblatt), einen differenzierten Fragebogen, der an eine Stichprobenauswahl von 3000 Mitgliedern des Pfarrverbandes versandt wurde. Er konnte im postalischen Rücksendeverfahren oder auch online ausgefüllt und eingereicht werden. Daneben bestand für alle Mitglieder die Möglichkeit, sich online an der Befragung zu beteiligen. Die im Rahmen der Stichprobenerhebung gewonnenen und die zusätzlich eingesandten Datensätze wurden von Eidmann & Killian getrennt ausgewertet.


Starke Beteiligung

Für eine repräsentative Erhebung wäre ein Rücklauf von ca. 400 Datensätzen ausreichend gewesen. Tatsächlich beteiligten sich fast 800 Kolleginnen und Kollegen an der Befragung, was nicht nur für eine ausgesprochen solide Basis der Ergebnisse sorgt, sondern bereits für sich genommen auf ein überdurchschnittliches Interesse an der Arbeit des Pfarrverbandes schließen lässt.

Der komplette Datenreport ist auf der Website des Pfarrverbandes nachzulesen (http://www.pfarrerverband.de/meldungen_2147.htm), soll aber hier in seinen ungefähren Tendenzen sowie in den Herausforderungen, die sich daraus für die künftige Arbeit des Pfarrverbandes ergeben, kurz dargestellt werden.


Zwei signifikant unterschiedliche Zielgruppen

Die Studie zeigt, dass die Mitglieder des Pfarrverbandes die Angebote und Medien wie auch die Arbeit des Pfarrverbandes insgesamt tendenziell positiv sehen. Besonders gute Bewertungen erhielten dabei die Printausgabe des Deutschen Pfarrerblatts sowie der Pfarramtskalender.

Bei vielen abgefragten Items zeigen sich signifikante Unterschiede im Antwortverhalten, die – grob umrissen – zwei Mitgliedergruppen zuzuordnen sind: Jüngere Teilnehmer und Teilnehmerinnen der Befragung, die als Pfarrer*innen im aktiven Dienst oder als theologischer Nachwuchs im Pfarrverband organisiert sind, unterscheiden sich in Bezug auf ihre Bewertungen und Erwartungen vielfach von älteren Personen, die bereits im Ruhestand sind. Für die Arbeit des Pfarrverbandes stellt es eine Herausforderung dar, den Erwartungen zweier sehr unterschiedlicher Zielgruppen gerecht zu werden.


Themen und Inhalte

Hinsichtlich der inhaltlichen Erwartungen und Wünsche der Mitglieder des Pfarrverbandes werden theologische Themen mit Abstand am stärksten nachgefragt. In offenen Antworten zeigt sich dabei ein breites Spektrum an Spezialinteressen, das insgesamt die Vielfalt von Schwerpunktbildungen in Berufspraxis wie theologischer Arbeit in Fort- und Weiterbildung innerhalb der Kolleg*innenschaft gut abbildet.

Weitere als wichtig genannte Themen sind in absteigender Bewertung:
– Informationen aus der Arbeit der Pfarrvertretungen
– Praktische Tipps
– Buchtipps
– Informationen aus der Arbeit des Pfarrverbandes
– Predigtimpulse
– Informationen aus der Arbeit der einzelnen Pfarrvereine
– Informationen und Hilfestellungen zur Gemeindearbeit.

Auch wenn die aktuelle inhaltliche Gestaltung der Medien (insbesondere des Deutschen Pfarrerblatts) den Teilnehmenden an der Befragung insgesamt gut gefällt, so wird in den offenen Antworten doch auch deutlich, dass eine noch größere Themenbreite gewünscht wird.


Neues Layout für das Deutsche Pfarrerblatt

Die Printausgabe des Deutschen Pfarrerblatts wird insgesamt positiv bewertet. Besonders jüngere Teilnehmer*innen der Befragung wünschen sich jedoch deutliche Verbesserungen im Hinblick auf die »Visualität«. Konkret bedeutet dies, dass an einem erneuerten Layout für das Deutsche Pfarrerblatt gearbeitet werden muss. Ca. 50% der Befragungsteilnehmer*innen sehen das aktuelle Layout nicht explizit positiv. Eine mehr zeitgemäße und übersichtlichere Gestaltung sowie der Einsatz von Bildern und (mehr) Grafiken könnte die Attraktivität dieses stark nachgefragten Mediums gerade für die Zielgruppe der aktiven Pfarrerinnen und Pfarrer sowie des theologischen Nachwuchses deutlich steigern.

Die Firma Eidmann & Killian hat im Rahmen ihrer Befragung auch zwei sog. Fokusgruppeninterviews mit Theologiestudierenden in Bonn und in Leipzig durchgeführt, die diesen Eindruck bestätigen.

Als sich der Pfarrverband vor rund zehn Jahren daran machte, ein Gesamterscheinungsbild für alle seinen publizistischen Produkte und Kommunikationsmedien vom Pfarramtskalender bis zur Homepage und vom Briefkopf bis zum Werbestand für Großveranstaltungen wie etwa beim Deutschen Evangelischen Kirchentag zu entwickeln, wurde auch das Deutsche Pfarrerblatt in seinem Layout neu gestaltet. Es wurde in diesem Zusammenhang aber lediglich dem allgemeinen »Corporate Design« des Pfarrverbandes, das von der Firma Roberts in Kassel entworfen worden war, angepasst. Eine dezidierte Revision des Layouts fand damals nicht statt. Man kann sagen: Hier wurde erst der halbe Weg beschritten, die zweite Hälfte liegt noch vor uns.


Print oder digital respektive online?

Eine Frage, die alle herkömmlichen Printmedien-Herausgeber seit Jahren stark beschäftigt, ist diejenige nach der Zukunft ihrer Produkte: Wird man in zehn, fünfzehn Jahren noch gedruckte Zeitungen und Zeitschriften lesen? Oder wird sich die digitale Revolution auch dahingehend fortsetzen, dass derlei Produkte vom Markt verschwinden? Bill Gates hat bereits für das Jahr 2010 das Ende der letzten gedruckten Tageszeitung prophezeit. Offenbar hat er sich damit geirrt. Nichtsdestotrotz bleibt die Zukunft der Printmedien unsicher.

Zwei Dinge lassen sich jedoch – auch im Blick auf das Deutsche Pfarrerblatt – mit den Ergebnissen der Befragung festhalten: Zum einen schätzt die Mehrzahl der Befragungsteilnehmenden die gedruckte Ausgabe, und zwar unabhängig davon, ob zusätzliche digitale Angebote wahrgenommen werden oder nicht. Zum andern lässt sich prognostisch überhaupt nichts sagen. Die Entwicklungsdynamiken in diesem Bereich sind höchst komplex und von weitaus mehr Faktoren abhängig als nur von der gewiss fortschreitenden Digitalisierung der Alltagswelt.

Das bedeutet, dass an eine Ersetzung des Printangebots durch digitale Medienangebote derzeit nicht gedacht sein kann – zumal diese sowohl ökonomisch als auch technisch keineswegs so einfach zu bewerkstelligen wäre, wie dies vordergründig scheint. Wir werden also auch in absehbarer Zukunft zweigleisig fahren, denn immerhin gibt es ja bereits eine ganze Reihe von digitalen bzw. online-präsentierten Angeboten des Pfarrverbandes. Diese dürften allerdings noch bekannter werden.


Potenziale der Steigerung von Bekanntheit und Nutzung

Während die »traditionellen« Printprodukte, also das monatlich erscheinende Deutsche Pfarrerblatt und der jährliche Pfarramtskalender, in der Mitgliedschaft des Pfarrverbandes weitgehend bis sehr gut bekannt sind und teilweise auch recht intensiv genutzt werden, zeigen sich gerade bei den Online-Medien (nämlich der Onlineversion des Deutschen Pfarrerblatts, dem Pfarramtskalender für mobile Endgeräte und der Homepage) deutliche Potenziale zur Steigerung von Bekanntheit und Nutzung.

Der Zugriff auf Webseiten mit den online angebotenen Texten des Deutschen Pfarrerblatts ist zwar nachweislich stark. Geboten werden hier fast alle Inhalte der Printausgabe, nämlich Aufsätze und kürzere Artikel sowie die Predigtimpulse; lediglich Leserbriefe, Rezensionen und Kurzhinweise erscheinen nicht online. Allerdings wird von der Online-Kommentierungsmöglichkeit zu den Aufsätzen bislang zu wenig Gebrauch gemacht, obwohl sich doch hier eine (im Gegensatz zu den Leserbriefen) redaktionell unbeschränkte Feedbackgelegenheit und ein kurz getakteter Diskussionsaustausch ergibt.

Auch der Pfarramtskalender erhält in seiner Papierform gute Bewertungen, während das Angebot für mobile Geräte von mehr als der Hälfte der – freilich vergleichsweise wenigen – Nutzer*innen nicht positiv bewertet wird. In der Mitgliederbefragung wie auch bei den Fokusgruppeninterviews mit Theologiestudierenden zeigt sich, dass gerade jüngere Personen verstärkt auf Online-Kalendertools zurückgreifen. Hier kann der Pfarrverband durch ein gutes App-Angebot derlei Erwartungen erfüllen. Zudem weisen beide Erhebungsvarianten darauf hin, dass die Praktikabilität des Printkalenders verbessert werden könnte.

Die Homepage www.pfarrerverband.de, die allerdings ebenfalls noch zu wenig bekannt ist und genutzt wird, erhält seitens ihrer Nutzer*innen, durchgängig gute Noten. Im Hinblick auf Layout, Navigation und Inhalte zeigt sich aber auch vereinzelt Kritik. Bereits in den zurückliegenden Jahren hat die Homepage einen sanften Relaunch erfahren: So gibt es inzwischen auf der Startseite einen Aufmacher mit einem Thema aus der aktuellen Ausgabe des Deutschen Pfarrerblatts, eine aktuelle Meldung aus der Arbeit des Pfarrverbandes sowie einen monatlich wechselnden Videoclip. Die Arbeiten daran werden weitergehen.


Deutscher Pfarrerinnen- und Pfarrertag

Auch der im zweijährigen Turnus veranstaltete Deutsche Pfarrerinnen- und Pfarrertag gehört zu den Angeboten des Pfarrverbandes. Er wird von der Gruppe der älteren Pfarrkolleg*innen, insbesondere von den Ruheständlern, geschätzt und auch gerne besucht, gilt den jüngeren, im Berufsleben stehenden Kolleg*innen jedoch als unmodern. Die Veranstaltung kann hinsichtlich der Inhalte, des Formats und auch einiger organisatorischer Aspekte (z.B. des Zeitpunkts) kritisch überprüft werden. Hinsichtlich der Kommunikation bzw. Werbung für die Veranstaltung zeigen sich Defizite: 60% der Teilnehmer*innen der Befragung bewerten den Deutschen Pfarrerinnen- und Pfarrertag als eher unbekannt oder wählen an dieser Stelle die neutrale Antwortvorgabe.


Zur Arbeit des Pfarrverbandes

Der Schwerpunkt der Verbandsaktivitäten sollte nach Meinung der befragten Mitglieder deutlich auf der Interessenvertretung gegenüber der EKD liegen. Des Weiteren wird die Unterstützung der Pfarrvereine und Pfarrvertretungen in den Landeskirchen erwartet. Mit Blick auf die weiteren Felder der Verbandsarbeit lassen sich wiederum Unterschiede in der Bewertung von Pfarrer*innen im aktiven Dienst und Ruheständlern ausmachen. So wünschen sich die im Berufsleben Stehenden relativ oft Unterstützung bei administrativen Tätigkeiten und Serviceangebote seitens des Pfarrverbandes.

Insgesamt wird die Arbeit des Pfarrverbandes positiv gesehen. Ca. 80% der Befragungsteilnehmer*innen sind unter dem Strich »(sehr) zufrieden« und der Mittelwert entspricht mit 3,94 fast exakt der Antwortvorgabe »zufrieden«. Während emeritierte Pfarrer*innen des Alterssegments »71 Jahre und älter« signifikant überdurchschnittlich positiv antworten, wählen von den Pfarrer*innen im aktiven Dienst, insbesondere in den Altersgruppen »31-40 Jahre« und »41-50« Jahre, vergleichsweise viele bei dieser Frage maximal die Antwortvorgabe »teils/teils«.

Dies steht in engem Zusammenhang mit der Information über die Aktivitäten des Pfarrverbandes. Gerade jüngere Teilnehmer*innen der Umfrage sehen hier Defizite und fühlen sich maximal »teilweise gut« informiert. In den Altersgruppen bis 50 Jahren sind dies 50,7%, während in den älteren Alterssegmenten lediglich 32,3% Informationsmängel wahrnehmen.

Das korrespondiert auch mit den Resultaten der Fokusgruppeninterviews in Bonn und Leipzig: Der Pfarrverband und sein Tätigkeitsspektrum ist bei den Studierenden weitgehend unbekannt. Daher wünschen sich die Befragten ein stärkeres Engagement des Pfarrverbandes an den Hochschulen.


Peter Haigis


 

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft: 1/2019

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