31. März 2019, Johannes 6,47-51
Lätare (4. Sonntag in der Passionszeit)

Von: Ursula Koopmann
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Irdische und himmlische Speise

Als äße ich zum ersten Mal

Jeder, der schon einmal längere Zeit gefastet hat, weiß sehr gut, mit wie wenig fester Nahrung unser Körper auskommt, wie kreativ wir in dieser Zeit sind, mit wie viel weniger Schlaf wir auskommen und wie wohl und geistig fit wir uns fühlen. Wie neugeboren. Nach dem Heilfasten braucht es das Fasten-brechen – gewöhnlich mit einem geriebenen Apfel: ein herausragendes Gefühl, als äße ich zum ersten Mal. Dieses Gefühl ist uns in unserer größtenteils vom Überfluss an Nahrungsmitteln geprägten Welt weitgehend verloren gegangen.


Der Hunger des Herzens

Fünf Brote und zwei Fische – und 5000 Menschen wurden gesättigt. Dieses tolle Wunder hatte das Volk zuvor – wenige Verse vor unserem Predigttext, den ich auf die V. 48-51 beschränken möchte – mit Jesus erlebt.

»Unser tägliches Brot gib uns heute« beten wir zu Gott im Vaterunser. Brot als irdische Speise, die uns das äußere Leben sichert. Mit Brot reichlich versorgt müssten wir völlig zufrieden sein, sooft und so bald unser leiblicher Hunger gestillt ist. Aber auch alles andere ist darunter zu verstehen, was wir zum Leben und Überleben brauchen. Wie kommt es, dass die meisten Menschen, denen es äußerlich gut oder doch einigermaßen erträglich geht, innerlich unzufrieden sind? Und wie, dass sie keine besinnliche Ruhe mehr finden? Und sie selbst an einer reichlich gedeckten Tafel des Lebens mit unzähligen Möglichkeiten nicht satt werden?

Vielen geht es so, wie dem Menschen, der sich mit großem Hunger an den Tisch setzt und, nachdem er den vorzüglichen Speisen darauf ausgiebig zugesprochen hat, doch nachdenklich auf seinen Teller blickt und bemerkt: »An die Stelle, wo ich hungrig bin, ist bis jetzt noch gar nichts hingekommen.« Ist Leben die hektische Jagd von Event zu Event, die Suche nach dem ultimativen Kick, nach Zerstreuung, Abwechslung und immer Neuem? Wir wissen, dass es auch einen Hunger des Herzens gibt.


Jesus als das Lebensbrot Gottes

»Am Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort« (Joh. 1,1). »Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit« (Joh. 1,14).

Jesu Menschwerdung bildet im Johannesevangelium die Verbindung zur Quelle des Lebens, indem wir Jesus wahrnehmen als Wort Gottes. »Das Brot ernährt dich nicht, was dich im Brote speist, ist Gottes ewig‘s Wort, ist Leben und ist Geist«, dichtet Angelus Silesius im 17. Jh.

Brot des Lebens ist die Gemeinschaft mit Gott. Das weist uns den Weg: Gott ist mit seiner Liebe in Jesus Christus gegenwärtig, Jesus verkörpert die Liebe Gottes zu uns. Jesus trägt, so sagt es sein Leben und sein Sterben und seine Auferweckung, ewiges Leben in sich, das er mit uns teilt. Jesus gibt nicht nur Brot, also die Gemeinschaft mit Gott, sondern er gibt sich selbst als Brot. Er ist Brot des Lebens, das in der Liebe Gottes besteht, die auch uns ewig hält und trägt.


Der Himmel auf Erden

An die Stelle, wo die Seele nach Leben und Freude sucht und das Herz nach Liebe, Frieden, Licht und Befreiung aus Angst und Schuld und davon etwas erlebt und erfährt, ist »Himmel auf Erden«. Den »Himmel auf Erden« können wir erfahren durch Andere im Hier und Jetzt: als Empathie, als Hilfsbereitschaft, als Gastfreundschaft, als Teilen, als Liebe. Davon selbst etwas weiterzugeben an Andere kann uns neuen Lebenssinn stiften, kann Ziel und Aufgabe sein: als Da-Sein für Andere. Lätare: »Freut Euch«!

Konkrete Beispiele für beide Abschnitte aus dem eigenen Leben, Erleben oder aktuellem Tagesgeschehen sollten eingefügt werden.


Lesung

5. Mos. 8,1-10


Lieder

EG 262 »Sonne der Gerechtigkeit«

EG 667 (RWL) »Wenn das Brot, das wir teilen, als Rose blüht«


Ursula Koopmann

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft: 2/2019

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