Zur ethischen Fundierung des Konzepts der Sozialen Marktwirtschaft in Vergangenheit und Zukunft
Wirtschaftsordnung mit humanem Gesicht

Von: Andreas Pawlas
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Die Neigung, sich mit dem Konzept der Sozialen Marktwirtschaft zu beschäftigen, hat abgenommen. Doch was immer an die Stelle der Sozialen Marktwirtschaft treten sollte, es muss sich – nach Andreas Pawlas – an dem messen lassen, was durch sie vorgegeben ist. Der Autor gibt daher eine zumindest stichworthafte Rechenschaft über das, was unter diesem Konzept zu verstehen ist, und einen Blick auf deren ethische Grundannahmen.*


Es kann nicht gesagt werden, dass das Thema »Soziale Marktwirtschaft« aus dem öffentlichen Diskurs völlig verschwunden wäre. Denn in der aktuellen politischen Polemik greift man gern auf es zurück. Aber es sind auch die Veröffentlichungen und Veranstaltungen, zu den Dekade-Jubiläen zu erwähnen, so etwa die hochzuschätzende Tagung des Kirchlichen Dienstes in der Arbeitswelt und der Evang. Akademie der Nordkirche vom 15. Juni 20181. Es dürfen hierzu auch nicht die engagierten Beiträge der Konrad-Adenauer-Stiftung vergessen werden.2

Dennoch findet sich seit geraumer Zeit innerhalb der ökonomischen Fachwelt wenig Neigung, sich mit dem Phänomen »Soziale Marktwirtschaft« zu befassen. Beispielsweise wird als deren Thema in dem Generationen von Ökonomen prägenden Werk von Günter Wöhe nur kurz und knapp angeben, dass es vor allem darum gehe, durch staatliche Maßnahmen unerwünschte Schwächen der (freien) Marktwirtschaft wie etwa unlauteren Wettbewerb/Kartelle, ungleiche Einkommens- und Vermögensverteilung oder Konjunkturschwankungen zu verhindern.3 Weiter wird von Fachleuten mit gewissem Recht moniert, dass »die Soziale Markwirtschaft im konzeptionellen Sinne eben keine Theorie« sei, sondern nur eine »diskursive Strategie«.4 Allerdings wird dabei nicht genügend gewürdigt, dass notwendige Anpassungen des Konzeptes an sich ändernde gesellschaftliche Bedingungen gerade durch die Offenheit dieser Konzeption ermöglicht werden.5

Jedoch, was immer an die Stelle der »Sozialen Marktwirtschaft« treten wollte, es muss sich an dem messen lassen, was durch sie vorgegeben ist. Insofern ist eine zumindest stichworthafte Rechenschaft über das, was nun eigentlich unter diesem Konzept zu verstehen ist, kaum zu umgehen. Und dabei ist der Blick darauf, auf welchen ethischen Grundannahmen es aufbaut, unvermeidlich – und damit auch eine Erinnerung an den damaligen Professor für Moralphilosophie in Glasgow Adam Smith (1723-1790).


1. Aspekte der neuzeitlichen Wirtschaftsgeschichte

Adam Smith positionierte sich in gewisser (protestantischer) Selbständigkeit einerseits im Gegensatz zur klassischen Moralphilosophie, andererseits aber auch im Gegensatz zur merkantilistischen Staatsdoktrin, nach der der durch den Fürsten repräsentierte Staat die Lenkung der Wirtschaft für sich beanspruchte. Denn Smith wusste u.a. hervorzuheben, dass »every individual, it is evident, can, in his local situation, judge much better than any statesman or lawgiver can do for him«.6 Und das war dann der erste Schritt zu der »epochemachenden« Entdeckung eines »Automatismus der Marktwirtschaft«, nämlich der Selbstregulierung des wirtschaftlichen Prozesses im Wettbewerbssystem durch den Mechanismus von Angebot und Nachfrage. Und die sei eingeschlossen in die (durch die göttliche »invisible hand«7 herbeigeführte) Harmonie, die »durch den nicht bewußt herbeigeführten Ausgleich« zwischen dem Eigeninteresse des einzelnen und dem größten Wohl aller erreicht und aufrechterhalten wird.8 Denn es gelte für den einzelnen Teilnehmer am wirtschaftlichen Prozess: »By pursuing his own interest he frequently promotes that of the society more effectually than when he really intends to promote it«.9

War für den Deisten Adam Smith die Einbettung dieser Wirtschaftsprozesse in ein so geglaubtes göttliches Wirken10 und damit in ein ethisches Gerüst noch selbstverständlich, so wurde dieser Zusammenhang mit dem Aufkommen des Liberalismus »entkoppelt«11. Das verstehe ich so, dass bislang durch traditionelle Ethik einigermaßen gezähmt werden konnte, was es seit Menschengedenken an Ungerechtigkeit, Gier, Habsucht im Alltag der Wirtschaft gab12. Aber für den »autonomen« Menschen der Aufklärung war ein Blick auf andere Instanzen und Kategorien außer sich selbst unvorstellbar. Ein irgendwie »naturgesetzlich« arbeitendes angeblich objektives Marktgeschehen erschien dagegen sehr anziehend. Kein Wunder, dass dann diese im Selbstverständnis des »autonomen« Menschen liegende »Rück-Sichts-losigkeit« häufig zur ethisch nicht akzeptablen Ausnutzung der wirtschaftlich Schwachen zugunsten der Kapitaleigner führte.

Die Kraft der sich dagegen von Marx u.a.13 entwickelten »antikapitalistischen« Bewegungen mag dabei nur eine Spiegelung des erlittenen Leids gewesen sein. Das wurde jedoch – so Rüstow – vom Liberalismus »in seinem Pseudouniversalismus, seiner Blindheit für die (theologischen) Rahmenbedingungen und gesellschaftlichen Voraussetzungen, die seine Geltung begrenzen«, nicht wahrgenommen.14 Daran änderten auch die sozialstaatlichen Versuche seit der Bismarck-Zeit nicht viel. Und das später vom Nationalsozialismus gepriesene Führer-Prinzip bewirkte hier keine grundsätzliche Lösung, sondern endete ja letztlich in der planwirtschaftlichen Kriegswirtschaft, in »politischer und ökonomischer Despotie«15, also in gesellschaftlicher Katastrophe.

Da ist es schon bedeutsam, dass sich bereits in den Wirren und Bedrohungen des Zweiten Weltkrieges Menschen fanden, die sich der aus Sicht des Nationalsozialismus wohl landesverräterischen Aufgabe stellten, für die Nachkriegszeit eine »humane« Wirtschaftsverfassung zu entwickeln. Das waren – durchaus auch angestoßen durch die Bekennende Kirche16 – Mitglieder des Freiburger Kreises wie Wilhelm Röpke, Alexander Rüstow, Walter Eucken, Alfred Müller-Armack und nicht zuletzt der spätere Wirtschaftsminister und Bundeskanzler Ludwig Erhard17.

Und offenbar kann man durchaus – ich folge hier Traugott Jähnichen – aufgrund des hierbei zugrunde gelegten protestantischen Selbstbewusstseins der Beteiligten von »protestantischen Wurzeln der Sozialen Marktwirtschaft« sprechen.18 Insbesondere komme das dadurch zum Ausdruck, dass die Soziale Marktwirtschaft eine »auf ethischen Werten beruhende Wirtschaftsordnung sei, welche auf der Grundlage der Menschenwürde und der daraus folgenden individuellen Freiheitsrechte in gleicher Weise eine Lösungsperspektive zur Bewältigung der ›sozialen Frage‹ aufgezeigt« habe.19 Vergleichbar betont Müller-Armack: »Zwei großen sittlichen Idealen fühlen wir uns verpflichtet, der Freiheit und der sozialen Gerechtigkeit«.20 Und überhaupt konnte das Konzept der Sozialen Marktwirtschaft gegen allen Säkularismus nicht nur als ein Alternativkonzept zur sozialistischen Planwirtschaft, »sondern als Teil einer generellen Erneuerung der Kultur« verstanden werden.21

Dabei dürfen jedoch die Stimmen nicht überhört werden, die seit längerem die Soziale Marktwirtschaft für den Katholizismus reklamieren und in Übereinstimmung mit der katholischen Soziallehre interpretieren22 oder gar von einem Ausfluss des »Rheinischen Kapitalismus«23 sprechen. Wie dem auch sei, auf jeden Fall muss doch an die Unterstützung der Sozialen Marktwirtschaft aus dem rheinischen katholischen Milieu der Adenauer-Epoche erinnert werden.


2. Aufbrüche nach dem Zweiten Weltkrieg

Direkt nach Ende des Zweiten Weltkrieges war unter den Alliierten wie auch in der deutschen Öffentlichkeit durchaus umstritten, welchen Weg die deutsche Wirtschaft und Gesellschaft einschlagen sollte. Denn in der Sozialdemokratie und in den Gewerkschaften – man denke allein an den Generalstreik gegen Erhard am 12.11.194824 – wurden bis weit in die 1950er Jahre hinein Forderungen nach planwirtschaftlichen Elementen bzw. einer »gelenkten« Wirtschaft geltend gemacht. Auch bei der CDU fanden sich in ihrem Ahlener Programm von 194725 Impulse zur »Vergesellschaftung«, während die liberalen Parteien für eine (völlig) freie Marktwirtschaft eintraten. Auch der Katholizismus plädierte zunächst in großen Teilen für einen »christlichen Sozialismus« und formulierte selbst noch in den 1950er Jahren kritische Anfragen an die Soziale Marktwirtschaft.26

Umso bedeutsamer war der neue, zwischen Planwirtschaft und freier Marktwirtschaft liegende Ansatz zu werten, eben die »Soziale Marktwirtschaft«, deren Anliegen Müller-Armack populär so formulierte: »Soziale Marktwirtschaft ist … überall dort, wo man sich den Kräften des Marktes anvertraut, und versucht, alle vom Staat, von den sozialen Gruppen anzustrebenden Ziele in den Doppelaspekt einer freien Ordnung und einer sozial gerechten und gesellschaftlich humanen Lebensordnung zu verwirklichen.«27

Und der von Müller-Armack so präsentierte Ansatz hieß ja wahrhaftig nicht, einem »Kapitalismus als Religion« das Wort zu reden, wie es wohl zuerst von Walter Benjamin zu hören war28, und wie es gern heutzutage von manchen anderen kritischen Zeitgenossen wieder aufgenommen wird.29 Dabei soll für die Gegenwart keinesfalls das Problem der Ökonomisierung vieler Lebensgebiete geleugnet oder gut geheißen werden. Vielmehr ist an dieser Stelle erst einmal das vielfach überlieferten Diktum Erhards zu würdigen, dass es die Aufgabe »Sozialer Marktwirtschaft« sei, »das Prinzip der Freiheit auf dem Markt mit dem des sozialen Ausgleichs und der sittlichen Verantwortung jedes einzelnen dem Ganzen gegenüber zu verbinden.«30

Damit ist deutlich genug ausgedrückt, dass man in diesem Konzept nicht allein der »unsichtbaren Hand des Marktes« zutrauen wollte, die Früchte wirtschaftlicher Tätigkeit möglichst gerecht zu verteilen. Vielmehr wurde die Erkenntnis ernst genommen, dass wirtschaftliche Macht gleichsam staatliche Kontrolle (insbesondere gegenüber Kartellen und Monopolen), zuweilen sogar staatliche Lenkung erforderte. Und die richtige Mischung bewirke dann am Ende Erfolg und Wachstum.31 Allerdings gelte u.a. nach Eucken dabei, dass der Staat die Formen, in denen gewirtschaftet wird, zwar zu beeinflussen habe, aber sich nicht in den Wirtschaftsprozess selbst einzuschalten habe.32

Und da in diesem neuen Konzept der »Sozialen Marktwirtschaft« von Anfang an einerseits Leistung, materieller Wohlstand, Wettbewerbs- und Effizienzziele und andererseits gleichrangig sozialpolitische und sozialethische Aspekte verbunden wurden, entwickelte sich in der breiten Öffentlichkeit auch ein ziemlicher Grundkonsens bezüglich dieser neuen Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung, der auch den Weg für Politiker, Unternehmen und Gewerkschafter öffnete, auf eine kurzfristige Durchsetzung ihrer Interessen weitgehend zu verzichten. Insofern waren auch die innerhalb dieser Rahmenbedingungen erforderlichen politischen Maßnahmen anfangs von beträchtlichem Einvernehmen getragen.33


3. Erste politische Folgerungen

Als erster konkreter Schritt zur Sozialen Marktwirtschaft kann die Währungsreform am 20./21. Juni 1948 angesehen werden und kurz danach die weitgehende Aufhebung der Preis- und Mengenregulierung für Produktion und Verteilung und der Übergang zur freien Marktpreisbildung.34 Die CDU hielt dann ihre wirtschaftspolitischen Grundgedanken in den »Düsseldorfer Leitsätzen« von 194935 fest, in denen das Schlüsselwort die »Soziale Marktwirtschaft« war.

Wenn auch in dem 1949 erarbeiteten Deutschen Grundgesetz auf jede »ausdrückliche wirtschaftspolitische Programmatik« verzichtet wird,36 so ist in ihm bewusst die Sozialpflichtigkeit des Privateigentums (Art. 14 Abs. 2 GG37) verankert. Allerdings verbietet sich verfassungsmäßig jeder Versuch einer planwirtschaftlichen Zentralverwaltung aus den »grundgesetzlich verbürgten Freiheiten für die wirtschaftliche Betätigung« (Art 12 Abs. 1 GG). Und namentlich die »Eigentumsgarantie (nach Art. 14 Abs. 1) und die anderen Grundrechte des privatautonomen Handelns und der privatautonomen Teilhabe an der Gestaltung der Wirtschaft schließen deshalb eine absolute Herrschaft des politischen Systems über die Wirtschaft aus.«38

Anzumerken ist ferner, dass für den großen Erfolg der wirtschaftlichen Entwicklung und den weitgehenden sozialen Frieden in der jungen Republik auch die »Sozialpartnerschaft«, also die »frühzeitige und von allen großen Parteien getragene Einbindung der Arbeitnehmer und ihrer Vertreter in politische und wirtschaftliche Entscheidungen« verantwortlich war.39

Insgesamt aber vertrat Erhard, dem nach O. Schlecht »für die Durchsetzung der Sozialen Marktwirtschaft das größte Verdienst zukommt«,40 in seinen Vorstellungen zur »Sozialen Marktwirtschaft« einen Freiheits- und Gerechtigkeitsbegriff, der verstärkt »am Bedürfnis des Einzelnen innerhalb des Gemeinwesens orientiert ist«, was Oermann insbesondere in dessen »10 Thesen der Sozialen Marktwirtschaft« insbesondere Thesen 3-8 wiedergegeben findet:

»3. Optimale Verteilung des Volkseinkommens unter Berücksichtigung sozialer Gegebenheiten nach den Maßstäben einer fortschrittlichen Leistungsgesellschaft. 4. Gleiche Bildungs-, Ausbildungs- und Fortbildungsmöglichkeiten ohne ideologische Bindung nach dem Grundsatz: Freiheit der Wissenschaft. 5. Freier Wettbewerb auf allen Gebieten menschlicher Betätigung ohne staats- oder parteipolitische Begünstigungen. 6. Beseitigung von Privilegien und künstlicher Rechtspositionen auf privater und staatlicher Ebene; systematischer Abbau von Subventionen, Verzicht auf Parteibuchkarrieren. 7. Ausbau und Erweiterung der Liberalisierung, – Kampf gegen Nationalismus und Protektionismus. Allgemeiner Zollabbau auch über bestehende Wirtschaftsblöcke hinaus. 8. Sicherung bzw. Wiederherstellung der wirtschaftlichen, sozialen und monetären Stabilität. Kampf gegen Kollektivismus durch Sicherung einer individuellen freiheitlichen Lebensordnung. Durchsetzung einer breiten Vermögensstreuung.«41


4. Anfragen an das Konzept der »Sozialen Marktwirtschaft«

Im Zeitverlauf sah sich allerdings dieses einmalige neue Konzept der »Sozialen Marktwirtschaft«, das auch durch die Rentenreform von 1957 eine bis dahin nicht dagewesene, aber aus christlicher Perspektive sehr zu begrüßende Fürsorge für die Rentner bewirkte, Anfragen und Gefährdungen verschiedenster Art ausgesetzt. Ich zähle hier nur einige auf:


a) Mangelnde soziale Verantwortung?

So wurde die »Soziale Marktwirtschaft« gelegentlich mit einer Wirtschaftspolitik verwechselt, der es an sozialer Verantwortung mangele und bei der das Finanzkapital das Gewinnstreben dominiere. Wie bereits angedeutet, entsprach das allerdings keinesfalls Erhards Intentionen, denn bereits 1948 hatte er an das Pflichtgefühl appelliert und »in letzter Konsequenz gerade den verantwortlichen Unternehmern, die über den Produktions- und Verteilungsapparat der Volkswirtschaft verfügen, die größten Opfer, die höchste Einsicht und Verantwortung« abverlangt.42


b) »Aufgeklärte« Marktwirtschaft durch Globalsteuerung?

Der trotzdem verbleibende Vorwurf der Rücksichtslosigkeit der Kapitaleigner bildet dann den Hintergrund für jene Veränderungen, die in der Zeit auf den Weg gebracht wurden, als die Sozialdemokratische Partei Deutschlands in Regierungsverantwortung kam. Dabei hatten die Sozialdemokraten seit ihrem Godesberger Programm von 1959 zunehmend Elemente der Sozialen Marktwirtschaft übernommen43. Nun sollte die Soziale Marktwirtschaft erneuert werden durch »Globalsteuerung«, also staatliche Steuerung der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage zur Stabilisierung der Konjunktur.44 Es erfolgten u.a. nicht nur Veränderungen in den wettbewerbspolitischen Zielvorstellungen45. Es wurde auch mit der Reformierung der Mitbestimmungsgesetzgebung vom 4.5.197646 eine Veränderung der bisherigen Balance von Kapital und Arbeit dadurch erreicht, dass eine paritätische Besetzung der Aufsichtsräte in den wichtigsten deutschen Unternehmen festgeschrieben wurde – ein Wandel, der allerdings gegenwärtig weitgehende ethische Akzeptanz findet.47


c) Kohls »Programm der Erneuerung«?

Jedoch provozierte der in dieser Zeit in der Sozialpolitik weiter vollzogene Ausbau des Sozialstaates und der Anstieg der Arbeitslosigkeit die Wende von 1982/83. Das bedeutete den Abschied von der Nachfragepolitik der 1960er und 70er Jahre. Wie auch durch Reagan oder Thatcher international vorgezeichnet, sollte nun eine Angebotspolitik verfolgt werden, um die Vollbeschäftigung wiederherzustellen.

Für den neuen Bundeskanzler Helmut Kohl gehörte es darum zu seinem in der Regierungserklärung vom 4. Mai 1983 vorstellten »Programm der Erneuerung«48, dass die Politik die Grenzen ihrer Möglichkeiten erkennen müsse: So könnten »die Ansprüche an den Sozialstaat … nicht stärker befriedigt werden, als die Leistungskraft der Wirtschaft zuläßt«. Insofern proklamiere er eine »Erneuerung der Sozialen Marktwirtschaft.« (Denn) »Eine Wirtschaftsordnung ist um so erfolgreicher, je mehr sich der Staat zurückhält und dem einzelnen seine Freiheit läßt. Die Soziale Marktwirtschaft ist wie keine andere Ordnung geeignet, Gleichheit der Chancen, Eigentum, Wohlstand und sozialen Fortschritt zu verwirklichen. Wir wollen nicht mehr Staat, sondern weniger; wir wollen nicht weniger, sondern mehr persönliche Freiheit.«49

Obwohl es in den folgenden Jahren nicht gelang, das ethisch nicht akzeptable Übel der hohen Arbeitslosigkeit zu beseitigen, kommt die Wirtschaftsdenkschrift der Evangelischen Kirche in Deutschland »Gemeinwohl und Eigennutz« zur Beurteilung, dass sich die Soziale Marktwirtschaft in der Bundesrepublik Deutschland »in über 40 Jahren prinzipiell bewährt« habe. Denn sie erlaube »ein sachgerechtes und zugleich »menschengerechtes wirtschaftliches Handeln«.50


d) Deutsche Einigung

Erneut wurden danach die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Überzeugungen mit dem Prozess der deutschen Einigung einer starken Prüfung unterworfen. Die Einigung war zwar immer wieder von der deutschen Politik beschworen worden,51 doch war man darauf nicht eingerichtet. Und so taten sich unvermittelt in diesem Prozess alle Optionen einer völlig neuen Gesellschaftsgestaltung auf.

Letztlich wurde aber in dem dann ausgehandelten »Vertrag über die Schaffung einer Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik vom 18.5.1990« in Art. 1 Abs. 3 ausdrücklich festgehalten: »Grundlage der Wirtschaftsunion ist die Soziale Marktwirtschaft als gemeinsame Wirtschaftsordnung beider Vertragsparteien. Sie wird insbesondere bestimmt durch Privateigentum, Leistungswettbewerb, freie Preisbildung und grundsätzlich volle Freizügigkeit von Arbeit, Kapital, Gütern und Dienstleistungen …«52

Durch den Beitritt der Neuen Deutschen Länder zur Bundesrepublik Deutschland wurde insgesamt das wirtschaftliche System der Bundesrepublik übernommen. Allerdings gelang dabei keine sofortige Umwandlung der nahezu zusammengebrochenen DDR-Wirtschaft in »blühende Landschaften«53 allein durch die Entfesselung der Kräfte im Rahmen der Sozialen Marktwirtschaft. Jedoch dürfte letztlich und durch erhebliche finanzielle Unterstützung aus Steuermitteln (z.B. Solidaritätszuschlag) die zweifellos ethisch hoch zu bewertende Aufgabe gelungen sein, die Lebensbedingungen der ehemaligen DDR-Bürger, die durch kommunistische Planwirtschaft zerstört worden war, beträchtlich zu konsolidieren – wenn auch genau das bis in die Gegenwart von bestimmten Parteien bestritten wird.


e) »Strukturelle Verkrustung«?

Davon abgesehen wird gegenwärtig von verschiedener Seite eine »Strukturelle Verkrustung« der Sozialen Marktwirtschaft beklagt, womit ein »makroökonomisches Missmanagement« gemeint ist, namentlich »eine verfehlte Ausrichtung der Geld, Lohn- und Finanzpolitik, die zum Teil durch die europäische Ebene (Europäische Zentralbank (EZB), Stabilitäts- und Wachstumspakt (SWP) erzwungen, und zu einem anderen Teil durch den falschen deutschen Reformeifer begünstigt wurde.«54 Allerdings dürften hierzu die Beurteilungsprozesse noch nicht abgeschlossen sein.


f) Soziale Marktwirtschaft und Europäische Union?

Jedenfalls war es Bundeskanzlerin Angela Merkel im Blick auf die Unterzeichnung des Lissabonner Vertrags (und offenbar auch gegenüber der These von der Sozialen Marktwirtschaft als »Auslaufmodell« angesichts der Globalisierung) wichtig genug, an den Grundgedanken der Sozialen Marktwirtschaft anzuknüpfen, denn der sei »Grundgedanke des geordneten Wettbewerbs. Diesen Gedanken müssen wir auf die Europäische Union übertragen, weil wir als Nationalstaaten unsere Interessen in vielen Fragen allein nicht mehr ausreichend durchsetzen können.«

Und sie fundiert diesen Gedanken dann weiter ethisch: »Was gehört dazu? Dazu gehört eine Wirtschaftsordnung mit menschlichem Gesicht. Dazu gehören geregelte und transparente Finanzmärkte. Dazu gehört eine gestärkte, wertegebundene gemeinsame Außenpolitik, die europäische Interessen und auch Standards durchsetzt. Dazu gehört die Sicherung der Energieversorgung. Dazu gehört ein moderner Klima- und Umweltschutz. Dazu gehören eine geregelte Migrations- und Integrationspolitik genauso wie der Schutz des geistigen Eigentums. Das ist notwendig, wenn wir ein Kontinent der Innovation bleiben wollen.«55


5. Zur Zukunftsfähigkeit des Konzepts der »Sozialen Marktwirtschaft«

Allerdings dürften diese berechtigten Grundgedanken Merkels zur Aktualisierung der sozialen Marktwirtschaft nicht vollständig sein. So identifiziert Ursula Nothelle-Wildfeuer noch drei weitere Herausforderungen des 21. Jh., denen sich eine modernisierte Soziale Marktwirtschaft stellen muss, nämlich Digitalisierung, Individualisierung und demographische Verschiebungen56.

Davon abgesehen wird aber offenkundig jene Grundlage zu wenig thematisiert, ohne die ein Abgleiten der Menschen in einen wirtschaftlichen Kult des Egoismus bzw. in den »Kapitalismus als Religion« oder in despotische Planwirtschaft kaum verhindert werden dürfte:

War es für die Freiburger oder rheinischen »Väter der sozialen Marktwirtschaft« noch selbstverständlich, dass das wirtschaftliche Handeln aus dem christlichen Glauben Maß und Orientierung und ein Gegengewicht gegen Habsucht, Rücksichtslosigkeit und Raffgier, also gegen alle Ökonomisierung des Lebens gewinnt, so ergeben sich hier insbesondere nach der deutschen Einigung und bei einer Kirchenzugehörigkeit von nur noch 62% der Bevölkerung57 intensive Fragen.58

Woher sollen Impulse und Kräfte kommen zu der offenbar notwendigen »Pflege und Weiterentwicklung einer entsprechenden Rahmenordnung unter der Maßgabe der Gerechtigkeit«?59 Zurecht fordert darum Goldschmidt von jeder Bürgerin und jedem Bürger, sich im Rahmen der Sozialen Marktwirtschaft immer wieder der eigenen gesellschaftlichen Verantwortung zu stellen. Denn so wichtig und unaufgebbar hier die Bemühungen um eine ethische Fassung der globalen Rahmenordnung auch sind, das individuelle Ethos könne nicht suspendiert werden.60

Insofern mag der abschließende Vorschlag keineswegs avantgardistisch klingen, aber es sei eindringlich zur Besinnung auf die aus dem Christentum kommenden Werte wie Nächstenliebe, Rücksichtnahme und Gerechtigkeit gerade für die Schwachen eingeladen. Denn offenkundig haben wir nichts Besseres für unsere Gesellschaft und für unsere Wirtschaftsordnung, die wir dann wirklich gern und stolz Soziale Marktwirtschaft nennen dürfen.

Natürlich wissen sich besonders Kirchenleute vom Soziologen Christoph Deutschmann zu recht gemahnt, dass die »gute Gesellschaft, die individuelle und kollektive Freiheit zusammenbringt und überdies die Menschen mit der Natur versöhnt, … ein zwar anzustrebendes, jedoch nie realisierbares Ideal« bleibe, und insofern das Reich Gottes auf Erden nicht zu verwirklichen sei.61 Jedoch, hier um Gottes und der Menschen willen – wie es in der Präambel unseres Grundgesetzes heißt – das zu tun, was möglich ist, sollte und dürfte doch gerade um Gottes willen gewagt werden.


Anmerkungen:

* Leicht gekürzter Vortrag auf dem 51. Kolloquium für norddeutsche Rotarierinnen und Rotarier im Haus Rissen, Hamburg, am 16.2.2019. Der Vortragsstil ist beibehalten.

1 Vgl. Kirche im Kapitalismus: Zwischen Anpassen und Gestalten. 70 Jahre Soziale Marktwirtschaft in Westdeutschland. epd-Dokumentation Nr. 44 v. 30.10.2018.

2 Vgl. https://www.kas.de/web/soziale-marktwirtschaft, insbesondere https://www.kas.de/einzeltitel/-/content/lexikon-soziale-marktwirtschaft-wirtschaftspolitik-von-a-z

3 So z.B. in aller Kürze in seiner 20. Auflage G. Wöhe/U. Döring, Einführung in die Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, München 200020, 7.

4 Vgl. R. Ptak, Ursprünge und Ambivalenzen der Sozialen Marktwirtschaft, in: Kirche im Kapitalismus, 23.

5 Vgl. F. Quaas, Soziale Markwirtschaft. Einführung. In: https://www.kas.de/web/soziale-marktwirtschaft/soziale-marktwirtschaft-einfuehrung v. 29.1.2019, 4.

6 Vgl. A. Smith, The Works of Adam Smith, Vol. III. An Inquiry into the Nature and Causes of the Wealth of Nations Vol. II, London 1811, 182.

7 Vgl. A. Smith, a.a.O., 181.

8 Vgl. A. Rüstow, Die Defizite des Liberalismus, in: Ders., Die Religion der Marktwirtschaft (1942), Münster 20093, 18f.

9 Vgl. A. Smith, a.a.O., 181.

10 Vgl. A. Rüstow, Die Defizite des Liberalismus, 22.

11 Vgl. T Jähnichen, Wirtschaftsethik. Konstellationen – Verantwortungsebenen – Handlungsfelder, Stuttgart 2008, 27.

12 Vgl. z.B. hier einige aussagekräftige Belege bei C. Fleischmann, Von der Tauschgerechtigkeit zur Vertragstreue, in: Kirche im Kapitalismus, 12-20.

13 Vgl. z.B. K. Marx/F. Engels, Manifest der Kommunistischen Partei, in: K. Marx/F. Engels, Werke. (Karl) Dietz Verlag, Berlin. Bd. 4, 19726, Berlin/DDR, 459‐493.

14 Vgl. A. Rüstow, Die Defizite des Liberalismus, 40.

15 Vgl. W. Röpke, Civitas humana: Grundfragen der Gesellschafts- und Wirtschaftsreform, Erlenbach-Zürich 19462, 33.

16 Vgl. S. Holthaus, »Zwischen Gewissen und Gewinn«: Die »Freiburger Denkschrift« und ihre christliche Begründung einer »Sozial-Wirtschaftsethik«, in: Zeitschrift für Marktwirtschaft und Ethik Jahrgang 4/2016, 29f.

17 Vgl. T Jähnichen, Wirtschaftsethik, 123. Zur Charakterisierung des »Freiburger Kreises« und der »Freiburger Denkschrift« vgl. aktuell z.B. S. Holthaus, »Zwischen Gewissen und Gewinn«, 28-42.

18 Vgl. G. Brakelmann/T. Jähnichen (Hrsg.), Die protestantischen Wurzeln der Sozialen Marktwirtschaft, Gütersloh 1994. Etwas vorsichtiger hier D. Dietzfelbinger, Die evangelischen Wurzeln der Sozialen Marktwirtschaft. Genese und ethische Bedeutung einer sozioökonomischen Ordnungstheorie, Bad Boll 2011, 12.

19 Vgl. T Jähnichen, Wirtschaftsethik, 131.

20 Vgl. A. Müller-Armack, Genealogie der sozialen Marktwirtschaft: Frühschriften und weiterführende Konzepte, Bern/Stuttgart 1974, 90.

21 Vgl. S. Holthaus, Soziale Marktwirtschaft und Ethik: Der religiöse Unterbau des Ordoliberalismus. Werte jenseits von Angebot und Nachfrage. In: Wirtschaft und Ethik 22. Jg. Nr. 1, 8-15, hier 9.

22 Vgl. z.B. M. Meyer, Kirchen und soziale Marktwirtschaft. Eine ordnungspolitische Perspektive. Berlin 2003.

23 Vgl. z.B. M. Spangenberger: Prolog. In: M. Spangenberger (Hrsg.): Rheinischer Kapitalismus und seine Quellen in der Katholischen Soziallehre, Aschendorff, Münster 2011, VIII. Vgl. auch L. Castellucci, Zur Zukunft des Rheinischen Kapitalismus, in: APuZ 2001, 20-26.

24 Vgl. L. Vogel, Soziale Marktwirtschaft: Politische Umsetzung, Erosion und Handlungsbedarf, in: https://www.kas.de/web/soziale-marktwirtschaft/soziale-marktwirtschaft-politische-umsetzung-erosion-und-handlungsbedarf v. 29.1.2019, 6.

25 Vgl. http://www.kas.de/wf/de/33.813/ v. 25.4.2017.

26 Vgl. T Jähnichen, Wirtschaftsethik, 125.

27 Vgl. A. Müller-Armack, Genealogie der sozialen Marktwirtschaft, 12.

28 Vgl. W. Benjamin, Kapitalismus als Religion, in: Ders., Gesammelte Schriften. Band VI, hrsg. v. R. Tiedemann/H. Schweppenhäuser, Frankfurt/M. 1991, 100-103.

29 Vgl. z.B. Christoph Fleischmann, Von der Tauschgerechtigkeit zur Vertragstreue, in: Kirche im Kapitalismus, 12.

30 Vgl. L. Erhard, Wirtschaft und Bildung, in: Der Volkswirt, Ausgabe vom 17. August 1957, zit. nach K. Hohmann (Hrsg.), Ludwig Erhard. Gedanken aus fünf Jahrzehnten, Düsseldorf/Wien/New York 1988, 515.

31 Vgl. N.O. Oermann, Anständig Geld verdienen. Protestantische Wirtschaftsethik unter den Bedingungen globaler Märkte, Gütersloh 2007, 262.

32 W. Eucken, Unser Zeitalter der Mißerfolge, Tübingen 1951, 72, zit. nach N.O. Oermann, Anständig Geld verdienen, 262.

33 Vgl. O. Schlecht, Unternehmen und Politiker in der Sozialen Marktwirtschaft: Getrennt handeln und gemeinsam »Wohlstand für alle« schaffen, in: H. Albach (Hrsg.), Globale Soziale Marktwirtschaft: Ziele – Wege – Akteure, Wiesbaden 1994, 3-14, hier 7.

34 Vgl. O. Schlecht, Die Genesis des Konzepts der Sozialen Marktwirtschaft, in: K. Hohmann/D. Schönwitz/H.-J. Weber/H.F. Wünsche (Hrsg.), Grundtexte zur Sozialen Marktwirtschaft, Stuttgart/New York 1988, 141.

35 Vgl. http://www.kas.de/upload/ACDP/CDU/Programme_Bundestag/1949_Duesseldorfer-Leitsaetze.pdf v. 10.5.2017, 1f.

36 Vgl. H.J. Papier, Wirtschaftsordnung und Grundgesetz, in: APuZ 13/2007, 3-10, hier 4; vgl. auch BVerfGE 50,290, 336f. (Mitbestimmungsurteil vom 1.3.1979: »Das Grundgesetz« enthält »keine unmittelbare Festlegung und Gewährleistung einer bestimmten Wirtschaftsordnung«.)

37 Vgl. Bundesgesetzblatt Teil I Nr. 1 v. 23.5.1949, S. 3: Art. 14 Abs. 2: »Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohl der Allgemeinheit dienen.«

38 Vgl. H.J. Papier, Wirtschaftsordnung, 5.

39 Vgl. O. Schlecht, Die Genesis, 141f.

40 Vgl. O. Schlecht, Die Genesis, 138. Vgl. ebenso z.B. B.-C. Lee, Wirtschaftspolitische Konzeption der Christlichen Demokraten in Südbaden 1945-1952, Diss. Freiburg 2000, 227. Allerdings gegen eine Reduzierung Erhards auf einen »Vollstrecker« neoliberaler Konzepte vgl. H.F. Wünsche, Die geistigen Grundlagen von Ludwig Erhards Sozialer Marktwirtschaft: Behauptungen und Befunde, in: http://www.ludwig-erhard.de/wp- content/uploads/2015-12-14-Expose.pdf v. 25.4.2017, 1-16, hier 11.

41 Vgl. L. Erhard, Marktwirtschaft im wirtschaftlichen und sozialen Wandel. Wandlungen, Umbruch oder Umsturz unserer Gesellschaftsordnung, in: B.B. Gemper (Hrsg.), Marktwirtschaft und soziale Verantwortung, Köln 1973, 23-34, hier 34., zit. nach N.O. Oermann, Anständig Geld verdienen, 270.

42 Vgl. B. Gemper, Ludwig Erhard revisited, in: APuZ 13/2007, 10-16, hier 12f.

43 So wurde dort festgehalten: »freier Wettbewerb und freie Unternehmerinitiative sind wichtige Elemente sozialdemokratischer Wirtschaftspolitik.« Vgl. https://web.archive.org/web/20140723181855/http://www.hdg.de/lemo/html/dokumente/DieZuspitzungDesKaltenKrieges_programmGodesbergerProgramm/ v. 26.4.2017.

44 Vgl. L. Vogel, Soziale Marktwirtschaft: Politische Umsetzung, Erosion und Handlungsbedarf, in: https://www.kas.de/web/soziale-marktwirtschaft/soziale-marktwirtschaft-politische-umsetzung-erosion-und-handlungsbedarf v. 29.1.2019, 12.

45 Vgl. O. Schlecht, Die Genesis, 143. Gemper meint sogar, dass »Karl Schiller … mit der Wirtschaftspolitik einer »globalgesteuerten Marktwirtschaft« einen Substanzverzehr der Sozialen Marktwirtschaft ein(leitete)«. Vgl. B. Gemper, Ludwig Erhard revisited, in: APuZ 13/2007, 10-16, hier 14.

46 Vgl. Bundesgesetzblatt Teil I Nr. 51 v. 8.5.1976.

47 Vgl. z.B. Kirchenamt der EKD/Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz (Hrsg.), Für eine Zukunft in Solidarität und Gerechtigkeit, Hannover/Bonn 1997, 59.

48 Vgl. Deutscher Bundestag Plenarprotokoll 10/4 v. 4. Mai 1983, 56.

49 Vgl. Deutscher Bundestag Plenarprotokoll 10/4 v. 4. Mai 1983, 57.

50 Vgl. Kirchenamt der EKD (Hrsg.), Gemeinwohl und Eigennutz, Gütersloh 1991, 117.

51 So auch von Helmut Kohl in seiner Regierungserklärung vom 4.5.1983. Vgl. Deutscher Bundestag Plenarprotokoll 10/4 v. 4. Mai 1983, 57.

52 Vgl. Bundesgesetzblatt Teil II Nr. 20 v. 29.6.1990, 537.

53 Siehe 1. Juli 1990, Fernsehansprache von Bundeskanzler Kohl anlässlich des Inkrafttretens der Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion, in: http://www.helmut-kohl.de/index.php?msg=555 v. 22.4.2017.

54 Vgl. E. Hein/A. Truger, Die deutsche Wirtschaftspolitik am Scheideweg, in: APuZ 13/2007, 17.

55 Vgl. Deutscher Bundestag Plenarprotokoll 16/157 v. 24.4.2008, 16453.

56 Vgl. U. Nothelle-Wildfeuer, Der Streit um die Soziale Marktwirtschaft, in: Die Neue Ordnung, Nr. 2/2002, 1.

57 Nach dem Zensus 2011 gehören 31,2% der deutschen Bevölkerung der katholischen und 30,8% der evangelischen Kirche an (vgl. Statistische Ämter des Bundes und der Länder (Hrsg.), Zensus 2011. Bevölkerung nach Geschlecht, Alter, Staatsangehörigkeit, Familienstand und Religionszugehörigkeit, Bad Ems 2014, 42).

58 Vgl. N. Goldschmidt, Ethische Grundlagen der Sozialen Marktwirtschaft, in: M.S. Aßländer (Hrsg.), Handbuch Wirtschaftsethik, Stuttgart/Weimar 2011, 79.

59 Vgl. N. Goldschmidt, Ethische Grundlagen, 81.

60 Vgl. T. Jähnichen, Protestantische Wirtschaftsethik und Soziale Marktwirtschaft – Zur Renaissance eines ordnungspolitischen Leitbildes? In: epd-Dokumentation 27/2009, 34. Vgl. entsprechend aus katholischer Sicht z.B. U. Nothelle-Wildfeuer, Der Streit, 7.

61 Vgl. C. Deutschmann, Kapitalismus als Religion? in: Kirche im Kapitalismus, 11.

 

Über die Autorin / den Autor:

Prof. Dr. rer. pol. Andreas Pawlas, Studium der Ökonomie, 1975 Dipl.-Kfm., 1979 Dr. rer. pol., Studium der Theologie, 1982-1987 Pastor in Lauenburg/Elbe, 1981-1998 Lehrbeauftragter an der Universität der Bundeswehr Hamburg, 1987-1995 Militärdekan an der Führungsakademie der Bundeswehr Hamburg, 1991-2003 Geschäftsführer der Luther-Gesellschaft, 1995-2011 Pastor in Barmstedt, Professor an der Universität Tartu/Estland.

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft: 6/2019

3 Kommentare zu diesem Artikel

08.07.2019
Ein Kommentar von Arne


Lieber Prof. Dr. rer. pol. Andreas Pawlas, vielen Dank für die Ermutigung! Ich habe auch nach 22 Bewerbungen im südlichen Niedersachsen noch nicht aufgegeben eine BFD Stelle zu finden. Ich bin 57 und ev. luth. Pastor i.R., beides alles andere als hilfreich, wenn man sich als Freiwilliger Helfer anbietet im BFD, insbesondere bei Diakonieeinrichtungen meiner Kirche. Das das Kloster drei 450€ Jobber mit dem Bufdi einsparen will ist schon allerhand. Man würde 350€ staatliche Unterstützung bekommen für einen wie mich, zahlt aber nur 300 Taschengeld aus für eine 40 Std. Woche. Für das schlichte möbilierte Zimmer im Kloster zahlt der Bufdi 300€ mtl. und für die 3 Mahlzeiten der Klosterküche nochmal 9,90 Euro tägl. Der Bufdi zahlt also drauf und das Klosrter spart! Ist das nicht Ausbeutung im Namen Christi? Immerhin versteht man sich als christlich-ökumenisch-missionarische Alternative gelebten bruderschaftlichen Christseins und bewirbt sich als Glaubenszentrum, als Pilgerstätter und alles unter dem Dach der evangelischen Diakonie. Ich habe jetzt eine BFD Stelle in Aussicht bei einer Einsatzstelle, der es egal ist, wie alt ich bin und ob Pastor i.R. oder nicht. Es war nur wichtig ob ich autofahren und gut mit Kindern und Jugendlichen umgehen kann. Es gibt also Kinder dieser Welt, die fairer mit BFD Bewerbern umgehen können, als die eigene Kirche.
07.07.2019
Ein Kommentar von Andreas Pawlas


Lieber Arne, Sie haben völlig Recht mit Ihrer Empörung! Gerade Kirche und Diakonie als Arbeitgeber sollten mit gutem Beispiel vorangehen und die für unsere Wirtschaftsordnung so wichtigen Werte glaubhaft im eigenen Bereich vertreten. Bitte bleiben Sie trotz Ihrer schlechten Erfahrungen - um Gottes Willen - bei Ihrer Bereitschaft zu hilfreichem Engagement! Herzlich Ihr Andreas Pawlas
30.06.2019
Ein Kommentar von Arne


Zitat: >>es sei eindringlich zur Besinnung auf die aus dem Christentum kommenden Werte wie Nächstenliebe, Rücksichtnahme und Gerechtigkeit gerade für die Schwachen eingeladen.>> Wie aber kann Kirche diese Werte einfordern, wenn sie sie selbst als Arbeitgeber mißachtet? Zwei Beispiele aus meiner Bewerbungserfahrung als 57 jähriger Bundesfreiwilliger an diakonischen Einrichtungen meiner evangelischen Kirche. 1. Die Einrichtungsleiterin einer Diakonieeinrichtung kommt extra von weither angefahren, um mit mir ein zweites Bewerbungsgespräch zu führen. Während des Bewerbungsgespräches behauptet sie zweimal, das der Bundesfreiwilligendienst eine Altersbegrenzung von 30 Jahren habe. Es gibt keine Altersbegrenzung beim BFD und wenn diese Einrichtungsleiterin nur Schulabgänger Bufdis haben will in ihrer Außenstelle, dann hätte sie gar nicht erst zum Bewerbungsgespräch einladen sollen. Beispiel 2: Eine klösterliche diakonische Einrichtung bietet eine BFD Stelle an die Tiepflege und Ordnung und Sauberkeit im hauseigenen Gästehaus garantieren soll. Auf Nachfrage stellt sich heraus: Kuhstallausmisten, Gästezimmer als Zimmermädchen betreuen und alle Gästehausbereiche als Putzhilfe reinigen. Gleich soll 450 Eurojobber soll der Bufdi ersetzen: Einen Stallburschen, ein Zimmermädchen und die Ptutzhilfe.

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