Zum Beitrag der Kirche im öffentlichen Diskurs und zu Herausforderungen in eigenen Handlungsfeldern
Digitalisierung gerecht gestalten

Von: Ralph Charbonnier
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»Digitalisierung« ist ein Schlagwort für alles und nichts geworden. Wer damit umgeht, sollte klären, wovon er spricht – das gilt auch für die kirchlichen Debatten um Digitalisierung. Ralph Charbonnier sieht in der technischen Voraussetzung dessen, was wir »Digitalisierung« nennen, vor allem eine Revolution sozialer Verhältnisse – und die sollte sozialethisch reflektiert werden.*


Was kennzeichnet Digitalisierung?

Einige Schlaglichter aus der digitalen Praxis

Menschen über 14 Jahre nutzen im Durchschnitt 3 Stunden und 16 Minuten das Internet, pro Tag. Junge Erwachsene zwischen 14 und 29 Jahren fast sechs Stunden!1 Drei Milliarden Menschen nutzen die sog. Social Media. Bildungsprozesse und familiärer Alltag verändern sich grundlegend. Mehr als jeder Zweite arbeitet an einem Internetarbeitsplatz. Einige Berufsbilder verschwinden, andere entstehen neu. Kein Bereich der Arbeitswelt im Landwirtschafts-, Produktions- und Dienstleistungssektor bleibt unverändert. Soziale Medien schaffen neue Öffentlichkeiten und verändern Kommunikationskulturen, sie machen einen Arabischen Frühling wie auch politische Manipulationen möglich. Das Internet bedeutet politischen Kontrollverlust, zugleich ermöglicht Big-Data Diktaturen Sozialkontrolle und das Lenken von Verhalten. Über sog. Künstliche Intelligenz (KI) werden Entscheidungen bei Finanztransaktionen, sog. autonomen Waffen und Fahrzeugen gesteuert. KI verändert soziale Ordnungen der Demokratie, der sozialen Sicherung, der Wirtschaft- und Finanzwelt, wie auch Formen moderner Kriegsführung und Mobilität. Roboter unterstützen bei der Pflege alter Menschen und gleichen körperliche Einschränkungen aus. Digitale Geräte schließen Menschen von gesellschaftlicher Teilhabe aus und inkludieren wiederum andere Menschen. Es finden sich Menschen zu Stundengebeten im digitalen Raum und zu digitalen Gemeinden zusammen. Kirchliche Bildung, Seelsorge und Diakonie sowie individuelle religiöse Kommunikation finden neue Formate im digitalen Raum. Kein Stein bleibt auf dem anderen.


Digitalisierung technologisch betrachtet

Digitaltechnologie basiert auf dem binären System von 0 und 1. Mit Hilfe dieses Zeichensystems können digitale Geräte Wirklichkeit sensorisch erfassen, in binäre Zeichen verwandeln, diese Zeichen mittels Algorithmen mit anderen Zeichen verbinden, logische Schlussfolgerungen ziehen und schließlich mittels dieser Datenverarbeitung Geräte und Maschinen ansteuern, die in unterschiedlichsten Kontexten wirksam werden. Das binäre System ermöglicht, alle physikalischen Größen, alle Alphabete, alle Zahlen, alle Texte und Bilder und Filme kulturinvariant, global, mobil, in Echtzeit miteinander zu verknüpfen. Der technologische Fortschritt führt zur Beschleunigung der Entwicklung: Eine höhere Rechengeschwindigkeit ermöglicht die Gewinnung, Verarbeitung und das Wirksamwerden von immer mehr Daten pro Zeiteinheit. Die vermehrte Produktion digitaler Geräte beschleunigt diese Entwicklung zusätzlich. Exponentielles Datenwachstum ist die Folge.


Digitalisierung sozialwissenschaftlich betrachtet

Digitalisierung beschreibt einen beschleunigten globalen Prozess der kontextuell, also technisch, ökonomisch, politisch, rechtlich, kulturell, sozial und religiös beeinflussten Entwicklung, Produktion und Anwendung digitaler Geräte. Kontexte und digitale Geräte bedingen sich gegenseitig und befinden sich in einem kontinuierlichen wechselseitigen Veränderungsprozess. Die schier unendlichen und weiter wachsenden Möglichkeiten der Gewinnung, Verarbeitung und des Wirksamwerdens von Daten bilden zwischen den Grenzwerten von Utopien und Dystopien den Möglichkeitsraum gesellschaftlicher Technologie- und Kontextgestaltung. Diesem Potential entspricht die politische, ökonomische, soziale, kulturelle und auch religiöse Macht.

Beides, Potential und Macht, rufen nach Ethik. Ethik zur Orientierung von Entscheidungen darüber, welche Möglichkeiten Wirklichkeit werden sollen. Und Ethik zur Verantwortung der Macht in Prozessen der Digitalisierung.


Gerechtigkeit als Orientierung in der digitalen Welt

Es gibt nicht die für Prozesse der Digitalisierung prädestinierte Ethik. Alle ethischen Ansätze von Tugend-, Pflichten- und Güterethiken über deontologische und teleologische Ethiken, Prinzipien- und Verantwortungsethiken bis hin zu Diskurs- und Verfahrensethiken erweisen ihre jeweilige Leistungsfähigkeit und ihre Grenzen bei spezifischen Fragestellungen und in spezifischen Kontexten der Entscheidungsfindung – auch in Fragen der Digitalisierung.

Vor dem Hintergrund dieses weiten Feldes der ethischen Ansätze soll im Folgenden danach gefragt werden, welche Bedeutung das Kriterium der Gerechtigkeit bei der Gestaltung der Digitalisierung einnehmen kann. Dabei führt es weiter, wenn unterschiedliche Formen von Gerechtigkeit unterschieden werden: Es geht um Verteilungsgerechtigkeit, z.B. bei Fragen der Existenzsicherung durch eine Solidargemeinschaft; es geht um Teilhabegerechtigkeit an sozialen, gesellschaftlichen Prozessen; es geht um Befähigungsgerechtigkeit, diese Teilhabe zu ermöglichen; es geht um Gerechtigkeit bei der Kommunikation in sozialen Zusammenhängen und es geht um die Voraussetzungen einer Ethik der Gerechtigkeit, um die Gerechtigkeit, die Gott gibt – in Prozessen der Digitalisierung. Dabei soll zumindest exemplarisch deutlich werden, welche Rolle der evangelischen Kirche mit ihrer Diakonie zukommen kann.


Leben braucht soziale Sicherung, auch in der digitalen Welt – Verteilungsgerechtigkeit

Gott hat den Menschen geschaffen. Nicht einfach so. Er soll leben. Er soll zu essen und zu trinken haben, er soll ein Zuhause haben, er soll sich kleiden können, er soll Hilfe erfahren, wenn er krank ist, er soll Gemeinschaft erfahren können. Diese Lebensgrundlagen nennt Jesus in seiner Rede vom Weltgericht (Mt. 25,31ff). Die Tatsache, dass er diese Lebensgrundlagen, diese Basic Needs, im Zusammenhang des letzten Gerichts erwähnt, zeigt: Beim Geben, bei der Sicherung dieser Lebensgrundlagen geht es um fundamentale, ja eschatologisch entscheidende Dinge. Das internationale Recht spricht in diesem Zusammenhang von Menschenrechten. Im Grundgesetz ist Menschenwürde der Bezugspunkt für die Lebensgrundlagen, deren Sicherung im Sozialrecht durchdekliniert wird. Es geht um Grundsicherung durch das Handeln des Staates oder durch solidarische Versicherungssysteme. Ethisch gesprochen geht es um Verteilungsgerechtigkeit. Solidarsysteme sollen Ressourcen verteilen, damit alle Menschen innerhalb des Geltungsbereichs dieser Systeme eine Grundlage zum Leben haben.

Es ist offensichtlich, dass digitale Technologie dazu beitragen kann, dass Grundbedürfnisse der Menschen erfüllt werden: Mit dem Mobiltelefon können Rettungskräfte schneller angefordert werden, die digitale Auswertung von MRT-Bildern liefert sicherere Befunde, digitale Apps machen Sharing Economy, also das Teilen von Konsumgütern, leichter möglich. Mit Skype können Großeltern ihrem Bedürfnis nach familiärer Kommunikation nachkommen und den Alltag ihrer Familienmitglieder auch über große Distanzen miterleben.


Wenn Ungleichheiten in der digitalen Welt wachsen

Daneben erkennen wir, dass Armutsrisiken durch digitale Technologie steigen. Einige Beispiele: In der Plattformökonomie bieten Menschen Dienstleistungen unter dem Mindestlohn an, vielfach können sie keine Beiträge zur Alterssicherung abführen, sie stehen in weltweiter Konkurrenz zu Menschen, die noch zu ganz anderen Preisen ihre Dienste anbieten können. Die Arbeitsbedingungen werden ausgeblendet. Discount-Mentalität findet sich nicht nur im lokalen Handel, sondern auch auf dem globalen Arbeitsmarkt. Digitale Technologie kennt keine Grenzen. Soziale Sicherungssysteme aber machen an der nationalen Grenze Halt.

Die Ungleichheiten wachsen in der digitalen Welt. Der Kapitalismus hat ein neues Kapital entdeckt: Daten. Sie sind zum Rohstoff geworden. Sie können global gesammelt und verarbeitet werden. In wenigen Jahren sind Konzerne entstanden, deren ökonomischer Wert immens ist. Der Aktienwert der Big Five des Internets (Apple, Google, Microsoft, Amazon, Facebook) beträgt drei Billionen Euro. Spitzengehälter in dieser Branche sind unermesslich. Die Differenzen zwischen Einkommen der IT-Branche und dem sozialen Bereich sind Legende. Hinzu kommt: Ökonomische Macht ist politische Macht. Wer Daten hat, kann Informationen lenken – Informationen, die wahlentscheidend sein können, wie wir spätestens seit der Präsidentschaftswahl in den USA wissen. Mit der Macht der Daten können Lebensschicksale der weniger Mächtigen entschieden werden: Wer einen Kredit erhält, wie hoch die Versicherungsprämie ausfällt, warum man nach einer Bewerbung eine Arbeitsstelle nicht erhält, entscheiden Unternehmen mittels Daten und Algorithmen. Diese Funktionsweisen der Algorithmen sind dabei nur der einen Seite bekannt.

Wir sehen: Bei wachsender Ungleichheit hinsichtlich der Macht über Vermögen und Daten werden Grundpfeiler unserer Gesellschaft gefährdet: die Balance von Arbeitnehmern und Arbeitgebern in der Sozialen Marktwirtschaft, die freie Persönlichkeitsentwicklung in unserer Demokratie und die Selbstbestimmung als zentrales Element unseres gesellschaftlichen Ethos.


Verteilungsgerechtigkeit in der digitalen Welt – was können wir als Kirche und Diakonie ausrichten?

Wie bei vielen Herausforderungen der Kirchen- und Diakoniepolitik der Vergangenheit auch, wird es um eine Doppelstrategie gehen: bei Armut, Krankheit, Exklusion ganz konkret helfen. In der digitalen Welt auch mit Mitteln digitaler Technologie: Fair-Kaufhaus digital, digitale Nachbarschaftshilfe, digitale Organisation von Pflegediensten und Krankenhäusern, digitale Beratung und Seelsorge, digitale Gemeinschaftsformen – immer im Bewusstsein, dass diese digitalen Formen analoge Formen nicht ablösen, sondern ergänzen. Kirche für und Kirche mit Anderen. Kirche im Sozialraum. Kirche auch im digitalen Sozialraum. Und: Als Kirche und Diakonie öffentlich eintreten für eine an Gerechtigkeit orientierte Gestaltung der Digitalisierung. In unseren Kontakten zur Wirtschaft über Ethik in der Digitalisierung ins Gespräch kommen, wenn es um eine Ethik der Datenerhebung, um eine Ethik der Algorithmen2 und um eine Professionsethik der Algorithmikerinnen und Algorithmiker3 geht. In bildungspolitischen Debatten ethische Aspekte der digitalen Bildung ansprechen.4 In der Sozialpolitik auch die Phänomene der digitalen Arbeitswelt kennen.5


Leben heißt, beteiligt zu sein, auch am digitalen Leben – Beteiligungsgerechtigkeit

Unsere Schöpfung ist ein großes Beziehungsgeschehen. Als Menschen leben wir in Beziehung zueinander, zu uns selbst, zu Tieren, Pflanzen und der unbelebten Natur, zur Kultur, in der Beziehung Gottes zu uns und in unserer Beziehung zu Gott. Wir sind beteiligt. Wir sollen teilnehmen und teilgeben. Das ist Leben. Beteiligungsgerechtigkeit ist das Maß für die Qualität dieses Beziehungsgeschehens. Wo wir lebendige Beziehungen aufgeben oder diese uns vorenthalten werden, leiden wir und andere. Die Schöpfungserzählungen (Gen. 1-3; Ps. 104) und das Dreifachgebot der Liebe (Dtn. 6,5; Lev. 19,18; Mt. 22,37-39), also Kernstücke unseres Glaubens, zeugen davon. Was bedeutet das in Zeiten der Digitalisierung?


Teilnehmen

Zunächst das Teilnehmen: Es ist öffentliche Aufgabe, die Infrastruktur für die Sicherung der Lebensgrundlagen bereitzustellen: Wasser-, Strom- und Gasversorgung, Straßen- und Schienennetze, Bildungs-, Gesundheits-, Sozial- und Mediensysteme. Infrastruktur ist die Bedingung der Möglichkeit aller weiteren Entfaltungsmöglichkeiten menschlichen Lebens. Es gilt als gerecht, wenn alle Menschen Anteil an dieser Infrastruktur haben. Deswegen protestieren wir als Diakonie, wenn Menschen der Strom abgestellt oder eine notwendige medizinische Behandlung verweigert wird. Digitale Technologie wird erst seit jüngster Zeit als öffentliche Infrastruktur erkannt. Bislang galt digitale Technologie als »nice to have«. Wenn man aber den Bürgerbus per App bestellen muss, wenn die Lebensmittelversorgung nur durch einen Digital-Shop gesichert ist, wenn Schulen von Schülerinnen und Schülern Internet-Recherchen verlangen, wenn Bildungseinrichtungen zunehmend E-Learning-Kurse anbieten, ärztliche Leistungen per Telemedizin erfolgen, Sozialleistungen über Onlineportale beantragt werden und die Informationsbeschaffung weitgehend durch das Internet erfolgt, dann braucht es eine gerechte Digitalinfrastruktur.6

Maßnahmen wie der Breitbandausbau und das Mobilfunknetz nach einem jeweils aktuellen Standard werden damit zu Fragen der Gerechtigkeit: Menschen im ländlichen Raum sollen dieselben Möglichkeiten der Teilhabe an der Gesellschaft haben wie im städtischen Raum. Solche vermeintlich technischen Forderungen werden angesichts der Bedeutung für das tägliche Leben zu diakonischen Forderungen – deren Umsetzung im Übrigen mit der Formulierung der »Einheitlichkeit der Lebensverhältnisse« im Bundesgebiet im Grundgesetz verankert ist (GG 72 (3)). Wie steht es damit in ländlichen Räumen? Die Herausforderungen an staatliche Stellen, diesen Ansprüchen gerecht zu werden, sind enorm. Auf manchen Feldern kann Kirche am Aufbau solcher Infrastrukturen kleine aber wichtige Beiträge bringen. So hat beispielsweise eine Projektgruppe der Evang. Kirche von Kurhessen-Waldeck mit dem Projekt unser-dorf-mooc.de (MOOC = Massive Open Online Course) eine Kommunikationsinfrastruktur aufgebaut, um das Leben im ländlichen Raum zu verbessern. Beteiligungsgerechtigkeit als Orientierung für Diakonie und für digitale Entwicklung.


Teilgeben

Ebenso wichtig wie das Teilnehmenkönnen ist das Teilgebenkönnen: Wir sind von Gott beauftragt, unsere Welt mitzugestalten. Es ist unser Beruf, unsere Berufung, unser Gottesdienst. Wir sind Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Gottes bei der kontinuierlichen Schöpfung der Wirklichkeit. Wirksamkeit ist unser Auftrag. Das Gleichnis von den anvertrauten Talenten illustriert dies (Mt. 25,14-30 parr.). Digitale Technologie kann diesem Auftrag neue Instrumente in die Hand geben. Wir können – auch als Kirche – Apps entwickeln und unsere Diakonie organisieren, Inklusion fördern, selbstbestimmtes Leben erleichtern.7

Zugleich kann Digitalisierung das Teilgebenkönnen fundamental einschränken. Konkret: Mit der Digitalisierung steigt das Risiko für manche Menschen, ihren Arbeitsplatz zu verlieren. Alles, was regelgeleitet geschieht, kann grundsätzlich digital automatisiert werden. Dazu gehören auch Tätigkeiten der bürgerlichen Mitte – z.B. Bürotätigkeiten im Bereich von Banken und Versicherungen. Szenarien werden entworfen. Die Prognosen der Fachleute weichen stark voneinander ab.8 Wir wissen noch nicht, wohin die Reise geht. Deswegen ist Unsicherheit das, was heute schon erfahren wird.

Für uns als Kirche legt sich wiederum eine Doppelstrategie nahe: den Ausbau der digitalen Infrastruktur aus Gründen der Beteiligungsgerechtigkeit fordern, diese Infrastruktur als Kirche und Diakonie verantwortlich nutzen. Und: Den digitalen Wandel des Arbeitsmarktes sozialpolitisch und ethisch9 sowie die Menschen seelsorglich begleiten – wichtige Felder für den Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt (KDA), kirchliche Verbände wie den Evang. Verband Kirche-Wirtschaft-Arbeitswelt (KWA), und den Arbeitskreis Evang. Unternehmer in Deutschland (AEU) sowie hinsichtlich der Seelsorge für jede Kirchengemeinde.


Leben heißt, fähig zu sein, teilzunehmen, auch am digitalen Leben – Befähigungsgerechtigkeit

Damit Menschen an der digitalen Welt teilnehmen können, bedarf es nicht nur der Sicherung der Existenzgrundlagen und der Beteiligungsmöglichkeit an der Infrastruktur. Jede und jeder Einzelne muss auch fähig sein, diese Möglichkeiten zu nutzen. Es geht um Befähigungsgerechtigkeit.10 Dabei geht es einerseits um Verfügungswissen und Fertigkeiten eher technischer Art – man muss digitale Werkzeuge, Programme, Apps etc. sachgemäß anwenden können. Andererseits geht es darum, dass Fertigkeiten ethisch verantwortlich ausgeübt werden, es geht um die Anwendung von ethischem Orientierungswissen auf die digitale Technologie.11

Die Fertigkeit, mit digitalen Medien umzugehen, bilden Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, die mit dieser Technologie aufgewachsen sind, oft durch einen spielerischen Umgang mit dieser Technologie aus. Ältere Menschen müssen den Umgang erlernen. In den Bereichen der Schul- und Hochschulausbildung wie der Fort- und Weiterbildung wäre es zu kurz gegriffen, wenn sich Digitalstrategien der Bildungspolitik in der Bereitstellung von Endgeräten und in der Steigerung der Ausbildung von Fertigkeiten erschöpften. Auch kritische Datenanalyse, ethische Prinzipien der Kommunikation und Umweltauswirkungen digitaler Technologien gehören in den Lehr­plan.12 Bei einer Befähigung für ein verantwortliches Umgehen mit digitalen Medien muss es darum gehen, ethisches Orientierungswissen mit den Möglichkeiten der Technologie zu verknüpfen.13


Orientierungswissen am Beispiel des Smartphones

Am Beispiel des Smartphones sei die Bedeutung des Orientierungswissens über eine solche digitale Technologie kurz skizziert: Ein Smartphone ist sensibel für alles, was messbar und zählbar ist. Was ein Smartphone nicht wahrnehmen kann, bleibt ausgeblendet. Ein Smartphone schafft damit Wirklichkeiten. Wir gehen mit dem Messbaren und Zählbaren um und verlieren alles andere aus dem Auge und aus dem Sinn. »Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!« heißt es dagegen im Johannesevangelium (Joh. 20,29). Selig sind, die auch das für wirksam halten, was nicht mess- und zählbar ist – Glaube gehört unzweifelhaft dazu.

Ein Smartphone schaltet die Sensoren an der Wohnungstür, auch an der Schlafzimmertür nicht aus. Die Grenzen von Öffentlichkeit, Privatsphäre und Intimsphäre werden unterlaufen. Welche ethischen und seelsorglichen Fragen stellen sich? Der Theologe Friedrich Schleiermacher skizzierte das vielsprechende Bild von der »embryonische(n) … Gedankenentwikkelung«14. Was damit angesprochen ist: Das »Probedenken« politischer Argumentationen, das Zugeben und Bereuen von Schwächen, Fehlern und Versagen, das zaghafte Äußern von Hoffnung brauchen den Schutzraum des Privaten. Was ist, wenn uns dieser Raum genommen wird, genauer: wenn wir diesen Raum für Blicke von außen freigeben? Das Gleichnis vom vierfachen Acker könnte Hinweise geben. Es spricht von einem Samen, der nicht aufgeht, wenn er nicht auf fruchtbaren Boden fällt und dort in seiner »embryonischen Entwicklung« geschützt wird (Mt. 13,1-9).


Digitale Geräte sind nicht »neutral«

Zum Orientierungswissen gehört auch zu sehen, dass digitale Medien nicht neutrale Geräte sind. Mit ihnen verändern sich unsere Tagesabläufe, das Verhältnis von Berufs- und Familienleben, unser Kommunikationsverhalten. Veränderung als solche ist nicht problematisch. Nur: Lassen wir uns verändern oder bestimmen wir selbst, wie sich unser Alltagsleben durch digitale Medien verändern soll? Wir haben in den biblischen Schriften manche Erzählungen, die uns bei den Wahrnehmungen wichtiger Phänomene bei der Nutzung digitaler Medien helfen können – z.B. wenn es bei digitalen Medien um die Ambivalenz von Erreichbarkeit und Rückzug geht oder wenn eine intensive Nutzung digitaler Medien zu einer deutlichen Reduktion leiblicher Wahrnehmung und Aktivität führt: Jesus ließ sich erreichen, auch von denen, die nicht so leicht an ihn herankamen wie Zachäus (Lk. 19,1-10) und er entzog sich, wenn er mit Gott allein sein wollte, z.B. in Gethsemane (Lk. 22,39-46). Das AT schildert in vielen Zusammenhängen die Fülle der leib-seelischen Existenz des Menschen,15 auch ntl. Schriften weisen auf den immerwährenden Zusammenhang von Körper und Geist hin (z.B. 1. Kor. 6,19ff). Dieses Wissen, diese Erfahrungen gilt es in der digitalen Welt zu konkretisieren.


Digitale Bildung gestalten

Diese Beispiele machen deutlich: Als Kirche haben wir die Aufgabe, in der Bildungspolitik die Bedeutung von Orientierungswissen im Zusammenhang mit dem digitalen Verfügungswissen deutlich zu machen. Als evangelische Kirche sind wir aber auch selbst Akteure im Bildungsbereich – weil uns Befähigungsgerechtigkeit wichtig ist. In der digitalen Welt ergeben sich neue Aufgaben:16 Zum einen können wir in Kirchengemeinden und Bildungsstätten Menschen Fertigkeiten im Umgang mit digitalen Medien vermitteln. Vor allem aber können wir Menschen befähigen, selbstbewusst und verantwortlich mit diesen Medien umzugehen. Mit einem solchen doppelten Ansatz können wir auch dazu beitragen, dass die Polarisierung zwischen den digital Geübten und den digital Ungeübten abgebaut wird – auch in unserer Kirche. Digital Ungeübte sind oftmals skeptisch und werfen den digital Begeisterten Unbedachtheit vor. Digital Geübte oder gar Begeisterte lassen sich leicht von den technischen Möglichkeiten leiten und sehen immer wieder ethische Kritik als Einschränkung ihrer Möglichkeiten. Die Dinge müssen zusammen gesehen werden: Ethische Kritik ohne digitale Fertigkeit ist leer, digitale Fertigkeit ohne Ethik ist blind.

In unserer Kirche haben wir viele Gelegenheiten, dies zu thematisieren. Ich denke hier an den Konfirmandenunterricht, an Jugendgruppenleiterkurse, an Veranstaltungen in Familien- und Erwachsenenbildungsstätten, an die Aus-, Fort- und Weiterbildung von Erzieherinnen und Erziehern, Lehrerinnen und Lehrern, auch an Veranstaltungen für Kirchenvorsteherinnen und Kirchenvorsteher.17 Intergenerationelle Lernprojekte bieten sich hier an.

Zugleich tragen wir Verantwortung dafür, dass ethische Aspekte bei der Entwicklung digitaler Technologie und bei der Anwendung dieser Technologie in Industrie, im öffentlichen Bereich und in der Zivilgesellschaft thematisiert werden. Hier sind die Evang. Akademien gefragt, die Evang. Studierendengemeinden, der Kirchliche Dienst in der Arbeitswelt und auf EKD-Ebene auch der Rat mit seinen Kammern.


Leben heißt, achtungsvoll miteinander umzugehen – Kommunikationsgerechtigkeit

Digitalisierung verändert in fundamentaler Weise Kommunikation. Die Autoren des Jakobusbriefes wussten von der Macht der Kommunikation und sie schreiben, als kennten sie unsere digitale Welt: »Die Zunge ist ein kleines Glied und richtet große Dinge an. Siehe, ein kleines Feuer, welch einen Wald zündet’s an! Auch die Zunge ist ein Feuer, eine Welt voll Ungerechtigkeit. So ist die Zunge unter unsern Gliedern: sie befleckt den ganzen Leib und zündet die ganze Welt an und ist selbst von der Hölle entzündet.« (Jak. 3,5f). Jakobus empfiehlt: »Wenn wir den Pferden den Zaum ins Maul legen, damit sie uns gehorchen, so lenken wir ihren ganzen Leib.« (Jak. 3,3).

Wie kann dies gelingen in einer digitalen Welt, in der sich kein Mensch – zu Recht – Zaumzeug in den Mund legen lässt? Martin Luther setzt auf Bildung. Er formuliert in seinem Großen Katechismus: »Gott will, dass das Ansehen, der Ruf und die gesellschaftliche Stellung des Mitmenschen ihm so wenig genommen oder geschädigt werden sollen wie Geld oder Besitz, damit jeder vor seinem Ehepartner, Kind, Mitarbeiter oder Nachbarn als ehrenhaft dastehe.«18 Seine Auslegung des achten Gebotes kann man als eine kleine Ethik der Kommunikation lesen. Es geht ihm darum, das nicht autorisierte Bewerten und Richten, Lüge, Kränkung, üble Nachrede, Verleumdung, Falschaussage, Gerüchte-Verbreiten einzudämmen. Er geht sogar über das Vermeiden von Missachtung hinaus. Ihm geht es darum, Achtung zu verstärken: »Wir sollen auch untereinander, was an unseren Mitmenschen unehrenvoll und unvollkommen ist, schmücken und mit allem, was uns zur Verfügung steht, zu ihrer Ehre dienen, helfen und förderlich sein und wiederum abwehren, was ihnen zur Unehre gereichen könnte.«19 Was hieße es, diesen Hinweisen in der digitalen Welt zu folgen?

Als Kirche verstehen wir viel von Kommunikation: Wir haben ein Ethos der mündlichen Rede ausgebildet. Wir haben gelernt, mit Flugschriften und Büchern umzugehen. Auch zu den Massenmedien des 20. Jh. haben wir unsere Haltung ausgebildet. Jetzt geht es darum, zu verantwortlicher digitaler Kommunikation zu befähigen. Wer die Hassmails und polarisierenden Twitteräußerungen – auch im Feld von Kirche und Diakonie20 – wahrnimmt, weiß, wie groß die Aufgabe ist. Aber: Wir haben auf diesem Feld viel Knowhow. Wir sind Expertinnen und Experten der Schriftauslegung. In den Kirchengemeinden haben wir viel Erfahrung in Gruppendynamiken. Viele sind seelsorglich geschult. Mitarbeitende der Öffentlichkeitsarbeit kennen sich in den Regeln öffentlicher und medialer Kommunikation aus. Wir können viel tun für eine Ethik der Kommunikation, für eine Befähigungsgerechtigkeit auf diesem Feld.


Leben heißt, das Evangelium auch in der digitalen Welt zu erfahren – Gottesgerechtigkeit

Was hat die Welt von Facebook, Twitter, Instagram, Skype und Mails, Alexa und Siri, Apps und Homepages, Big-Data, lernenden Algorithmen und Künstlicher Intelligenz mit Gottes Wort, das uns gerecht spricht, zu tun?


Digitalisierung enttarnen

Zum einen: Es geht darum, Digitalisierung zu enttarnen, wo die Datenwelt als Gott, Dataismus als Religion und Digitalisierung als Erlösungsprozess erscheinen.21 Yuval Harari ist wohl der bekannteste Vertreter einer solchen Utopie. Der Titel seines Bestsellers »Homo Deus« ist Programm – wobei in seinem Werk in meinen Augen unklar bleibt, ob er diese Ausführungen als Utopie ansieht oder doch eher als Apokalypse. Wie auch immer: Einer solchen These muss man sowohl mit Sachanalyse als auch mit Theologie entgegentreten. Gegenüber der These, mit Digitalisierung ließen sich Krankheit, Krieg und der Tod überwinden, fehlt jede Plausibilisierung. Und wer meint, das Sammeln von unzähligen Daten führe zu Allmacht, Allwissenheit und Allgegenwart im Sinne der Eigenschaften Gottes, der hat genau diese nicht verstanden: Gottes Allmacht, Allwissenheit und Allgegenwart sind Prädikate der Liebe, weil Gott die Liebe ist (1. Joh. 4,16b). Wo sich Menschen anschicken, Allmacht, Allwissenheit und Allgegenwart zu erreichen, kann es nur um die Diktatur einiger Weniger und um Fremdbestimmung Vieler gehen. Das hat uns die Geschichte gelehrt: Wer Weltliches zum Heil erklärt, legt die Wurzel zum Unheil. Daraus schließe ich: Wir müssen von Gott reden, damit die zu Göttern erhobenen Bilder als Götzen enttarnt werden.


Mensch und Maschine – der bleibende Unterschied

Zum zweiten: Wo Maschinen als Menschen beschrieben werden – mit Intelligenz, mit der Fähigkeit zu lernen, mit Autonomie und Entscheidungsfähigkeit – da werden Maschinen zu groß und Menschen zu klein gedacht. Menschen sind Menschen, weil sie in einer dialogischen Gottesbeziehung stehen, weil Gott sie als Personen achtet, ihnen Überzeugungen, Glauben schenkt und sie auffordert, aus Glauben zu leben. Menschliche Intelligenz ist mehr als rechnen können, Lernen bedeutet mehr als Wissen aufhäufen, Entscheiden heißt mehr als logische Schlussfolgerungen ziehen. Personale Intelligenz schließt das ethische Werten mit ein. Menschliches Lernen bedeutet Erfahrungen machen, diese Erfahrungen im Licht des Gesollten sehen und aus diesen Erfahrungen Neues entwickeln. Autonom entscheiden, heißt für den Menschen, frei, ohne an Vergangenheit oder Prognosen gebunden zu sein, aber im Vertrauen auf Gott und im Blick auf Verheißungen einen bestimmten Weg einzuschlagen. Das bedeutet: Wir müssen – um Gottes und des Menschen Willen – die Sprache der digitalen Welt kritisieren und ihren sachgerechten Gebrauch pflegen. Sonst machen wir uns zu Maschinen und die Maschinen werden darüber zu neuen Menschen.


Digitaler Gottes-Dienst

Zum dritten – wenn Digitales als Kulturphänomen erkannt ist und wenn Gott und Mensch unterschieden werden, geht es ganz konventionell und praktisch um die Frage: Wie kann die Kommunikation des Evangeliums in den Handlungsfeldern unserer Kirche auch digital erfolgen?22 Also geht es um Gottesdienst: Wie können wir Erfahrungen, Gebetsanliegen, Ideen digital in den Gottesdienst eintragen? Wie können wir wertvolle, anrührende Erfahrungen digital nach außen kommunizieren, im Netz teilen? Wie können wir im Netz digitale Gottesdienste feiern? Wie kann die Trauer- und Bestattungskultur medial vielfältiger werden?23 Wie ist Chatseelsorge medienadäquat und datensicher möglich? Wie lassen sich analoge und digitale Beratung und Seelsorge verbinden – insbesondere bei Menschen, die die Schwelle des Pfarrhauses oder der Beratungsstelle meiden? Wie lassen sich Tagzeitengebete und Gebetsgemeinschaften im Digitalen gestalten? Wie können analoge und digitale Bildungsformate kombiniert werden – mit Jugendlichen und Erwachsenen, mit Menschen in Stadt und Land, auch wenn sie noch nicht oder nicht mehr mobil sind. Wie können Menschen durch digitale Diakonie Unterstützung erfahren – indem das digitale Netz als Hilfenetz dient? Wie kann das Interesse an den Menschen in der Ästhetik und Gestaltung der Öffentlichkeitsarbeit auch in digitalen Medien Gestalt gewinnen? Welchen Gemeinschaftscharakter und welchen Gemeindecharakter haben online-Gemeinden, welche Strukturen haben sie und wie sind sie mit konventionellen Strukturen der Institution Kirche verbunden? Sowohl die digitale Praxis religiöser Kommunikation wie auch ein Blick in die Kommunikation der Christinnen und Christen in der Kirchengeschichte zeigen: Gottes Gerechtigkeit sucht sich viele Wege. Der Schluss liegt nahe: Warum nicht auch digitale?


Ausblick

Welchen Beitrag kann die Kirche im digitalen Wandel der Gesellschaft wie auch im Wandel der Kultur der religiösen Kommunikation im Sinne einer verantwortlichen Gestaltung dieser Transformationsprozesse leisten? Sie kann auf Gerechtigkeit in dem Prozess der Digitalisierung hinweisen. Dabei geht es um Anerkennung der nötigsten Güter als Basis des Lebens und seiner Entfaltung. Es geht um Anerkennung des Teilnehmen-Könnens und des Teilgeben-Könnens, um Anerkennung durch Beteiligung. Es geht um die Anerkennung, Fähigkeiten ausbilden zu können. Es geht um Anerkennung der Ehre einer Person in der Kommunikation. Und es geht – ganz zentral – um die unbedingte Anerkennung eines Menschen durch Gott, auch im digitalen Raum. Als Kirche sind wir ganz bei unserer Sache, wenn wir diese Anerkennungsformen üben. Weiterhin analog – aber auch digital.


Anmerkungen:

* Diesem Beitrag liegt das Manuskript eines Vortrages zu Grunde, der am 27.11.2018 vor der Synode der Evang. Kirche von Kurhessen-Waldeck in Hofgeismar gehalten wurde. Der Vortragsstil wurde weitgehend beibehalten.

1 Vgl. Beate Frees/Wolfgang Koch: ARD/ZDF-Onlinestudie 2018: Zuwachs bei medialer Internetnutzung und Kommunikation, in: Media Perspektiven 9/2018, 404 (Download: http://www.ard-zdf-onlinestudie.de/).

2 Vgl. Matthias Rath/Friedrich Krotz/Matthias Karmasin (Hg.), Maschinenethik. Normative Grenzen autonomer Systeme, Wiesbaden 2019; Catrin Misselhorn, Grundfragen der Maschinenethik, Stuttgart 2018.

3 Vgl. Bertelsmann Stiftung (Hg.), Ethik für Algorithmiker. Was wir von erfolgreichen Professionsethiken lernen können, Gütersloh 2018, Download: https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/publikationen/publikation/did/5905/.

4 Vgl. Ralph Charbonnier, Digitalisierung: Theologische Selbstklärungen und Gegenwartsinterpretationen. Eine Skizze, in: Zeitschrift für Pädagogik und Theologie 2018; 70 (3), 238-250.

5 Kerstin Jürgens/Reiner Hoffmann/Christina Schildmann (Hg.), Arbeit transformieren! Denkanstöße der Kommission »Arbeit der Zukunft«, Bielefeld 2017, Download: https://www.boeckler.de/pdf/p_forschung_hbs_189.pdf.

6 Vgl. N. Zillien: Digitale Ungleichheit. Neue Technologien und alte Ungleichheiten in der Informations- und Wissensgesellschaft, Heidelberg 2009.

7 Vgl. Tim Hagemann (Hg.), Gestaltung des Sozial- und Gesundheitswesens im Zeitalter von Digitalisierung und technischer Assistenz, Baden-Baden 2017; Melissa Henne, Technik, die begeistert!? Ethische Reflexion technischer Unterstützung in der Diakonie ausgehend vom Capabilities Approach nach Martha Nussbaum, Baden-Baden 2019.

8 Hierfür exemplarisch: C.B. Frey/M. Osborne: The Future of Employment: How Susceptible are Jobs to Computerisation? Discussion paper, University of Oxford 2013; K. Dengler/B. Matthes: Folgen der Digitalisierung für die Arbeitswelt. Substituierbarkeit von Berufen in Deutschland, IAB-Forschungsbericht 11/2015, Nürnberg 2015.

9 Vgl. Roland Pelikan/Johannes Rehm (Hg.), Arbeit im Alltag 4.0 – Wie Digitalisierung ethisch zu lernen ist. Beiträge aus betrieblicher, arbeitsmarktpolitischer und theologischer Sicht, Berlin 2018.

10 Vgl. Rat der EKD (Hg.), Gerechte Teilhabe. Befähigung zu Eigenverantwortung und Solidarität, Denkschrift, Gütersloh 2006, insbes. 43-35; Peter Dabrock, Befähigungsgerechtigkeit. Ein Grundkonzept konkreter Ethik in fundamentaltheologischer Perspektive, Gütersloh 2012.

11 Die Unterscheidung zwischen Orientierungs- und Verfügungswissen geht auf Jürgen Mittelstraß zurück (vgl. Ders., Bildung und ethische Maße, in: N. Kilius/J. Kluge/L. Reisch (Hg.): Die Zukunft der Bildung, Frankfurt/M. 2002, 151-170). In der evangelischen Tradition findet sie sich der Sache nach schon bei F.D.E. Schleiermacher, der in seiner Erziehungslehre zwischen der Bildung von Gesinnung und Fertigkeiten unterscheidet (vgl. Ders., Erziehungslehre (1826), in: Sämtliche Werke, Dritte Abteilung, 7. Band, Berlin 1849).

12 Vgl. Sekretariat der Kultusministerkonferenz (Hg.), Bildung in der digitalen Welt. Strategie der Kultusministerkonferenz, Berlin 2017, Download: https://www.kmk.org/themen/bildung-in-der-digitalen-welt/strategie-bildung-in-der-digitalen-welt.html.

13 Dass Jugendliche und junge Erwachsene zunehmend den Bedarf für eine ethische Reflexion der digitalen Medien sehen, zeigt die Studie: Deutsches Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet (Hg.), Euphorie war gestern. Die »Generation Internet« zwischen Glück und Abhängigkeit, Hamburg 2018, Download: https://www.divsi.de/wp-content/uploads/2018/11/DIVSI-U25-Studie-euphorie.pdf.

14 Friedrich D.E. Schleiermacher, Die christliche Sitte nach den Grundsätzen der evangelischen Kirche im Zusammenhange dargestellt, in: SW I/ 12. Band, hg. von L. Jonas Berlin 21884, 194.

15 Vgl. Hans Walter Wolff, Anthropologie des Alten Testaments, München 31977.

16 Vgl. Ralph Charbonnier, Digitalisierung: Theologische Selbstklärungen und Gegenwartsinterpretationen. Eine Skizze, in: Zeitschrift für Pädagogik und Theologie, Bd. 70, Heft 3, 2018; Ilona Nord/Hanna Zipernovszky (Hg.), Religionspädagogik in einer mediatisierten Welt, Stuttgart 2017.

17 Vgl. Religionspädagogisches Institut Loccum (Hg.), Herausforderung Digitalisierung, in: Loccumer Pelikan Ausgabe 1/2019.

18 VELKD (Hg.), Unser Glaube. Die Bekenntnisschriften der evangelisch-lutherischen Kirche, Gütersloh 2013, 561.

19 A.a.O., 567.

20 Vgl. Annika Lukas/Ellen Radtke/Claudia Schulz (Hg.), Verhasste Vielfalt. Eine Analyse von Hate Speech im Raum von Kirche und Diakonie mit Kommentierungen, Hannover 2017.

21 Vgl. Yuval Noah Harari, Homo Deus. Eine Geschichte von Morgen, München 112017, insbes. 497ff. Kritisch hierzu: Volker Jung, Digital Mensch bleiben, München 2018, insbes. 29-44.

22 Vgl. die umfassende Studie von Kristin Merle, Religion in der Öffentlichkeit. Digitalisierung als Herausforderung für kirchliche Kommunikationskulturen, Berlin/Boston 2019. Merle beschreibt darin Merkmale digitaler Öffentlichkeiten und digitaler Kommunikation, stellt diese in die Kontexte bisheriger Modelle von Öffentlichkeit und Kommunikation, um Charakteristika religiöser Kommunikation im digitalen Raum zu erheben und Schlüsse für eine der Gegenwart angemessene Kirchentheorie zu ziehen. Zu Initiativen und Debatten zur Digitalisierung in der evangelischen Kirche vgl. https://www.ekd.de/kirche-und-digitalisierung-33392.htm.

23 Vgl. Thomas Klie/Ilona Nord (Hg.), Tod und Trauer. Mediale Kommunikationen in der Bestattungskultur, Stuttgart 2016.

 

Über die Autorin / den Autor:

OKR Dr. theol. Dipl.-Ing. Ralph Charbonnier, Jahrgang 1962, Studium der Maschinenbau-Ingenieurwissenschaften an der TU Braunschweig, Studium der Evang. Theologie und der Philosophie an der Universität Marburg, Dissertation zu »Technik und Theologie« (2003), Pastor, Theol. Studienleiter am Zentrum für Gesundheitsethik an der Evang. Akademie Loccum, Hannover, Superintendent im Kirchenkreis Burgdorf/Hannover, Leiter des Referates für sozial- und gesellschaftspolitische Fragen des Kirchenamtes der EKD, Geschäftsführer der Kammer für soziale Ordnung des Rates der EKD.

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft: 7/2019

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