Brief aus der Bundeshauptstadt

Von: Siegfried Sunnus
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Es gibt immer wieder etwas Neues für den Briefschreiber in Berlin. So blieb ich neulich beim »Zappen« in einer Fernsehsendung mit Karsten Schwanke beim Archäologischen Institut Berlin hängen. Ich wusste gar nicht, dass es das gibt und welche Geschichte es schon hinter sich hat! Es stammt aus dem Jahr 1829, entstanden in Rom, also vor 190 Jahre gegründet!

Das Internet ist eine feine Erfindung und wer die Seiten anklickt, erhält eine Menge Informationen. Ich habe einiges notiert. Das Deutsche Archäologische Institut (DAI) ist eine international tätige Forschungseinrichtung, die 1829 als »Istituto di corrispontenza archeologica« gegründet wurde, sehr gefördert von den Hohenzollern, Kronprinz Friedrich Wilhelm IV. war führend.

Das Logo des DAI war und ist der Hyperboräische Greif. Er symbolisiert die Nordvölker der kalten Winde und stellt die Verbindung zu der Römisch-Hyperboräischen Gesellschaft dar, die sich um die anwachsende Kenntnis von den Altertümern kümmerte. Seit 1833 hat sie ihren Hauptsitz in Berlin und ist seit 1874 als Forschungseinrichtung des Auswärtigen Amtes direkt nachgeordnet. Es ist die weltweit führende Forschungsinstitution im Bereich der Archäologie und Altertumswissenschaften. Neben drei Kommissionen in Deutschland (Bonn, Frankfurt/M., München) gibt es Abteilungen in Rom, Athen, Madrid, Istanbul und Kairo. Es ist außerdem mit Außenstellen in Bagdad, Teheran, Sanaa, Damaskus und seit 2010 in Peking sowie mit Forschungsstellen in Amman, Jerusalem, Lissabon, Madrid und Ulan Bator weltweit präsent.

Das DAI hat 350-400 Mitarbeitende, um die 70-100 werden durch Drittmittel finanziert. Ungefähr 200 Studierende und Nachwuchswissenschaftler nehmen darüber hinaus jährlich an den Grabungen des DAI teil. Der Haushalt wird im Einzelplan 05 des Auswärtigen Amtes geführt und jährlich im Rahmen des Bundeshaushalts verabschiedet. Der Gesamtetat liegt bei ca. 30 Mio. Euro, davon entfallen 6 Mio. Euro auf den Forschungsetat. Die Drittmittel entsprechen im Schnitt der Höhe des Forschungsetats.

Besonders eindrucksvoll schilderte der eingangs erwähnte Film die Arbeiten im zerstörten Irak. Ein Syrer, der gut Deutsch spricht, erläuterte die Aufgabe der Wiederherstellung, und konnte auf Irakisch den heimischen Archäologen präzise die nötigen Schritte erklären. Er äußerte sich zuversichtlich, mit solcher Arbeit auch einmal in Syrien beginnen zu können. Das stimmte hoffnungsvoll angesichts der bedrückenden Nachrichten.

Der Sitz des Präsidenten ist seit 1957 das Theodor-Wiegand-Haus in Dahlem. Das Gebäude wurde 1911/12 vom Architekten Peter Behrens für den Archäologen und Museumsdirektor erbaut und eingerichtet. Er war seit 1911 Direktor der Berliner Antikensammlungen und von 1932 bis 1936 Präsident des DAI. Das monumentale Bauwerk ist im neoklassischen Baustil errichtet. In Ornamentik und Gestaltung finden sich Elemente der Behrens’schen Industriearchitektur und Referenzen an die klassische Antike und die Türkei – vermutlich aus dem Einfluss seines Bewohners. Ein wirklich stimmiger Dienstsitz!

Siegfried Sunnus

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft: 8/2019

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