Zum »ärgerlichen« Alterswerk des Theologen und Schriftstellers Joseph Wittig (1879-1949)
»Christlicher Atheismus« aus Schlesien

Von: Andreas Rössler
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Der schlesische katholische Theologe, Kirchengeschichtsprofessor und Schriftsteller Joseph Wittig (1879-1949) ist fast vergessen – ganz zu Unrecht, wie Andreas Rössler findet. 2019 sind die Eckdaten seines Lebens ein Anlass, neu auf ihn aufmerksam zu machen. Geboren ist er vor 140 Jahren, am 22. Januar 1879, in Schlegel bei Neusorge, in der oberschlesischen Grafschaft Glatz, gestorben vor 70 Jahren, am 22. August 1949, in Göhrde in der Lüneburger Heide.


1. Priester und Kirchenhistoriker: exkommuniziert, zwangspensioniert

Josef Wittig1, das sechste Kind eines Zimmermanns, bringt es auf Grund der von Gemeindepfarrer Heinrich May (1860-1942) entdeckten und intensiv geförderten außerordentlichen Begabung des Jungen bereits 1903 zum Doktor der Theologie an der Universität Breslau. Im selben Jahr wird er zum Priester geweiht und verbringt 1904 bis 1906 zu wissenschaftlichen Studien in Rom. 1909 wird er für Alte Kirchengeschichte und Christliche Archäologie habilitiert. 1911 wird er für diese Fächer zum außerordentlichen Professor ernannt. 1915 erhält er den Lehrstuhl für Alte Kirchengeschichte, Patrologie und kirchliche Kunst an der Universität Breslau. Bekannt, ja berühmt wird der Kirchenhistoriker aber aus anderen Gründen.

Zum einen entfaltet er seine große schriftstellerische Begabung, die ihm bereits in Rom bescheinigt worden war. 1922 erscheint sein erster Erzählband »Herrgottswissen von Wegrain und Straße. Geschichten von Webern, Zimmerleuten und Dorfjungen«2. In seinen meist autobiografisch gefärbten Erzählungen greift Wittig Erlebnisse und Motive aus seiner Kindheit und Jugend und seinem weiteren Leben auf. In ihnen, mitten im Alltag seiner schlesischen Heimat und in aller Unscheinbarkeit der Ereignisse, leuchtet für ihn das Wirken Gottes auf. Das am weitesten verbreitete dieser Erzählbücher, mit dem der Name Wittigs hauptsächlich verknüpft ist, ist das 1925 ohne kirchliche Druckerlaubnis erschienene Werk »Leben Jesu in Palästina, Schlesien und anderswo«3. Darin wird die Geschichte Jesu in Beziehung gesetzt zu Wittigs Lebensgeschichte. Persönliche Erfahrungen und das Leben Jesu beleuchten sich gegenseitig. Das eigene Leben wird im Licht des Lebens Jesu gesehen.


Katholische Beichtpraxis aufs Korn genommen

Drei Jahre zuvor, 1922, erscheint in der katholischen Zeitschrift »Hochland« Wittigs Aufsatz »Die Erlösten«,4 in dem er die katholische Beichtpraxis aufs Korn nimmt, die er selbst als Priester, der Beichten abzunehmen hat, zur Genüge kennengelernt hat. Er erzählt, wieder mit Hilfe von eigenen Begegnungen, wie trotz Beichte die Gewissensskrupel bleiben. Nötig ist die Entlastung durch die Frohbotschaft von Gottes Barmherzigkeit. Wir dürfen uns als erlöst verstehen, mit oder ohne Beichte. Mit einiger Verzögerung macht diese Erzählung Wittig zugleich berühmt und berüchtigt. Der Text wird weit gestreut. Er wird als befreiend empfunden. Doch wird er von der katholischen Schuldogmatik und vom Lehramt alsbald als ketzerisch abgelehnt.5 So entwickelt dieser dann in einem evangelischen Verlag wieder veröffentliche Aufsatz6 eine Eigendynamik.7

Zum anderen liegt eben hier die andere Seite der Berühmtheit, die Wittig erlangt hat: Er, der in der Wolle gefärbte Katholik, der seiner Kirche bis zum Lebensende die Treue halten wird, wird vom Heiligen Officium in Rom am 14. Mai 1926, vom Bischöflichen Ordinariat Breslau am 12. Juni 1926 verkündigt, exkommuniziert.8 Zuvor schon, am 1. April 1926, wird er als Professor der Universität Breslau emeritiert. Seine Schriften »Das Herrgottswissen«, »Die Erlösten« sowie »Leben Jesu« werden auf den Index Romanus der verbotenen Bücher gesetzt. Wittig darf sein Priesteramt nicht mehr ausüben. Das ist das traumatische Ereignis seines Lebens. Seinem wissenschaftlichen und pastoralen Wirken ist dem 47 Jahre alten Theologen der Boden entzogen. Mit seinem wissenschaftlichen Werkzeug wird er lediglich noch als Dorfchronist beansprucht. Als Schriftsteller kann er nur noch in evangelischen Verlagen publizieren. Als Redner wird er von evangelischen Gemeinden und Einrichtungen eingeladen. In Neusorge baut er sich mit eigenen Händen ein Haus. Als aus seiner Kirche Verstoßener ist er in tief katholischer Umgebung isoliert. Die Kommunion darf der von Eucharistiefrömmigkeit erfüllte Theologe nicht mehr empfangen.

Immerhin hat dieser Hinauswurf aus der Gemeinschaft seiner Kirche für Wittig eine erfreuliche Kehrseite. Er heiratet am 22. Juni 1927 die zwanzig Jahre jüngere katholische Jugendleiterin Bianca Geisler (1899-1998), die Tochter des Habelschwerdter Bürgermeisters. Natürlich ist nur eine standesamtliche Trauung möglich. Die glückliche Ehe, der vier Kinder entstammen, steht aber bald unter einem harten Schicksalsschlag. Das am 11. Mai 1928 geborene älteste Kind mit Namen »Höregott« stirbt nach vier Tagen, da ein zur medizinischen Versorgung angefragter katholischer Arzt sich weigert, den schwer erkrankten Säugling zu behandeln.9 Die Kinder Wittigs werden alle katholisch getauft, und sie werden gut katholisch erzogen.


2. Josef Wittigs dritte Lebensphase und sein »Roman mit Gott«

1926 ist mit Exkommunikation und Zwangspensionierung die zweite Lebensphase Wittigs eingeläutet. Ab 1940 beginnt seine dritte und letzte Lebensphase.10 Wittig wird von Depressionen heimgesucht.11 Eine schwere Erkrankung, die schon 1941 und dann 1943 voll einsetzt – im Nachhinein scheint es sich um einen erst im Sommer 1946 entdeckten Gallenstein gehandelt zu haben12 –, macht weitere Lesungen und Vorträge unmöglich, dafür Kuren und längere Krankenhausaufenthalte erforderlich. Wittig leidet unter Nervenschmerzen am ganzen Körper. Eine falsch geführte Herzspritze eines Arztes führt 1943 dazu, dass sein linker Arm gelähmt bleibt und seine linke Hand verkrüppelt ist.13 Ein Versuch, die Exkommunikation rückgängig machen zu lassen, schlägt fehl. Die Amtskirche mit dem Breslauer Kardinal Adolf Bertram (1859-1945) an der regionalen Spitze fordert von ihm geistliche Unterwerfung, die Wittig immerhin erwägt, aber auch die völlige Trennung von Frau und Kindern, worauf sich Wittig nicht einlassen kann.14


Ein ganzes Bündel an Leidenserfahrungen

Die Wirren des Dritten Reichs, des nationalsozialistischen Regimes und des Zweiten Weltkriegs kommen dazu, spielen bei dem von ständigen Schmerzen geplagten Wittig freilich keine Hauptrolle. Gegen Kriegsende werden in seinem kleinen Haus in Neusorge Flüchtlinge und Ausgebombte einquartiert. Nach Kriegsende werden Wittig und Familie in ihrem Haus mehrmals von polnischen Horden überfallen, ausgeraubt und zusammengeschlagen. Es gibt kaum noch etwas zu essen. Die Armut wird unerträglich.15 So hat sich ein ganzes Bündel von Leidenserfahrungen und Schicksalsschlägen zusammengeballt.

Dazu kommt die Aussicht auf Vertreibung aus Schlesien, aus dem Land, das für den mit seinem Heimatboden so eng Verbundenen geradezu Offenbarungsqualität hat.16 Die Heimat zu verlassen, ist für Wittig ein unerträglicher Gedanke. Aber seine Frau Anka muss ihn regelrecht dazu zwingen, mit seiner Familie in wirklich allerletzter Minute am 1. April 1946 einen Flüchtlingstransportzug nach Westdeutschland zu besteigen. Am 10. April kommen sie in Altena im Sauerland an, und dort muss er sich zwei Monate später einer langwierigen Operation unterziehen.

Kurz vor der Ausreise aus Schlesien wird die Exkommunikation aufgehoben, am 9. März 1946. Man sagt, der Primas von Polen, Kardinal August Hlond (1881-1948), wolle damit dem inzwischen verstorbenen Breslauer Kardinal Adolf Bertram eins auswischen.17 Hlond ist Wittig aber auch wohlgesonnen, und Wittig hat selbst im Vatikan seine Fürsprecher.18 Nur ist die »Rekonziliation« auch wieder etwas zweifelhaft. Sie wird nicht begründet. Sie dringt auch in den nächsten Jahren in katholischen Kreisen nicht überall durch, und die früheren Bücher Wittigs werden nicht ausdrücklich aus dem Index herausgenommen. Immerhin wird Wittig jetzt in den Laienstand versetzt, befindet sich also kirchenrechtlich in geordneten Verhältnissen, und er darf zu seiner großen Freude wieder an der Eucharistie teilnehmen.

Seine gebündelten Leiden und Heimsuchungen beginnt Wittig literarisch zu verarbeiten. Am 29. September 1945, dem Michaelistag, beginnt er unter unerträglichen Umständen mit Aufzeichnungen, in denen er seine schweren Erlebnisse festhält und theologisch durchdenkt. Am 6. Januar 1946, an Epiphanias, unterbricht er das großenteils schon fertige Tagebuch, das als Tagebuch nur schwer kenntlich ist, weil die einzelnen Abschnitte weniger chronologisch als vielmehr thematisch gegliedert sind und wieder, wie in den sonstigen Erzähltexten Wittigs, die autobiografischen Rückblicke einen erheblichen Raum einnehmen. Am 17. Januar 1946 nimmt er die Niederschrift wieder auf, freilich stockend. In Westdeutschland folgt noch ein Abschnitt mit etwa acht Seiten. Im August 1946 ist die später »Roman mit Gott« betitelte Bekenntnisschrift weitgehend abgeschlossen. Wittig zieht am 9. August 1946 nach Göhrde in der Lüneburger Heide, wo er am 22. August 1949 stirbt.


»Aus Gottvaters Brauttruhe«

Wittigs »Tagebuchblätter der Anfechtung« bekommen schließlich den Obertitel »Roman mit Gott«. Zuvor hatte er mit den Titeln »Aus Gottvaters Brauttruhe«19 oder »Christlicher Atheismus« geliebäugelt.20 Schon mit dem Verleger Leopold Klotz wegen einer Publikation des zunächst engzeilig mit Bleistift geschriebenen Manuskripts handelseins geworden, erhebt er kurz vor Lebensende Einspruch gegen eine Veröffentlichung. Er hat genug vom Streit um das Manuskript. Der Verleger verlangt einige Veränderungen und Streichungen, die Schilderung des Treibens der Roten Armee betreffend, damit das Buch auch in der »Ostzone« erscheinen kann. Eine von seinem Freund Oskar Schröder (1889-1974) vorgenommene theologische Durchsicht macht einige Milderungen erforderlich, damit nicht der Streit mit der römisch-katholischen Amtskirche wieder voll ausbrechen wird. Wittigs Frau Anka schließlich findet in etlichen Stellen die Familie und den Autor selbst in ein schlechtes Licht gestellt. So schreibt Wittig in einem Brief: »Schweren Herzens habe ich mein letztes Manuskript von 1945-1947 (gegen den scholastischen Gottesbegriff, für den Vaterbegriff Jesu als den einzigen adäquaten Gottesbegriff) aus dem Druck gezogen (bei L. Klotz). Es stehen ärgerliche Sachen darin, und Anka will um jeden Preis einen neuen Konflikt mit der Kirche vermeiden. Ach wir brauchen so notwendig Geld! Wegen Meschede!«21

Erst im Jahr nach Wittigs Tod wird das Manuskript veröffentlicht, mit besonderer Fürsprache von Elly Heuss-Knapp,22 in dem evangelischen Verlag Ehrenfried Klotz in Stuttgart. Unverändert, aber mit einer Einleitung von Eugen Drewermann versehen, wird das Buch 1990 wieder in einem evangelischen Verlag aufgelegt, im Brendow Verlag in Moers.23


3. »Christlicher Atheismus« in Wittigs Bekenntnisschrift

Der Schwerpunkt des »Romans mit Gott« liegt nach Wittigs eigenem Bekunden in der Frage nach Gott.24 In seinen Briefen schreibt er, es sei ein Manuskript »halt über den lieben Gott«25, oder über den »Gottesbegriff«26, oder über den »Christlichen Atheismus«27. Letztere Kennzeichnung dieser »Tagebuchblätter der Anfechtung« lässt besonders aufhorchen.28

Offensichtlich fällt dem alt gewordenen Wittig, der den Gottesglauben mit der Muttermilch aufgesogen hat, auf Grund seiner schweren Erfahrungen das praktische Vertrauen zu Gott und der geistige, die Vernunft einschließende Glaube an Gott schwer. Das durchzieht nicht nur die Tagebuchblätter der Anfechtung selbst, sondern kommt auch in seinen Briefen aus der späten Zeit zum Ausdruck. Hier drei Beispiele:

»Zu Weihnachten fehlte mir alle Mystik, und auch sonst kann ich meinen Glauben nur eben noch aufrecht erhalten. Man kann innerlich schrecklich arm werden.«29 – »Über ›das Eingreifen der Engel‹ möchte ich auch gern einmal schreiben. Es ist mein Lieblingsgebiet religiöser Erfahrungen, hatte mancherlei Erfahrung, aber nur bis 1941. Seitdem sind die Engel aus meinem Leben zurückgetreten, sie ließen mich offensichtlich schutzlos den Dämonen preisgeben, besonders 1945/46. Ich fühle mich oft ganz vom Himmel verlassen, äußere aber immer wieder mein Vertrauen, das all mein Leben bis 1941 überleuchtet hat.«30 – »Ich bin kaum mehr gläubig, es ist eben einfach alles zerstört in mir, ich will eben nur nicht das Alte, was ich gehabt und geschrieben, widerrufen; behaupten möchte ich es nicht mehr. Ich gebe mir Mühe, das bißchen Weihnachtsglauben in meiner leer gewordenen Seele zusammenzukehren.«31


»Atheismus« um Gottes Willen

»Atheismus« klingt provokativ. Der Kirchenhistoriker Wittig knüpft hier an den Vorwurf des Atheismus an, der gegen die frühen Christen erhoben worden war. Sie galten als »Atheisten« insofern, als sie um des einen Gottes, des Vaters Jesu Christi willen die Götterwelt ihrer heidnischen Umgebung ablehnten und sich der Verehrung des römischen Kaisers als eines Gottessohnes, eines göttlichen Wesens und Weltherrschers, verweigerten. Eine solche Art von Gottheit und Göttlichkeit widersprach allem, was sie glaubten.

Freilich ist der »Theismus«, demgegenüber sich Wittig in seinem geistlichen Testament als »Atheist« bekennt, nicht ausdrücklich, wie man es nach den Zeitumständen erwarten könnte, die ideologische Selbstverabsolutierung des Nationalsozialismus, der sich pseudoreligiös mit dem Glauben an die »Vorsehung« und das »Schicksal« garnierte, oder auch die Selbstverabsolutierung des von Wittig leidenschaftlich abgelehnten »Bolschewismus«. Er betont nicht ein Nein zu den sich an die Stelle Gottes als die neuen absoluten Instanzen setzenden Diktatoren und Diktaturen, wie das etwa Paul Tillich mit seiner »Idolatriekritik« ausgeführt hat.

Seine vehemente Kritik richtet sich, den ganzen »Roman mit Gott« hindurch, gegen klassische scholastische Definitionen von Gott als »Ens a se« (als aus sich selbst heraus Seiendem) und als »Causa sui« (als Ursache seiner selbst). Was er mit diesen Begriffen der Schuldogmatik meint und was er daran so sehr verabscheut, wird nicht weiter erläutert. Freilich wird aus weiteren Ausführungen klar, dass er dabei das traditionelle Verständnis Gottes als einer allmächtigen, allwissenden und alles bestimmenden absoluten Instanz ablehnt.


»Der heidnische Gott der römischen Kirche existiert nicht«

Vor allem sieht Wittig einen inneren Zusammenhang zwischen einem alles überragenden und keinen Widerspruch duldenden »Ens a se« und einer sich in religiösen Fragen als unfehlbar verstehenden und keine geistige Eigenständigkeit zulassenden römisch-katholischen Amtskirche: »Ich hätte wohl schon damals [um 1933] erkennen müssen, welcher Weg mir gewiesen war, nämlich dass ich Gott nicht mehr im Bereiche des Großen und Hohen, des Allmächtigen, Allweisen, Allgerechten zu suchen habe, nicht mehr bei den Kardinälen, nicht in dem gewaltigen Weltreich der Kirche, sondern in umgekehrter Richtung: beim Kleinsten, Schwächsten, Ohnmächtigsten, bei den Regentröpflein an den Blättern meines Birnbaums, beim abgebrochenen Aste in unserer Erlenwiese, bei dem neugeborenen Kindlein im Stall von Bethlehem, […] überall, wo weder Heidentum noch Christentum Gott gesucht und gefunden hat.«32

Wittig schreibt in seinem »Roman mit Gott«: »Ja, ich lästere den Gott, den sie predigen und dessen Namen sie missbrauchen. Er ist nicht Gott; er ist ein Produkt des Heidentums und eine fixe Idee der Philosophen. Er ist der Ens a se, ein Unding für mein frommes Herz, eine schwere Bedrückung aller frommen Menschen.«33 »Der ›scholastische Gott‹, wie ihn Wittig nennt, der ›heidnische Gott der römischen Kirche‹34 existiert nicht.35

An die Stelle des allmächtigen, allwissenden, alles bestimmenden Gottes tritt der »väterliche« Gott, wobei er die Bezeichnung »Gott« nur noch als Notbehelf weiter benutzt, der Vater im Himmel, wie ihn Jesus geglaubt und bezeugt hat: »Nicht allmächtig, nicht allheilig, nicht allweise, nicht allgerecht, sondern unendlich klein und zart und schwach, flatternder als der goldene Falter und zerstörbarer als der Farbenstaub auf dessen Flügeln.«36


Gott nimmt das Schlimme auf seine Kappe

Wittig sucht und findet Gott im Kleinen, im Unbedeutenden, Unscheinbaren, Alltäglichen. Damit kommt seine ausgeprägte Weihnachtsfrömmigkeit zur Geltung, die Gott in der Krippe von Bethlehem sieht, in einem wehrlosen Kind. Dazu gesellt sich die eucharistische Frömmigkeit Wittigs: Gott ist greifbar, ja konsumierbar in der Hostie. Diese neue Akzentuierung seines Gottesglaubens ist sein Echo auf die schweren persönlichen Erfahrungen, die zur alten »Theodizee-Frage« geführt haben: »Wie kann Gott solches [Schreckliche] zulassen?«37 Mit anderen Worten: Wieso verhindert ein allmächtiger, allweiser und allgütiger Gott nicht so unsäglich Schlimmes, das Menschen heimsucht? Deshalb gewinnt für Wittig jetzt auch das Kreuz Jesu eine verstärkte Bedeutung. Der himmlische Vater ist im Leiden Jesu und auch in jedem unschuldigen Leiden mit dabei. Er leidet mit. Er verwandelt nicht aus Allmacht alles Unglück in Glück, jede Katastrophe in ein Paradies, sondern er ist bei den Ohnmächtigen, Geschundenen gegenwärtig, als selbst ohnmächtig, und er hält sie doch an der Hand. »Der himmlische Vater hat keine andere Macht als die Macht seiner Liebe; er hat nichts anderes zu schenken als sein väterliches Herz! Im übrigen zeigt er sich in dieser Welt so schwach und ohnmächtig wie wir selber. Unsere Armut und Ohnmacht sind die Zeichen und Ausweise unserer Gotteskindschaft.«38

Damit nimmt Wittig zugleich Abschied von einer alten dogmatischen Lehre, die er entschieden vertreten hatte und die dann zu seiner gravierenden Lebenswende mit Exkommunikation und Zwangsemeritierung beigetragen hatte, weil er in seinem Aufsatz »Die Erlösten« aus ihr ganz bestimmte Folgerungen gezogen hatte: die Lehre vom »concursus divinus«, vom Zusammenwirken von Gott und Mensch im persönlichen Leben und im geschichtlichen Geschehen.39 Wittig umschreibt sie als »das Geheimnis von der unmittelbaren Mitwirkung Gottes bei allem, was geschieht«.40 Gott ist nach dieser Lehre die Macht, die in den kleinen und großen Vorgängen federführend am Werk ist. Gott trägt die letzte Verantwortung für das Geschehen. Er bedient sich aber der Menschen. Das führt zum Teil zu fatalen Ergebnissen auf Seiten der Menschen. Aber nicht alles Schlimme, was im Leben geschieht, etwa alles Elend der Kriege und Weltkriege, ist auf menschliche Schuld zurückzuführen. Sofern ein Mensch auf Gott vertraut und guten Willens ist, ist das Schlimme, das er möglicherweise bewirkt, nicht eigentlich Sünde, sondern geht letztlich auf die Verantwortung Gottes. In dem Aufsatz »Die Erlösten« lautet Wittigs Botschaft: Sofern ihr glaubt und aus gutem Willen handelt, seid ihr schon erlöst, unabhängig davon, ob das noch durch Beichte und Absolution bestätigt wird oder nicht. Damit will Wittig fromme Katholiken von quälender Sündenangst befreit wissen: Seid getrost, ihr seid doch schon erlöst. Gott nimmt das Schlimme, das ihr unwissentlich und unwillentlich getan habt, auf seine Kappe!41

Von dieser Lehre vom »concursus divinus« verabschiedet sich Wittig, wenn auch nicht so nachdrücklich wie von den Vorstellungen Gottes als »Ens a se« und »Causa sui«.42 Er kann jetzt nicht mehr sagen, Gott sei auch für alles schlimme Geschehen verantwortlich, weil er jetzt Gott nicht mehr als allmächtig versteht, sondern als ohnmächtig. Gott kann jetzt nur durch die einladende Ohnmacht seiner Liebe wirken und uns dadurch erneuern. Er hat nicht mehr die Hauptverantwortung für das grausame Weltgeschehen.


Der Teufel als »Herr der Welt«

Mit dieser Sicht von Gottes Ohnmacht berührt sich Wittig mit Denkern wie dem Philosophen Hans Jonas, die sich fragen, wie man nach den Gräueln des Holocaust überhaupt noch von Gott reden kann.43 Eine ausdrückliche »Theologie nach Auschwitz« findet sich freilich nicht bei Wittig, in dessen Tagebuch der Anfechtung von den Verbrechen des Dritten Reichs, speziell auch der Judenvernichtung, merkwürdigerweise nicht die Rede ist. Hat er denn nichts von dem gewusst, was fast vor seiner Haustüre geschah?

Seine neue Sicht sichert Wittig gedanklich dadurch ab, dass für ihn jetzt der Teufel der »Herr der Welt« ist.44 Der Vater im Himmel ist gut, aber nicht allmächtig. Jedenfalls hat er seine Allmacht für das irdische Dasein aus den Händen gegeben. Jetzt regiert der Teufel, und gläubige Menschen müssen sich in ihre Nischen zurückziehen. In seinem »Roman mit Gott« widmet Wittig einen Abschnitt dem aus der Gemeinschaft der Kirche ausgeschlossenen altchristlichen Theologen Marcion (um 90-160), der den verborgenen gütigen Gott und den bösen Weltschöpfer und Weltregierer unterscheidet, und Wittig sympathisiert mit ihm.45

Man kann nicht sagen, dass dieses neue Verständnis vom gütigen, aber ohnmächtigen himmlischen Vater, der sich in dem Weltgeschehen gegen den Teufel zu erwehren hat, die straffe theologische Konstruktion Wittigs ist, die nun all sein Denken bestimmt. Er schwankt vielmehr hin und her zwischen dem machtlosen Vater Jesu Christi und dem andererseits doch mächtigen Gott, der die Geschicke des einzelnen Lebens46 und der Welt in der Hand behält und der über das irdische Dasein hinaus ins ewige Leben zu retten vermag.47

Wittig kann selbstkritisch sogar sagen: »Vielleicht, ach sogar wahrscheinlich, ist alles oder das meiste, was in diesem Buche [dem »Roman mit Gott« – A.R.] geschrieben steht, falsch, aber nicht falscher als das, was in meinen schöneren, dem gottgläubigen Gemüt wohlgefälligeren Büchern steht.«48 Jedenfalls beansprucht Wittig, mit diesem Testament, das er als »ärgerliches Manuskript über den Gottesbegriff« bezeichnet, ein ehrliches, wahrhaftiges Werk vorzulegen:49 »Es ist das Wahrste, was ich je geschrieben habe, aber nicht für die Kirche der Wahrheit zu brauchen.«50


4. Bilanz: Mitten im Alltag darf das Ewige gesucht werden

Wittig überprüft sein Gottesverständnis und formuliert es neu anhand eigener leidvoller Erfahrungen. Freilich geht er dabei stark von sich selbst aus. Das Leid von Zeitgenossen, das durch die schrecklichen Ereignisse des Dritten Reiches und des Zweiten Weltkrieges noch einmal vervielfacht und verschärft worden ist, kommt kaum in den Blick.

Als fragwürdig erscheint mir Wittigs Entweder-Oder im Gottesverständnis. Gott als liebender, gütiger Vater, der sich mit uns in unsere Ohnmacht begibt und da bei uns ist – das ist eine tröstliche, hilfreiche Botschaft, die vom Geschick Jesu her biblisch begründet ist und auch harte Erfahrungen ermutigend beleuchtet. Aber das ist nur die eine Seite. Die andere Seite ist die, dass wir, wenn wir überhaupt von »Gott« reden, den Urgrund von allem meinen, den Ursprung und das Ziel von allem. Und da kann man auch philosophisch-scholastische Begriffe wie »Ens a se« und »Causa sui« benutzen. Die christliche Botschaft ist doch die, dass der allmächtige Gott, die alles bestimmende Wirklichkeit, bei uns ist, auch in unserer Ohnmacht; dass der immer größere Gott auch in den Unscheinbarkeiten und Dunkelheiten bei uns ist und uns in seine Ewigkeit hineinnehmen wird. Nach Luther ist Gott »ein übernatürlich unerforschlich Wesen, das zugleich in eim ieglichen Körnlein ganz und gar und dennoch in allen und über allen und außer allen Kreaturen sei. […] Nichts ist so klein, Gott ist noch kleiner. Nichts ist so groß, Gott ist noch größer.«51 Es gilt beides, Gottes alles umgreifende Größe und Allmacht sowie Gottes Zuwendung zu uns, auch in unserer Ohnmacht, in die er eingeht, ohne darin aufzugehen oder unterzugehen.

Wie verhalten sich unsere Haltung und unser Verhalten zu Gottes Wirken? Die Antworten darauf vom Zusammenwirken (concursus, cooperatio) von Gott und Mensch, die in der concursus-divinus-Lehre versucht worden sind, klingen (trotz der Unterscheidung von Erstursache und Zweitursachen) so, als stünden Gott und Mensch auf gleicher Ebene. Doch ist Gott zwar irgendwie in allem Geschehen mit drin, denn Gott ist der, »ohn’ den nichts ist, was ist, von dem wir alles haben«52. Aber wie sich Gottes Handeln zu dem verhält, was in Universum, Natur und menschlichem Leben geschieht, das wissen wir nicht. Es bleibt ein Rätsel, wie das Albert Schweitzer betont hat, zumal Gott nicht ein Teil des Irdisch-Weltlichen ist, sondern die Tiefendimension von allem. Wir können nur sagen: (1) Gott ist die Bedingung dafür, dass überhaupt etwas sein kann und ist. (2) Allem Anschein nach lässt der Schöpfer aller Dinge und Wesen der Natur und dem Menschen einen erheblichen Spielraum der Freiheit, was auch immer er sich dabei gedacht haben mag. (3) Ist Gott die Macht und der Wille der Liebe, dann geschieht vieles gegen Gottes Willen, wie er uns in der Bibel, vor allem im Geschick Jesu, und in unserem Gewissen begegnet.


Ein »merkwürdiges Leuchten« in allen Dingen der Welt

Wittig fragt bei seinen Erfahrungen von Schmerz, Leid, Dunkelheit, Not, Schuld und Tod danach, wie Gott im ganz normalen Leben mit seinen Höhen und Tiefen, seinem Licht und seinen Dunkelheiten gegenwärtig ist. Da hält sich auch für die Schattenseiten des Daseins Wittigs »narrative«, erzählerische theologische Methode durch. Mitten im Alltag darf das Ewige gesucht werden. Und wenn es da begegnen sollte, als Wunder, als Geheimnis oder auch als unbegreifliches Geschick, dann beleuchtet es mit seinem Glanz oder wenigstens mit seinem Trost das Alltägliche: »Es ist doch überall in der Welt ein merkwürdiges Leuchten in allen Dingen und allen Geschehnissen, besonders in den kleinen, unscheinbaren, unbedeutenden. Wo ich gehe und stehe, ist etwas in meiner Nähe, es umflattert mich wie ein goldener Falter oder begleitet mich wie ein treuer Hund, ganz leise, unhörbar, unsichtbar, und ich kann verstehen, dass man auf den Gedanken kam, es müsse ein Gott, es müsse der Gott sein, was da den Menschen umgibt und begleitet. / Ich will nun auch das merkwürdige Leuchten in der Welt, das an allen Dingen hängt […], will das Höchste und Liebste meines sehnsuchtsvollen Herzens aus Mangel an einem anderen Namen zunächst meinen Gott nennen und mich anbetend vor ihm verneigen.«53

In diesem Sinn ist von Wittig zu lernen, eigene Erfahrungen, Begegnungen, Widerfahrnisse gezielt zu erinnern und ihnen »unter dem Gesichtspunkt der Ewigkeit« (sub specie aeternitatis), also der Sinnfrage und der Wahrheitsfrage, nachzusinnen; und umgekehrt, in unsere religiös-weltanschaulichen Überlegungen eigene und fremde Erfahrungen einzubeziehen, als Beispiele, als Konkretionen, als fruchtbare Ausgangspunkte des Nachdenkens.


Anmerkungen:

1 Zu Wittig insgesamt: Hg. Joachim Köhler, Joseph Wittig. Historiker – Theologe – Dichter (Silesia Folge 7), München 1980. – Siegfried Kleymann, »… und lerne, von dir selbst im Glauben zu reden.« Die autobiographische Theologie Joseph Wittigs (Studien zur systematischen und spirituellen Theologie 27), Würzburg 2000. – Karl Hausberger, Der »Fall« Joseph Wittig. In: Hg. Josef Hainz, Reformkatholizismus nach 1918 in Deutschland. Joseph Wittig und seine Zeit, Selbstverlag Eppenhain 2002, 9-28. – Christian Möller, Joseph Wittig – ein (fast) vergessener Schlesier. In: Schlesischer Gottesfreund. Nachrichten und Beiträge aus dem Evangelischen Schlesien 11/2018, 168-171; 12/2018-1/2019, 192-195; 2/2019,6-8.

Kurze Übersicht über Wittigs Leben: Dieter Nestle, Biographische Daten zu Joseph Wittig, in: Hg. Josef Hainz, Abschied vom Gott der Theologen. Zum Gedenken an Joseph Wittig – fünfzig Jahre nach seinem Tod. Dokumentationen, Selbstverlag Eppenhain 2000, 332-338. – Joachim Köhler, Joseph Wittig – Biographie eines Individuums oder eines Zeitalters?, in: Hg. Josef Hainz, Christologie im Widerstreit. Dokumentation eines Symposions der Bibelschule Königstein, Selbstverlag Eppenhain 2010, 162-180.

Bibliografie der Werke Wittigs: Kleymann, »… und lerne, von dir selbst im Glauben zu reden« (s.o.), 448-457.

2 Freiburg 1922.

3 Kempen 1925. – Neuausgabe Heilbronn 1958 (durchgesehen und eingeleitet vom Johann Christoph Hampe).

4 Hochland 19,2 (1922), 1-26. – Wiederveröffentlicht in: JW [= Joseph Wittig], Meine »Erlösten« in Buße, Kampf und Wehr, Habelschwerdt 1924, 14-62. Nachdruck 1984 und 41986 durch die Pax Christi Basisgruppe Meschede.

5 Der Schweizer Prälat Anton Gisler (1863-1932) qualifiziert Wittig wegen seines Aufsatzes »Die Erlösten« 1922 als einen »Lutherus redivivus«. Dieses Urteil, das Wittig erheblich geschadet hat, ist freilich großenteils unberechtigt (s. Anm. 7).

6 JW, Getröst, getröst, wir sind erlöst! Ein Buch von den Osterzeiten des Lebens, Eugen Salzer Verlag, 1932, 11-62. – Merkwürdigerweise scheint dieser gewichtige Aufsatz in keiner der vielen nach 1945 erschienenen Sammlungen mit früheren Texten Wittigs wieder aufzutauchen. Eine Ausnahme ist ein schwer greifbarer Nachdruck (s. Anm. 4).

7 »Die Erlösten« ist ein ganz ungewöhnlicher und hochbedeutender Text religiöser Prosa, der gerade auch mit seinen Ecken und Kanten nachhaltige Beachtung verdienen würde. Die für Wittig typische narrative Schreibweise verbindet sich mit konzentrierter theologischer Aussage. Die Frohbotschaft »Wir sind schon erlöst« erinnert an Martin Luthers Verkündigung der Rechtfertigung der Gottlosen, die durch die Lebenshingabe Jesu Christi vermittelt und durch den Glauben angeeignet wird. Freilich ist für Wittig im Sinn seiner »concursus divinus-Lehre« (dazu Anm. 39 und 41) der gute Wille des Menschen eine Bedingung für seine jetzt schon erfahrbare Erlösung. Nach Luther dagegen kann der Mensch nicht wissen, ob sein Wille überhaupt gut ist, ja er hat gute Gründe, dies zu bestreiten. Sich auf eine solche Bedingung der Erlösung zu verlassen, würde also an der Heilsunsicherheit nichts ändern.

8 Eugen Rosenstock-Huessy/JW, Das Alter der Kirche. Bd. 3, (Berlin 1927/28) Nachdruck Münster 1998, 133-137.

9 So Horst-Klaus Hofmann, Wachstum aus Stille und Sturm. Warum es sich lohnt, Joseph Wittig kennenzulernen. Nachwort zu JW, RmG [= Roman mit Gott]. Tagebuchblätter der Anfechtung, Moers 1990, (233-252) 250.

10 RmG (s. Anm. 9), Stuttgart 1950 und Moers 1990, 106f. – Benno Haunhorst, »Sich einfach in die Arme Gottes schließen lassen«. Zur Naivität Joseph Wittigs, in: Hg. Hainz. Abschied vom Gott der Theologen (s. Anm. 1), (61-71) 68. – Kleymann, »… und lerne, von dir selbst im Glauben zu reden« (s. Anm. 1), 290.

11 RmG, 106f.

12 RmG, 226.

13 RmG, 13.

14 RmG, 66-84. 110-118.

15 RmG, 13.

16 Mühsam lernt es der alte Wittig (1948), seinen »Heimatglauben« zu relativieren. Dazu JW, Revision des Heimatglaubens, in: JW, Die Christgeburt auf der Straße nach Landeck und andere Geschichten, hg. von Gerhard Pachnicke, Leimen/Heidelberg 1981, 88-100; dort 94f.

17 RmG, 220.

18 RmG, 80 (erwähnt ist hier Eugenio Pacelli, 1939-1958 Papst Pius XII.).

19 JW, Briefe (= JW, Kraft in der Schwachheit. Briefe an Freunde. Hg. von Gerhard Pachnicke, Moers 1993), 469 (vom 2.11.1948).

20 Christian Löhr, »… von treuesten Hütern umgeben«. Anmerkungen zur Editionsgeschichte des Roman mit Gott. In: Hainz, Abschied vom Gott der Theologen (s. Anm. 1), (33-60) 40.

21 JW, Briefe, 478 (vom 11.5.1948).

22 So Rudolf Grulich, Ein moderner Gottsucher aus Schlesien: Joseph Wittig. In: Kirche in Not Deutschland, 2009.

23 Zu Wittigs »Roman mit Gott«: Rudolf Kremers, Der Fall Joseph Wittig(s). Zur Neuherausgabe seines letzten Werkes »Roman mit Gott«, DPfBl 8/1991, 319-322. – Löhr, »… von treuesten Hütern umgeben« (s. Anm. 20). – Lorenz Wachinger, Wie erscheint GOTT in der Welt? Zu Joseph Wittigs Theologie im »Roman mit Gott«. In: Hg. Hainz, Christologie im Widerstreit (s. Anm. 1), 59-73. – Wachinger, Radikale Religiosität. Joseph Wittigs »Roman mit Gott«, a.a.O., 145-161. – Joachim Köhler, »Der Mensch muss schreiben, was er erfahren hat«. Joseph Wittigs Abschied vom Gott der Theologen. In: Hg. Hainz, Abschied vom Gott der Theologen (s. Anm. 1), 153-175.

24 Etwa: RmG, 4-18. 20-34. 55-58. 92-94. 126. 131-133. 174-178. 187-194. 202f. 214. 216f. 221f. 228f.

25 JW, Briefe, 404 (vom 18.5.1946).

26 JW, Briefe, 425 (vom 18.11.1946).

27 JW, Briefe, 466 (vom 3.9.1948); 473 (vom 19.12.1948).

28 Etwa: RmG, 11. 15. 19f. 22f. 131f.

29 JW, Briefe 402 (aus Neusorge, vom 10.1.1945).

30 JW, Briefe 436 (vom 2.3.1947).

31 JW, Briefe 473 (vom 19.12.1948).

32 RmG, 83f. – Auch etwa RmG, 118: »Endlich hatte sich der alte heidnische Gott, dem der Generalvikar diente, völlig entlarvt, und ich konnte ihm frei in das unmenschliche Antlitz und auf die herzlose Brust sehen. Es war weder Jesus Christus noch der Vater Jesu Christi; es war ein Dämon, der sich des Namens und der Barmherzigkeit wie auch der großen sakramentalen Gnadengeschenke Jesu bemächtigt hatte und nun als ein anderer Baal unsere Seelen zu knechten und zu quälen versuchte, dieser Ens a se, dieses Produkt der scholastischen Philosophie, dem ich früher mit den besten Kräften meines Geistes und Herzens gedient hatte. Jetzt fühlte ich mich endgültig frei von ihm.«

33 RmG, 57.

34 RmG, 126.

35 Benno Haunhorst, »Sich einfach in die Arme ­Gottes schließen lassen«. Zur Naivität Joseph ­Wittigs. In: Hg. Hainz, Abschied vom Gott der Theologen (s. Anm. 1), (61-71) 71.

36 RmG, 21.

37 RmG, 4; auch 18. 29f. 177.

38 RmG, 177.

39 Vgl. Anm. 7 und 41. – Dazu JW, Getröst, getröst (s. Anm. 6), 34-37 (= Meine Erlösten in Buße, Kampf und Wehr [s. Anm. 4], 35-39); JW, Meine Erlösten, 68; Rosenstock-Huessy/JW, Das Alter der Kirche, Bd. 3, (s. Anm. 8), 72, 76f. – Vgl. Kleymann (s. Anm. 1), 310-320. – Die in den Rahmen der Vorsehungslehre gehörende Lehre vom »Concursus divinus« oder von der »cooperatio« (Mitwirkung) von Gott und Mensch ist in der evangelischen Schuldogmatik weniger geläufig (vgl. dazu Wilfried Härle, Dogmatik, Berlin 1995, 290-293).

40 JW, Getröst, getröst (s. Anm. 6), 21f.

41 Wittig »fand [um 1919/20] Trost in der alten katholischen Lehre vom ›Concursus divinus‹, d.h. dass Gottes Hand immer über der Menschenhand sei und dass von uns nichts mehr verlangt wird, als dass wir guten Willens seien. In dieser Lehre wurzelt letztlich Wittigs Erlösungsbegriff.« So Jozef Kosian, Joseph Wittig im Lichte von Gerhard Pachnickes Doktor-Dissertation. In: Joseph Wittig und unsere Zeiten, III. deutsch-polnisches Wittig-Symposium vom 20. bis 22. September 2001 in Nowa Ruda/Neurode, Nowa Ruda 2002, (145-162) 149.

42 In RmG, 9-11, beschreibt Wittig die Lehre vom concursus divinus, ohne sie als solche beim Namen zu nennen, im Rückblick auf seinen Aufsatz »Die Erlösten«.

43 Hans Jonas, Philosophische Untersuchungen und metaphysische Vermutungen, Frankfurt/M. und Leipzig (1992) 1994, 190-208 (»Der Gottesbegriff nach Auschwitz. Eine jüdische Stimme«).

44 RmG, 4. 177. 196-203.

45 RmG, 192-194.

46 Etwa RmG, 229: »So hat Gott der Vater alles vollendet, und ihm sei alles gedankt, was er seinem alten Diener und Schreiber Joseph Wittig getan und bereitet hat.«

47 Vgl. JW, Novemberlicht. Drei Skizzen über Allerseelen, Totensonntag, okkulte Erfahrungen und den Auferstehungsleib, Kempen-Niederrhein1948, 49: »Wir werden tatsächlich mit Christus auferstehn, also wie Christus auferstehn. Es ist nur eine Frage der Zeit, die für Gott nichts zu sagen hat. Deutet der Apostel Johannes nicht sogar an, dass wir einst geheimnisvoll so etwas wie Gott gleich-sein werden?«

48 RmG, 193.

49 RmG, 195f.

50 JW, unveröffentlichter Brief vom 19. Juli 1949 an Werner Keuck. Zit. bei: Löhr (s. Anm. 20), 44.

51 Vom Abendmahl Christi. Bekenntnis, 1528, WA 26 (261-509) 339. Zit. aus: Emanuel Hirsch, Hilfsbuch zum Studium der Dogmatik, Berlin 31958, 39.

52 Johann Heermann, O Gott du frommer Gott, EG 495, 1.

53 RmG, 20f.

 

Über die Autorin / den Autor:

Pfarrer Dr. Andreas Rössler, Pfarrer der württ. Landeskirche, von 1992 bis zum Ruhestand Mitte 2003 Chefredakteur des Evang. Gemeindeblatts für Württemberg, ehrenamtlich 1992-2003 Vorsitzender des Evang. Bundes in Württemberg, 2004-2012 Schriftleiter der Zeitschrift »Freies Christentum«.

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft: 8/2019

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