Wir brauchen selbstreflexive Besinnung auf die »Dialektik der Aufklärung« und keinen D-Day
Die Aufklärung retten

Von: Gottfried Orth
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In der Juni-Ausgabe des Deutschen Pfarrerblatts schrieb Eberhard Pausch einen Aufsatz mit dem Titel »Ein ›D-Day‹ für die Aufklärung«. Gottfried Orth möchte der dort geäußerten Position entgegentreten – und zwar aus philosophisch-sozialwissenschaftlichen wie aus theologischen Gründen. Er verfolgt dabei hier lediglich zwei Gedankengänge: einen zum Stichwort der »Aufklärung« und ihrer Dialektik, einen zweiten zum Stichwort »Hoffnung«.


Was Eberhard Pausch mit der »Dialektik der Aufklärung« macht, nämlich das Kind mit dem Bade auszuschütten und gleich beides noch entsorgen zu wollen1, wollten Horkheimer und Adorno mit der Aufklärung gerade nicht. Vielmehr verweist bereits der Titel des Buches »Dialektik der Aufklärung« darauf, dass es darum ging, der Zwiespältigkeit der Aufklärung auf die Spur zu kommen; dazu freilich muss man nachdenken und die Aufklärung nicht erst bei Kant beginnen lassen.

Die Aufgabe, die sich die beiden Autoren stellten, war »die Erkenntnis, warum die Menschheit, anstatt in einen wahrhaft menschlichen Zustand einzutreten, in eine neue Art von Barbarei versinkt«2. Es geht Horkheimer/Adorno darum, dass »die Aufklärung sich auf sich selbst besinnen muss, wenn die Menschen nicht vollends verraten werden sollen. Nicht um die Konservierung der Vergangenheit, sondern um die Einlösung der vergangenen Hoffnung ist es zu tun.«3 Genau deshalb beginnen sie ihren Diskurs bei Bacon und nicht erst bei dem Mann aus Königsberg, der ja als Teil seiner Aufklärung in kolonialistisch-rassistischer Tradition die Linie, dass Wissen Macht sei, fortsetzte. Bacon war derjenige, der die Überlegenheit des Menschen im Wissen der Herrschaft über die Natur sah und die Tradition des Mythos und des Nachdenkens verachtete. Es begann die Zeit des Rechnens und des Kalküls.

Ihm folgte Descartes, der den Menschen, den männlichen Menschen selbstredend, zum Besitzer und Herren der Natur erklärte.4 Und in der Folge dieser Seite der Aufklärung – wer wollte dies bestreiten, angesichts der alles Leben bedrohenden, von aufgeklärten Menschen produzierten oder mindestens in Kauf genommenen Klimakatastrophe – »strahlt« – im wahrsten Sinne des Wortes – »die vollends aufgeklärte Erde im Zeichen triumphalen Unheils«5.


Gegen sich selbst andenken

Dies war in den 1940er Jahren zuerst gegen den europäischen Faschismus – gegen »Auschwitz« als Realität und »Name« – als eine politische und gesellschaftliche Erscheinungsform des Kapitalismus6 gerichtet. Knapp 40 Jahre später notiert Georg Picht im Vorwort zu seinem zweibändigen Werk »Hier und Jetzt: Philosophieren nach Auschwitz und Hiroshima«7: »Wer in Deutschland nach Auschwitz philosophiert, gerät in Konflikt mit der Tradition, aus der er herkommt.«

Ausgehend von diesem Konflikt bedenken Horkheimer/Adorno die Dialektik der Aufklärung. Und Picht fährt fort: »Er erfährt wie Adorno ›handgreiflich, Denken müsse, um wahr zu sein, heute jedenfalls, auch gegen sich selbst denken‹8. Mein Dank an Adorno … wurde deshalb in den Titel mit aufgenommen. Der Name ›Auschwitz‹ zeigt, wohin wir geraten, wenn wir die Pflicht zur Aufklärung missachten, an der Philosophie gemessen wird. … Der Name ›Auschwitz‹ steht als Zeichen für das, woran wir nicht vorbei denken dürfen, wenn es uns mit der Erkenntnis von Wahrheit ernst ist.« Solches Denken bleibt tatsächlich oder scheinbar liberalem politischem und theologischem Verstand verschlossen; es wehrt sich verbissen, »gegen sich selbst anzudenken« – wie das für Philosophen wie Adorno und für Theologen wie Barth selbstverständlich war.


Hinter dem Rücken der modernen Wissenschaft

Heute liest sich die Bemerkung, die vollends aufgeklärte Erde strahle im Zeichen triumphalen Unheils, als kluge Warnung vor dem menschengemachten Kollaps des Klimas und mit ihm unserer Erde. Auch dazu noch einmal Picht: »Die ökologische Krise zeigt uns im Spiegel, wie es hinter dem Rücken der modernen Wissenschaft und ihres Bewusstseins aussieht. Philosophie versteht sich seit alters als Wissenschaft von der Wissenschaft. Sie darf sich jener ›Selbsterkenntnis der Vernunft‹, die Kant ihr zur Aufgabe gemacht hat, nicht entziehen.«9 Oder mit Habermas: »Die Kritik kann nicht zugleich radikal sein und die eigenen Maßstäbe unberührt lassen.«10 Genau dieser Aufgabe haben sich Horkheimer und Adorno gestellt!

Adorno und Picht waren sich darin einig, dass im Bereich einer nicht mehr metaphysisch begriffenen Wahrheit sich »die innere Möglichkeit von Vernunft nur aus der Verantwortung des Menschen für seine zukünftige Geschichte begründen«11 lässt. Beide – und Horkheimer und Adorno thematisieren genau dies in der »Dialektik der Aufklärung« – sahen als zentralen Punkt dieser Verantwortung des Menschen Verhältnis zur Natur. Und genau deshalb gehen Horkheimer und Adorno den Weg einer »Archäologie« der Vernunft zurück in der europäischen Geistesgeschichte – bis zum Mythos. Und sie verweisen auf die Dialektik von Mythos und Aufklärung, wenn sie beispielsweise am Mythos des Odysseus zeigen, wie im Mythos Aufklärung geschieht und Aufklärung am Mythos teilhat: »Wie die Mythen schon Aufklärung vollziehen, so verstrickt Aufklärung mit jedem ihrer Schritte tiefer sich in Mythologie. Allen Stoff empfängt sie von den Mythen, um sie zu zerstören und als Richtende gerät sie in den mythischen Bann.«12

Das Problem war formuliert. Die »Dialektik der Aufklärung« hat die Fragestellungen formuliert, wie Aufklärung gerettet werden kann gegen ihre komplette Beschlagnahme durch die instrumentelle Vernunft.13 Wo aber gibt es Hoffnung, wenn die Aufklärung sich auf sich selbst besinnen muss? Wenn die Menschen nicht vollends verraten werden sollen, wie kann ich – ohne voraufklärerisch zu werden – dem Bann der Aufklärung entkommen, ihrer Selbstzerstörung wehren? Wie kann im Gefolge der Aufklärung aufgeklärtes Denken »auch gegen sich selbst denken«? Bei der Beantwortung dieser Frage kann es nicht um jenen »blöden Optimismus«, nicht um »das Aufspreizen des eigenen Wissens der Gesellschaft als einer neuen Religion«14 gehen, den diejenigen vor sich hertragen mögen, die die erste Generation der Frankfurter Schule »in einer Sackgasse, in einem Land jenseits von Vernunft und Hoffnung wähnen«15.


Erziehung zur kritischen Selbstreflexion

Adorno und Horkheimer fanden sie in unterschiedlichen Zusammenhängen. Der Ausgangspunkt aber war für beide gemeinsam. Zum einen waren es die Gedanken der »Dialektik der Aufklärung« und dem damit verbundenen unbedingten Wunsch, an Aufklärung in ihrem ursprünglichen Sinne festzuhalten nicht zuletzt, weil »die Forderung, dass Auschwitz nicht noch einmal sei, die allererste an Erziehung ist«, was, »wenn man nicht der idealistischen Phrase verfallen will«, nur als »Erziehung zu kritischer Selbstreflexion« (da haben wir ihn wieder: den Gedanken der Dialektik der Aufklärung!) sinnvoll wäre16. Zum andern in der Erkenntnis, dass »die revolutionäre Hoffnung ortlos geworden ist«, was Jürgen Habermas so beschreibt: »Mit Marx war Horkheimer der Auffassung, dass nur ein Praktischwerden der Philosophie deren Wahrheitsgehalt retten könne. Aber Horkheimer, ohnehin skeptischer als Marx, befand sich in einer Situation, in der sich Hoffnungen auf eine nahe bevorstehende Umwälzung historisch erledigt hatten. Deshalb gewann der vermittelnde Schritt der Rekonstruktion und Fortbildung einer gegen idealistische Verklärung immunen wissenschaftlichen Theorie ein eigenes Gewicht – ja, diese Gesellschaftstheorie gewann im Hinblick auf die Bewahrung der wesentlichen Gehalte einer an ihr Ende gelangten Philosophie eine neue Bedeutung. … Was einmal mit ›Sozialismus‹ gemeint war, scheint jede interne Beziehung zu geschichtlichen Fortschritten verloren zu haben. Die revolutionäre Hoffnung hat keine Verankerung in der Welt mehr, sie ist im schlechten Sinne utopisch, jedenfalls ortlos geworden. Die Hoffnung auf eine dialektische Spannung innerhalb des Geschichtsprozesses ist entleert«17. Dies beschreibt nicht zuletzt die Aufgabe der Linken weltweit: Wie lassen sich Sozialismus und geschichtlicher Fortschritt wieder zusammendenken? Wo ist Hoffnung – angesichts eines sich selbst und alles mit ihm zerstörenden Neoliberalismus?


Vom Standpunkt der Erlösung aus

Adorno hatte sich »die genuin ästhetische Erfahrung moderner Kunst als eine unabhängige Quelle von Einsicht erschlossen. Das begründet zwischen Ästhetik, Kunst und Negativer Dialektik einen Zusammenhang wechselseitiger Verweisung, der in sich birgt, was die philosophische Kritik allein nicht mehr verbürgen kann: die anarchistische Hoffnung, dass eines Tages die negative Totalität doch noch wie vom Blitz getroffen aufplatzen wird.«18 Kunst, insbesondere die Musik, und deren ästhetische Reflexion19 hatten Adorno ein Denken ermöglicht, das er vorweggenommen am Schluss der minima moralia so formuliert: »Philosophie, wie sie im Angesicht der Verzweiflung einzig noch zu verantworten ist, wäre der Versuch, alle Dinge so zu betrachten, wie sie vom Standpunkt der Erlösung aus sich darstellten. Erkenntnis hat kein Licht, als das von der Erlösung auf die Welt scheint: alles andere erschöpft sich in der Nachkonstruktion und bleibt ein Stück Technik.«20

Habermas beschreibt die Differenzen Horkheimers zu Adorno so: »Horkheimer konnte nicht, wie Adorno, auf die in den esoterischen Werken der modernen Kunst vermummten mimetischen Gehalte rekurrieren; noch wollte er, wie die Nachfolger Nietzsches, in Irrationalismus abgleiten. Zwar ließ der ›Schrecken, mit dem der Lauf zur rationalisierten, automatisierten, verwalteten Welt sich vollzieht‹ keinen Raum für Zweifel an einer zur Totalität aufgeblähten instrumentellen Vernunft. Aber Horkheimer wollte seinem ursprünglichen Impuls treu bleiben, ›im schlechten Bestehenden des Anderen eingedenk zu bleiben‹, ohne zur göttlichen Weisheit Zuflucht zu nehmen. Wie aber sollte sich dann noch die philosophische Kritik den Bezug zum ganz Anderen zutrauen?«


Zuflucht zur göttlichen Weisheit?

Horkheimer wollte nicht »dem Glauben an die nahe Verwirklichung der Ideen der westlichen Zivilisation … entsagen und trotzdem für die Ideen einstehen – ohne Vorsehung ja, gegen den ihr zugeschriebenen Fortschritt.« »Um diese Aporie«, so Habermas weiter, »kreist die Spätphilosophie, die Horkheimer in der Form von Tagebuchnotizen zu Papier gebracht und die Alfred Schmidt überzeugend charakterisiert hat. Der alte Horkheimer ist in dem, was man nachlesen kann, nicht zum religiösen Glauben zurückgekehrt; aber die Religion erscheint nun als die einzige Instanz, die, wenn sie nur Anerkennung heischen dürfte, erlauben würde, Wahres von Falschem und Moral von Unmoral zu unterscheiden – nur sie könnte dem Leben noch einen die pure Selbsterhaltung transzendierenden Sinn verleihen. Wie eine späte Fortsetzung seines Briefwechsels mit Walter Benjamin aus der Mitte der dreißiger Jahre liest sich die folgende Notiz: ›Die Schreckenstat, die ich verübe, das Leiden, das ich bestehen lasse, leben nach dem Augenblick, in dem sie geschehen, nur noch im erinnernden menschlichen Bewusstsein fort und erlöschen mit ihm. Es hat gar keinen Sinn zu sagen, dass sie dann noch wahr seien. Sie sind nicht mehr, sie sind nicht mehr wahr: beides ist dasselbe. Es sei denn, dass sie bewahrt blieben – in Gott. Kann man dies zugestehen und doch im Ernst ein gottloses Leben führen? Das ist die Frage der Philosophie.‹«21 Oder Horkheimer an anderer Stelle, wenn er den »Schlüsselgedanken« seiner philosophischen Arbeit als »die Sehnsucht« beschreibt, »dass der Mörder nicht über das Opfer triumphieren möge«22.

Es ging beiden – Horkheimer und Adorno – darum, im »Bösen« dem »Bösen« nicht zu verfallen, weder gedanklich-philosophisch noch politisch und gesellschaftlich-praktisch. Weil die damit verbundene Hoffnung aber kaum positiv zu formulieren ist, ohne vom Bestehenden sogleich wieder vernutzt zu werden, bleibt beiden – auch darin eine theologische Tradition aufnehmend – die via negativa. Freilich nicht ohne dabei dann doch – lange nach der »Dialektik der Aufklärung« – den Gedanken an Erlösung völlig preiszugeben. Beide kannten nicht lediglich Athen, sondern eben auch Jerusalem.


Anmerkungen:

1 Für die theologische Rezeption verweise ich lediglich auf drei unterschiedliche Titel, um den Reichtum differenter Rezeptionsmöglichkeiten anzudeuten: A. Pangritz, Vom Kleiner- und Unsichtbarwerden der Theologie. Ein Versuch über das Projekt einer »impliziten Theologie« bei Barth, Tillich, Bonhoeffer, Benjamin, Horkheimer und Adorno. Tübingen 1996; R. Frisch, Theologie im Augenblick ihres Sturzes: Theodor W. Adorno und K. Barth. Zwei Gestalten einer kritischen Theorie der Moderne. Wien 1999; J. Ebach, Ursprung und Ziel. Erinnerte Zukunft und erhoffte Vergangenheit. Neukirchen-Vluyn 1986.

2 M. Horkheimer/Th.W. Adorno, Dialektik der Aufklärung. Philosophische Fragmente. In: M. Horkheimer, Gesammelte Schriften. Bd. 5. Hrsg. v. G. Schmid Noerr. Frankfurt/M. 1987, 11-290; Zitat: 16.

3 A.a.O., 20.

4 Dass dies – wie oben bei Kant – nur eine Seite der Philosophie Descartes war, darauf sei ausdrücklich hingewiesen. Vgl. beispielsweise Descartes Brief an Elisabeth von der Pfalz vom 4. August 1645. In: Der Briefwechsel mit Elisabeth von der Pfalz. Frz./dt. Übersetzt von I. Wienand u.a. Hamburg 2015, 100-197. Kant externalisiert im Zuge seiner Aufklärung die Gewalt nach Afrika, Descartes richtet sie gegen die Natur.

5 A.a.O., 25.

6 Vgl. M. Horkheimer/Th.W. Adorno, Die Juden und Europa. In: Studies in Philosophy and Social Science, Bd. 8. The Institute of social research, New York 1939, 115.

7 Bd. 1. Stuttgart 1980, 8f.

8 Th.W. Adorno, Negative Dialektik. Frankfurt/M. 1966, 356.

9 G. Picht, Wahrheit, Vernunft, Verantwortung. Stuttgart 1969, 9. Vgl. dazu auch S. 245-248: Atonale Philosophie – Theodor W. Adorno zum Gedächtnis (1969). Vgl. dazu jetzt auch Helmut Strack, »Bildung als Frage nach dem Verbleib des Menschen« (Heydorn) – Theodor W. Adorno und Georg Picht als Philosophen der Krise. Einige Anmerkungen. Abrufbar unter: www.werkstatt-kritische-Bildungstheorie/Texte. 2019.

10 J. Habermas, Die revolutionäre Hoffnung ist ortlos geworden. In: ZEIT online vom 27. September 1985. www.zeit.de/1985/40/die-revolutionaere-hoffnung-ist-ortlos-geworden

11 G. Picht, a.a.O., 9.

12 M. Horkheimer/Th. W. Adorno, Dialektik der Aufklärung. A.a.O., 34.

13 Vgl. dazu M. Horkheimer, Kritische Theorie. Bd. I und II. Frankfurt/M. 1968.

14 M. Horkheimer, Gedanke zur Religion. In: ders., Kritische Theorie. Bd. 1. A.a.O., 374-376; Zitat: 376. Vgl. dazu auch: G. Picht, Atonale Philosophie. A.a.O., 246, wo Picht für Adorno resümiert, was auch für Horkheimer Geltung beanspruchen kann: »Er wollte nicht innerhalb des etablierten Systems von Disziplinen das, was man heute wissenschaftliche Forschung nennt, durch neue Erkenntnisse, Methoden und Hypothesen bereichern; dass diese Nebenwirkung nicht zu vermeiden war, hat zur Verfälschung seiner Intentionen beigetragen. Der primäre Gehalt seiner Erkenntnis tritt überall dort zutage, wo sich zeigt, dass diese neue Gestalt des kritischen Denkens sich wissenschafts-immanent nicht durchführen lässt, sondern das gesamte Gerüst und die darin eingebauten Prämissen der Wissenschaft des 20. Jahrhunderts in Frage zu stellen, ja zu demontieren sucht.«

15 E.M. Pausch, Ein »D-Day« für die Aufklärung. In: DPfBl 6/2019, 304-307; Zitat: 306.

16 Th.W. Adorno, Erziehung nach Auschwitz. In: Ders., Stichworte. Kritische Modelle 2. Frankfurt/M. 1969, 85-101; Zitate: 85 und 87. Der Aufsatz schließt mit folgenden zwei Sätzen (101): »Ich fürchte, durch Maßnahmen auch einer noch so weit gespannten Erziehung wird es sich kaum verhindern lassen, dass Schreibtischmörder nachwachsen. Aber dass es Menschen gibt, die unten, eben als Knechte das tun, wodurch sie ihre eigene Knechtschaft verewigen und sich selbst entwürdigen; dass es weiter Bogers und Kaduks gebe, dagegen lässt sich doch durch Erziehung und Aufklärung (sic! G.O.) ein Weniges unternehmen.« Zeitgleich zur ersten Generation der Frankfurter Schule entwickelte Heinz-J. Heydorn eine Konzeption kritischer Bildungstheorie, die sich der Tradition der Aufklärung seit der Antike bis in die Epoche der bürgerlichen Aufklärung ebenso verpflichtet weiß wie dem jüdisch-christlichen Hoffnungs- und Verheißungsglauben. Vgl. H.-J. Heydorn, Bildungstheoretische Schriften 1-3: Zur bürgerlichen Bildung – Anspruch und Wirklichkeit. Über den Widerspruch von Bildung und Herrschaft. Ungleichheit für alle. Zur Neufassung des Bildungsbegriffs. Frankfurt/M. 1979/1980.

17 J. Habermas, a.a.O.

18 A.a.O.

19 Vgl. Th.W. Adornos vielfältige Schriften zur Musik und Musiktheorie und insbesondere das posthum veröffentlichte und von Gretel Adorno und Rolf Tiedemann herausgegebene Werk: Ästhetische Theorie. Frankfurt 1970.

20 Th.W. Adorno, Minima Moralia. Frankfurt/M. 1985, 333. Vgl. dazu den Satz, mit dem Adornos »Negative Dialektik« schließt: »Solches Denken ist solidarisch mit Metaphysik im Augenblick ihres Sturzes.« (Frankfurt/M. 1970, 398). Vgl. zu beiden Zusammenhängen: W. Benjamin, Denkbilder. In: Ders., Gesammelte Schriften. werkausgabe edition suhrkamp. Zehnter Band. Hrsg. v. T. Rexroth. Frankfurt 1980, 419f.

21 J. Habermas, a.a.O.

22 M. Horkheimer, Die Sehnsucht nach dem ganz Anderen. Ein Interview mit Kommentar von Helmut Gumnior. Hamburg 1970, 11.

 

Über die Autorin / den Autor:

Prof. Dr. Gottfried Orth, nach Pfarramt und Evang. Erwachsenenbildung seit 1998 an der TU Braunschweig Prof. für Evang. Theologie und Religionspädagogik, Mitglied im Team des ORCA-Instituts für Konfliktmanagement und Training.

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft: 9/2019

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