Brief aus der Bundeshauptstadt

Von: Siegfried Sunnus
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Das »Tempelhofer Feld« war ursprünglich ein militärisches Übungsgelände und der Paradeplatz der Berliner Garnison seit 1722. Die Geschichte des Feldes reicht aber mehr als 700 Jahre zurück. Denn der Name Tempelhof verweist auf einen Ordenssitz der »Tempelritter« und dieser Besitz der Hohenzollern führte zur Stadterweiterung in das sumpfige Gelände nach Süden statt in die höher gelegenen nordöstlichen Teile.

Nun ist der alte Hauptstadtflughafen mit dem riesigen Flughafengebäude von Ernst Sagebiel aus den Jahren 1936-1941 eine Kostbarkeit in Berlin. Hier scheinen Himmel, Weite und Freiheit grenzenlos zu sein. Seit der Öffnung des Feldes im Jahr 2010 für alle ist Berlin um eine weitere Besonderheit reicher – eine der größten innerstädtischen Freiflächen der Welt. Darüber beneiden uns die anderen Metropolen. Wo früher Flugzeuge von Berlin in alle Welt starteten, gibt es nun über 300 Hektar grünen Freiraum zum Skaten, Schlendern, Gärtnern, Picknicken, Vogelbeobachten, Kite-Surfen und zu vielem mehr.

Die Freiheit des Ortes inspiriert – das beweisen 18 Projekte, die mit künstlerischen, gärtnerischen und sozialen Ideen für eine Nutzung erfolgreich experimentieren und ein breites Spektrum an Angeboten geschaffen haben. Die Mitwirkung der Bürgerinnen und Bürger ist auch weiterhin gefragt, denn 2014 hat sich Berlins Bevölkerung bei einem Volksentscheid gegen die Randbebauung des Feldes entschieden und für eine weitgehende Erhaltung des jetzigen Zustands ausgesprochen. Die Ziele und Inhalte einer behutsamen Entwicklung sollen in einem breit angelegten Partizipationsprozess gemeinsam mit der Bevölkerung erarbeitet werden. Es gibt Veranstaltungen wie ein Circus Festival, Präventionskurse, Gartenausstellungen, Gedenkstätten und diverse aktuelle Projekte. Wer im Internet das »Tempelhofer Feld« anklickt, sieht eine Menge von Aktivitäten.

Natürlich hören die Begehrlichkeiten nicht auf. Die Notwendigkeit, vermehrt zu bauen, lenkt immer wieder die Blicke auf das Feld. Eine Randbebauung wird diskutiert und Pläne dafür mit der Wahl in zwei Jahren werden lanciert. Aber die grundsätzliche Frage muss vorher entschieden werden: Können die Bebauungsvorschriften in Berlin so bleiben, wie sie z.Zt. sind? Ist der Flächenverbrauch einer wachsenden Stadt nur zu lösen mit einer Ausdehnung ins unbebaute Gelände oder muss nicht vielmehr eine Verdichtung auf der vorhandenen Fläche erfolgen? Vor 80 Jahren lebten in Berlin fast 4,5 Mio. Einwohner auf einer kleineren Stadtfläche – und nun sind es 3,575 Mio. in 2016. Da ist doch eine Besinnung erforderlich und die Stadtpolitik darf nicht in einer Legislaturperiode von vier Jahren denken, sondern muss sehen, dass Häuser für 100 Jahre und mehr errichtet werden. Der Boden ist ja nicht vermehrbar und es kommt zunehmend darauf an, im Bestand zu planen – auch wenn der tägliche Flächenverbrauch immer noch zunimmt. Gerade weil die Wanderung in die Städte zu Lasten des Landes immer mehr steigt, sind eine Diskussion und dann folgende Entscheidungen dringend erforderlich.

Man kann gespannt sein, wie sich die Berliner Politik dazu entwickelt.

Siegfried Sunnus 

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft: 9/2019

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