Brief aus der Bundeshauptstadt

Von: Siegfried Sunnus
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Berlin feiert 100 Jahre Bauhaus. Das mag überraschen, weil gewöhnlich mit »Bauhaus« Weimar und Dessau assoziiert werden. Aber in Berlin sind die meisten Zeugnisse der Bauhaus-Kultur vorhanden!

Das Bauhaus bestand in Deutschland nur 14 Jahre, seine Ideen werden jedoch seit 100 Jahren weitergetragen und seine Produkte neu aufgelegt. In der »Berlinischen Galerie« zeigt die Jubiläumsausstellung des »bauhaus-archivs/museum für gestaltung« in der Ausstellung »original bauhaus« berühmte, bekannte und vergessene Bauhaus-Originale und erzählt die Geschichte hinter den Objekten.

So ist das berühmte Treppenbild von Oskar Schlemmer aus dem Jahre 1932 in einer fast identischen Kopie zu sehen, geschaffen von seinem Bruder Carl, der sie für die Familie angefertigt hat. Er war ebenfalls »Bauhäusler« und unterstützte seinen Bruder. Dieses Werk ist erstmals öffentlich ausgestellt. Das Bild zeigt mehrere stilisiert geometrisch modellierte Personen, die eine Treppenanlage hinaufsteigen. Es entstand als Protest gegen die von der nationalsozialistischen Mehrheit im Dessauer Gemeinderat verfügte Schließung des Bauhauses zum 30. September 1932. Das Bild ist Schlemmers malerisches Hauptwerk und gehört zur Klassischen Moderne. Im Jahr 1933 kauften es Philip Johnson und Alfred Barr für die Sammlung des New Yorker Museum of Modern Art (MoMa); dort hängt es bis heute im Treppenhaus! Das Gemälde wurde nach dem Zweiten Weltkrieg in Europa zuerst in der »documenta 1« gezeigt und trug nach Ansicht der Kunsthistorikerin Gerda Breuer dazu bei, den verfemten Künstler Oskar Schlemmer in Deutschland zu rehabilitieren.

Am 15. April 1975 gab die Deutsche Bundespost eine Briefmarke mit diesem Motiv heraus, als Europamarke zum Thema Gemälde, und am 14. März 2019 folgte die Deutsche Bundesbank mit einer Gedenkmünze, die neben dem Motiv der Bauhaustreppe auch Bauhaus-Architektur zeigt.

Zu den Geschichten gehört auch, wie die Sitzende im Stahlrohrsessel zu der berühmtesten Unbekannten des Bauhauses wurde. Eine Fotostation lädt Besucherinnen ein, sich selbst als Frau mit Maske zu fotografieren! Oder, wieso blieb das Tee-Extrakännchen, als Prototyp von Marianne Brandt für die Industrie geschaffen, immer ein Unikat? Sie absolvierte als eine der ersten Frauen in der Metallwerkstatt ihre praktische Ausbildung und erhielt dafür einen Gesellenbrief! Danach hätte das handgefertigte Stück vom Band laufen sollen.

Zu sehen sind Kunst und Design aus den Beständen des Bauhaus-Archivs, aus internationalen Sammlungen sowie zeitgenössische künstlerische Positionen.

Das Foto der Unbekannten – war es Ise Gropius? – von Erich Consemüller, fasst in einem Bild die Sparten Möbeldesign, Textil, Bühne, Fotografie zusammen – und die Werbung. Das Bauhaus wusste sich zu inszenieren …


Siegfried Sunnus

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft: 10/2019

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