Zum 400. Geburtstag von Tobias Clausnitzer
Der Gottesdienst als Achtsamkeitsübung

Von: Joachim Schnürle
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In den letzten Jahrzehnten wurden Gottesdienstformen geschaffen, die besucherorientiert gedacht sind und verschiedene Zielgruppen in den Blick nehmen. Die traditionelle Liturgie hingegen schöpft aus einem Fundus, der seit Jahrhunderten genutzt wird und in Variationen das Gottesverhältnis des Gottesdienstbesuchers seit Generationen prägt. Dass darin auch zeitgemäße Formen eines Gottesdienstverständnisses zu finden sind, zeigt Joachim Schnürle an einem Lied von Tobias Clausnitzer.

 

Der protestantische Gottesdienst umfasst verschiedene Facetten. Unterschiedliche Aspekte können bei einer Beschreibung des gottesdienstlichen Geschehens in Auge gefasst werden. Sowohl die Gemeinschaft der versammelten Gemeinde ist eine wichtige Funktion, aber auch individuelle Gegebenheiten können thematisiert werden. Die intrapsychische Verfassung, die Wünsche und Erwartungen des singulären Gottesdienstbesuchers stehen einem für die ganze Gottesdienstgemeinschaft gebotenen Gottesdienstrahmen entgegen. In den letzten Jahrzehnten wurden Gottesdienstformen geschaffen, die besucherorientiert gedacht sind und verschiedene Zielgruppen in den Blick nehmen. Die traditionelle Liturgie hingegen schöpft aus einem Fundus, der seit Jahrhunderten genutzt wird und in Variationen das Gottesverhältnis des Gottesdienstbesuchers seit Generationen prägt – und dies in wandelnden gesellschaftlichen Verhältnissen, wandelnden sozialen Gegebenheiten, in Kriegszeiten, in Zeiten der wirtschaftlichen Sicherheit, in Zeiten der Sorge um Umweltkatastrophen.

 

Protestantische Theologie des Gottesdienstes

Das Gottesdienstverständnis, die Gottesdienst-Theologie Luthers als Grundmarke einer protestantischen Gottesdienst-Theologie wurde in den letzten Jahren und zum Reformationsjubiläum wieder neu in den Blick genommen. An verschiedenen Stellen wurden Ergebnisse hierzu veröffentlicht.1

In einer Dissertation hat ein fränkischer Pfarrer die Anschauungen zur Funktion des Gottesdienstes an markanten Vertretern der Theologie dargestellt2. Markus Roth hat die Ergebnisse zu verschiedenen Gelegenheiten skizziert.3 Luthers Wortverständnis prägt seine Gottesdienst-Theologie, die Roth oft als verengt wahrnimmt in der landläufigen Rezeption. Oswald Bayer betont entgegen neuzeitlicher Verengung den Aspekt der »promissio« im Rückgriff auf Luther. Paul Tillich wird entgegen verschiedener Kritik rehabilitiert, dessen Darstellung als eine »weiterführende Übersetzung evangelischer Theologie für die Gegenwart« bewertet wird. Tillich bringt neben einer personalen Dimension und einer sakramentalen Dimension der Gottesbegegnung und des Gottesdienstes als weitere Ebene die mystische Dimension ins Spiel: »Ein Gebet, das in personalem Charakter beginnt, kann zur schweigenden Kontemplation werden. Der Gottesdienst ist nicht nur Verkündigung, nicht nur Lobpreis, sondern auch Kontemplation, Schweigen vor dem Mysterium Gottes. Gottesdienst ist nach Tillich Hinwendung zur Quelle, von der empfangen wird.«

Die Funktion des Gottesdienstes ist in seiner subjektiven Sichtweise neben einer Consolatio in verschiedenen Lebensumständen auch eine Form der Alltagsbewältigung. In den Erfordernissen unserer schnelllebigen Zeit kommt immer wieder der Wunsch nach Entspannung, einem Innehalten und von Pausen im Wochenrhythmus auf. Auch ein Gottesdienst hat Funktionen, die der Stressbewältigung dienen, ohne dies direkt zu adressieren. Vor diesem Hintergrund kann der Gottesdienst als eine Übung von Achtsamkeit und damit einem Heraustreten aus dem Alltag gesehen werden. Dies soll an dem Lied Tobias Clausnitzers »Liebster Jesu, wir sind hier«, das in Gottesdienstordnungen als Lied vor der Predigt vorgeschlagen wird4, dargestellt werden.

 

Achtsamkeit in der Stressbewältigung

Die Professionalisierung der Beratung in Coaching und Therapie hat auch zu einem Aufschwung psychotherapeutischer Stressbewältigung geführt. Ein nicht zu unterschätzender Anteil an Hilfesuchenden ist gefangen in einer durch die Lebenswelt diktierten Überforderung oder durch eine Selbstüberforderung unter der Prämisse, mithalten zu wollen in den Anforderungen der Berufswelt, dabei sein zu wollen in den sozialen Netzwerken. Die Kommunikationswerkzeuge des 21. Jh. reichen hinein bis in die kleinsten Ritzen des Alltags und fordern Aufmerksamkeit – auf Kosten von Erholung, Schlaf und »Freizeit«.

Das Leben wird heute als stressiger empfunden wie noch vor 15-20 Jahren, wie dies auch repräsentative Umfragen darstellen – so die Ergebnisse einer Forsa-Umfrage im Auftrag der Techniker Krankenkasse zur Entwicklung des allgemeinen Stresslevels in Deutschland aus dem Jahr 2016. In der Altersgruppe der 40- bis 49jährigen gaben 63% an, das Leben sei heute stressiger als vor 15-20 Jahren.5 In dieser Studie gaben 30% der 40- bis 59jährigen an, dass sie unter Stress litten, der so stark oder langanhaltend war, dass er allein eigentlich nicht bewältigt werden konnte.6 61% der Befragten gaben an, mehr Stress zu haben als im Jahr 2013.7

Dies zeigt sich auch in der Zunahme der Inanspruchnahme von psychotherapeutischen Behandlungen. Zwischen 2000 und 2006 ist die Zahl der genehmigten ambulanten Psychotherapien um 61% gestiegen. Am häufigsten nahmen dabei Frauen der Geburtsjahrgänge 1971 bis 1980 eine Psychotherapie in Anspruch. Hauptanlass für eine Genehmigung war die Diagnose Depression (29%), gefolgt von »Reaktionen auf schwere Belastungen und Anpassungsstörungen« sowie somatischen Beschwerden.8

Als Stressbewältigung werden die Nutzung von Entspannungsverfahren neben einem Ausdauertraining und einem Hinterfragen von stressfördernden Einstellungen empfohlen. Diese Maßnahmen können in Form von Seminaren, Volkshochschulkursen oder auch einem privaten Coaching erlernt und umgesetzt werden. Dabei wird immer häufiger das Prinzip der Achtsamkeit genannt, was bei der Suche nach Stressbewältigung im Internet unter den häufigsten Treffern landet.

Achtsamkeit wird heute verstanden als »ein Prozess, bei dem die Aufmerksamkeit nicht-wertend auf den gegenwärtigen Augenblick gerichtet ist. Sie nimmt wahr, was ist, und nicht, was sein soll. Das heißt: Sie ist einerseits nüchtern, real, desillusionierend, andererseits annehmend, integrierend, und vielleicht sogar auf mütterliche Weise liebevoll. Achtsamkeit ist aber noch mehr: Sie ist ein Instrument, um unsere affektiven, geistlichen oder körperlichen Regungen in status nascendi zu beobachten, und sie vermittelt den Kontakt mit der Gegenwart, die, wenn sie nicht explizit in den Blick genommen wird, häufig nicht wirklich erlebt wird.«9

 

Gottesdienst als Achtsamkeitsübung

Nach dem Dreißigjährigen Krieg entstand ein bis heute häufig gesungenes Kirchenlied, das die Funktion des Gottesdienstes thematisiert und als Consolatio und Lebensbewältigung am Ende des Dreißigjährigen Krieges verstanden werden kann. Das Lied »Liebster Jesu, wir sind hier« gehört zu den klassischen Chorälen, die zur Predigt des evangelischen Gottesdienstes leiten. Frühere Generationen kennen das Lied auch als Hinführung zum Religionsunterricht.10

Der Verfasser, der im Jahr 1619 geborene Tobias Clausnitzer, erblickte in Thum im Erzgebirge am 5. Februar das Licht der Welt. Somit wurde er in die Kriegswirren des Dreißigjährigen Krieges hineingeboren, der von 1618 bis 1648 andauerte. Kindheit, Jugend und Erwachsenwerden waren geprägt von der Unsicherheit und den Nöten, die eine Kriegszeit mit sich bringt. Clausnitzer studierte von 1637 bis 1642 in Leipzig, wo er den Titel eines Licentiaten der Theologie erwerben konnte. Auch hautnah hat er die letzten Kriegsjahre wahrgenommen als Feldprediger des schwedischen Regiments. Aufmerksamkeit erregte er durch die 1645 veröffentlichte Friedensschrift »Friedenstraum des Meißnischen Zion aus dem 126. Psalm« und dann zum Kriegsende 1648 mit der Schrift »Fröhlicher Friedensboth«. Nachdem der Westfälische Friede geschlossen war, hielt er am Neujahrstag 1649 auf Befehl des schwedischen Generals Wrangel die Festpredigt zur Feier dieses Friedensschlusses in Weiden. Hier wurde er dann auch bald Pfarrer und nach wenigen Jahren pfälzischer Kirchenrat. Er musste mit der speziellen kirchlichen Situation des Simultaneums zurechtkommen. War doch das pfälzische Territorium durch den katholischen Pfalzgrafen Wolfgang Wilhelm von Pfalz-Neuburg und dem Lutheraner Christian August unter beiden Konfessionen stehend. Die Kirchen wurden von beiden Konfessionen genutzt.

Clausnitzer war aufgrund seiner irenischen Haltung, die er in Schlesien kennenlernte, auf eine Zusammenarbeit mit der katholischen Gemeinde bedacht. Doch hörten so die Konflikte und Spannungen auch nach dem Krieg nicht auf, sondern begleiteten noch die äußerlichen Friedenszeiten. Gestorben ist Clausnitzer am 7. Mai 1684 in Weiden.11 Sein Predigtlied »Liebster Jesu« ist 1663 erstmals im Altdorffischen Gesangbuch12 erschienen, also in der Nachkriegszeit, mitten hinein in die konfessionellen Unruhen, die gerade auch unter seinen Landesherren schwelten.

Der Gottesdienst war für den Pfarrer ein Ort, an dem die Querelen auf Abstand gehalten werden sollten. In seinem Lied macht er dies deutlich, wir die Gemeinde hineintritt in die Begegnung mit Gottes Wort und damit mit Gott und seinem Christus selbst. Die Aufmerksamkeit wird weggewendet von allen alltäglichen Nöten – eine Form der Achtsamkeitsübung, die im gottesdienstlichen Geschehen seinen festen Ort im Wochenablauf hat.

 

Aufmerksamkeitslenkung und Achtsamkeit im Lied

In den drei Strophen von Clausnitzers Predigtlied lassen sich verschiedene Schritte auffinden, die eine Achtsamkeitsübung darstellen. Die Gemeinde begibt sich auf einen Weg, der aktiv beschritten wird, der aber auch von Gottes Handeln und Wirken abhängt. Im Gottesdienst erwartet der Pfarrer das Wirken Gottes am Individuum und auch an der ganzen Gemeinde.

1 Liebster Jesu/ wir sind hier/
dich und dein Wort anzuhören:
lencke Sinnen und Begier/
auf die süsse Himmels=Lehren/
daß die Hertzen von der Erden/
gantz zu dir gezogen werden.
13

Der Liedbeginn zeigt die gottesdienstliche Situation, ein Versammeltsein einer Gemeinde unter dem reformatorischen Primat des Wortes Gottes. Darum soll es gehen, beim Hiersein: das Wort anzuhören. Nicht der Opfercharakter, nicht der Dienst des einzelnen Gläubigen wird angesprochen. Gott selbst soll zu Wort kommen, er soll gehört werden durch seine Worte. In barocker Ausdrucksweise handelt es sich um »süße Himmelslehren«. Nicht trocken Brot wird ausgeteilt, sondern Lehre, die Süßigkeit enthält – im Anklang an das versprochene Land, in dem Milch und Honig fließen.

Es wird bereits in der ersten Strophe ein Gebetswunsch formuliert, der erkennen lässt, dass Tobias Clausnitzer nicht primär eine »Lehrstunde« unter dem Gottesdienst versteht, sondern vielmehr über eine reine Information hinaus eine Wirkung auf die Affekte des Gottesdienstbesuchers erhofft. »Lenke Sinnen und Begier« – nicht die Wissensvermittlung ist das Ziel, sondern eine ganzheitliche Beeinflussung von mentalen und voluntativen Funktionen hat er vor Augen. »Sinnen und Begier« – das Wollen ist angesprochen, das sich auf göttliche Themen, ja die Gottesbegegnung selbst im Gottesdienst ausrichten soll. Das Wünschen und Begehren soll auf geistliche Themen fokussiert werden. Clausnitzer formuliert eine Aufmerksamkeitslenkung als Ziel: »dass die Herzen von der Erden ganz zu dir gezogen werden.« Die Aufmerksamkeit soll von den alltäglichen Dingen, von Arbeit und Sorgen, von Familienfragen und Nöten abgezogen werden auf göttliche Themen. Dies ist in der Nachkriegszeit des Dreißigjährigen Krieges ein nicht geringer Anspruch, musste doch mancher um sein Dasein sorgen und war es oft schwierig, wirtschaftlich ein Auskommen zu haben.

Clausnitzer erwartet Hilfe vom »Liebsten Jesus«, dem Gottessohn, in dem Gott den Menschen und der Not der Menschen nahegekommen ist. Diesen ruft die Gebetsstrophe an. Die Aufmerksamkeitslenkung ist eine Übung der Achtsamkeit, um einen modernen Begriff, der verwandt ist mit Aufmerksamkeit, hier anzuführen.

2 Unser Wissen und Verstand/
ist mit Finsternis verhüllet/
wo nicht deines Geistes Hand
uns mit hellem Licht erfüllet.
Gutes dencken/ thun und tichten/
must du selbst in uns verrichten.

Kritik wird laut an rationaler Durchdringung der Welt, als Heilsversprechen. Dies kann nichts nützen in den Nöten und Sorgen der Zeit. Hat doch der Pfarrer mit vielen anderen in den Kriegsjahren erlebt, wie wenig die eigenen Möglichkeiten und Kräfte ausreichen zur Daseinsbewältigung. Jahrzehntelange Kriegswirren haben den Blick für die persönliche Endlichkeit geschärft. Auch hier erwartet und erbittet der Dichter Hilfe und Zuspruch durch »deines Geistes Hand«. Gott muss durch seinen Geist wirken, »uns mit hellem Licht erfüllen«. Die Kriegszeit hat neben der äußerlichen Verheerung immer wieder deutlich gezeigt, wozu der Mensch fähig ist. Jegliches humanistische Ideal ist zerstört worden – der Mensch ist zu brutaler Gewalt fähig und hat dies über Jahrzehnte fortlaufend bewiesen. Eine sittliche Besserung kann nicht vom Menschen selbst kommen: »Gutes denken, tun und dichten musst du selbst in uns verrichten«. Dazu soll die gottesdienstliche Aufmerksamkeitslenkung führen – zu einem gereinigten Denken, zu einer Öffnung für göttliche Segenseinflüsse, zu einem Wirken des Gottesgeistes an Gedanken und Herzen.

3 O du Glantz der Herrlichkeit/
Licht vom Licht aus GOtt geboren:
Mach uns allesammt bereit/
öffne Hertzen/ Mund und Ohren/
unser Bitten/ Flehn und Singen/
laß, HErr Jesu! wolgelingen.

Der Sänger bzw. Beter stellt sich hier in der Schar der gottesdienstlichen Gemeinde bittend vor Gott: »Mach uns allesamt bereit«. Diese Übung der Achtsamkeit, dieses persönliche Sich-Einlassen auf die Gottesbegegnung bleibt beim Wollen, bleibt beim Wünschen. Gott selbst, muss helfen, dass es gelingt: »öffne Herzen, Mund und Ohren!« Die Gemeinde steht als Bittende, als Bedürftige vor dem Herrn der Gemeinde. Sie bittet Jesus, ruft den Heiland an, dass er es »wohlgelingen« lässt. Aller Hochmut, alles eigene Können ist durch die lange Kriegszeit in den eigenen Augen geschwunden. Als Bedürftige kommend und bittend – das ist die Haltung der neuen Achtsamkeit, gewahr werdend, was Gott tut in seiner Güte und neuerlichen Zuwendung. Alles Eigene wird als Stückwerk, als nicht ausreichend, als nicht zwingend überzeugend wahrgenommen.

 

Gottesdienst und Achtsamkeit

In der Darstellung des Kirchenliedes von Tobias Clausnitzer wird deutlich, wie die leidgeprüften Menschen in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges, im Kampf um das eigene Überleben und im Kampf um die Versorgung der Familie, den Gottesdienst als einen Ruheort, als einen Ort, an dem die Sorge des Alltags beiseite stehen darf, wahrgenommen haben. Wie oft in Zeiten der äußeren Not wurde der Glaube neu thematisiert und waren die Kirchen gefüllt bei der Suche nach Antwort auf die brennenden Lebensfragen und auf der Suche nach Trost, der von außen kommt. Es wurde im Gottesdienst ganz praktisch angeleitet, die Aufmerksamkeit auf das Wort und damit auf die Gegenwart Gottes in Christus, dem »lieben Jesu«, zu lenken. Von ihm sollte der Trost herkommen. Als Übung dazu wurde die rechte Bereitung, die innere Verfassung im Wort und im Lied angesprochen. Doch über alle eigene Vorbereitung, über alle eigene Disposition hinaus wurde Gott angerufen, diese Aufmerksamkeit, diese Andacht zu schenken und durch seine Gnade zu bereichern. Nicht Weltflucht war das Ansinnen, aber ein gedankliches Neuausrichten auf die süßen Himmelslehren. Die Herzen sollten zu Christus gezogen werden und dort Trost und Ermunterung erfahren – Trost, der dann auch in den Alltag wirkt im »Denken, Tun und Dichten«.

Im Vergleich mit den Zielen moderner Achtsamkeitsübung, wie das Richten der »Aufmerksamkeit nicht-wertend auf den gegenwärtigen Augenblick, die Wahrnehmung dessen, was ist im Hier und Jetzt«, zeigen sich deutliche Parallelen. »Ein Annehmen, nüchtern, real, desillusionierend und integrierend der Lebensumstände«, gelingt im Aufblick auf den »liebsten Jesus«. Die aktuellen Bedürfnisse werden transzendiert im Aussprechen der Bitten und dem Flehen hin zu dem, der allein helfen kann. Es zeigt sich ein Ernstnehmen der gelernten Katechismuswahrheiten. Es wird nicht nur theoretisch »auswendig« gelernt, sondern in persönliche und gemeindliche Praxis umgesetzt.

 

Anmerkungen:

1 So u.a. Christopher Spehr, Luthers Theologie des Gottesdienstes. In: Hans-Joachim Eckstein/Ulrich Heckel/Birgit Weyel (Hrsg.), Kompendium Gottesdienst. Der evangelische Gottesdienst in Geschichte und Gegenwart, Tübingen 2011, 84-103. Klaus Raschzok, Katholisch und reformatorisch: Gottesdienstliche Praxis und Spiritualität Martin Luthers. In: Würzburger Diözesan Geschichtsblätter 81, 2018, 13-30.

2 Markus Roth, Die Zuwendung Gottes feiern. Evangelische Gottesdienst-Theologie bei Martin Luther, Oswald Bayer und Paul Tillich als ein Beitrag zu einer fundamentalliturgischen Praxistheorie. Leipzig 2016.

3 Die Zuwendung Gottes feiern: evangelische Gottesdienst-Theologie 500 Jahre nach Luther. In: DPfBl 116 (9), 2016, 510-512. Und in: Würzburger Diözesan Geschichtsblätter 81, 2018, S. 31-36.

4 Helge bei der Wieden, Die Ausstrahlung der Reformation: Beiträge zu Kirche und Alltag in Nordwestdeutschland, Göttingen 2011, 129. Auch Erdmann Beyer, Lehr- und Bekenntnislieder der evangelischen Kirche: Erklärt und mit historischen Einleitungen versehen, Berlin 1852, 25-29.

5 https://de.statista.com/statistik/daten/studie/649732/umfrage/wahrgenommene-aenderung-des-allgemeinen-stresslevels-in-deutschland-nach-alter/ Letzter Zugriff am 07.02.2019.

6 https://de.statista.com/statistik/daten/studie/649848/umfrage/umfrage-zu-extremer-stressbelastung-in-deutschland-nach-alter/ Letzter Zugriff am 07.02.2019.

7 https://www.tk.de/resource/blob/2026630/9154e4c71766c410dc859916aa798217/tk-stressstudie-2016-data.pdf.

8 Dokumentation in Deutsches Ärzteblatt, PP, 12, 2007, 541.

9 Ulrike Anderssen-Reuster, Was ist Achtsamkeit? In: Ulrike Anderssen-Reuster (Hrsg): Achtsamkeit in Psychotherapie und Psychosomatik – Haltung und Methode. Stuttgart 2007, 1.

10 S. die Ausführungen von Karl-Hermann Kandler auf https://www.kirche-chemnitz.de/geschichte.php?show=0&beitrag=1129 Letzter Zugriff 13.02.2019.

11 S. zu Clausnitzer den ADB-Artikel: Paul Pressel, Tobias Clausnitzer. In: Allgemeine Deutsche Biographie 4 (1876), 297. Friedrich Wilhelm Bautz, Tobias Clausnitzer. In: BBKL Bd. 1, 1990, Sp. 1045. Johannes Schluttig, Tobias Clausnitzer, der Dichter des Kirchenliedes »Liebster Jesu wir sind hier«. In: Herbergen der Christenheit. Jahrbuch für deutsche Kirchengeschichte 27, 1959, 62ff. Manfred Knedlik, Tobias Clausnitzer – Ein Weidener Prediger und Poet der Barockzeit. In: Die Oberpfalz 29, 1992, 107-111.

12 Frommer Christen Betendes Hertz und Singender Mund: Oder Altdorffisches Bet= und Gesang= Büchlein [...], Altdorff, Gedruckt bey Joh. Göbel, in Verlegung Sebastian Göbels, Altdorf 1663, spätere Auflagen bei Endter in Nürnberg.

13 Zit. n. der Ausgabe Altdorfisches Bet= und Gesang=Büchlein […], Nürnberg, Johann Andreae Endters Seel. Söhne 1701, 29.

 

Über die Autorin / den Autor:

Dr. Joachim Schnürle, Jahrgang 1970, Mediziner, tätig in der Altmühlseeklinik Hensoltshöhe in der Rehabilitation von onkologischen und psychosomatischen Patienten; Interessenschwerpunkt: Psychotherapie und Seelsorge unter Rückgriff auf das Glaubensgut in Kirchenliedern und Erbauungsliteratur; Veröffentlichung zum seelsorgerlichen Gebrauch von Schriften Gerhard Tersteegens, Philipp Friedrich Hillers und Thomas von Kempens.

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft: 12/2019

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