Unter einer Decke

Von: Peter Haigis
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Sie stecken im wahrsten Sinn des Wortes unter einer Decke: die drei heiligen Könige in der berühmten Darstellung des Meisters Gislebertus auf einem Säulenkapitell der Kathedrale im burgundischen Autun. Und das ist gut so, denn sie haben einen gemeinsamen Traum: dem Stern zu folgen, der sie zum göttlichen Königskind in Bethlehem leiten wird. Der Künstler und Steinmetz deutet diese Szene an durch einen Engel, der an die Schlafstatt der Könige tritt, einen der drei sanft mit dem Finger seiner rechten Hand berührt, während seine andere Hand auf den Leitstern weist. Und auch später stecken die drei unter einer Decke, wenn sie im Traum davor gewarnt werden, nicht den feindseligen König Herodes aufzusuchen, um ihm Bericht zu erstatten, sondern auf einem anderen Weg in ihr Land zurückkehren, wie es in der Erzählung im Matthäusevangelium heißt.

Es scheint so zu sein, dass die Geschichte vom Kind in der Krippe eine zarte Geschichte ist, die sich für die Ohren der Machtbesessenen dieser Erde nicht eignet. Sie haben keinen Sinn dafür. Das feine Gespür, die innere Intuition, die Sprache der Symbole, die Vision des Neuen, das Angerührt-Sein vom Finger Gottes, das Vertrauen in und Hoffen auf das, was man nicht sieht – all das sind Gaben, auf die es in der biblischen Geschichte wie auch in der Darstellung im Relief von Autun ankommt. Von denjenigen, die dafür nichts übrig haben, gibt es wohl genug in dieser Welt. Aber sie kommen und gehen, und ihre auf Macht, Krieg, Gewalt, Lügen und Unterdrückung aufgebaute Herrschaft wird keinen Bestand haben. Gott wird sie richten.

Freilich, das zeigt die biblische Weihnachtserzählung, es gibt auch andere: solche, die ihre Herzen vom Evangelium des Reiches Gottes anrühren lassen – und auch unter ihnen finden sich immer wieder Menschen von Rang und Namen und Einfluss, glücklicherweise. Mögen sie die Geschicke unserer Welt bestimmen, mehr als die Großmäuler nach der Art eines Herodes.

Ein gesegnetes Christfest wünscht Ihnen Ihr

Peter Haigis

 

PS: Und noch ein kleiner Ausblick ins neue Jahr, mit dem auch für das Deutsche Pfarrerblatt einiges neu wird: Die Rückmeldungen aus unserer Mitgliederbefragung im vergangenen Jahr haben uns gezeigt, dass es an der Zeit ist, das Deutsche Pfarrerblatt in seinem Layout aufzufrischen, luftiger und leichter zu gestalten und damit lesefreundlicher zu machen. Das ist uns in Zusammenarbeit mit einer Grafikagentur – hoffentlich zu Ihrer Freude und Zufriedenheit – gelungen. Im Januarheft, das auch von der Titelaufmachung neu daherkommt, können Sie sich davon ein Bild machen. Es gilt – wie so oft –, das Gewohnte und Bewährte festzuhalten und Neuem Raum zu geben, damit man findet, wonach man sucht und worauf man wartet, aber eben auch überrascht wird von dem, was unsere Aufmerksamkeitsradien durchkreuzt. Die ideale Mischung ist nicht immer leicht zu finden, aber sie birgt eine spannende Herausforderung. Ihr haben wir uns gestellt und legen das Ergebnis ab Januar in Ihre geschätzten Hände.

 

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft: 12/2019

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