10. Mai 2018, Offenbarung 1,4-8
Christi Himmelfahrt

Von: Peter Haigis
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Eine E-Mail von Christus

Ein schwieriger Feiertag

Der Feiertag Christi Himmelfahrt gehört zu den eher schwierigen, ja vergessenen Feiertagen des kirchlichen Kalendariums. Was eigentlich Pfingsten und Christi Himmelfahrt sein und bedeuten sollen, dürfte – abgesehen von einem harten Kern treuer Gottesdienstbesucher – kaum noch jemandem klar sein. Das muss allerdings keineswegs heißen, dass es nicht zu vermitteln wäre.

Mit Christi Himmelfahrt schließt die Episode, die im Kirchenjahreszyklus auf das Erscheinen Jesu Christi, sein Leben, Wirken, Leiden, seinen Tod und seine Auferstehung bezogen ist. Man kann auch sagen, Christi Himmelfahrt hat die Abwesenheit, die Entzogenheit Jesu Christi für uns, nämlich seine Jünger*innen der ersten und bislang letzten (heutigen) Generation zum Thema.


Ehrentitel

Die traditionelle ntl. Überlieferung verbindet mit dem Thema der (leiblichen) Abwesenheit Jesu Christi auf Erden seinen Übergang in die himmlische Welt Gottes – und das bedeutet im Blick auf den irdischen und gekreuzigten Jesus dessen endgültige Bestätigung und Proklamation als Christus und Sohn Gottes.

Dementsprechend umgibt die ntl. Literatur den Auferstandenen mit einer Reihe von Christusprädikationen oder Ehrentiteln, so auch im vorliegenden Predigttext, wenn Jesus als der »Christus«, als der »treue Zeuge«, der »Erstgeborene von den Toten«, als »Herr über die Könige auf Erden« (V. 5) bezeichnet wird. Dies findet eine indirekte Fortsetzung in den folgenden Versen (V. 6f) und in der Vision, die Johannes anschließend beschreibt (V. 12-18), wobei sich eine interessante theologische Parallelisierung zwischen Gott und Christus (vgl. V. 8 und V. 17b.18) zeigt.

Auf uns heute mögen etliche dieser Titel und Umschreibungen fremd wirken und spannender als ihre Aktualisierung finde ich eine andere Herausforderung an die Predigt.


Kommunikation unter Abwesenden am Ende des 1. nachchr. Jh.

Die Predigtperikope ist Teil eines Briefes, genauer eine Art Briefkopf und Anschreiben. Sehen wir einmal von der Komplexität ab, die sich damit verbindet, dass Johannes als Absender des Briefes fungiert, so blicken wir als eigentlichen Briefautor auf Jesus Christus (dessen »Sekretär« Johannes gewissermaßen ist – vgl. Offb. 1,10f). Wir haben es also mit einer Kommunikationsform zu tun, derer sich der auferstandene und nun auf eine bestimmte Weise abwesende Christus bedient, um mit seiner »Anhängerschaft« in Verbindung zu treten: im Medium des Sendschreibens oder Briefes. Für die ntl. Gemeinden ist dieses Verfahren geläufig (vgl. Paulus), der Unterschied hier ist lediglich der, dass Christus selbst als Autor in den Kommunikationsprozess eingreift.


Kommunikation unter Abwesenden heute

Kommunikationsformen wandeln sich ebenso wie Medien. Wer schreibt heute noch handschriftliche Briefe? Wer kommuniziert noch mittels eines Anschreibens – und zu welchem Zweck? Es gibt das Telefon, den E-Mail-Verkehr; es gibt »Skype«, »WhatsApp«, »Facebook« und »Twitter«. Damit lässt sich für diesen Gottesdienst produktiv spielen. Es wäre beispielsweise eine kreative Idee für die Gottesdienstvorbereitung mit Konfirmanden, eine andere Kommunikationsform auszuwählen, in der heute Christus mit seiner Gemeinde kommunizieren könnte. Noch wichtiger ist aber die Frage: Was würde er uns mitteilen?


Botschaften des Auferstandenen

Im Kontext der Offb. ist die Botschaft Christi Trost und Ermutigung, auch in schwierigen Zeiten durchzuhalten. Aber auch kritische Rückfragen (»Stehst du noch zu deinem Auftrag?«) oder Erinnerungen an das, was für die Existenz in der Nachfolge Jesu und im Geist Christi wesentlich ist, könnten ein Thema sein, wie die sieben Sendschreiben (Kap. 2+3) zeigen. Ich würde die Botschaft hier gemäß der konkreten Gemeindesituation vor Ort fokussieren und gegebenenfalls auch dies in Teilen mit den Konfirmanden erarbeiten.


Peter Haigis

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft: 4/2018

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