20. Mai 2018, 1. Korinther 2,12-16
Pfingstsonntag

Von: Monica Hirsch Reinshagen
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Gegen den Druck, besser sein zu müssen


1. Kontext Pfingsten

Judentum: Nach der Zerstörung des Jerusalemer Tempels im Jahr 70 n. Chr: Gedenken der alljährlichen Erneuerung des Bundes Israels mit Gott.

Christentum: Die frühe Kirche stellte die Aussendung des heiligen Geistes in den Mittelpunkt. An Pfingsten wurden die Apostel vom heiligen Geist inspiriert (Lukasevangelium) und sie erhielten die Fähigkeit, Menschen mit unterschiedlicher Muttersprache von den Taten Gottes zu berichten. Das ist der Grundstein für die Mission und für die Erweiterung des atl. Bundes Gottes mit seinem Volk auf die gesamte Menschheit. 3000 Menschen ließen sich taufen, nachdem sie von der Botschaft des Petrus von Jesus begeistert waren. Es kommt zur Gründung der ersten christlichen Gemeinschaft, dem Geburtstag der Kirche.

In vielen Gemeinden wird der Pfingstgottesdienst unter freiem Himmel gefeiert.


2. Wahl der Übersetzung

Ich entscheide mich für die »Bibel in gerechter Sprache«.


3. Fokus

Es geht um das Thema »Begeisterung« und »Unterscheidung der Geister«.


4. Verlinkung Biblischer Text – Alltag

Wann und worüber bin ich begeistert? Was und wer inspiriert mich? Was ist für mich Ausdruck höchster Lebenserfüllung und sinnerfüllten Lebens – wie bin/lebe ich dann? Gibt es für mich »gute« und »negative« geistige Mächte?


5. Praxis

Bei der Unterscheidung der Geister geht es nicht um die Differenzierung von Gut und Böse. Dafür gibt es die Gesetze. Es geht um die Unterscheidung zwischen Gut und Besser. Wenn wir ständig das Bessere wollen, führt dies zu einer Überforderung, die uns letztlich von Gott trennt. Ausgebrannt, ausgelaugt, enttäuscht und verbittert klagen wir Gott, dass wir ein anderes Leben haben möchten. Wir setzen uns selber unter Druck (ein Beispiel dafür sind die heutigen Schüler*innen!) und übersehen, dass das Unspektakuläre und Einfache das ist, was uns gut tut und Raum gibt für den Geist Gottes.

Z.B. »Gaming« (nicht nur von Jugendlichen genutzt, sondern auch von den Eltern/Erwachsenen): Du startest in Level 1 und bleibst so lange darin, bis du es geschafft hast. Dann bist Du in Level 2 usw. bis Level 10. Jeder will in Level 10. Warum? Weil wir immer besser werden wollen (besser als wer?)? Weil die anderen es auch schaffen und wir keine Versager sein möchten? Weil Erfolg Freude macht? Tag und Nacht »gamen« wir, vergessen die Welt um uns herum, ernähren uns von Fastfood, verlieren den Kontakt zur Außenwelt, leiden unter Schlafmangel, denken und sprechen nur noch in dem Spiel und davon, wie wir den nächsten Level erreichen.

Was wäre, wenn wir in Level 1 blieben? Im »Game«, in Beruf oder Ausbildung, in der Beziehung, in der Wohnsituation, im Glauben? Wir machten tagein tagaus dasselbe, zur selben Uhrzeit, wären zufrieden mit dem, was wir tun und hätten, wären glücklich über kleine Erfolge, Erkenntnisse und Begegnungen im Alltag. Und indem wir so auf Level 1 vor uns hin »gamen«, jede Szene und Handgriff in- und auswendig ausführen, qualifizierten wir uns ganz unmerklich für Level 2 und höher. So ganz von alleine, ganz natürlich, gelassen – ohne Anstrengung, Unruhe oder Hast. In solch einem Leben ist Platz für den Geist Gottes und den Glauben. In solch einem Leben fragen wir nicht nach dem Sinn – er ist schon da.

Der Geist der Verwirrung ist der Geist, der uns immer weiter treibt, weg vom Alltag, hin zu einem neuen Level, in eine bessere Ausbildung, ein besseres Haus, ein höheres Einkommen und Ansehen … Hauptsache kein Alltag. Gehören wir zu den Glücklichen, denen dieser hohe Level zufällt, weil sie ihn erben, dann ist das gut. Doch wenn wir beginnen, dem hinterher zu hasten, sind wir Getriebene. Das hat Verwirrung zur Folge.

Welcher Geist vorherrscht – der Geist Gottes oder sein Gegenspieler, der Geist der Verwirrung – das gilt es herauszufinden.


6. Gebet

»Heute am Pfingsttag bitte ich den Heiligen Geist um den rechten Glauben allermeist. Dass er uns behüte an unserm Anfang, Mitte und Ende. Ich bitte den heiligen Schöpfergeist, dass er mir hilft, mich wieder zu besinnen auf das Wesentliche in meinem Leben, und dass er mir dabei hilft, begeistert und dankbar über mein Leben zu sein und es liebevoll für mich und andere zu gestalten. Amen.«


7. Lieder

»O komm, du Geist der Wahrheit und kehre bei uns ein« (Spitta) (EG 136), alle Strophen, aufgeteilt zum Beginn und Ende des Gottesdienstes.

Chor: »Nun bitten wir den Heiligen Geist« (M. Luther, 1524) (EG 124).


Monica Hirsch Reinshagen

 

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft: 4/2018

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