25. November 2018, Philipper 1,21-26
Gedenktag der Entschlafenen

Von: Gerhard Maier
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Elliptisch leben

I

Paulus formuliert in V. 21 sein Leben und Tod beinhaltendes Motto in acht griechischen und neun deutschen Worten: »Christus ist mein Leben, und Sterben ist mein Gewinn.« (vgl. Röm. 14,7f) Wenn man das »und« streicht, sind es im griechischen und im deutschen sogar genau gleich viele Worte. Dabei steht Christus als erstes Wort wohl bewusst vornean. Jetzt glaubt er an IHN und Paulus’ Hoffnung ist es, nach seinem Tod »bei Christus zu sein« (V. 23). Will heißen: Christus ist sein Ein und Alles. Anthropologisch gewendet bedeutet dies, dass er einerseits ganz in der Gegenwart seiner Tätigkeit lebt (V. 22.25f). Andererseits hat Paulus große »Lust, aus der Welt zu scheiden« (V. 23). Er sieht sein gegenwärtiges und zukünftiges Leben wie eine Ellipse mit zwei Brennpunkten: »im Fleische« (V. 22.24) will er jetzt Frucht schaffen und deshalb bei den Philippern sein (V. 26). Währenddessen verspürt er permanent »Lust, aus der Welt zu scheiden und bei Christus zu sein, was auch viel besser wäre« (V. 23).


II

In solch einem Leben sieht Paulus auch die Philipper (1,30). Selbstkritisch müssen wir uns als Prediger*innen zuerst fragen, wie wir auf dieser paulinischen Folie uns selbst und unser (dienstliches und privates) Leben verstehen. Die Predigtaufgabe besteht dann darin, das paulinische Lebenskonzept den Predigthörer*innen für ihr eigenes Leben verständlich und attraktiv zu machen. Und dies im Blick auf Sterben und Tod! Die Macht des Negativen, letztlich des Todes wird allenthalben erfahren. Mit Johann Franck gelingt es vielleicht, zu glauben und zu singen: »Gottes Macht hält mich in acht, Erd und Abgrund muß verstummen, ob sie noch so brummen.« (EG 396,3)


III

Als Predigteinstieg könnte ich mir den Tagesspruch (Ps. 90,12) und folgende Sätze vorstellen: Jeder Mensch will in und mit seinem Leben etwas erreichen: zuerst ein möglichst gutes Abitur, dann einen Studienabschluss, berufliche Erfolge, in der Regel auch Frau/Mann und Familie u.v.a.m. Das alles gepaart mit jeweils aktuellen, neuen Sinnsuchen und Sinninhalten, vielleicht mit dem Generalziel, ganz einfach glücklich zu werden/sein (einige beispielhafte Aussagen: https://www.gutefrage.net/frage/was-ist-euer-lebensmotiv#comment-187330230). Und das alles bis zum letzten Herzschlag! War’s das dann?

Die Hauptteile der Predigt könnten aus der mit einem Predigtpreis ausgezeichneten adaptierten Predigt von Johannes Bartels zu drei Stationen »An der Schwelle des Todes« (http://predigtpreis.de/predigtdatenbank/predigt/article/predigt-ueber-philipper-121-26-1.html) bestehen.

Oder man gestaltet unter der Mitarbeit von Mitleser*innen des im Mai dieses Jahres erschienenen Buches »Gebrauchsanweisung für das Jenseits« des arrivierten, deutschlandweit bekannten bayerischen Kabarettisten, Schauspielers und Autors Bruno Jonas einen Literatur-Gottesdienst.

Oder man predigt mit Lothar Zenettis Lied »Das Weizenkorn muß sterben« (EG 585, württ. Regionalteil«).


Gerhard Maier

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft: 10/2018

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