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Deutscher Pfarrerinnen- und Pfarrertag 2020


Der nächste Deutsche Pfarrerinnen- und Pfarrertag vom 28.9. bis 30.9.2020 findet in Leipzig statt!

Thema: „Religion und Gewalt“
Deutscher Pfarrerinnen- und Pfarrertag 2018 in Augsburg

Prof. Dr. Heribert Prantl (Foto: Christian Schauderna) Bildunterschrift: Prof. Dr. Heribert Prantl (Foto: Christian Schauderna)
Augsburg (cf/epd). Pfarrerinnen und Pfarrer aus ganz Deutschland trafen sich von Montag, 17., bis Mittwoch, 19. September in Augsburg zum Deutschen Pfarrerinnen- und Pfarrertag. Tagungsort war der „Kongress am Park“. Das Thema „Religion und Gewalt“ schien vielen erschreckend aktuell.

In einer Zeit, in der die Religionen in vielen Gegenden der Welt feindlich aufeinandertreffen, in der sie missbraucht werden für Ziele wie Macht und wirtschaftlichen Vorteil, in der das Miteinander der Religionen in Deutschland und Europa populistisch aufgeheizt und vergiftet wird, in solcher Zeit bedarf es einer kritischen und zugleich konstruktiven Auseinandersetzung mit der eigenen Religion und deren Gewaltpotential ebenso wie mit den Religionsgemeinschaften, in deren Nachbarschaft die christlichen Kirchen leben, sagte der Verbandsvorsitzende, Pastor Andreas Kahnt. Zum Hauptvortrag begrüßte er Professor Dr. Heribert Prantl, Mitglied der Chefredaktion der Süddeutschen Zeitung.

Journalist Prantl warnt Kirchen vor politischer Vereinnahmung

Heribert Prantl rief in Augsburg die Kirchen dazu auf, sich gegen zunehmende politische Vereinnahmung zu wehren. Während in der Gesellschaft die "ausgeübte Religiösität" zurückgehe, nehme zugleich die "Politisierung von Religion" zu, sagte Prantl am Dienstag.

Prantl, der Mitglied der Chefredaktion der "Süddeutschen Zeitung" (SZ) ist, nannte als Beispiel die von der bayerischen Staatsregierung im Juni 2018 eingeführte Regelung, im Eingangsbereich aller Behörden Kreuze aufzuhängen. "Dies ist keine Respektsbezeugung, das ist ein Missbrauch", so Prantl: "Das ist die politische Instrumentalisierung einer religiösen Kernbotschaft."

Das Kreuz sei "nicht Folklore, es ist kein religiöses Hirschgeweih", erläuterte der Journalist. Es sei das "Symbol für Erlösung, Sinnbild des Leidens und der Herrschaft Christi." Die CSU habe daraus eine "Mia san mia"-Botschaft gemacht. "Das ist nicht christlich, das ist Ketzerei - weil es das Kreuz verstaatlicht und säkularisiert." Prantl forderte die Kirchen auf, "sich gegen die blasphemische Vereindeutigung des Kreuzes zu wehren".

Der SZ-Journalist sprach in Augsburg vor über 400 evangelischen Pfarrerinnen und Pfarrern, die sich bei ihrem dreitägigen Kongress mit dem Thema "Religion und Gewalt" auseinandersetzten. Prantl ermutigte die Kirchen dabei auch, sich "nicht einschüchtern zu lassen in Sachen Kirchenasyl - auch wenn es welche gibt, die schimpfen, den Flüchtlingen würde alles nachgeschmissen".

Er mahnte aber zugleich dazu, andere Benachteiligte in der Gesellschaft nicht aus den Augen zu verlieren. Die Kirche habe Gesten und Rituale, die Menschen groß machen: "Lassen sie diese Worte und Gesten die Menschen spüren." Kirchen müssten der Ort sein, "an dem der Himmel offen ist", erklärte Prantl: "Nicht nur für die, die sich in der angeblich richtigen und wahren Kirche wähnen, sondern für alle, die an Gott glauben."

Exkursionen am Nachmittag und viele Begegnungen

Diese Anregungen aus dem Hauptvortrag wurden am Nachmittag durch Exkursionen vertieft. Unter der Überschrift „Was dem Frieden dient“ besuchten die Teilnehmenden Gemeinden verschiedener Religionen und Konfessionen, Betriebe und Ausbildungsstätten mit Mitarbeitenden unterschiedlicher kultureller, religiöser und ethnischer Herkunft, soziale Brennpunkte und diakonische Einrichtungen. Themen wie Mission, Wahrheit und Toleranz, aber auch Asyl, Gewalt und Schutz vor Gewalt spielten in den Begegnungen eine wichtige Rolle.

Neben der Auseinandersetzung mit dem Thema „Religion und Gewalt“ gab es in Augsburg auch viel Gelegenheit zum Austausch untereinander. Beim festlichen Abend des Verbandes wurde unter anderen der langjährige Verbandsschatzmeister Reinhard Sutter verabschiedet und zahlreiche Gäste aus Kirche und Politik sowie aus befreundeten Pfarrvereinen europäischer Nachbarländer begrüßt. Beim Bayerischen Abend des Pfarrvereins am Dienstagabend freuten sich die vielen Gäste über den Auftritt des Sängers und Gitarristen Wolfgang Buck.

Festlicher Gottesdienst und großes Besichtigungsprogramm

Der Deutsche Pfarrerinnen- und Pfarrertag begann am Montag mit einem festlichen Gottesdienst in der St. Anna-Kirche. Landesbischof und EKD-Ratsvorsitzender Professor Dr. Heinrich Bedford-Strohm predigte und Popkantor Hans-Georg Stapff zeichnete für die Kirchenmusik verantwortlich.

Nach dem Gottesdienst waren alle Teilnehmenden von Oberbürgermeister Dr. Kurt Gribl zu einem Empfang in den Goldenen Saal des Rathauses eingeladen worden. Am Mittwoch klangen die Tage in Augsburg aus mit einer Andacht in der St. Ulrich-Kirche und mit einem großen Besichtigungsprogramm, das allen diese für die Reformationsgeschichte, für Handel und Wandel seit den Zeiten der Fugger, für moderne Industrie und Gewerbe, für bedeutende Bauten und nicht zuletzt für die Augsburger Puppenkiste berühmte Stadt näher brachte.

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Programm "Religion und Gewalt".

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Fotos vom 75. Deutschen Pfarrerinnen- und Pfarrertag finden Sie hier.

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