Mitgliederversammlung in Bad Salzuflen
Klaus Weber: Kirche vor großen Herausforderungen

Pfarrer Klaus Weber vor der Mitgliederversammlung in Bad Salzuflen <BR>(Foto: Fischer) Bildunterschrift: Pfarrer Klaus Weber vor der Mitgliederversammlung in Bad Salzuflen
(Foto: Fischer)

Bad Salzuflen, 26.9.05 (cf). In seinem Vorstandsbericht vor der Mitgliederversammlung des Verbandes evangeli­scher Pfarrerinnen und Pfarrer in Deutschland e.V. stellte der Vorsitzende des Ver­bandes, Pfarrer Klaus Weber (Altenkunstadt), die Frage nach der Zukunftsfähigkeit der Kirche und die aktuellen Probleme der Pfarrerinnen und Pfarrer in den Vordergrund.

Die Kirche stehe heute vor der großen Herausforderung, einer wachsenden Zahl von Menschen Orientierung zu geben, die ganz bewusst auf der Suche nach einem Sinn und einem Halt im Leben seien, so Weber. Da die Kirche in vielen Fällen bei dieser Sinnsuche nur noch eine untergeordnete oder auch gar keine Rolle mehr spiele, gelte es sich diesen Menschen verstärkt zuzuwenden. Weber kritisierte in diesem Zusammenhang die „drastischen finanziellen Einschnitte" in den kirchlichen Haushalten und den Abbau des hauptamtlichen Personals. Diese Kürzungen würden viel zu oft im „Gießkannenprinzip" umgesetzt, Schwerpunktsetzungen und inhaltliche Überlegungen spielten bei den Debatten in Synoden und Kirchenleitungen eine untergeordnete Rolle. Leitgedanke der Kirchenleitungen sei: Wenn wir unsere Finanzen in Ordnung bringen, sind wir zukunftsfähig!

Weber: "Wir müssen wieder wachsen wollen"

Demgegenüber plädierte der Vorsitzende für eine „ausreichende Anzahl von gut ausgebildeten und motivierten Pfarrerinnen und Pfarrern und theologisch-pädagogischen Mitarbeitenden". Nicht der Abbau dürfe erste und wichtigste Strategie sein, sondern „dass wir als Kirche wieder wachsen wollen!". Für diesen Kurs sei es notwendig, mit Kreativität und Nachhaltigkeit neue Kontakte zu Ausgetretenen zu suchen und zu den Menschen, die mit der Kirche bisher keinen Kontakt hatten, sagte Weber vor den 100 Delegierten aus 22 Einzelvereinen. Außerdem solle die EKD mit den Verantwortlichen in der Politik neu ins Gespräch darüber kommen, wie die Zukunft der Kirchensteuer aussehen könnte – angesichts einer immer stärkeren Verlagerung von den direkten auf die indirekten Steuern.

Pfarrberuf profilieren / Leitbild und Zufriedenheitsbefragungen

Weber unterstrich, dass der Verband mit der Erarbeitung seines Leitbildes „Pfarrerinnen und Pfarrer in der Gemeinde" den Pfarrberuf nach Außen profilieren, Pfarrerinnen und Pfarrer im Amt bestärken und zudem Nachwuchs werben wolle. Dies sei umso notwendiger, als dem Pfarrberuf heute in den kirchlichen Gremien zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt würde, betonte der Vorsitzende. Mehrere Zufriedenheitsbefragungen unter Pfarrerinnen und Pfarrern hätten ergeben, dass die zunehmende Arbeitsverdichtung, der aktuelle Kürzungsdruck und der Erwartungsdruck durch die Gemeinde zu den größten Stressfaktoren zählten. Sollte dieser Druck noch zunehmen, werde sich das Gefühl des „Ausgebranntseins", das viele Pfarrerinnen und Pfarrer erfasst habe, noch verstärken.

Wohnen im Pfarrhaus - Neues Nachdenken gefordert

Zur Diskussion um die Frage, ob die traditionelle Form des Pfarrhauses noch in allen Fällen gebraucht werde und ob Pfarrerinnen und Pfarrer nach wie vor zum Wohnen im Pfarrhaus verpflichtet werden sollten, forderte Weber zu einem neuen Nachdenken auf. Die Kosten des Wohnens im Pfarrhaus seien vielen nicht mehr einsichtig. Steuern und hohe Energiekosten belasteten stark. Zudem bestimme die traditionelle Pfarrfamilie nicht mehr allein das Bild: „Im Pfarrhaus wohnen jetzt auch die Pfarrerin mit ihrem berufstätigen Ehemann, mit Kinder und ohne Kinder, der allein stehende Pfarrer oder die allein stehende Pfarrerin", sagte Weber.

Durch eine bessere Nutzung der modernen Kommunikationsmittel könne häufig die Erreichbarkeit sichergestellt werden und die Präsenz von Kirche, die früher schon mit dem bewohnten Pfarrhaus sicher gestellt wurde, müsse heute auf unterschiedliche Weise gelöst werden und nicht nur durch die ausnahmslose Dienstwohnungspflicht für Pfarrerinnen und Pfarrer, betonte der Vorsitzende. Vielmehr sollten die örtlichen Gegebenheiten, die Notwendigkeiten in der Gemeinde und die persönlichen Erfordernisse der Pfarrerinnen und Pfarrer in Zukunft eine größere Rolle spielen als das Bestehen auf gesetzliche Regelungen. Weber forderte die Kirchenleitungen zu mehr Offenheit bei der Frage des Wohnens im Pfarrhaus auf.

Dort, wo das Wohnen im Pfarrhaus gewünscht und erwartet wird, sollten die Kosten in einem vertretbaren Verhältnis zum Einkommen und zur erbrachten Leistung stehen. Die einzelnen Kirchenleitungen seien gefordert, die steuerlichen Belastungen des Pfarrhauses durch intensive Verhandlungen mit der Finanzverwaltung zu mindern.

Gegen Musterdienstordnungen und Amtszeitbegrenzung

Besorgt zeigte sich Weber angesichts einer stärkeren Reglementierung der Pfarrerinnen und Pfarrer, die sich in verschiedenen Landeskirchen abzeichne. So wende sich der Verband gegen den Abschluss von „Musterdienstordnungen", die z.B. in der evangelischen Kirche von Berlin – Brandenburg eine Arbeitszeit von 54 Wochenstunden genau festschreiben. Auch eine Amtszeitbegrenzung von 10 Jahren für den Verbleib auf Pfarrstellen (u. a. in Berlin-Brandenburg beschlossen) lehne der Verband ab. „Damit geraten Pfarrerinnen und Pfarrer in eine Abhängigkeit vom Wohlwollen des Gemeindekirchenrates, die dem ihnen übertragenen Auftrag nicht gerecht wird", unterstrich Weber vor der Mitgliederversammlung.

Weber wandte sich auch gegen Verschärfungen der Regelungen zur „Nichtgedeihlichkeit" im Pfarrergesetz des Vereinigten Evangelischen Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD). Die Neuregelungen nähmen die Vorgesetzten und die Verantwortlichen in den Gemeinden bei der Suche nach Wegen aus Problemen zu wenig in die Pflicht und meinten, mit der Versetzung eines Pfarrers oder einer Pfarrerin die Konflikte lösen zu können. Wenn ein solches „Nichtgedeihlichkeitsverfahren" nicht letztlich als Strafverfahren verstanden werden soll, dürften die Pfarrer auch nicht – wie vorgesehen – in den Wartestand versetzt werden, sondern müssten eine neue Aufgabe erhalten, unterstrich Weber.

Pfarrertag 2006

Weber lud die Delegierten zum nächsten Deutschen Pfarrerinnen und Pfarrertag ein, den der Verband für 2006 vorbereitet. Das Motto „Ich weiß woran ich glaube – Halt und Perspektive in der Krise" verweise zum einen auf die Fragen „Was hält und trägt uns in unserem Beruf?" und „Wie steht es um unseren Glauben?", andererseits solle von der Tagung eine Stärkung des Glaubens für den alltäglichen Dienst ausgehen, erläuterte der Vorsitzende.

(Christian Fischer, Pressereferent)

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Hier können Sie den Vorstandsbericht von Pfarrer Klaus Weber im Original nachlesen

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